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Mindfulness und eine neue Bewusstseins-Kultur in Alltag und Business

© Dr. Nadja Rosmann 2022

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Generation Ich

Selbstherrlichtkeit und Selbstüberschätzung sind immer wieder ein Thema, wenn die Schwächen von Führungskräften in Studien thematisiert werden. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Victoria Berg hat nun in einer Untersuchung mit 10.000 Personen, darunter 2.500 Führungskräfte, festgestellt, dass die Selbstbezogenheit insbesondere in der jüngeren Altersgruppe immer mehr zu einem Breitenphänomen zu werden scheint. Berg spricht von "sublinischem Narzissmus", also einer Form der Selbstüberhöhung, die zwar noch keinen Krankheitswert hat, aber dennoch schädliche Auswirkungen hat. "Zunächst waren wir überrascht, dass gerade junge Männer und auch Frauen um die 30 Jahre die höchsten narzisstischen Werte haben. Die Ausprägung nimmt mit fortschreitendem Alter ab. Unterscheidet man aber die Unternehmensebenen, stellt man fest, dass mit steigendem Hierarchielevel auch der Narzissmus zunimmt – und hier sind dann doch vor allem Männer auffällig", erklärt sie in einem Interview mit der FAZ. Das Dilemma: Insbesondere um eine Führungsposition zu erreichen, kann narzisstisches Verhalten begünstigend wirken, doch in der Führung selbst wird es leicht dysfunktional. Wo Führungskräfte weniger auf den Zusammenhalt im größeren Ganzen ausgerichtet sind, auch, weil sie sich selbst zu wichtig nehmen, leidet die Organisationskultur. Berg fordert vor diesem Hintergrund, dass Firmen und Organisationen überdenken sollten, welche kulturellen Anreize sie setzen: "Gerade weil eine Generation von Narzissten heranwächst, sollten Unternehmen dringend definieren, für welche Art der Führung sie stehen wollen. Viele stellen sich eine erfolgreiche Unternehmenspersönlichkeit immer noch als männlich-dominante Alphaperson vor, laut, stark, risikobereit und bestimmend. Das gilt es dringend zu hinterfragen. Aber in vielen Unternehmen werden statt Empathie und Engagement individueller Wettbewerb und Machtstreben belohnt, was Narzissten den Weg nach oben ebnet und dieses Verhalten sogar belohnt." Letzteres könne leicht zu "toxischen" Zuständen führen. "Weil Narzissten in einer ständigen Ambivalenz der Extreme zwischen Größenwahn und hochgradigem Minderwertigkeitsgefühl leben und ihr überhöhtes Selbstbild um jeden Preis erhalten wollen, entscheiden sie im Zweifel zu ihren Gunsten und nicht zugunsten des Unternehmens oder Teams", erklärt Berg.
„Es wächst eine Generation von Narzissten heran“, FAZ 29.1.2022

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Buch-Tipps
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