Mittelschicht wird für Jüngere schwerer erreichbar 
Freitag, 3. Mai 2019 - Lebensart, Studien
Die gefühlte Prekariatsstimmung, die in Deutschland in vielen Bevölkerungsgruppen immer wahrnehmbarer wird, auch wenn viele Fundametaldaten noch dagegenzusprechen zu scheinen, hat nun auch einen wissenschaftlichen Beleg. Eine OECD-Studie zeigt, dass es für die so genannten Millenials, also die zwischen 1983 und 2002 Geborenen, heute schwieriger wird als es für frühere Generationen war, ihren Platz in der Mittelschicht zu finden. Gründe dafür sind, dass heute zum Beispiel eine mittlere Ausbildung nicht mehr reicht, um ein mittleres Einkommen zu erzielen. Wo in der Elterngeneration der heute 40- bis 50-Jährigen häufig noch ein Einkommen ausreichte, um sich in der Mittelschicht einzurichten, ist heute eher das Doppelverdiener-Modell notwendig, ein Umstand, der auch Singles, vor allem in den Großstädten immer mehr zu schaffen macht. Denn, insbesondere in Deutschland, sind die Lebenshaltungskosten deutlich gestiegen. Hierzulande werden rund 35 Prozent des Einkommens fürs Wohnen fällig - im OECD sind es "nur" 32 Prozent, 1995 waren es allerdings noch 25 Prozent. Unter den Babyboomern (geb. 1942-1964) gehörten noch 71 Prozent der Menschen in ihren Zwanzigern der Mittelschicht an, in der Generation X (geb. 1965-1982) waren es auch noch 70 Prozent, bei den Millenials hingegen sind es nur noch 61 Prozent.
Unter 30-Jährigen gelingt immer seltener ein Aufstieg in die Mittelschicht, welt.de 10.4.19

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Geh' doch mal an die frische Luft 
Dienstag, 30. April 2019 - Lebensart, Psychologie, Studien
Mütter sagen es zu ihren Kids, wenn sie stundenlang am Computer daddeln, und Ärzte vielleicht bald, anstatt ein Rezept auszustellen: Geh' doch mal an die frische Luft! Wissenschaftliche Studien zeigen, dass schon 20-30 Minuten im Freien, bei entspanntem Gehen oder sogar Sitzen, für Körper und Geist ein wahrer Jungbrunnen sind. Eine Studie belegt: Bereits nach den ersten 20 Minuten sinkt der Cortisolspiegel enorm. Bleibt man länger draußen, gehen die Stressmarker zwar weiter zurück, aber nicht mehr so deutlich. Wenn das mal keine gute Nachricht ist für alle, die nie Zeit haben oder sich nicht allzu gerne bewegen.
Was 20 Minuten im Grünen bewirken, spiegel.de 7.4.19

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Einfach mal durchatmen 
Montag, 29. April 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Der Achtsamkeits-Boom verschafft Entspannungsmethoden Hochkonjunktur. Doch es müssen nicht immer gleich besondere Übungen sein, wenn wir mal runterkommen möchten. Ein Artikel in Gehirn & Geist stellt zum Beispiel verschiedene Studien vor, die zeigen, wie hochwirksam schlichtes, bewusstes Atmen sein kann. Es entspannt Körper und Geist, mildert Stress und kann sogar positiv auf verschiedene psychische Erkrankungen wirken. Besonders hilfreich ist ein Atemtakt, bei dem man vier Sekunden einatmet und sechs Sekunden ausatmet. Schon nach rund elf Minuten beginnt der Organismus sich umzustellen, biologische Regenerationsmechanismen setzen ein, Zellschäden werden behoben der Körper tankt neue Energie. Man könnte sagen, Nichtstun 2.0 mit positiven Nebenwirkungen ... ;-)
Die Entschleunigung des Atems, spektrum.de 5.4.19

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Um sich sicher zu fühlen, brauchen manche Millionen 
Dienstag, 2. April 2019 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Studien mögen immer wieder suggerieren, dass Geld heute an Bedeutsamkeit für Arbeitnehmer verliert und ihnen andere Werte wie Nachhaltigkeit oder Lebensqualität wichtiger werden. Eine Repräsentativbefragung der Max-Grundig-Klinik hingegen zeigt, wie wichtig gerade bei Führungskräften das Einkommen tatsächlich ist. Die Hälfte der Befragten fühlt sich unterbezahlt, bei den Frauen sogar 66 Prozent. 38 Prozent finden, dass Geld glücklich mache, "geldgetrieben" fühlen sich lediglich 18 Prozent. 46 Prozent haben Sorge, einmal weniger zu verdienen oder ihr Vermögen zu verlieren. Wirklich finanziell unabhängig zu sein, lässt sich klar beziffern - im Schnitt sind es für Führungskräfte sechs Millionen Euro, die es ihnen erlauben würden, sich finanziell frei zu fühlen. Das ist eine interessante Größenordnung und für gewöhnliche Arbeitnehmer jenseits aller Erreichbarkeit. Für mich deutet die Zahl auch darauf hin, wie unsicher die heutigen Lebensumstände empfunden werden - weil man seinen Arbeitsplatz jederzeit verlieren oder krank werden könnte, weil man sich zwar vieles, was das Sicherheitsgefühl stärkt kaufen kann (zum Beispiel ein Haus), aber auch darum weiß, dass man es wieder verlieren könnte, wenn das Geld ausgeht. Und die Erfahrung der letzten Finanzkrise, die eigentlich immer noch eine ist, aber nicht mehr so oft so genannt wird, lässt uns spüren, wie schnell sich Geld in nichts auflösen kann. Eine naheliegende Reaktion mag sein, und das zeigt die Studie, dann eben an mehr Geld zu denken, um sich sicher zu fühlen. Aber die grundlegende Unsicherheit dürfte das kaum auflösen.
Gierig sind vor allem die anderen, Manager Magazin 18.3.19

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Ehrlichkeit verbindet 
Montag, 1. April 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Manchmal fällt es uns schwer, anderen gegenüber Unangenehmes anzusprechen und für viele ist dann ein Ausweichen oder gar die Notlüge ein geschicktes Manöver. Die Wissenschaft zeigt allerdings: Ehrlichkeit kann im Gespräch das Wohlbefinden erhöhen, selbst wenn Kritisches auf den Tisch kommt. In einem Feldexperiment sowie in Gesprächssituationen im Labor baten Wissenschaftler ihre Probanden, sich entweder wie immer zu verhalten, sehr freundlich oder auf jeden Fall ehrlich. Als Ehrlichkeit definierten die Forscher dabei, in Übereinstimmung mit den eigenen Überzeugungen, Gedanken und Gefühlen zu sprechen, wobei es nicht darum ging, ob diese inneren Haltungen richtig oder falsch waren. In den Gesprächen zeigte sich Überraschendes, denn die Beteiligten empfanden die ehrlichen Dialoge als viel angenehmer, als sie erwartet hatten, und reagierten selbst auf Kritik weniger negativ als befürchtet. Im Gegenteil - die ehrlichen Unterhaltungen wurden als sehr sinnvoll empfunden und förderten das Gefühl, mit dem Gegenüber verbunden zu sein. Gerade diese Verbundenheit hat etwas sehr Schlüssiges. Denn wenn wir unangenehmen Dingen ausweichen und sie nicht ansprechen, duckt sich auch in unserer Anwesenheit etwas weg. Wir sind dann gar nicht wirklich da. Und vielleicht ist es uns ja, auch wenn wir das zunächst womöglich nicht glauben, wichtiger, wirklich in einer geteilten Präsenz zu sein, als immer nur Freundlichkeiten zu hören. (Und das ist kein April-Scherz - ganz ehrlich!)
Ganz ehrlich? Psychologie heute 13.2.19

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Gott hilft der Moral 
Freitag, 29. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Lange Zeit ging die Wissenschaft davon aus, dass Religionen, die klare moralische Konzepte entwickelten oder moralisierende Gottheiten haben, wesentlich zum Aufbau komplexer Hochkulturen beigetragen haben. Eine neue britische Studie zeigt nun, dass es sich genau umgekehrt verhält. In Gesellschaften, die immer komplexer wurden, etablierten sich mit der Zeit göttlich begründete Moralinstanzen, womöglich, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Die Wissenschaftler fanden diesen zeitlichen heraus, indem sie historische Daten für 414 Gesellschaften in 30 verschiedenen Regionen der Erde auswerteten. Die moralisierenden Religionen entwickelten sich zumeist dann, wenn in einer Kultur die Schwelle zur Megagesellschaft mit mehr als einer Million Menschen überschritten wurde. Der Glaube an strafende Götter und religiöse Moralkodizes scheinen es diesen Gesellschaften erleichtert zu haben, den inneren Zusammenhalt zu wahren. Vielleicht erklärt das ja auch, warum man in der heutigen Zeit leicht den Eindruck gewinnt, unsere Moral werde immer poröser. Wo Glaube keine Selbstverständlichkeit mehr ist und im Zuge des Individualismus jeder seine eigenen Regeln macht, driftet dieser Zusammenhalt wieder auseinander.
Brachten moralische Götter die Kulturen voran? wissenschaft.de 20.3.19

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Kultur macht froh 
Donnerstag, 28. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Kulturelle Veranstaltungen zu besuchen oder ins Museum zu gehen, ist mehr als nur ein schöner Zeitvertreib. Eine britische Langzeitstudie mit 2.148 Probanden im Alter zwischen 52 und 89 Jahren zeigt: Wer regelmäßig erbauliche kulturelle Impulse in seinem Leben hat, läuft weniger Gefahr, depressiv zu werden. Ob Theater, Kino oder Kunst - Menschen, die mindestens einmal im Monat oder auch häufiger kulturellen Aktivitäten nachgehen, zeigen ein um 50 Prozent geringeres Risiko, an einer Depression zu erkranken, im Vergleich mit jenen, die seltener als ein Mal pro Jahr dem Wahren, Schönen, Guten nachgehen. Die Gesundheit der Probanden, ihre finanzielle Situation wie auch, ob sie eher introvert oder gesellig sind, scheint dabei keinen Unterschied zu machen. Man kann also sagen, Kultur fördert die geistige Gesundheit und das Wohlbefinden.
Ihr Arzt empfiehlt: Kultur, Psychologie heute 13.3.19

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Wenn Antidepressiva zur Dauerlösung werden 
Mittwoch, 27. März 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Die Verschreibungszahlen von Antidepressiva sind im Steigeflug - in Deutschland haben sie sich in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt und auch in anderen Ländern zeigen sich ähnliche Tendenzen. Eine britische Studie richtet nun den Blick darauf, was sich hier zusammenbraut. Befragt wurden 752 Menschen, die die Medikamente nehmen. Drei Viertel gaben dabei an, dies schon seit einem Jahr zu tun. Bei 20 Prozent kommen sogar schon seit zehn Jahren nicht ohne ihre Tabletten aus. Ein Viertel der Befragten äußerte, die Medikamente nicht absetzen zu wollen. Diese Langzeiteinnahme dürfte also, was die Verschreibungszahlen insgesamt angeht, zur Kumulation über viele Jahre beitragen. Ein Wunder Punkt - vielen Menschen scheint es, selbst wenn sie wollen, nicht zu gelingen, von Antidepressiva wieder runterzukommen. 60 Prozent der Befragten hatten dies bereits erfolglos versucht. Von denen, die es geschafft haben, berichteten 30 Prozent, dass es sehr schwer gewesen sei. Eine mehr als bedenkliche Entwicklung, zumal es für Menschen, die psychisch nicht stabil sind, aber vielleicht keine Pillen schlucken möchten, anscheinend nur wenig Hilfen gibt, dennoch ihr Leben angemessen gestalten zu können. Hier geht es um mehr als individuelle Erkrankungen. Datenbefunde wie dieser zeugen von einer kranken Kultur.
Langzeitnutzung von Antidepressiva weit verbreitet, spektrum.de 25.3.19

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