Chefs altern schneller 
Freitag, 26. März 2021 - Studien, Arbeit, Management
Führungsjobs haben ihren Preis. CEOs mögen hohe Gehälter bekommen, doch wenn es um ihre Gesundheit geht, könnte es gut sein, dass sie selbst draufzahlen. Das legt zumindest eine neue amerikanische Studie nahe, die die Daten von 1.600 Top-Führungskräften auswerteten. Im Kontext einer Veränderung in der amerikanischen Gesetzgebung, die seit einigen Jahren Unternehmen besser vor Übernahmen schützt, konnten die Wissenschaftler beispielsweise feststellen, dass Führende, die keine Sorge haben müssen, von der Konkurrenz geschluckt zu werden, zwei Jahre länger leben als ihre von Übernahmen bedrohte Kollegen. Wirtschaftliche Krisen mit Einbruch der Aktienkurse lassen Vorstandsvorsitzende im Schnitt um eineinhalb Jahre schneller altern. Eine Fotoanalyse ergab zudem, dass besonders krisengebeutelte CEOs im Vergleich zu erfolgreichen Kollegen nach zehn Jahren ein Jahr älter aussahen. Es wäre natürlich Jammern auf hohem Niveau, sich über diese Wirkungen zu sehr zu beklagen. Die Wirtschaftswoche weist denn auch schon im Einstieg ihres Artikels zum Thema darauf hin, dass es sehr viele Menschen gibt, die unter wesentlich schlechteren gesundheitlichen Bedingungen für wesentlich weniger Geld schuften müssen.
Wenn Chefsein tödlich ist, WiWo 15.3.21

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Jede*r Dritte ist ausgebrannt 
Donnerstag, 25. März 2021 - Studien, Arbeit, Management
Schon vor der Pandemie fühlte sich laut Untersuchungen des Beratungsunternehmens Gallup jede*r vierte Mitarbeiter*in in Unternehmen ausgebrannt. Mit Corona ist dieser Anteil nun auf 35 Prozent gestiegen. Das scheint auch Auswirkungen auf die gefühlte Treue zum Arbeitgeber zu haben. Der Anteil jener, die ohne Wenn und Aber in ihrer jetzigen Anstellung bleiben möchten, sank von 73 auf 61 Prozent. Besonders hoch ist der Anteil der Wechselwilligen unter Menschen in Kurzarbeit. Diese Situation führe laut Gallup zu einer "Eintrübung des Vertrauensverhältnisses" und einem "kritischeren Bild vom Arbeitgeber". Gleichzeitig erhalten die Firmen, die sich um ihre Mitarbeiter kümmern, nach wie vor hohe Zustimmung.
Jeder dritte Mitarbeiter fühlt sich ausgebrannt, spiegel.de 18.3.21

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Rundum-Belastung durch Corona zwingt viele in die Knie 
Mittwoch, 24. März 2021 - Lebensart, Studien, Arbeit, Management
Wie sehr die Mehrfachbelastung zwischen Home Office und Familie Arbeitenden zusetzt, hat die Boston Consulting Group in einer globalen Umfrage mit 20.000 Teilnehmenden erkundet. In Deutschland beteiligten sich 1.500 Beschäftigte. 35 Prozent der Väter und 22 Prozent der Mütter gaben an, sich um ihre Zukunft im Unternehmen zu sorgen. Mehr als 40 Prozent von ihnen bekundeten, körperlich oder psychisch gestresst zu sein. Unter Arbeitenden ohne Kinder oder zu versorgende Angehörige hatten nur 21 Prozent Jobsorgen und nur ein Drittel von ihnen fühlt sich gestresst. Unter den Eltern mit Kindern unter 12 Jahren nehmen etwa 30 Prozent wahr, dass ihre Leistungsfähigkeit bei der Arbeit unter der Mehrfachbelastung leidet. Viele Führungskräfte kommen den Gebeutelten zwar entgegen, beispielsweise durch flexible oder reduzierte Arbeitszeiten und großzügigere Termine, doch nur 42 Prozent der Männer und 35 Prozent der Frauen fühlen sich in ihrer Lage wirklich verstanden. Diese Situation passt zum Artikel über Care-Arbeit vom Montag. Die offizielle Arbeitswelt macht ihre bisherige Funktionsweise zum Standard und wenn die äußeren Umstände sich ändern wie gegenwärtig durch die Pandemie, wird mit einem Schlag offensichtlich, was sie alles für selbstverständlich nimmt - nämlich dass Arbeitende besser nur für ihren Job da sind. Diese Reibeflächen werden uns sicherlich noch länger beschäftigen. Vielleicht sollte man das sogar hoffen, denn womöglich erhöhen sich dann die Chancen, dass sich langsam systemisch etwas verändert.
Im Doppelstress alles hinwerfen, FAZ 13.3.21

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Care-Arbeit wird selten als "Arbeit" anerkannt 
Montag, 22. März 2021 - Lebensart, Studien, Arbeit
Wir nennen es Arbeit, wenn Menschen morgens das Haus verlassen, um einem Job nachzugehen, mit dem sie Geld verdienen. Findet die Arbeit Zuhause statt, beispielsweise für all die reproduktiven Tätigkeiten von Essenkochen über Wäschewaschen bis hin zur Fürsorge für Angehörige, haben wir gesellschaftlich einen blinden Fleck. Diese Care-Arbeit bildet eigentlich das Fundament unserer Gesellschaft, doch Anerkennung findet sie kaum, Bezahlung noch weniger. Sie ist höchst ungleich verteilt. Laut einer Untersuchung der Bundesregierung haben wir hierzulande einen "Gender Care Gap" von 52 Prozent: Frauen wenden anderthalb Mal so viel Zeit für Fürsorge- und Reproduktionstätigkeiten auf wie Männer. Bei Paaren mit Kindern beträgt die Lücke sogar 83 Prozent. Die App WhoCares sensibilisiert dafür, wie selbstverständlich es noch immer genommen wird, dass diese Tätigkeiten in der Volkswirtschaft nicht eingerechnet und bezahlt werden. In der App kann man seine Haushaltstätigkeiten erfassen und mit einem Stundensatz verrechnen lassen, beispielsweise dem Mindestlohn, einem mittleren Lohn oder dem Stundenlohn, den man für eine bezahlte Tätigkeit erhält. So wird vielen Menschen erstmals wirklich deutlich, welche Werte im materiellen Sinne sie mit ihrer unentgeltlichen Arbeit tagtäglich leisten. Das Statistische Bundesamt hat ausgerechnet, dass in Deutschland die geleistete unbezahlte Arbeit um ein Drittel höher liegt als die bezahlte.
Was Ihre Care-Arbeit wert ist (und warum Sie niemand bezahlt), spiegel.de 8.3.21

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Armut verfestigt sich 
Donnerstag, 18. März 2021 - Lebensart, Studien
Nahezu jede/r sechste Deutsche lebt heute unterhalb der Armutsrisikoschwelle, verglichen mit den 1990er Jahren ein Anstieg um fünf Prozentpunkte. Ein besonderes Problem ist die Verfestigung dieser Lebenslage. Laut dem "Datenreport 2021 – ein Sozialbericht für Deutschland", der vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung erstellt wurde, waren 88 Prozent der heute Armen in den vergangenen vier Jahren schon einmal von Armut betroffen, 44 Prozent sogar im gesamten Zeitraum. Zu den besonderen Risikogruppen zählen Alleinerziehenden (41 Prozent), Menschen mit Hauptschulabschluss ohne Berufsabschluss (35 Prozent) oder mit direktem Migrationshintergrund (29 Prozent). 75 Prozent der West- und 80 Prozent der Ost-Deutschen wünschen sich, dass der Staat sich für den Abbau von Einkommensunterschieden einsetzt.
Deutschlands Armut und wie Corona sie verändert, spiegel.de 10.3.21


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Eingebildete Höhenflüge 
Montag, 15. März 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Ich habe schon mehrmals über den neuen Microdosing-Trend geschrieben, die Einnahme von LSD in minimaler Dosierung, die von manchen als kleine Inspirationsquelle im Alltag betrieben wird. Überzeugte Microdoser berichten davon, dass sie sich dadurch wacher fühlen und kreativer und häufig insgesamt eine bessere Stimmung haben. Eine Studie des Imperial College London mit knapp 200 Teilnehmenden zeigt nun: Diese Effekte könnten größtenteils auf Einbildung beruhen. Die Wissenschaftler bauten in ihr Testsetting nämlich eine Placebo-Kontrolle ein. So erhielten manche Probanden vier Wochen lang LSD, andere vier Wochen ein Placebo und wieder andere zwei Wochen LSD und zwei Wochen ein Placebo. Die Studienteilnehmenden protokollierten, wie wohl sie sich während der Untersuchungsphase fühlten. Zusätzlich sollten sie jede Woche angeben, ob sie glaubten, das Placebo oder den richtigen Wirkstoff erhalten zu haben. In der Auswertung zeigte sich, dass alle Mitwirkenden an der Studie sich nach deren Abschluss insgesamt besser fühlten. Und es fiel auf, dass die Teilnehmenden, in den Wochen, in denen sie glaubten, LSD erhalten zu haben, dann auch ein höheres Wohlbefinden notierten - selbst wenn sie das Placebo bekommen hatten. Da die Studienteilnehmenden alle erfahrene Microdoser waren, könnte es durchaus sein, dass ihre Erwartungshaltung aufgrund früherer Erfahrungen Anteil an diesem Ergebnis hat. Für Menschen, die damit noch unerfahren sind, aber auch für jene, die Microdosing betreiben, um psychische Probleme zu lindern, müsste noch untersucht werden, ob Placebos auch hier diese Wirkung entfalten.
Laut Studie nur so wirksam wie ein Placebo, spektrum.de 8.3.21

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Home Office? Da geht noch mehr ... 
Freitag, 12. März 2021 - Studien, Arbeit, Management
Aufgrund der Pandemie bieten inzwischen 81 Prozent der deutschen Unternehmen für Teile ihrer Belegschaft Home Office an. Allerdings betrifft diese Option nur 30 Prozent aller Beschäftigten. Das ifo Institut kommt in einer Studie indes zu dem Schluss, dass bis zu 56 Prozent der Angestellten auch von Zuhause aus arbeiten könnten. Mit 40 Prozent hat der Dienstleistungssektor zur Zeit den höchsten Home-Office-Anteil, gefolgt vom Großhandel mit 24 Prozent und der Industrie mit knapp 22 Prozent. Ein Gefälle besteht auch zwischen der Industrie und dem Mittelstand. In kleinen und mittleren Betrieben arbeitet ein Viertel der Beschäftigten Zuhause, in der Industrie ist es ein Drittel. Das ifo Institut rät dazu, die Anreize für das Home Office zu verstärken, um andererseits mehr Öffnungen der Wirtschaft zulassen zu können.
Homeoffice-Potential bei weitem nicht ausgeschöpft, FAZ 3.3.21

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Haushalt? Immer noch oft Frauensache ... 
Donnerstag, 11. März 2021 - Lebensart, Psychologie, Studien
Man möchte meinen, wir leben in emanzipierten Zeiten. Doch wenn es um die Hausarbeit geht, stehen die Geschlechterstereotype noch in voller Blüte - insbesondere in Beziehungen mit Kindern. Die Partnervermittlung ElitePartner befragte mehr als 7.000 Personen darüber, wie sie in ihren Beziehungen die Hausarbeit aufteilen. Wahrnehmung und Wirklichkeit klaffen dabei oft auseinander. 56 Prozent der Frauen gaben an, allein oder hauptsächlich für Essensplanung, Einkaufen und Kochen zuständig zu sein, beim Aufräumen, Putzen und der Wäsche sind es sogar 65 Prozent. Gerecht findet das nur jeweils rund ein Drittel von ihnen. Andererseits glauben 51 Prozent der Männer, sich im Hinblick auf die Versorgung gleichermaßen zu engagieren, wenn's um die Ordnung geht, sind es 40 Prozent. Jeder vierte Mann ist überzeugt, den Haushalt alleine zu schmeißen, was allerdings nur von 7 Prozent der Frauen bestätigt wird. Und wenn Kinder ins Spiel kommen, verschiebt sich die ohnehin schon ungleiche Aufgabenverteilung noch mehr zuungunsten der Frauen. Ich frage mich ja: Warum machen Frauen das mit?
Partnerschaftsstudie zeigt: Die meiste Hausarbeit erledigen Frauen — besonders dann, wenn ein Paar Kinder hat, Business Insider 2.3.21


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