Mehr innere Freiheit 
Donnerstag, 2. April 2020 - Bewusstsein, Psychologie, Wissenschaft
GEO Wissen hat aktuell eine Ausgabe zum Thema Yoga und Meditation herausgebracht, die in der aktuellen Situation der Anspannung und Ungewissheit sicherlich für viele wie ein Rettungsanker wirkt. Die Neurowissenschaftlerin Britta Hölzel beispielsweise erklärt in einem Interview, wie eine Achtsamkeitspraxis es erleichtert, eine bewusstere Beziehung zum eigenen Innenleben zu entwickeln: "Es ist der erste Schritt, um herauszufinden, in welcher Beziehung ich zu meinen Gedanken und Gefühlen stehe. Bin ich ihnen hilflos ausgeliefert, nehme ich alles für bare Münze? Oder kann ich ihnen zusehen, wie sie kommen und gehen? Je mehr wir uns selbst erforschen, Einsicht nehmen in die Funktionsweise und Muster unseres Denkens und Handelns, desto freier können wir unser Leben gestalten. Wir hören auf, Getriebene unserer Ängste und Sehnsüchte zu sein." Hölzel ist dabei wichtig, dass es nicht darum geht, negative Gedanken einfach auszublenden oder zu überspielen - ein Versuch, der ohnehin nur über kurze Zeiträume gelingen dürfte. "Vielmehr besteht die Kunst darin, belastende Gedanken und Gefühle zuzulassen, sich aber nicht von ihnen vereinnahmen zu lassen", so Hölzel. Natürlich stellen sich diese Effekte nicht sofort ein. Eher im Gegenteil, denn wer mit dem Meditieren beginnt, wird wahrscheinlich erst einmal in sich selbst vieles wahrnehmen, dass zuvor von der hektischen Betriebsamkeit des Alltagsmodus überlagert wurde. Aber es lohnt sich, weiterzuüben, denn mit der Zeit wächst darüber die innere Freiheit.
Wie Meditation gegen belastende Gedanken hilft, geo.de

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Das Soziale zeigt sich im Gehirn 
Mittwoch, 1. April 2020 - Bewusstsein, Studien
Die soziale Dimension unserer Lebensweise verändert das menschliche Gehirn. Und es zeigt sich, dass dies bei Männern und Frauen auf ganz unterschiedliche Weise geschieht. Frauen mit vielen sozialen Kontakten beispielsweise weisen ein deutlich höheres Volumen in der für Emotionen zuständigen Gehirnregion auf, während dies bei Männern unter ähnlichen Vorzeichen nicht der Fall ist. Bei Männern wiederum lassen sich geringe soziale Kontakte am Belohnungszentrum erkennen. Die Wissenschaftler führen diese Unterschiede auf die evolutionäre Entwicklung der Geschlechter zurück, im Zuge derer Frauen und Männer über sehr lange Zeiträume in verschiedene Rollenerwartungen und soziale Anforderungen hineingewachsen sind.
Sozialleben prägt Frauengehirne anders, wissenschaft.de 18.3.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Sich vom Schmerz nicht vereinnahmen lassen 
Dienstag, 31. März 2020 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Meditation ist nicht zuletzt deshalb so beliebt, weil sie es Menschen erlaubt, resilienter zu leben. Meditierende mögen das Gleiche erleben und spüren wie andere Menschen auch, was sie unterscheidet ist, dass sie mehr Handlungsfreiheit im Hinblick auf ihre Reaktionen empfinden. Wissenschaftliche Untersuchungen von Schmerzpatienten etwa zeigen: Auch wer meditiert, verarbeitet im Gehirn die gleichen Schmerzsignale und nimmt auf der körperlichen Ebene den gleichen Schmerz wahr wie Nichtmeditierende. Doch im Gefühlszentrum des Gehirns lässt sich bei Meditierern beobachten, dass hier deutlich weniger emotionale Reaktionen ablaufen. Es ist eine Freiheit, die vielleicht deshalb so wertvoll erscheint, weil sie nicht darauf angewiesen ist, dass äußere Umstände, die oft nicht in der eigenen Hand liegen, sich verändern.
Gesund dank Meditation, Psychologie heute 11.3.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Von Konsumieren auf Kümmern umschalten 
Montag, 30. März 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Die Corona-Krise zwingt das Leben, wie wir es kennen, in die Knie. Und manche hoffen bereits, dass die neuen Erfahrungsräume, die sich im Angesicht des Unbeherrschbaren auftun, vielleicht auch einen kulturellen Wandel nach sich ziehen. Die Philosophin Svenja Flaßpöhler etwa richtet den Blick darauf, dass jetzt, wo unsere üblichen Konsumtaktiken um erliegen kommen, vielleicht das Kümmern stärker in den Vordergrund rückt. "Jetzt merken wir, wie wichtig das Kümmern, Sorgen und Verpflegen ist. Und gleichzeitig realisieren wir eben auch, wie sehr unser ganzes System darauf angelegt ist, dass wir konsumieren und produzieren, um diese Endlosschleife am Laufen halten. Jetzt merken wir, wie fragil dieses kapitalistische System ist und dass es möglicherweise nun angezeigt ist, diese Hierarchie ganz neu zu denken", sagt sie in einem Interview mit der Deutschen Welle. Die Philosophin geht nicht so weit, gleich einen großen Umbruch zu denken, sie sieht eher an den Rändern des bestehenden Systems Chancen für Veränderungen: "Diese Krise und dieser Stillstand ist ein Denkraum, der uns geschenkt wird. Ich würde jetzt nicht so weit gehen und sagen: Wir brauchen den antikapitalistischen Kampf und die große Revolution. Aber wir können natürlich einzelne Elemente innerhalb dieses Systems neu denken, die schon seit längerer Zeit in der Diskussion sind. Und da gehören Home Office, größere Flexibilität und Familienvereinbarkeit absolut dazu." Gleichwohl ist für Flaßpöhler, und da bezieht sie sich auf den antiken Glücksbegriff, die gegenwärtige Zeit ein guter Moment, grundsätzlich tiefer zu gehen und zu hinterfragen, denn: "Nur ein moralisches Leben ist auch ein gutes Leben." Fanden zumindest die alten Philosophen.
Philosophin Flaßpöhler: "Der Stillstand schenkt uns einen Denkraum", Deutsche Welle 21.3.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Das Leben völlig neu wahrnehmen 
Dienstag, 24. März 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Viele Menschen machen in diesen Tagen die Erfahrung, dass bei all den schlimmen und herausfordernden Entwicklungen, deren Zeugen wir gerade werden und von denen wir selbst betroffen sind, die Corona-Krise auch etwas zu öffnen scheint. Sie verändert unsere Wahrnehmung des Lebens auf einer tiefgreifenden Ebene. "Aus einem massiven Kontrollverlust wird plötzlich ein regelrechter Rausch des Positiven. Nach einer Zeit der Fassungslosigkeit und Angst entsteht eine innere Kraft. Die Welt 'endet', aber in der Erfahrung, dass wir immer noch da sind, entsteht eine Art Neu-Sein im Inneren", schreibt etwa der Zukunftsforscher Matthias Horx. In einem Essay lädt er dazu ein, bewusst nach den positiven Möglichkeiten zu suchen, die in den gegenwärtigen Umbrüchen liegen - nicht im Sinne einer naiven Beschönigung, sondern aus der Offenheit, die entsteht, wenn das Gewohnte kollabiert. "Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen, von Wahr-Nehmungen und Welt-Verbindungen. Dabei ist es manchmal gerade der Bruch mit den Routinen, dem Gewohnten, der unseren Zukunfts-Sinn wieder freisetzt. Die Vorstellung und Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren", so Horx.
Die Welt nach Corona

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Kann die Corona-Krise unsere Ego-Kultur überwinden? 
Montag, 23. März 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Wir sind noch ganz am Anfang zu erfassen, was uns hier mit der Corona-Krise entgegen kommt. Und wir erleben sie aufgrund all der äußeren Einschränkungen, die wir gerade erfahren, wahrscheinlich zunächst vor allem als ein äußeres Ereignis. Doch gibt es schon erste Stimmen, die bereit sind, tiefer zu schauen. "Der Virus hält uns einen Spiegel vor. Er zwingt uns dazu, uns unseres eigenen Verhaltens und dessen Einfluss auf die Gemeinschaft bewusst zu werden. Dieser Spiegel lädt uns ein, unseren inneren Ort vom Ego zu einer Eco-Wahrnehmung zu verlagern", schreibt etwa der Transformationsexperte Otto Scharmer in einem Aufsatz zur Corona-Krise. Er beschreibt, dass unser Umgang mit Krisen, die Frage, ob wir erstarren und uns abwenden, oder uns ihr zuwenden, sowohl eine persönliche wie eine kollektive Dimension hat. Die Krise zu leugnen oder, wie in Amerika zu beobachten, egoistische Alleingänge zu propagieren, feuere eine Spirale der Selbstzerstörung an, findet Scharmer. Er stellt die - herausfordernde - Frage: "Was wäre, wenn wir den Umbruch als Chance begreifen, all das loszulassen, was in unserem Leben, unserer Arbeit und unseren institutionellen Routinen nicht notwendig ist?" Es ist spannend, sich auf diese Frage einzulassen. Denn wenn sich der erste Frust darüber, dass unser Leben gerade Kopf steht, legt, und wenn vielleicht sogar einige unserer berechtigten Ängste leiser werden, tut sich etwas auf. Man kommt wieder tiefer in Kontakt mit all dem, was wirklich wesentlich ist - und was in der alltäglichen Betriebsamkeit und der Einbindung in die Systeme as usual leicht aus der Wahrnehmung fällt. Scharmer äußert eine Hoffnung: "Vielleicht sind wir gerade zu einem globalen Moment aufgerufen, in dem alles und jeder für einen Augenblick innehält, für einen Moment der Stille, einen Moment der Verbindung zur Quelle."
Eight Emerging Lessons: From Coronavirus to Climate Action, 16.3.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Auf die Bedürfnisse statt aufs Wachstum schauen 
Freitag, 20. März 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Die ungleichen Einkommenschancen von Männern und Frauen am Arbeitsmarkt werden immer wieder zum Thema. Die Soziologin Gabriele Winker findet, dass es nicht ausreicht, nur über die unterschiedlichen Präferenzen der Geschlechter bei der Berufswahl zu diskutieren. Ihrer Erfahrung nach wird noch viel zu wenig betrachtet, dass die so genannte Care Arbeit, das Sorgen für die Familie, Haushalt oder die Betreuung von Verwandten, viel zu wenig als gesamtgesellschaftliches Thema wahrgenommen wird. Wo Care-Arbeit immer noch stärker von Frauen als von Männern wahrgenommen werde, müsse man über grundsätzliche Systemveränderungen nachdenken und vor allem über eine wirklich gemeinschaftliche Solidarität. "Nach wie vor wird die vor allem von Frauen ausgeführte unentlohnte Sorgearbeit in der Familie gesellschaftlich abgewertet und kaum unterstützt. Die Arbeitsteilung geht also mit einer Hierarchie der Geschlechter einher. Wenn wir das durchbrechen wollen, müssen wir die Trennung zwischen entlohnter und unentlohnter Arbeit aufheben. Dafür muss es uns gelingen, die entlohnte Arbeit zurückzudrängen. Zunächst bedarf es einer existenziellen Absicherung aller Menschen, beispielsweise durch das bedingungslose Grundeinkommen. Ferner muss Vollzeiterwerbsarbeit auf maximal 30 Wochenstunden begrenzt werden. Nur so bleibt Zeit für familiäre Sorge und auch Muße. Letztendlich plädiere ich für eine solidarische Gesellschaft: Eine solche Gesellschaft muss das Zusammenleben ausgehend von menschlichen Bedürfnissen gestalten, anstatt sich weiter an Wachstum und Profit auszurichten", sagt Winker in einem Interview in der Zeit. Gedankengänge wie diese sollten viel öfter öffentlich Beachtung finden, zumal die starke Fokussierung auf Erwerbsarbeit - die wachsende Zahl an Stresserkrankungen zeigt dies deutlich - beide Geschlechter immer mehr an die Grenze zur Überforderung bringt.
"Frauen wollen nicht nur Kinder gebären, damit andere sie betreuen", zeit.de 6.3.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Zwischen Pessimismus und möglicher Verbundenheit 
Mittwoch, 18. März 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Noch schwappt die Corona-Krise mehr oder weniger über uns hinweg und wir sitzen staunend im Zentrum einer Entwicklung, deren weitere Folgen für niemanden auch nur zu erahnen sind. Das Zukunftsinstitut wirft indes bereits einen Blick auf mögliche Szenarien, wie die aktuellen Erfahrungen auf unser globales Zusammenleben wirken könnten. Anhang der Skalen Optimismus/Pessimismus und lokal/global sehen die Zukunftsforscher vier Szenarien, zu denen die Corona-Erfahrung führen könnte. Die positivste Möglichkeit wäre, wenn sich Optimismus und eine globale Haltung treffen und sich ein Adaptionsprozess zur resilienten Gesellschaft gestaltet. Damit meinen die Forscher, dass die Weltwirtschaft zu einem gesunden Verhältnis von lokalem und globalem Handel findet und damit zu einem insgesamt gesünderen Wirtschaftssystem, dass wir Menschen uns als Teil einer Weltgesellschaft aufeinander beziehen und unser Gesundheitsverständnis nicht nur ganzheitlich im Hinblick auf den eigenen Körper und Geist, sondern auch auf unser Zusammenwirken mit der Umwelt wird. Gelingt diese globale Perspektive nicht, wären auch lokale Wir-Kultur-Zusammenhänge denkbar, die sich allerdings in begrenzten, überschaubaren Beziehungsräumen entfalten. Nicht auszuschließen sei aber auch, dass wir uns weltweit in einen permanenten Krisenmodus, gepaart mit Ressourcenverteidigung, hineinmanövrieren und all unsere bestehenden Systeme langfristig crashen. Schlimmstenfalls könnte das in einem Kampf aller gegen alle gipfeln. Wir sollten uns bewusst machen, dass gegenwärtig all diese beschriebenen Szenarien durchaus denkbar sind. Und dass es von uns allen abhängt, was aus dieser Krise hervorgehen kann (oder durch sie verloren geht).
Zukunftsinstitut: Der Corona-Effekt

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter