Dunkle Momente der Empathie 
Dienstag, 4. Dezember 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Empathie hat verschiedene Facetten und manche davon können durchaus beängstigend sein. So unterscheidet die Forschung zwischen einer Empathie, die mit anderen Menschen mitfühlt, und jener, die eher auf einem kognitiven Verständnis beruht - man kann sich vorstellen, wie es einem Menschen ergeht, bleibt dabei aber emotional distanziert. Eine amerikanische Studie untersuchte mit 1.000 studentischen Probanden die Persönlichkeitsmerkmale Psychopathie, Narzissmus und Machiavellismus (rücksichtsloses Machtstreben). Die geringste emotionale Empathie zeigten in dem Test die Psychopathen, doch auch Narzissten und Machiavellisten ließen es an der Fähigkeit zum Mitfühlen mangeln. Die besonders Selbstbezogenen und nach Macht strebenden zeigten allerdings zugleich eine hohe Fähigkeit, die Gefühlslage anderer Menschen zu erkennen und verstehen, was es ihnen erleichtert, andere zu manipulieren und auszunutzen.
Auf die Art der Empathie kommt es an, spektrum.de 21.11.18

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Wenn Stress zum flächendeckenden Dauerzustand wird 
Montag, 3. Dezember 2018 - Lebensart, Psychologie, Studien, Arbeit
Das Thema Stress scheint sich immer mehr in der Mitte der Gesellschaft einzunisten. Eine Repräsentativbefragung des DGB zeigt: 52 Prozent der Beschäftigten fühlen sich sehr oft oder oft bei der Arbeit gehetzt und unter Zeitdruck. Etwa ein Drittel klagt darüber, häufig mit verschiedenen, nur schwer miteinander vereinbaren Anforderungen im Beruf konfrontiert zu sein. Etwa zwei Drittel haben nach eigenen Aussagen keine Möglichkeit, das Arbeitspensum, mit dem sie konfrontiert sind, selbst zu beeinflussen. Beschäftigte mit viel Kundenkontakt stehen vor zusätzlichen Herausforderungen. 38 Prozent von ihnen sagen, sie müssten sehr oft oder oft die eigenen Gefühle bei der Arbeit verbergen. Andererseits empfinden drei Viertel dieser Beschäftigten ihre Arbeit als gesellschaftlich sehr nützlich. Nahezu 80 Prozent von ihnen sind aber auch der Meinung, dass dieser Wert sich nicht in ihrem Einkommen abbilde.
Millionen Beschäftigte leiden unter Stress, FAZ 22.11.18

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Macht Politik krank? 
Freitag, 30. November 2018 - Lebensart, Psychologie, Studien
Große herausfordernde Ereignisse hinterlassen oft bei vielen Menschen psychische Spuren. Nach den Anschlägen am 11. September etwa zeigten sich bei etwa 17 Prozent der amerikanischen Bevölkerung Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung. Der Brexit führt möglicherweise zu ähnlichen Phänomenen. Eine aktuelle Studie jedenfalls zeigt, dass in Großbritannien seit dem Brexit-Votum die Verschreibungen von Antidepressiva signifikant zugenommen haben. Die Studie hat mögliche weitere Einflussfaktoren bereits herausgerechnet und kommt dennoch zu dem Schluss, dass die Entscheidung für den EU-Austritt hier eine besondere Wirkung zu haben scheint. Das Phänomen wirft große Fragen auf, vor allem auch im Hinblick darauf, welche Folgen Politik und ihre Entscheidungen auf die Bevölkerung haben, und dies nicht nur auf einer Sachebene. In den USA gaben nach der Wahl Trumps zum Präsidenten überdurchschnittlich viele Amerikaner an, sich gestresst zu fühlen, und 57 Prozent äußerten große Sorgen um die Zukunft des Landes. Welche Langzeitfolgen diese Befindlichkeiten haben, lässt sich noch nicht abschätzen. Insgesamt aber deuten die Befunde auf eine neue Art des Klärungsbedarfs, denn sollte sich in weiteren Untersuchungen diese Art der Negativwirkung von Politik bestätigen, erwächst daraus natürlich auch ein neuer Blick auf die entsprechende Verantwortung.
Der Brexit kann krank machen, zeit.de 22.11.18

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Lügen wir weniger von Angesicht zu Angesicht? 
Montag, 19. November 2018 - Lebensart, Psychologie, Studien
Vom Blick auf Zahlen versprechen wir uns meist, dass diese Daten mehr Klarheit ins Leben bringen. Manche wissenschaftliche Studien wecken allerdings, zumindest in mir, Zweifel, dass dem wirklich so ist. "Gehirn&Geist" berichtete kürzlich über eine finnische Studie, derzufolge Menschen nach einem kurzen Augenkontakt mit ihrem Gegenüber seltener lügen. Der Augenkontakt reduziere die Lügenwahrscheinlichkeit um 8,5 Prozent. Ich bin keine Statistikerin, aber manchmal hilft auch die Nutzung des Alltagsverstands. In dem Versuch wurden 50 Studenten einbezogen. Sie hatten 60 Gelegenheiten zum Lügen und konnten Punkte sammeln, wenn sie dies taten, aber auch Punkte verlieren, wenn sie erwischt wurden. In der Hälfte der Fälle sah ihr Versuchsgegenüber sie zuvor an, in der anderen Hälfte blickte es weg. Gelogen wurde von den Probanden 11 Mal nach Augenkontakt und 12 Mal, wenn das Gegenüber zur Seite geschaut hatte. "Gehirn&Geist" spricht davon, dass der Augenkontakt einen "signifikanten Unterschied" ausgemacht habe, die besagten 8,5 Prozent. Vielleicht übersehe ich hier ja etwas, aber ein Unterschied von "1" in einem solche überschaubaren Setting mag einen errechenbaren Wert produzieren, aber hat dieser Wert in einem solchen Kontext auch wirklich die ihm zugeschriebene Bedeutung?
Blickkontakt macht ehrlicher, spektrum.de 12.11.18

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Pendeln schlägt auf die Psyche 
Donnerstag, 15. November 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Arbeit
Macht berufliches Pendeln krank? Dieser Frage ging die Technikerkrankenkasse mit einer Untersuchung nach. Dabei zeigt sich: Auf den ersten Blick scheint die lange Anfahrt zum Job keine Auswirkungen zu haben - Pendler waren sogar etwas seltener krank als Arbeitnehmer mit kurzer Arbeitsanfahrt. Ein Blick auf die Daten in der Tiefe zeigt allerdings: Pendler sind elf Prozent häufiger von psychisch bedingten Krankschreibungen betroffen. Eine andere Studie der Technikerkrankenkasse zeigt, dass rund ein Drittel der Bevölkerung sich vom Straßenverkehr gestresst fühlt.
Pendler sind nicht öfter krank - aber genervt, FAZ 6.11.18

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Der Stress der Selbstoptimierung 
Dienstag, 13. November 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
In wohl kaum einer Zeit zuvor hatten Menschen mehr Möglichkeiten, sich und ihr Leben nach den eigenen Wünschen zu gestalten. Wahlfreiheit und unzählige Optionen können uns aber auch enorm unter Druck setzen. In einem Interview mit dem Tagesspiel spricht die Schriftstellerin Juli Zeh über den vor diesem Hintergrund entstehenden Selbstoptimierungsstress. "Was tun mit dieser individuellen Freiheit? Aha, Selbstverwirklichung. Diesen Raum muss man dann auch füllen. Dass das mit enorm viel Druck verbunden ist, haben viele nicht bedacht. Die Chance wird zum Imperativ: Du musst deine Freiheit nutzen, du musst gut sein, glücklich sein. Die Biografie muss bis ins Letzte durchgeplant sein, nur keinen Fehler machen. Wie soll man sich denn entspannen, wenn man zu dieser Optimierung gezwungen ist", fragt Zeh. Einerseits kann einem diese Art der Herausforderung die innere Ruhe nehmen, andererseits wird vieles, was den Alltag Ausmacht, vor dem Hintergrund der eigenen Optimierungsphantasien zur Störquelle. Und das hat nicht nur Auswirkungen auf die persönliche Lebensgestaltung, sondern auch auf unsere gesellschaftlichen Beziehungen. Zeh warnt: "Es existiert ein Missverhältnis zwischen der Gelassenheit, die man erreichen möchte, und der Selbstoptimierung, die man verfolgt. Man will Störquellen ausschließen, nach dem Motto, ich bin ruhebedürftig, mich nervt das Kind, der Hund, das Handyklingeln. Wir neigen dazu, Dinge aus dem normalen Leben als Belästigung zu begreifen, die es abzuschaffen gilt. Letztlich steckt hier auch eine Ursache für Intoleranz gegenüber allem Fremden: sich darüber aufzuregen, was jemand anders macht, wie der aussieht, wie der sich benimmt."
"Ich bin eine gut bezahlte Arbeitslose", Tagesspiegel 5.11.18

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TU Kaiserslautern entwickelt neue Stress-App 
Freitag, 9. November 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Wissenschaft
Meditieren mit Apps scheint immer mehr zum Trend zu werden. Die TU Kaiserslautern ist nun dabei, eine App für besseres Stressmanagement zu entwickeln. "Stress-Mentor" soll Menschen dabei unterstützen, spielerisch Meditation und Bewegung in den Alltag einzubauen. Eine Tagebuch-Funktion soll dabei helfen, Stressoren besser zu erkennen und konstruktiver mit ihnen umzugehen. Um die Motivation während der Übungsphase zu stärken, sind die Übungen der App mit einem Fabelwesen gekoppelt, um das sich die App-Nutzer "kümmern" müssen, indem sie wenigstens eine Übung am Tag absolvieren. Die Entwickler der App betrachten den digitalen Helfer nicht als dauernde Unterstützung. Das Tool soll lediglich dabei helfen, verschiedene Übungen zu erlernen und in den Alltag zu integrieren, so dass man die App schließlich nicht mehr braucht.
Pressemitteilung der TU Kaiserslautern 29.10.18

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"Es macht einen Unterschied, wenn der Chef meditiert" 
Montag, 5. November 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit, Management
Meditation ist in Unternehmen zu einem beachtenswerten Thema geworden und die Erfahrungen zeigen, dass Achtsamkeit die Kultur in Firmen verändern kann. "Wenn der Chef, die Chefin Meditation praktiziert, gewinnt Mitmenschlichkeit an Bedeutung, denn soziale Kompetenzen und Selbstkompetenz nehmen ganz natürlich zu. Das strahlt auch auf die Mitarbeiter aus. So verändert sich nach und nach die Kultur des Unternehmens. Nicht von ungefähr sagt man: Die Menschen, die ein Selbstbewusstsein entwickelt haben, werden von einer tieferen Quelle genährt. So ein Mensch erlaubt auch einem anderen, groß zu sein. Dann geht es weniger um Wettbewerb oder Konkurrenzverhalten, sondern die Menschen gehen offener und ehrlicher mit anderen um", erklärt die Zen-Lehrerin Anna Gamma in einem Interview mit dem Netzwerk Ethik heute. Das Veränderungspotential, das von Achtsamkeit ausgeht, ist in ihren Augen immens. Im Business-Leben womöglich herausfordernd könnte sein, dass das Meditieren den Zugang zu einer Art des Potentials öffnet, das nicht im üblichen Sinne vorhersehbar ist. "Menschen, die den Weg ernsthaft gehen, kommen an eine Quelle, an ein tiefes Gewahrsein ihrer selbst. Sie werden eigenständiger, selbstbewusster und achtsamer. Sie sind weniger gefährdet, über die körperlichen und seelischen Grenzen hinaus zu arbeiten. Meditation verändert uns, und wenn man den Weg beginnt, weiß man überhaupt noch nicht, wo es hingeht. Der Weltinnenraum ist so viel tiefer als der Weltaußenraum. Was einem da begegnet, das wissen wir nicht. Ich verstehe Menschen, die den Zugang zur Meditation scheuen, weil man sich da zuerst selbst begegnet und dazu gehören auch die eigenen Schattenseiten. Die Praxis braucht Mut", so Anna Gamma.
Wenn der Chef meditiert, Netzwerk Ethik heute Oktober 2018

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