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Mindfulness und eine neue Bewusstseins-Kultur in Alltag und Business

© Dr. Nadja Rosmann 2022

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Anthroposophische Unternehmen als Vorbilder

"Die Anthroposophen tanzen gern, glauben an den guten Geist. Und können auch Wirtschaft", titelte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung mit einer Mischung aus Ironie und Verblüffung. Auf einer ganzen Seite geht die FAS in gleich drei Artikeln (!) den Erfolgsrezepten anthroposophischer Unternehmen nach. Auch wenn die Artikel diese Perspektive nicht explizit machen, so lassen sich die Bezugspunkte, die die Anthroposophie im wirtschaftlichen Kontext so wichtig und wirksam machen, doch recht klar herausdestillieren. An den Beispielen der Drogeriekette dm, des Kosmetikherstellers Dr. Hauschka, der GLS-Bank, des Autozulieferers Mahle, der Software AG (ja, auch die wurde von einem Anthroposophen gegründet), der Biosupermärkte Alnatura, des Heilmittelherstellers Weleda, der Walldorfschulen und Demeter-Bauern wird deutlich, dass anthroposophische Firmen integral positioniert sind. Anthroposophische Unternehmer stehen als Individuen für eine geistige Haltung, die sich dem Gemeinwohl und der persönlichen Entfaltung von Individuen verbunden fühlen, etablieren um diese persönlichen Werte ihre Unternehmenskulturen und scharen so Mitarbeiter um sich, die ebenfalls mit ihrer Arbeit etwas Höherem als nur dem Profit dienen wollen, handeln im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext aus dem Gefühl einer wechselseitigen Verbundenheit und schaffen neue Strukturen innerhalb ihrer Unternehmen, aber auch in der Gesellschaft, um für diese Werte eine adäquate Ausdrucksform auf der Systemebene zu finden. Wer mit der integralen Theorie Ken Wilbers vertraut ist, erkennt schnell die Quadranten wieder. Und gerade diese umfassende Perspektive ist es auch, die diese Unternehmen einerseits wirtschaftlich erfolgreich im Sinne eines konventionellen Renditeverständnisses sein lässt, sie aber darüber hinaus auch die gesellschaftlich-wirtschaftliche Entwicklung vorantreiben lässt. Wie innovativ die Firmen sind, zeigt sich beispielsweise daran, dass viele von ihnen Besitzstrukturen etabliert haben, die den Unternehmen eine gewisse Autarkie gegenüber den weltweiten Finanzmärkten ermöglicht haben - einerseits, weil viele von ihnen auf der Basis von Eigenkapital ihr Wachstum finanzieren, andererseits, weil sie unabhängige Strukturen geschaffen haben, innerhalb derer die Unternehmen nicht in persönlichem Privatbesitz sind und damit die Chance haben, sich nach ihren eigenen, inneren Gesetzen zu entwickeln. Für Außenstehende mag es verwunderlich sein, dass gerade Anthroposophen in der Wirtschaft so gut positioniert sind und innovative Vorreiter darstellen, verbindet man mit spiritueller Orientierung, die in vielen der anthroposophischen Geschäftsmodelle deutlich zutage tritt, doch landläufig eher ein nach innen gewandt Sein. Dabei ist nur wenige bekannt, dass Rudolf Steiner, der Gründer der Anthroposophie, nicht nur auf spirituellem Gebiet bereits vor hundert Jahren seiner Zeit voraus war, sondern sich mit seinen Impulsen immer auch explizit an Wirtschaft und Gesellschaft gewandt hat und damit sowohl theoretische als auch praktische Grundlagen für ein anderes Wirtschaften geschaffen hat. Impulse, die in der heutigen Zeit wichtige Anregungen für ein grundsätzliches Umdenken liefern könnten.Tinkturen, Turbinen und jede Menge Gemüse, FAS 21.2.2010
Anthroposophen AG, FAS 21.2.2010

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Buch-Tipps
Meine beiden Bücher, die ich mit Paul J. Kohtes geschrieben habe.

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