Weinen im Büro 
Mittwoch, 31. März 2021 - Psychologie, Arbeit, Management
Pokerface selbst bei extremen Erschütterungen, Gleichmut, wenn's ans Eingemachte geht? Im Büro Gefühle zu zeigen oder gar Tränen zu vergießen, gilt vielen bis heute als wenig angemessen. Dabei kann es die Zusammenarbeit erleichtern, wenn in Teams und Unternehmenskulturen auch Raum ist, Gefühle wirklich zu zeigen. Die FAZ hat dem Weinen im Büro einen ganzen Artikel gewidmet, der zu dem Schluss kommt: Für die, die weinen, ist die entlastende Funktion nicht zu unterschätzen, denn Aufgestautes verschafft sich so Luft und oft sind die Betroffenen anschließend wieder mehr bei sich und ihrer Arbeit. Auch für das Umfeld habe ein solch offener Umgang mit Emotionen Vorteile, denn dann wissen sie, woran sie sind. Aus Sicht der Unternehmenskultur kann Experten zufolge Weinen auch ein Indiz dafür sein, dass Mitarbeiter schon länger sehr überlastet sind. Dann könne schon eine Kleinigkeit obendrauf das Fass zum Überlaufen bringen. Also: Tränen ruhig fließen lassen und sie dann nicht nur trocknen, sondern bestenfalls auch etwas verändern.
Die Kraft der Tränen, FAZ 22.3.21

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Wann wird das Handy zur Suchtfalle? 
Montag, 29. März 2021 - Lebensart, Psychologie
Smartphones sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Für viele sind sie schlicht ein Werkzeug, doch der Übergang zur Sucht kann fließend sein. Psychologen weisen darauf hin, dass die Nutzungsdauer alleine noch nicht viel darüber sagt, ob jemand gefährdet ist. Denn für viele Menschen ist das Handy schlicht eine Alternative zu anderen Geräten und sie nutzen es unterwegs, um Mails abzurufen, Nachrichten zu lesen oder auch Filme zu schauen. Beobachten sollte man indes, wie man in sozialer Hinsicht mit dem Gerät umgeht. Greift man wie ein Getriebener häufig zum Smartphone, weil man Angst hat, etwas zu verpassen? Flüchtet man sich in Online-Chats und vernachlässigt darüber seine persönlichen sozialen Kontakte? (Eine Frage, die während der Pandemie natürlich schwierig zu beantworten ist.) Greift man vor allem dann zum Phone, wenn man sich einsam fühlt und versucht dann so, sich abzulenken? Experten raten Menschen, die ahnen, zu oft mit ihrem Handy beschäftigt zu sein, sich immer wieder gerätefreie Zeiten zu nehmen, beispielsweise während des Essens oder abends ab einer bestimmten Uhrzeit. Wer schon bei kleinen Auszeiten Entzug verspürt, merkt, wie sehr er sich an diese Ablenkungen schon gewohnt hat. Aber man kann sich ja auch wieder entwöhnen.
Ständiger Griff zum Smartphone – Ab diesem Moment ist es eine Sucht, welt.de 14.3.21

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Wie viel ist genug? 
Freitag, 19. März 2021 - Lebensart, Psychologie
Genug ist vielen Menschen nicht genug, sonst gäbe es das Phänomen der Gier nicht. In den Augen des Psychologen Patrick Mussel ist es dabei nicht nur der Wunsch nach mehr, der Menschen ihrer Gier auch nachgeben lässt, sondern es brauche auch die Energie, diesem Wunsch auf Biegen und Brechen nachzugehen, koste es, was es wolle. Wer wirklich gierig sei, überschreite Grenzen, seien es moralische oder rechtliche. "Diesen Punkt zu finden, wo man sagt, nein, das mache ich nicht, obwohl ich es eigentlich will, das charakterisiert nicht-gierige Menschen", so Mussel im Deutschlandfunk. Glaubenssätze wie "Ich bin nichts wert", "Ich werde nicht geliebt" oder "Ich muss Leistung bringen, um geliebt zu werden" können Gier begünstigen. "Was wir zeigen konnten, ist, dass Personen, die diesen Aussagen zustimmen, höhere Werte auf Gier haben und sich auch im Laufe der Zeit stärker in Gier verändern, also die Gier stärker ansteigt", erklärt der Psychologe.
Wie viel Gier steckt in uns allen?, Deutschlandfunk Kultur 11.3.21

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Eingebildete Höhenflüge 
Montag, 15. März 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Ich habe schon mehrmals über den neuen Microdosing-Trend geschrieben, die Einnahme von LSD in minimaler Dosierung, die von manchen als kleine Inspirationsquelle im Alltag betrieben wird. Überzeugte Microdoser berichten davon, dass sie sich dadurch wacher fühlen und kreativer und häufig insgesamt eine bessere Stimmung haben. Eine Studie des Imperial College London mit knapp 200 Teilnehmenden zeigt nun: Diese Effekte könnten größtenteils auf Einbildung beruhen. Die Wissenschaftler bauten in ihr Testsetting nämlich eine Placebo-Kontrolle ein. So erhielten manche Probanden vier Wochen lang LSD, andere vier Wochen ein Placebo und wieder andere zwei Wochen LSD und zwei Wochen ein Placebo. Die Studienteilnehmenden protokollierten, wie wohl sie sich während der Untersuchungsphase fühlten. Zusätzlich sollten sie jede Woche angeben, ob sie glaubten, das Placebo oder den richtigen Wirkstoff erhalten zu haben. In der Auswertung zeigte sich, dass alle Mitwirkenden an der Studie sich nach deren Abschluss insgesamt besser fühlten. Und es fiel auf, dass die Teilnehmenden, in den Wochen, in denen sie glaubten, LSD erhalten zu haben, dann auch ein höheres Wohlbefinden notierten - selbst wenn sie das Placebo bekommen hatten. Da die Studienteilnehmenden alle erfahrene Microdoser waren, könnte es durchaus sein, dass ihre Erwartungshaltung aufgrund früherer Erfahrungen Anteil an diesem Ergebnis hat. Für Menschen, die damit noch unerfahren sind, aber auch für jene, die Microdosing betreiben, um psychische Probleme zu lindern, müsste noch untersucht werden, ob Placebos auch hier diese Wirkung entfalten.
Laut Studie nur so wirksam wie ein Placebo, spektrum.de 8.3.21

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Haushalt? Immer noch oft Frauensache ... 
Donnerstag, 11. März 2021 - Lebensart, Psychologie, Studien
Man möchte meinen, wir leben in emanzipierten Zeiten. Doch wenn es um die Hausarbeit geht, stehen die Geschlechterstereotype noch in voller Blüte - insbesondere in Beziehungen mit Kindern. Die Partnervermittlung ElitePartner befragte mehr als 7.000 Personen darüber, wie sie in ihren Beziehungen die Hausarbeit aufteilen. Wahrnehmung und Wirklichkeit klaffen dabei oft auseinander. 56 Prozent der Frauen gaben an, allein oder hauptsächlich für Essensplanung, Einkaufen und Kochen zuständig zu sein, beim Aufräumen, Putzen und der Wäsche sind es sogar 65 Prozent. Gerecht findet das nur jeweils rund ein Drittel von ihnen. Andererseits glauben 51 Prozent der Männer, sich im Hinblick auf die Versorgung gleichermaßen zu engagieren, wenn's um die Ordnung geht, sind es 40 Prozent. Jeder vierte Mann ist überzeugt, den Haushalt alleine zu schmeißen, was allerdings nur von 7 Prozent der Frauen bestätigt wird. Und wenn Kinder ins Spiel kommen, verschiebt sich die ohnehin schon ungleiche Aufgabenverteilung noch mehr zuungunsten der Frauen. Ich frage mich ja: Warum machen Frauen das mit?
Partnerschaftsstudie zeigt: Die meiste Hausarbeit erledigen Frauen — besonders dann, wenn ein Paar Kinder hat, Business Insider 2.3.21


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10 Jahre Achtsamkeit an Münchner Hochschulen 
Mittwoch, 10. März 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Wie sehr sich Achtsamkeit im letzten Jahrzehnt in der Gesellschaft verbreitet hat, zeigt eine Pressemitteilung aus München: Das Münchner Modell, das Achtsamkeit auf die Lehrpläne der Hochschulen brachte, feiert sein 10-jähriges Bestehen. 2010 fing Prof. Dr. Andreas de Bruin mit dem ersten Achtsamkeitskurs im Studiengang für Soziale Arbeit an. Heute nehmen jedes Semester etwa 150 Studierende aus bis zu 24 Studiengängen an entsprechenden Veranstaltungen teil. Ein Novum des Münchner Vorstoßes war es sicherlich, auf diese Kurse auch Leistungspunkte zu vergeben, was in Europa immer noch Seltenheitswert hat. De Bruin wertete die Meditationstagebücher von 2.000 Studierenden aus und kommt zu dem Ergebnis, dass die Kurse es den Übenden erleichtern, besser mit den Herausforderungen ihres Alltags zurechtzukommen und sich leichter damit tun, dem vorherrschenden Leistungsdruck standzuhalten. Mit Stresssituationen können sie konstruktiver umgehen. Und ein besseres Verständnis anderer Menschen sowie mehr emotionale Gelassenheit lassen sich auch erkennen. Das Münchner Modell hat sich im Langzeittest bewährt. Und man würde sich wünschen, dass noch mehr Hochschulen sich auf diese Weise engagieren.
Achtsamkeit und Meditation im Hochschulkontext – zehn Jahre Münchner Modell, Pressemitteilung 1.3.21

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Ich glaub', ich steh' im Wald 
Montag, 8. März 2021 - Lebensart, Psychologie, Studien
Manchmal glaubt man wirklich, man steht im Wald. So komme ich mir jedenfalls vor, wenn ich mir anschaue, wie weit die Bemühungen gedeihen, Naturerlebnisse mit technischen Hilfsmitteln zu simulieren. Waldbaden hat es in den letzten Jahren zu einiger Bekanntheit geschafft, weil immer mehr Studien zeigen, dass der Aufenthalt in der mit Terpenen durchsetzen Luft der Gesundheit gut tut und auch dem Gemüt. Jetzt haben Wissenschaftler der Universität Hamburg, des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) untersucht, ob sich nicht ähnliche Wirkungen auch erzielen lassen, wenn man den Wald in einer virtuellen Realität simuliert. Sie schickten Probanden mit VR-Brillen zu Rundgängen im Waldambiente, in einer Häuserlandschaft und in neutralem Territorium, dargestellt durch ein weißes Rechteck auf schwarzem Hintergrund. Es überrascht wenig, dass sich die Probanden nach dem simulierten Waldspaziergang am Wohlsten fühlten. Für die Wissenschaftler ist diese Erkenntnis Anlass für die Hoffnung, durch solche Simulationen die Lebensqualität von Menschen zu verbessern, die nicht mehr aus dem Haus kommen, beispielsweise weil sie krank sind oder in Pflegeheimen leben. Ich frage mich ja, ob es nicht sinnvoller wäre, nach analogen Wegen zu suchen, diesen Zielgruppen ein bisschen Natur in ihre Umgebung zu holen. Oder eine menschliche Lösung zu suchen - Leute, die einfach mit jenen, die es nicht mehr selbst schaffen, ab und an nach draußen gehen.
Virtual-Reality-Waldspaziergänge verbessern die Stimmung, Forschung und Wissen 23.2.21

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Brauchen Lügner mehr Zeit zum Antworten? 
Mittwoch, 3. März 2021 - Psychologie, Studien
Wer die Wahrheit sagt, tut dies meist ohne zu zögern. Vielleicht sehen sich Menschen deshalb zur Schlussfolgerung verleitet, dass wenn die Antwort etwas länger braucht, gelogen wird. Das legt zumindest eine französische Studie nahe, die diesen Zusammenhang näher untersuchte. Für die Untersuchung wurden Experimente mit mit mehr als 7.500 Teilnehmern aus den USA, Großbritannien und Frankreich durchgeführt. Die Studienteilnehmer bekamen Audios, Videos und Texte vorgelegt, in denen Menschen Fragen beantworteten. Themen waren beispielsweise, ob jemand den von einem Freund gebackenen Kuchen mochte oder ob er Geld gestohlen hätte. Die Antwortzeiten variierten in den Szenarien von einer bis zu zehn Sekunden. Schon eine Verzögerung von nur zwei Sekunden bei den Antworteten führten dazu, dass diese als unehrlicher wahrgenommen wurden - wobei die Toleranz im Hinblick auf die Antwortzeit etwas größer war, wenn aufgrund der Frage davon auszugehen war, dass die antwortende Personen noch etwas nachdenken musste (zum Beispiel mit Blick auf länger zurückliegende Ereignisse) oder eine mögliche Antwort sozial unerwünscht sein könnte (beispielsweise wenn der Kuchen des Freundes nicht schmeckt). Erkenntnisse wie diese sind relevant, wenn es beispielsweise in Gerichtsprozessen darum geht, die Glaubwürdigkeit von Zeugen einzuschätzen. Ich finde es fast schon ein wenig erschreckend, wie sehr wir anscheinand darauf programmiert zu sein scheinen, schnelle Antworten als Standard zu erwarten - und die Langsamkeit als Abweichung von der Norm interpretieren. Denn sich etwas Zeit zum Nachdenken zu nehmen, vielleicht auch eine Frage erst einmal auf sich wirken zu lassen, hat ja weder etwas mit Grübelei zu tun noch zwingend damit, dass jemand sich schnell noch eine Lüge ausdenkt. Es kann einfach ein Zeichen dafür sein, dass man sich erst mal wirklich auf das Gefragte innerlich einlassen möchte.
Wer langsam antwortet, wirkt schnell unglaubwürdig, spektrum.de 16.2.21

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