Arm und ärmer 
Dienstag, 8. Oktober 2019 - Studien, Arbeit
Die die ungleiche Einkommensverteilung wird in Deutschland immer wieder zum Thema. Schaut man auf die Statistik im Großen, dann ist zwar bemerkbar, dass die Schere zwischen hohen und niedrigen Einkommen immer weiter auseinandergeht, doch wirken die Zahlen auf den ersten Blick nicht unbedingt dramatisch. Doch wirft man einen näheren Blick auf die Situation der Ärmsten, zeigt sich, wie prekär die Lage bereits ist. Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hat dies kürzlich getan und dabei festgestellt, dass vor allem die 40 Prozent Haushalte mit dem geringsten Einkommen sehr wahrnehmbar immer weiter zurückfallen. 2005 fehlten den armen Haushalten im Vergleich zu jenen, die knapp oberhalb der Armutsgrenze stehen (was schon mehr als herausfordernd ist), 239 Euro im Monat. 2016 waren es bereits 288 Euro - eine Vergrößerung der Lücke um gut 20 Prozent. Den untersten zehn Prozent der Haushalte stand 2016 weniger Einkommen zur Verfügugn als noch 2010, denn die Einkommen im Niedriglohnsektor steigen sehr langsam, Lebenshaltungskosten indes viel schneller. Die realen Beträge, um die es hier jeweils geht, mögen sich klein anhören. Fakt ist aber, dass alle, die mit so wenig Geld leben müssen, schmerzlich wissen, mit welch deutlichen Einschränkungen sie leben müssen. Statistiken suggerieren gerne Aufschwung und Verbesserung - und über die Geschichte trifft das auch immer wieder für große Bevölkerungsgruppen zu. Aber das entbindet uns nicht davon, immer wieder Sorge dafür zu tragen, dass es allen zumindest nicht schlecht(er) geht.
Die Ärmsten werden immer ärmer, zeit.de 7.10.19

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Home Office macht produktiv und stresst dabei sehr 
Freitag, 4. Oktober 2019 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Mitarbeiter, die im Home Office arbeiten, schätzen daran oft nicht nur die besseren Möglichkeiten der Zeiteinteilung, sondern bemerken auch, dass sie von zuhause aus viel produktiver sind. Eine Umfrage der Krankenkasse AOK unter 2.000 Beschäftigten zeigt aber auch, dass die Heimarbeiter dafür einen Preis zahlen. 73,4 Prozent von ihnen fühlten sich im letzten Jahr erschöpft, unter den Büroarbeitern sagten dies "nur" 66 Prozent von sich. Ähnliche Unterschiede zeigen sich bei Wut und Verärgerung, die 69,8 Prozent der zuhause Arbeitenden empfinden, während es bei den im Büro Arbeitenden 58,6 Prozent sind. Auch die Nervosität und Reizbarkeit lag im Home Office mit 67,5 Prozent höher als im Büro (52,7 Prozent). Auch die bessere Zeiteinteilung bei der Arbeit von zuhause scheint nicht zu funktionieren, jeder Fünfte hatte hier Probleme, im Büro nur jeder Zehnte. 38,3 Prozent fällt es schwer, nach einem Home Office Tag abzuschalten, bei denen, die aus dem Büro nach Hause kommen, sind es 24,9 Prozent. Die Umfrage hat die genauen Gründe für diese Diskrepanzen nicht untersucht. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass das subjektive Gefühl, alle Lasten auf den eigenen Schultern zu tragen, bei Menschen, die allein von zuhause aus arbeiten, größer ist. Was ich darüber hinaus bemerkenswert finde, ist, dass beide Gruppen von Arbeitenden eine sehr hohe Belastung zeigen, was alles andere als gesund ist.
Homeoffice ist für viele eine Belastung, zeit.de 17.9.19

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Führungsmüde und arbeitsmüde 
Mittwoch, 2. Oktober 2019 - Studien, Arbeit, Management
In deutschen Unternehmen scheint sich eine deutliche Arbeits- und Führungsmüdigkeit anzuzeichnen. Einer internationalen Studie der Boston Consulting Group zufolge würden 37 Prozent der befragten Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung und 28 Prozent der Führungskräfte am liebsten nicht mehr arbeiten. Und nur sieben Prozent der Angestellten können sich vorstellen, in den kommenden fünf bis zehn Jahren eine Führungsposition anzustreben. Wie anders sind da die Vorzeichen in einem Land wie China. Hier sind nur 13 Prozent der Führungskräfte arbeitsmüde, unter den Angestellten sogar nur vier Prozent. Wobei ich mich bei letzter Zahl frage, ob sie wirklich den Empfindungen der Menschen entspricht. Ich könnte mir gut vorstellen, dass viele Arbeitende in China allein den Gedanken, nicht mehr zu arbeiten, für undenkbar halten, wirkt er doch in einem autokratischen System, in dem Individualismus gerade erst dabei ist, sich tiefer zu entwickeln, wirklich vermessen. Unter den Chinesen würden gerne 47 Prozent aufsteigen und Führungsaufgaben übernehmen. Vielleicht, weil ein solcher Schritt illustriert, dass man es geschafft hat. 64 Prozent der deutschen Führungskräfte fühlen sich gestresst und 82 Prozent sagen, dass ihr Job immer schwerer wird. Die Indizien häufen sich also, dass es in unserer Arbeitswelt an vielen Ecken bröckelt. Die Frage ist, wie wir damit kulturell und gesellschaftlich umgehen können.
Keine Lust auf Karriere, spiegel.de 21.9.19

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Wenn Halbwissen zur Sackgasse wird 
Montag, 30. September 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
In Zeiten, in denen man nahezu alles googeln kann, wird das Gehirn faul. Ich merke oft genug bei mir selbst, wie ich mir bisweilen Details nicht mehr so gerne merke wie zu Zeiten, als einmal vergessene Informationen noch viel schwieriger wiederzuerlangen waren. Eine solche Lässigkeit im Umgang mit potentiellem Wissen kann jedoch gravierende Nachteile haben. Eine amerikanische Studie untersuchte kürzlich in Tests mit rund 3.500 Schülern, wie essentiell das Kennen von Fachbegriffen ist, um größere Zusammenhänge zu verstehen. Dabei zeigte sich, dass wenn die Schüler weniger als 60 Prozent der Schlüsselbegriffe eines Textes verstanden, sich ihnen auch der Gesamtzusammenhang kaum erschloss. Vielleicht kann man sagen, je kleiner unsere Wissensbasis ist, umso enger werden dadurch auch unsere Möglichkeiten, die Welt zu verstehen. Das mag banal klingen. Doch man kann leicht selbst an sich beobachten, ob man dazu neigt, Wissen eher zu inhalieren und sich somit eine dauerhafte Verstehensgrundlage für größere Zusammenhänge zu schaffen, oder ob man geneigt ist zu denken: "Na ja, sollte ich das noch mal wissen müssen, kann ich's ja googeln."
Halbwissen bringt nichts, spektrum.de 26.8.19

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Arbeiten, arbeiten, mehr arbeiten 
Freitag, 27. September 2019 - Studien, Arbeit, Management
Der Arbeitszeitmonitor der Beratungsgesellschaft Compensation Partners zeigt wieder einmal, dass Überstunden in der Arbeitswelt längst eine branchenübergreifende Selbstverständlichkeit sind. Zwischen 1,85 Wochenstunden (Steuerberater) und 5,18 Wochenstunden (Unternehmensberater) liegt die in der Erhebung erfasste Mehrarbeit, wobei Menschen in höheren Karrierepositionen mehr Überstunden leisten als jene, die in niedrigeren Positionen tätig sind. Erstaunlich finde ich, wie oft Überstunden heute nicht vergütet werden. Bei Menschen mit Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze (6700 Euro brutto im Westen, 6150 Euro brutto im Osten) gilt Mehrarbeit oft bereits via Arbeitsvertrag als abgegolten. Aber über die Branchen hinweg ist das Bild dennoch erstaunlich, denn je nach Branche werden zwischen 52 Prozent (Messebetreiber) und 75 Prozent (Unternehmensberatung) nicht bezahlt. Die nichtvergütete Mehrarbeit erreicht also auch die nicht so gut bezahlten Angestellten. Welche Denkweise und Kultur dahinter steckt, spiegelt das Zitat einer Karriereberaterin zu den Zahlen in dem Bericht der Welt wider: "Wenn man hier mit dem Arbeitspensum unzufrieden ist, lohnt es sich eher zu hinterfragen, ob das der richtige Job ist und wo man in seiner Karriere wirklich hin will." Menschlichkeit oder menschliches Maß scheinen hier kein Thema zu sein, man huldigt eben einer Leistungskultur des immer Mehr.
In diesen Jobs drohen Ihnen die meisten Überstunden, welt.de 17.9.19

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Waldgeräusche entstressen 
Montag, 23. September 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Im Kampf gegen den Stress scheint heutzutage wirklich jedes Mittel recht zu sein. So wirkt zumindest eine Studie des britischen National Trust auf mich. 600 Probanden wurden Aufnahmen von Waldgeräuschen, einer angeleiteten Meditation oder reiner Stille ausgesetzt und die Wissenschaftler befragten sie anschließend zu ihrem Stressempfinden. Bei den Teilnehmenden, die das Rascheln von Blättern und Vogelgezwitscher gehört hatten, sank der wahrgenommene Stresslevel um 30 Prozent und sie berichteten auch, sich weniger sorgenvoll zu fühlen. Die Meditation war im Hinblick auf die Stressreduzierung sogar noch etwas wirksamer. Sicher, es ist toll, solch einfache Mittel zur Verfügung zu haben, um sich nicht im Stress zu verlieren. Ich frage mich allerdings schon, ob es längerfristig auch seelisch gesund ist, im Notfall einfach zu einer Audiokonserve zu greifen, um sich in ein paar Minuten wieder runterzufahren. Naturerleben wirkt in so vielen Dimensionen, dass es durchaus hilfreich sein kann, wirklich mal rauszugehen. Auch die Tatsache, dass das Meditieren sich in der Studie als noch "wirksamer" erwiesen hat, tröstet mich da nur bedingt, zumindest wenn es unter schlicht funktionalistischen Gesichtspunkten angepriesen und praktiziert wird. Meditation ist oder kann zumindest auch eine Lebenseinstellung sein - und zwar eine, die auch außerhalb der Zeiten, in denen man formell meditiert, wirkt. Weil man dadurch einen anderen Blick auf das und einen anderen Stand im Leben kultiviert.
Waldgeräusche entspannender als Meditieren, Deutschlandfunk 13.9.19

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Meditation als Weg aus negativen Gefühlen 
Mittwoch, 18. September 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Meditieren hilft nicht nur dabei, den eigenen Stresslevel zu senken. Bei Praktizierenden verkleinert sich auch das mit negativen Emotionen verbundene Gehirnareal. Zu diesem Ergebnis kommt eine niederländische Studie mit insgesamt 4.000 Teilnehmenden. Viele der Studienteilnehmer waren sich ihres Stresses bewusst und hatten deshalb angefangen zu meditieren. Und nach eigenen Aussagen halfen ihnen das Meditieren oder auch Yoga dabei, mit diesen Herausforderungen besser umzugehen. Die Forscher möchten trotz großer Stichprobe ihre Ergebnisse nicht unbedingt verallgemeinern, denn die Teilnehmenden waren vor allem in der Altersgruppe über 45 Jahre angesiedelt, einem Alter, in dem die Plastizität des Gehirns bereits vermindert ist, so dass die Studienergebnisse zum Beispiel keine Rückschlüsse auf Wirkungen bei jüngeren Personen erlauben.
Yoga und Meditation verkleinern Gehirnareal für negative Emotionen, Fit for Fun 6.9.19

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Weniger Ängste, doch der Pegel bleibt hoch 
Freitag, 13. September 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Die R+V Versicherung erhebt regelmäßig eine Art Angstbarometer und betrachtet, welche Sorgen die Deutschen haben. Die gute Nachricht in diesem Jahr: Der Angst-Index ist gegenüber dem Vorjahr von 47 auf 39 Prozent gesunken. So viel Gelassenheit wurde seit 25 Jahren nicht mehr gemessen. Doch die Ängste, die die Bevölkerung umtreiben, haben es nach wie vor in sich. Mehr als 50 Prozent sorgen sich, dass die Flüchtlinge die Möglichkeiten des Staates überfordern und fürchten Spannungen durch den Zuzug von Ausländern. Auch die weltweiten Gefährdungspotentiale durch die Politik des US-Präsidenten wirken auf eine Mehrheit bedrohlich. 47 Prozent sprechen von einer Überforderung der Politiker, die ihnen genauso viel Angst macht wie ein erstarkender politischer Extremismus. Immer unbezahlbarer werdende Mieten, die Angst, einmal ein Pflegefall zu werden, steigende Lebenshaltungskosten und die Folgen der Schuldenkrise drücken jeweils über 40 Prozent der Bevölkerung. Da klingt die Zuversicht, die die Meldung über die insgesamt gelöstere Stimmung der Deutschen zu verbreiten sucht, fast schon zynisch ...
Eine Entwicklung beunruhigt die zuversichtlichen Deutschen, welt.de 5.9.19

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