Menschliche Dimension wird im Recruiting gerne ausgeblendet 
Montag, 20. November 2017 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Man sollte meinen, der Faktor Mensch und die Frage, wie sich neue Mitarbeiter in eine Unternehmenskultur und die ihr zugrunde liegende Wertelandschaft eingliedern, spielen im Recruiting eine zentrale Rolle. In der Theorie mag das so sein. In einer Umfrage des Job-Portals StepStone sagten zumindest 93 Prozent der rund 4.000 befragten Personalentscheider, dass dieser so genannte Cultural Fit wichtig bis sehr wichtig sei. Doch nur 41 Prozent prüfen bei der Besetzung von Stellen auch wirklich, inwiefern der Bewerber zur Arbeitsumgebung passt. Das mag auch daran liegen, dass 40 Prozent der Befragten überhaupt nicht klar ist, für welche Werte ihr Unternehmen steht und was die Unternehmenskultur ausmacht. Die kulturelle Dimension im Bewerbungsprozess einzubeziehen, setzt systematische Verfahren voraus, beispielsweise Persönlichkeitstests oder leitfadengestützte Interviews - die werden aber nur von 15 Prozent der befragten Firmen genutzt. Es mag leichter sein, einfach fachliche Qualifikationen zu überprüfen. Doch damit verzichten Unternehmen auf wesentliche Mehrwerte der kulturellen Passung. 70 Prozent der Firmen, die Tools nutzen, um sich über den Cultural Fit mehr Klarheit zu verschaffen, konnten dadurch die Fluktuation reduzieren. Eine große Mehrheit berichtet auch von einer gesteigerten Zufriedenheit der Mitarbeiter.
Passt menschlich nicht? Na und? WiWo 12.11.17

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Warum Benimm und Anstand kein Auslaufmodell sind 
Mittwoch, 15. November 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Gutes Benehmen, Anstand, Manieren - reflexhaft möchte man denken, das ist völlig old school. Wo Betrügen heute in Unternehmen an der Tagesordnung ist und wir uns im Privaten eher auf Lässigkeit ausrichten, wirkt ein gepflegter Umgang fast schon antiquiert. Einerseits geht es bei guten Manieren "um Geschicklichkeit im Umgang mit anderen Leuten", so der Philosoph Joseph Vogl. Doch gerade hier entsteht auch eine Wechselseitigkeit, die positiv auf uns selbst zurückwirken kann. Vogl verweist darauf, wie wichtig es ist, sich selbst zurückzunehmen": "Dass man sich bemüht, dem Ich eine Form zu geben, die nicht am Individuellen klebt, und bereit ist, einen Raum zu öffnen, in dem sich Gegenseitigkeiten entwickeln können. Man muss sich die Gelegenheit, aber auch die Zeit geben – und auch anderen die Zeit geben –, soziale Spielräume zu testen, Anknüpfungen zu ermöglichen." Gerade in Zeiten, in denen soziale Diversität immer mehr Normen obsolet werden lässt, können Benimm und Anstand neue Räume für ein soziales Miteinander öffnen. "Man hat sozusagen eine unklare soziale Begegnungs- und Berührungsoberfläche, Distanz ist da gewissermaßen eine soziale Vorkehrung. Je stärker ich mich zurücknehme oder moderiere, desto größer ist der Spielraum für kulturelle und soziale Differenzen, die auftauchen können, ohne dass sie sofort zum Konflikt führen", erklärt Vogl. Um ein "wohltemperiertes Sozialniveau" zu ermöglichen, bedürfe es dabei auch der Fähigkeit, die eigenen Affekte im Zaum zu halten: "Ich gehe nicht mit dem größten Schmerz in die Gesellschaft, und wenn ich es tue, versuche ich, ihn in irgendeiner Weise im Zaum zu halten, sonst werde ich sozial ungenießbar. Genauso erwarte ich vom anderen, dass er die größte Wallung oder den größten Schmerz noch beaufsichtigen kann. Nur dadurch wird wechselseitige Einfühlung ermöglicht." Es ist interessant, über diese Tiefenstrukturen unseres Soziallebens nachzudenken - und sich den eigenen Anteil daran bewusst zu machen. Oft sind wir düpiert, wenn andere uns gegenüber ein eher rüdes Benehmen an den Tag legen. Aber wie steht es um unser eigenes Verhalten?
"Sonst ist man plötzlich sozial ungenießbar", Zeit online 8.11.17

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Wie Mitgefühl aktiv Verbindungen stiftet 
Donnerstag, 9. November 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
In einer Zeit der politischen Herausforderungen scheint Empathie und Mitgefühl ein besonderer Stellenwert zuzukommen. Im Verlauf der Flüchtlingskrise haben wir gesehen, wie unterschiedlich die Befindlichkeiten sind, mit dieser Frage der Verbundenheit umzugehen. Wo wir im Alltagssprachgebrauch beide Begriffe leicht gleichsetzen, hat die Wissenschaft einen wesentlichen Unterschied zwischen diesen beiden Beziehungsdimensionen erkannt. Empathie umfasst eine grundsätzliche Resonanzfähigkeit. "Man teilt ein Gefühl mit einem anderen Menschen, ist aber der Gefahr ausgesetzt, überwältigt zu werden und in empathischen Stress zu geraten", so die Neurowissenschaftlerin Tania Singer. Mitgefühl hingegen hat auch eine aktive Dimension. Wenn man sich als Teil eines größeren Ganzen empfindet, ist mit der Wahrnehmung der Verbundenheit zumeist auch ein Handlungsimpuls der Fürsorge verbunden. Und diese Form der Aktivierung hat sogar positive Wirkungen auf beziehungsweise im Handelnden. Empfindet man Mitgefühl, "werden Netzwerke aktiviert, die mit positiven Gefühlen und Belohnung einhergehen. Bei Empathie dagegen wird zum Beispiel ein Teil der Schmerzmatrix im Gehirn aktiviert, der auch dann aktiv ist, wenn man selbst Schmerzen empfindet", so Singer. Mitgefühl öffnet uns also nicht nur für die Befindlichkeit anderer, sondern es wirkt gleichermaßen wie eine innere Ressource, die uns ein Handeln in Verbundenheit erleichtert. Es ist nicht immer leicht, diese Zuwendung zu kultivieren, denn das Leiden anderer fordert uns immer auch heraus. Wer sich beispielsweise auf das Schicksal von Flüchtlingen einlässt, konfrontiert sich mit Trauma, Verlust, Todesangst, Hilflosigkeit und Ohnmacht - Erfahrungen, denen man am liebsten ausweicht. "Diesem Impuls müssen wir gegensteuern", so die Psychoanalytikerin Marianne Leuzinger-Bohleber, die in Darmstadt mit Flüchtlingen arbeitet. Und das verlangt Überwindung und Hingabe. "Es gibt keine Abkürzung in das fremde Herz des Nachbarn", sagt etwa Rowan Williams, der ehemalige Erzbischof von Canterbury. Sich darauf einzulassen, ist eine kulturelle Leistung - eine, die eine Kultur der sozialen Verbundenheit fördert.
Das Herz der Anderen, FAZ 1.11.17

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Warum die Psyche mehr Beachtung braucht 
Montag, 6. November 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Psychische Erkrankungen sind in der Wahrnehmung der meisten Menschen so etwas wie Sonderfälle des Lebens - eher die Ausnahme als die Regel. Untersuchungen, die auf Stichproben basieren, zeigen, dass zum gegebenen Zeitpunkt zwischen 20 und 25 Prozent der Bevölkerung akut unter einer psychischen Erkrankung leiden. Im Langzeitvergleich ergibt sich indes ein deutlich drastischeres Bild. Eine Langzeituntersuchung mit Teilnehmern aus Neuseeland, bei der die Probanden von der Geburt bis ins mittlere Lebensalter begleitet wurden, zeigte durch regelmäßige Screening, dass mehr als 80 Prozent der untersuchten Personen zumindest einmal während der Studie zumindest kurzzeitig unter einer psychischen Störung leiden. Studien wie diesen geht es nicht um Pathologisierung, zumal sie gleichermaßen belegen, dass solche Krankheitsepisoden nicht dauerhafter Natur sind. Sie wollen dafür sensibilisieren, wie verbreitet psychische Probleme sind - und neue Ansätze für passende Hilfen eröffnen. Viele Mediziner erhoffen sich auch ein Umdenken im gesellschaftlichen Umgang mit psychischen Erkrankungen.
Nur eine Minderheit bleibt ein Leben lang psychisch gesund, spektrum.de 27.10.17

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Das Gute im Menschen verbindet 
Donnerstag, 2. November 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Die, die uns nahe stehen und zu unserer sozialen Gruppe gehören, nehmen wir meist in einem besseren Licht wahr als Menschen, die wir nicht kennen oder deren Kultur uns sogar fremd ist. Wissenschaftler der Harvard University haben nun mit einem Experiment herausgefunden, wie leicht sich dieser Mechanismus durchbrechen lässt. In einer Studie mit mehreren Hundert Probanden stellten sie fest, dass ein Blick auf den guten Kern eines Menschen die eigenen Urteile über andere positiv beeinflusst. Den Probanden wurde beispielsweise die Geschichte eines Vaters erzählt, der zunächst böse war und sich dann läuterte oder umgekehrt vom "Guten" zum "Bösen" wurde. Danach fragte man sie, welcher Teil seiner Persönlichkeit zu der Verhaltensänderung geführt haben könnte. Für die meisten Probanden war hier klar, dass die guten Seiten des Menschen seine eigentliche Persönlichkeit widerspiegelten. Zu dieser Erkenntnis gekommen, bewerteten die Probanden anschließend arabische Zuwanderer und weiße Mitbürger, empfanden sie jene, die ihnen fremder waren, nicht mehr als bedrohlicher im Vergleich zu den Mitgliedern der eigenen sozialen Gruppe. Gleichzeitig wurde auch ihre Wahrnehmung der eigenen sozialen Gruppe nuancierter. "Wer zuvor über das wahre Selbst nachgedacht hat, bewertet die Mitglieder sowohl der fremden als auch der eigenen Gruppe nuancierter", so die Folgerung der Psychologen.
Der Glaube ans Gute überwindet Vorurteile, spektrum.de 25.10.17

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Status-Stagnation ist ungesund 
Mittwoch, 1. November 2017 - Psychologie, Studien, Arbeit
Über den Stress, der mit beruflichem Aufstieg verbunden ist, wird viel gesprochen. Die andere Seite des Phänomens, beruflicher bzw. sozialer Abstieg, wird hingegen selten betrachtet. Dabei hat diese Stagnation sozialer Mobilität durchaus gesundheitliche Auswirkungen. Soziologen der Universität Halle-Wittenberg untersuchten die Lebensläufe von knapp 20.000 erwerbstätigen Deutschen im Alter von 25 bis 59 Jahren und stellten dabei fest: Am gesündesten sind Menschen, die aus Familien mit gutem sozialen Status stammen und diesen auch im Laufe ihres Lebens halten können. Menschen, die längere Zeit in einem niedrigen Status verharren müssen, fühlen sich hingegen im Schnitt besonders krank. Aufsteiger fühlen sich gesund, Absteiger berichten von einem schlechten Gesundheitszustand. Besonders stark zeigt sich laut der Untersuchung dieser Effekt bei Männern in Ostdeutschland, die statistisch gesehen sehr häufig unter Phasen der beruflichen Stagnation oder gar Arbeitslosigkeit zu leiden haben. Ein Hinweis darauf, dass zwischen Ost und West nach wie vor eine Lücke klafft.
Keine Karriere ist auch keine Lösung, FAZ 25.10.17

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Warum Selbstdarstellung bisweilen schief geht 
Montag, 30. Oktober 2017 - Psychologie, Studien, Arbeit
Vor anderen gut dazustehen, ist den meisten Menschen ein besonderes Anliegen. Im Job ist es oft besonders wichtig, aber auch im Privatleben mögen wir gerne im besten Licht erscheinen. Eine psychologische Studie zeigt jedoch, dass viele Menschen hierbei nicht immer die günstigsten Strategien wählen. Die eigenen Fähigkeiten und Leistungen offen zu artikulieren, mag logisch erscheinen. Doch diese Selbstaufwertung kommt häufig als lästige Selbstdarstellung bei anderen an. Für das umgekehrte Phänomen, das übertriebene zur Schau Tragen von Bescheidenheit oder eigenen Unzulänglichkeiten, gilt das Gleiche. Auch Scheinheiligkeit, die leicht durchschaubare Selbstüberhöhung, taugt wenig, um Pluspunkte zu sammeln. Vorsichtig sollte man auch sein mit Kommentaren, die andere vermeintlich loben, aber eigentlich dazu gedacht sind, die eigene Position zu unterstreichen. Die Psychologen gehen davon aus, dass vielen Menschen gar nicht bewusst ist, zu welchen Wahrnehmungen Verhaltensweisen wie diese bei anderen führen. Ihr Tipp: Einfach mal nahestehende Menschen um ehrliches Feedback bitten.
Wie stellen Sie sich dar? Psychologie heute 19.10.17

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Wer sich sorgt, lebt länger 
Mittwoch, 25. Oktober 2017 - Psychologie, Studien
Neurotiker leben länger - auf diese Zuspitzung könnte man die Ergebnisse einer neuen britischen Studie verkürzen. Ständig reizbar, nervös und ängstlich zu sein, mag im Alltag bisweilen zum Hindernis werden. Doch dieser Neurotizismus könnte auch der Gesundheit zugute kommen. In einer Langzeitstudie betrachteten die Forscher die Daten von gut 500.000 Probanden im Alter zwischen 37 und 73 Jahren. Es lagen Informationen zu Persönlichkeitsmerkmalen wie auch der Gesundheit der Teilnehmer vor. Gut sechs Jahre nach der Erhebung waren etwa 4.500 Personen der Studiengruppe verstorben. Dabei zeigte sich, dass die Sterbewahrscheinlichkeit der eher neurotischen Zeitgenossen etwas niedriger lag als jene der eher ausgeglichenen. Die Forscher deuten den Befund dahingehend, dass Menschen, die ständig in Sorge sind, wahrscheinlich auch ihrer Gesundheit ein besonderes Augenmerk widmen.
Willkommen, liebe Sorgen! Psychologie heute 12.10.17

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