Was die Pandemie uns zeigt 
Donnerstag, 1. April 2021 - Bewusstsein, Lebensart
Der Zukunftsforscher Matthias Horx zeigt in einem Artikel zum "Corona-Effekt", was wir zur Zeit aus der Pandemie lernen (selbst wenn uns das vielleicht gerade jetzt noch nicht so wirklich bewusst ist). Die gegenwärtige Erschöpfungsphase im Aushalten all der bestehenden Beschränkungen ist in seinen Augen eine für Krisen typische Phase, die sich zwar nicht wie die Zuwendung zu neuen Lösungen anfühle, aber paradoxerweise doch darauf hinführe. "Jetzt fügen sich die einzelnen Erkenntnisse und Irrtümer langsam zu einem Wirkungs-System zusammen", so Horx. Das Aufbrechen unserer "hedonistischen Tretmühle" durch die Krise zeige uns deutlich die "Abwesenheit einer plausiblen Zukunft" in unseren bisherigen Lebensstilen. Horx ist sich, auch mit Blick auf frühere Menschheitskrisen, sicher, dass die Pandemie noch positive Wandlungen zeitigen wird. Daran ändere auch die Zuspitzung im Tonfall vieler öffentlicher Diskussionen und Demonstrationen nichts: "Epidemien bilden einen gewaltigen Echoraum für das innerlich Unerlöste, eine Bühne für hysterische Narrative aller Art. Gleichzeitig war aber zu beobachten, dass der Wahn im Verlauf der Pandemie nie zu echter Bewegungsdynamik anwuchs." Horx rät dazu, "aufzuhören, die Welt mit ihrer medialen Repräsentation zu verwechseln". Interessant finde ich seine Betrachtung im Hinblick darauf, dass Krisen uns zwar erfahrungsgemäß nicht tiefgründig verändern, aber durch die Grenzen, die sie aufzeigen, Wandel ermöglichen: "Wir stellen uns Wandel gerne als einen heroischen Akt vor, als Läuterung zu einer höheren Moral. Das ist ein gefährliches Missverständnis. Menschen ändern sich nicht, vor allem dann nicht, wenn man sie anschreit. ... Und trotzdem können sich Menschen wandeln – indem sie ihr Verhalten an veränderte Bedingungen anpassen. Wandel entsteht letztlich aus AKZEPTANZ: Wir realisieren, dass es in der alten Weise nicht mehr weitergeht. Wenn unser übergroßes neuroflexibles Hirn neue Muster entwickelt – durch Übung, Rückkopplung und ein bisschen Zwang – entstehen neue Wege des Miteinanders, des kreativen Umgangs mit Selbst und Welt. Krisen sind dabei Katalysatoren. Sie zeigen uns nicht direkt, wohin es geht. Aber deutlich, wo es nicht mehr weitergeht." Hoffen wir mal, dass wir in eine bessere Richtung abbiegen.
Der Corona-Effekt, März 2021

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Kann man Glück lernen? 
Dienstag, 30. März 2021 - Lebensart
Die Innovativen Schulen, eine private Münchner Realschule, möchte ihre Lernenden damit vertraut machen, wie Glück im Leben funktioniert. Schon jetzt steht bei den fünften und sechsten Klassen das Thema Glück offiziell als Fach auf dem Stundenplan, ab dem kommenden Schuljahr soll das Angebot dann auf alle Klassen ausgeweitet werden. Zum Curriculum zählen Bereiche wie Meditation, Spiele, kreative Arbeit und Bewegung. Das Angebot soll den Kindern dabei helfen, mit ihren Emotionen in Kontakt zu kommen oder auch zu lernen, dass Scheitern nicht nur schlecht, sondern auch eine Chance sein kann. Außerdem lernen sie hier, Verantwortung zu übernehmen und kreative Lösungen zu entwickeln, so die Schulleiterin.
Glück als reguläres Fach für Münchner Realschüler, Abendzeitung 20.3.21

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Wann wird das Handy zur Suchtfalle? 
Montag, 29. März 2021 - Lebensart, Psychologie
Smartphones sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Für viele sind sie schlicht ein Werkzeug, doch der Übergang zur Sucht kann fließend sein. Psychologen weisen darauf hin, dass die Nutzungsdauer alleine noch nicht viel darüber sagt, ob jemand gefährdet ist. Denn für viele Menschen ist das Handy schlicht eine Alternative zu anderen Geräten und sie nutzen es unterwegs, um Mails abzurufen, Nachrichten zu lesen oder auch Filme zu schauen. Beobachten sollte man indes, wie man in sozialer Hinsicht mit dem Gerät umgeht. Greift man wie ein Getriebener häufig zum Smartphone, weil man Angst hat, etwas zu verpassen? Flüchtet man sich in Online-Chats und vernachlässigt darüber seine persönlichen sozialen Kontakte? (Eine Frage, die während der Pandemie natürlich schwierig zu beantworten ist.) Greift man vor allem dann zum Phone, wenn man sich einsam fühlt und versucht dann so, sich abzulenken? Experten raten Menschen, die ahnen, zu oft mit ihrem Handy beschäftigt zu sein, sich immer wieder gerätefreie Zeiten zu nehmen, beispielsweise während des Essens oder abends ab einer bestimmten Uhrzeit. Wer schon bei kleinen Auszeiten Entzug verspürt, merkt, wie sehr er sich an diese Ablenkungen schon gewohnt hat. Aber man kann sich ja auch wieder entwöhnen.
Ständiger Griff zum Smartphone – Ab diesem Moment ist es eine Sucht, welt.de 14.3.21

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Rundum-Belastung durch Corona zwingt viele in die Knie 
Mittwoch, 24. März 2021 - Lebensart, Studien, Arbeit, Management
Wie sehr die Mehrfachbelastung zwischen Home Office und Familie Arbeitenden zusetzt, hat die Boston Consulting Group in einer globalen Umfrage mit 20.000 Teilnehmenden erkundet. In Deutschland beteiligten sich 1.500 Beschäftigte. 35 Prozent der Väter und 22 Prozent der Mütter gaben an, sich um ihre Zukunft im Unternehmen zu sorgen. Mehr als 40 Prozent von ihnen bekundeten, körperlich oder psychisch gestresst zu sein. Unter Arbeitenden ohne Kinder oder zu versorgende Angehörige hatten nur 21 Prozent Jobsorgen und nur ein Drittel von ihnen fühlt sich gestresst. Unter den Eltern mit Kindern unter 12 Jahren nehmen etwa 30 Prozent wahr, dass ihre Leistungsfähigkeit bei der Arbeit unter der Mehrfachbelastung leidet. Viele Führungskräfte kommen den Gebeutelten zwar entgegen, beispielsweise durch flexible oder reduzierte Arbeitszeiten und großzügigere Termine, doch nur 42 Prozent der Männer und 35 Prozent der Frauen fühlen sich in ihrer Lage wirklich verstanden. Diese Situation passt zum Artikel über Care-Arbeit vom Montag. Die offizielle Arbeitswelt macht ihre bisherige Funktionsweise zum Standard und wenn die äußeren Umstände sich ändern wie gegenwärtig durch die Pandemie, wird mit einem Schlag offensichtlich, was sie alles für selbstverständlich nimmt - nämlich dass Arbeitende besser nur für ihren Job da sind. Diese Reibeflächen werden uns sicherlich noch länger beschäftigen. Vielleicht sollte man das sogar hoffen, denn womöglich erhöhen sich dann die Chancen, dass sich langsam systemisch etwas verändert.
Im Doppelstress alles hinwerfen, FAZ 13.3.21

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Wenn der Achtsamkeits-Trend nervig wird 
Dienstag, 23. März 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
"Wenn ein paar Atemübungen vor dem nächsten Meeting, Smartphone-Detox nach Feierabend und Slow Food beim Lunch zur Leistungssteigerung eingesetzt werden, hat das nichts mehr mit der Idee von Achtsamkeit zu tun. Dann gehts wieder nur darum, ein schnelles Geschäft zu machen und mehr Leistung aus den Angestellten und sich selbst rauszuholen", kritisiert der Autor Marco Weimer auf Business Insider. Mit welcher Euphorie, mehr noch wahrscheinlich in den Medien selbst als in den Unternehmen, Achtsamkeit betrachtet wird, kann einem wirklich manchmal schwindelig machen. Der Yoga-Lehrer findet es besorgniserregend, wie viele Menschen im Job über ihr Limit gehen - und dann versuchen, die Überlastung durch Meditation oder Yoga zu kompensieren. Für Weimer hat Achtsamkeit auch etwas damit zu tun, öfter mal den gesunden Menschenverstand zu bemühen: "Nicht auszuschließen, dass einer viel beschäftigten Managerin und anderen Workoholics mit ein paar Achtsamkeitstechniken geholfen sein könnte. Allerdings sollten wir uns dann darauf einigen, dass es nicht wirklich um Achtsamkeit geht, sondern um Leistungssteigerung. Wirklich achtsam zu sein, würde hingegen beispielsweise bedeuten, ein Gespür dafür zu entwickeln, ob das auferlegte Arbeitspensum angemessen ist oder nicht. Egal ob der Chef es einem aufgebrummt hat oder man sich selbst unter Druck setzt." Manchmal gewinnt man den Eindruck, dass der Trend zur Zeit eher gegenläufig ist. Achtsamkeit wird dann zum letzten Strohhalm, doch noch ein bisschen mehr Power aus sich herauszuholen, obwohl man eigentlich gerade fertig hat.
Der Hype um Achtsamkeit nervt, weil es oft nur um Leistungssteigerung geht, Business Insider 13.3.21

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Care-Arbeit wird selten als "Arbeit" anerkannt 
Montag, 22. März 2021 - Lebensart, Studien, Arbeit
Wir nennen es Arbeit, wenn Menschen morgens das Haus verlassen, um einem Job nachzugehen, mit dem sie Geld verdienen. Findet die Arbeit Zuhause statt, beispielsweise für all die reproduktiven Tätigkeiten von Essenkochen über Wäschewaschen bis hin zur Fürsorge für Angehörige, haben wir gesellschaftlich einen blinden Fleck. Diese Care-Arbeit bildet eigentlich das Fundament unserer Gesellschaft, doch Anerkennung findet sie kaum, Bezahlung noch weniger. Sie ist höchst ungleich verteilt. Laut einer Untersuchung der Bundesregierung haben wir hierzulande einen "Gender Care Gap" von 52 Prozent: Frauen wenden anderthalb Mal so viel Zeit für Fürsorge- und Reproduktionstätigkeiten auf wie Männer. Bei Paaren mit Kindern beträgt die Lücke sogar 83 Prozent. Die App WhoCares sensibilisiert dafür, wie selbstverständlich es noch immer genommen wird, dass diese Tätigkeiten in der Volkswirtschaft nicht eingerechnet und bezahlt werden. In der App kann man seine Haushaltstätigkeiten erfassen und mit einem Stundensatz verrechnen lassen, beispielsweise dem Mindestlohn, einem mittleren Lohn oder dem Stundenlohn, den man für eine bezahlte Tätigkeit erhält. So wird vielen Menschen erstmals wirklich deutlich, welche Werte im materiellen Sinne sie mit ihrer unentgeltlichen Arbeit tagtäglich leisten. Das Statistische Bundesamt hat ausgerechnet, dass in Deutschland die geleistete unbezahlte Arbeit um ein Drittel höher liegt als die bezahlte.
Was Ihre Care-Arbeit wert ist (und warum Sie niemand bezahlt), spiegel.de 8.3.21

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Wie viel ist genug? 
Freitag, 19. März 2021 - Lebensart, Psychologie
Genug ist vielen Menschen nicht genug, sonst gäbe es das Phänomen der Gier nicht. In den Augen des Psychologen Patrick Mussel ist es dabei nicht nur der Wunsch nach mehr, der Menschen ihrer Gier auch nachgeben lässt, sondern es brauche auch die Energie, diesem Wunsch auf Biegen und Brechen nachzugehen, koste es, was es wolle. Wer wirklich gierig sei, überschreite Grenzen, seien es moralische oder rechtliche. "Diesen Punkt zu finden, wo man sagt, nein, das mache ich nicht, obwohl ich es eigentlich will, das charakterisiert nicht-gierige Menschen", so Mussel im Deutschlandfunk. Glaubenssätze wie "Ich bin nichts wert", "Ich werde nicht geliebt" oder "Ich muss Leistung bringen, um geliebt zu werden" können Gier begünstigen. "Was wir zeigen konnten, ist, dass Personen, die diesen Aussagen zustimmen, höhere Werte auf Gier haben und sich auch im Laufe der Zeit stärker in Gier verändern, also die Gier stärker ansteigt", erklärt der Psychologe.
Wie viel Gier steckt in uns allen?, Deutschlandfunk Kultur 11.3.21

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Armut verfestigt sich 
Donnerstag, 18. März 2021 - Lebensart, Studien
Nahezu jede/r sechste Deutsche lebt heute unterhalb der Armutsrisikoschwelle, verglichen mit den 1990er Jahren ein Anstieg um fünf Prozentpunkte. Ein besonderes Problem ist die Verfestigung dieser Lebenslage. Laut dem "Datenreport 2021 – ein Sozialbericht für Deutschland", der vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung erstellt wurde, waren 88 Prozent der heute Armen in den vergangenen vier Jahren schon einmal von Armut betroffen, 44 Prozent sogar im gesamten Zeitraum. Zu den besonderen Risikogruppen zählen Alleinerziehenden (41 Prozent), Menschen mit Hauptschulabschluss ohne Berufsabschluss (35 Prozent) oder mit direktem Migrationshintergrund (29 Prozent). 75 Prozent der West- und 80 Prozent der Ost-Deutschen wünschen sich, dass der Staat sich für den Abbau von Einkommensunterschieden einsetzt.
Deutschlands Armut und wie Corona sie verändert, spiegel.de 10.3.21


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