Familiäre Verpflichtungen haben im Manager-Leben wenig Raum 
Mittwoch, 29. Juni 2016 - Studien
Der typische Chef ist männlich, 48 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Kinder und mag seinen Job - so die Erkenntnis einer Befragung von 1.800 Führungskräften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz durch die US-Personalberatung Odgers Berndtson. Welche Aussagekraft eine solche Zusammenfassung haben soll, erschließt sich allerdings nicht. Im Schnitt arbeiten die Manager 54 Wochenstunden. Mit der Vereinbarkeit von Arbeit und Familie ist es für die Führungskräfte nicht weit her. Nur 17 Prozent sagen, in ihrem Unternehmen werde es akzeptiert, Meetings aufgrund familiärer Verpflichtungen pünktlich zu verlassen. Und nur 15 Prozent sehen die Möglichkeit, aus familiären Gründen geschäftliche Termine zu verschieben. Vielleicht liegt das auch daran, dass mehr als 40 Prozent sich innerhalb eines Jahres den nächsten Karriereschritt erhoffen - wer fragt da schon, ob er mal eben die Kids aus dem Kindergarten abholen darf? Als attraktiver Arbeitgeber gilt für die meisten Manager der Mittelstand - 67 Prozent wären dort gerne Vorstand oder Geschäftsführer.
Typisch deutsche Chefs, WiWo 20.6.16

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Negative Haltung kann gefährlich sein 
Dienstag, 28. Juni 2016 - Studien
Unsere Weltwahrnehmung prägt unser Verhalten und dies nicht immer zum Besten. Eine Untersuchung von Wissenschaftlern aus Peking zeigt: Menschen, die zu negativen Reaktionen neigen, sind auch schlechtere Autofahrer. Für die Studie wurden 23 sichere Autofahrer und 15, die einige Verkehrsdelikte auf dem Konto hatten, nach ihren Fahrgewohnten befragt. Anschließend zeigte man ihnen neutrale und negative Fotos und testete ihre Reaktionen. Die als Verkehrssünder aufgefallenen Fahrer reagierten dabei deutlich heftiger als die sicheren. "Personen mit einer negativ verzerrten Wahrnehmung interpretieren die Situation als schlimmer oder gefährlicher als sie tatsächlich ist – und reagieren unangemessen heftig", erklärt Jing Chai den Zusammenhang zwischen den emotionalen Reaktion der Probanden und ihrem Fahrverhalten.
Vorsicht, gefährliche Autofahrer! Psychologie heute 16.6.16

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Führungskräfte sind auf dem Sprung 
Montag, 27. Juni 2016 - Studien
Treue zum eigenen Unternehmen? Bei vielen Führungskräften ist sie nicht sonderlich ausgeprägt, denn Karrieresprünge locken oft nur bei einem Wechsel des Arbeitgebers. Die Personalberatung Odgers Berndtson befragte 1.757 Führungskräfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu ihrer Wechselbereitschaft. 40 Prozent halten einen Wechsel innerhalb des kommenden Jahres für wahrscheinlich. Lediglich knapp ein Viertel plant dies explizit in absehbarer Zeit nicht. 77 Prozent aller Befragten sind zufrieden mit ihrem Job - der Wechsel dient also vor allem der Karriere.
Wie viele Manager mit einem Stellenwechsel liebäugeln, FAZ 14.6.16

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Ungleichheit macht unzufrieden 
Freitag, 24. Juni 2016 - Studien
Wissenschaftler des University College London testeten in einem Spielsetting mit 47 Probanden, welchen Einfluss Ungleichheit auf die Zufriedenheit hat. In verschiedenen Spielszenarien konnten die Teilnehmer anderen Geld schenken und selbst welches gewinnen. Am Ende der verschiedenen Runden wurde immer bekannt gegeben, wer in einer Gruppe welche Gewinne machte. Dabei zeigte sich: Die Ungleicheit machte grundsätzlich unzufriedener als wenn die Verhältnisse ausgewogen waren. Interessant ist dabei vor allem der Blick auf die Details. Menschen, die sehr freigebig in der Schenkphase waren, konnten ihre Gewinne nicht so stark genießen, weil sie gegenüber den weniger Erfolgreichen Schuldgefühle entwickelten. Sie waren auch weniger neidisch auf höhere Gewinne anderer. Diejenigen, die wenig verschenkten, neideten anderen höhere Gewinne, hatten selbst aber kaum ein schlechtes Gewissen, wenn die Sache für sie besonders gut lief.
Wie andere unser Glück beeinflussen, spektrum.de 15.6.16

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"Erschöpfungsstolz" - Selbstwirksamkeitsbeweis der Vielarbeiter 
Donnerstag, 23. Juni 2016 - Arbeit
In einem Interview mit der Wirtschaftswoche beschreibt der Psychologe Stephan Grünewald das Phänomen, wie Stress für immer mehr Menschen zu einer Art "Erschöpfungsstolz" führt und so eine unheilvolle Spirale der Verausgabung sich immer weiter selbst anfeuert. "Die beste Art, bestehende Zukunftsängste auszublenden, ist, sich in einen Zustand besinnungsloser Betriebsamkeit zu stürzen. Wir dynamisieren im übertragenen Sinn das Hamsterrad, in dem wir uns täglich befinden, damit wir uns mit möglichen Krisen nicht auseinandersetzen müssen", so Grünewald. Das permanente Beschäftigtsein wird so unbewusst zu einem kulturellen Raum, der die Wahrnehmung verändert: "Ich beobachte seit einigen Jahren einen Paradigmenwechsel vom Werkstolz hin zum Erschöpfungsstolz. Das heißt, früher waren wir stolz auf ein Werk, das wir erstellt haben und waren noch in der Lage, am Ende des Tages im übertragenen Sinn einen Schritt zurückzutreten, und das Geschaffene zu bewundern. Heute kommt es darauf an, wie erschöpft man ist." In einem solchen Kontext ist Stressmanagement oder gar Stressvermeidung dann vielleicht gar nicht mehr erstrebenswert, weil die Erschöpfung schon beinahe zu etwas wie einer Belohnung wird, könnte man meinen. Ein wunder Punkt: Das übermäßige Tun wird zu einer Selbstverständlichkeit, die auf gewisse Weise völlig inhaltsleer und sinnlos ist. "Leistungsdruck ist in Ordnung, solange wir das Gefühl haben, in einem sinnvollen Prozess zu sein. In dem Moment, in dem man das Gefühl hat, denn Sinn des Handels komplett zu verlieren und nur noch getrieben zu werden, wird es ungesund", erklärt Grünewald. Die gegenwärtige Arbeitskultur scheint sich rasant in diese Richtung zu bewegen ...
"Früher waren wir stolz auf unser Werk, heute auf unsere Erschöpfung", WiWo 14.6.16

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Entspannung und Happiness auf Knopfdruck 
Mittwoch, 22. Juni 2016 - Wissenschaft
Wer keine Lust hat, lange zu meditieren, kann inzwischen auch mit technischer Unterstützung abtauchen in die Entspannung. Mit "Thync" ist ein neues Gadget auf dem Markt, mit dem man, gesteuert von einer App, das Gehirn stimulieren kann. Ein Strip, der im Nacken angebracht wird, überträgt dabei elektrische Ströme, die im Gehirn dann Zustände der Entspannung oder Happiness erzeugen sollen. "Es passt zum On-Demand-Zeitalter, in dem alles von Film über Essen bis zu Sexpartnern verfügbar sein kann, dass jetzt selbst die Stimmung bei Bedarf feingetuned wird, auch wenn die ja eigentlich etwas exklusiv Individuelles ist. Mit 'Thync' wird nicht nur ein High, sondern auch die Utopie der Veränderung des Selbst verkauft. Eigentlich also ziemlich attraktiv", heißt es in der Welt. Als Meditierende sehe ich solche Vorstöße en wenig kritisch, weil ich weiß, dass die innere Weitung, die sich beim Meditieren über längere Zeiträume einstellt, nicht einfach ein Zustand ist, den man immer wieder aufruft. In meiner eigenen Erfahrung trägt der Akt des regelmäßigen Sitzens, das sich Konfrontieren mit inneren Widerständen und das darüber hinauswachsen nicht unwesentlich dazu bei, dass Meditation zu innerem Wachstum führen kann. Es ist vielleicht einfach die menschliche Kapazität, mit Herausforderungen umzugehen, die sich hier entwickelt. Ob man diese Kapazität auch im Hirn messen kann, weiß ich nicht, aber an ihr ist sicherlich mehr beteiligt als nur die Aktivierung bestimmter Hirnregionen. Andererseits kann ich mir auch sehr gut vorstellen, dass Tools wie "Thync" eine Art Initialzündung geben können. Wenn das Hirn auf einer Frequenz schwingt, das den Menschen sich in einem geweiteten Zustand erfahren lässt, kann diese Offenheit zum Nährboden werden für weitere Entwicklung. Die Frage ist vielleicht auch: Nutze ich so etwas einfach, um mich besser zu fühlen? Dann bleibe ich in meinem kleinen Ich und versuche eben, es zu verbessern. Die Kraft der Meditation erwächst jedoch aus einem ganz anderen Referenzpunkt, nämlich der Erfahrung, dass ich vielleicht viel mehr bin als dieses kleine, abgetrennte Ich. Und diese Erfahrung allein hat keinen Wert für sich - sie wird dann wertvoll, wenn daraus etwas erwächst.
Das digitale High, Die Welt 12.6.16

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Langzeitarbeitslosigkeit in Europa wird zur Gefahr 
Dienstag, 21. Juni 2016 - Studien
Eine Studie der Bertelsmann Stiftung wirft einen Blick auf die in besorgniserregendem Maße steigende Langzeitarbeitslosigkeit in Europa. Vor allem in den Ländern des Südens sind längst nicht mehr nur Geringqualifizierte davon betroffen, sondern zunehmend auch der gut oder sehr gut ausgebildete Nachwuchs. In Griechenland beispielsweise sind 17,7 Prozent der Erwerbsbevölkerung länger als ein Jahr arbeitslos, in Spanien 10,8 Prozent, in Kroatien 10,4 Prozent und in Ländern wie der Slowakei, Portugal, Zypern und Italien sieht es nicht viel besser aus. Die Bertelsmann Studie hebt vor allem darauf ab, dass der Ausschluss von großen Teilen der Bevölkerung aus dem Arbeitsmarkt einen Vertrauensverlust in Wirtschaft und Politik nach sich ziehen könnte. Betrachten sollte man aber auch einmal das menschliche Potential, das auf diese Weise ungenutzt bleibt. Das bringt nicht nur finanzielle Probleme und seelisches Leid mit sich, denn diese Menschen werden auch davon ausgeschlossen, die Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Entwicklungen wie diese sind eigentlich ein deutliches Zeichen dafür, dass es in Zukunft nicht mehr allein darum gehen kann, Beschäftigungschancen zu verbessern. Vielmehr müssten die Grundlagen unseres Zusammenlebens insgesamt mehr in den Blick genommen werden. Vielleicht ist die gegenwärtige Situation ja nicht etwas, was wieder "behoben" werden kann im Sinne eines Zurückkehrens zu einem Zustand vor der Krise. Vielleicht geht es eher darum, neue Modelle zu entwickeln, wie Menschen ihre Lebensräume gestalten können und dabei auch ein Auskommen haben.
Südeuropa verarmt, Karriere Spiegel 10.6.16

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Meditation als Kamikaze-Taktik im Business 
Montag, 20. Juni 2016 - Arbeit
Die Welt hat in einem hervorragenden Beitrag sehr viele Facetten des augenblicklichen Meditationstrends im Business zusammengestellt. Neben sehr vielen positiven Anwendungsbeispielen und Hinweisen, welche Möglichkeiten der inneren Entwicklung und Entfaltung mit Meditation verbunden sind, wirft der Beitrag auch einen fundiert-kritischen Blick auf mögliche Auswüchse. So wird beschrieben, wie immer mehr als "harte Hunde" in Erscheinung tretende Top-Manager Achtsamkeit nutzen, um die eigene Performance zu optimieren und damit die eigene Power in ethisch kritisierbaren Geschäftsaktivitäten zu verbessern. "Wer Meditation allein nutzen will, um die eigene Leistung zu steigern, gefährdet sich und andere", sagt dazu Matthias Weniger, Chef des Instituts für Stressmedizin am Bergmannsheil-Klinikum in Gelsenkirchen. Mir gefällt an dem Beitrag, dass er wirklich ein größeres Bild zeigt. Natürlich lässt sich Meditation auch instrumentalisieren. Aber ich denke, es tut Menschen auch gut, im Zuge einer Achtsamkeitspraxis die eigene Wachheit und Kritikfähigkeit zu schulen und so Meditationsangebote zu hinterfragen, die vielleicht zum Ziel haben könnten, einfach nur aus Mitarbeitern mehr rauszuholen. Das ist ja letztlich das Wunderbare an Achtsamkeit - sie macht für alles achtsamer, wenn man nur hinschaut.
Wie Chefs durch Meditation unerbittlich werden, Die Welt 8.6.16


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