Wie fokussiert sind wir eigentlich wirklich? 
Mittwoch, 7. November 2018 - Bewusstsein, Studien
Konzentriert einen Text lesen, an etwas arbeiten oder nachdenken - wir glauben oft, ein gutes Gespür dafür zu haben, wann wir wirklich aufmerksam sind. Aber womöglich irren wir uns hier. Eine neue neurowissenschaftliche Studie zeigt, dass selbst in den Phasen, in denen wir uns als besonders fokussiert erleben, unsere Aufmerksamkeit immer wieder unbewusst abschweift. Unser Wahrnehmungssystem nimmt dann auch Umgebungsreize auf, scannt gewissermaßen unser Umfeld. "Wir Menschen glauben ja, dass wir unsere Aufmerksamkeit bewusst auf einen Punkt richten, dass das sozusagen ein Willensakt ist. Wenn ich im Büro sitze, dann kann ich entscheiden, ob ich auf den Computerbildschirm vor mir oder auf mein Smartphone gucke. Was wir in dieser Studie aber sehen, ist das genaue Gegenteil: Unserer Aufmerksamkeit liegen automatische Prozesse zugrunde. Natürlich richten wir erst einmal die Aufmerksamkeit irgendwohin. Doch was dann abläuft, liegt jenseits unserer Wahrnehmung. Es passiert unbewusst", erklärt die Neurowissenschaftlerin Sabine Kastner, die an der Studie beteiligt war. Ihre Forschung zeigt, "dass diese subjektive Vorstellung davon, wie wir Aufmerksamkeit wahrnehmen, eine große Illusion ist". Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieses Abschweifen eine evolutionär wichtige Funktion hat, denn es ermöglichte es unseren Urahnen, die in früheren Zeiten ständig gegebenen Gefahren für ihr Leben gleichermaßen wahrzunehmen wie sich auf konkrete Aufgaben zu konzentrieren. Welche Bedeutung dieser unbewusste Automatismus für unser heutiges Dasein haben könnte, darüber rätselt die Forschung noch.
"Unsere Vorstellung von Aufmerksamkeit ist eine große Illusion", zeit.de 16.10.18

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Größter Stressfaktor sind zu viele Aufgaben und zu wenig Zeit 
Freitag, 2. November 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien, Arbeit
Für Stress im Job gibt es viele Gründe. Für einen Großteil der Arbeitnehmer ist es vor allem die systematische Überforderung, die zu psychischem und körperlichem Stress bei der Arbeit fühlt. 58,1 Prozent der 1.889 Befragten einer Arbeitsmarktstudie des Jobportals Orizon gaben an, dass sie zu viele Aufgaben bewältigen müssten und im Unternehmen zu wenig Personal eingesetzt werde. Für rund ein Drittel führen Ärger mit Vorgesetzten oder Kollegen oder auch Lärm zu stress. Die geforderte Erreichbarkeit über die Kernarbeitszeit hinaus setzt jeden Fünften innerlich unter Druck, genau so viele fühlen sich durch lange Fahrtzeiten belastet.
Arbeitsmarktstudie 2018

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Mehrarbeit ist heute normal 
Donnerstag, 1. November 2018 - Studien, Arbeit
Überstunden sind kaum noch eine Ausnahmeerscheinung und sie treffen nicht nur Manager in Top-Positionen regelmäßig. Eine Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeigt: Im Schnitt machen Arbeitnehmer in Deutschland pro Woche vier Überstunden. In der Pflege, im Schutz- und Sicherheitsgewerbe kommen Vollzeitkräfte sogar auf fast fünf Überstunden, Fahrer von Liefer- und Lastwagen sogar auf 7,2 Stunden. Ein Drittel der Befragten gab an, den Eindruck zu haben, dass ihre Arbeit in der vorgesehenen Regelarbeitszeit überhaupt nicht zu schaffen zu sei. Bei anderen sind es vorübergehende betriebliche Gründe, die Mehrarbeit erfordern, wieder andere arbeiten bewusst mehr, um mehr zu verdienen.
Angestellte machen im Schnitt vier Überstunden pro Woche, spiegel.de 26.10.18

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Zu viele Möglichkeiten können kontraproduktiv sein 
Freitag, 26. Oktober 2018 - Lebensart, Psychologie, Studien
In Zeiten des Individualismus sind wir geneigt, unserer Wahlfreiheit einen besonderen Stellenwert zuzumessen. Wir möchten aus verschiedenen Optionen auswählen können, doch wenn wir vor zu viele Alternativen gestellt sind, wird es uns auch zu viel. Eine neue Studie zeigt nun, wo ein gesundes Maß liegen könnte. Versuchtsteilnehmer sollten eine Auswahl treffen und hatten in verschiedenen Settings die Möglichkeit, zwischen sechs, zwölf oder 24 Alternativen zu wählen. Während des Auswahlprozesses wurden ihre Hirnfunktionen gemessen. Die Hirnmessungen zeigten, dass insbesondere bei einer Auswahl von zwölf Optionen die an Entscheidungsprozessen beteiligten Hirnareale besonders aktiv wurden. Bei weniger Optionen schien das Interesse der Versuchtsteilnehmer genau so zu erlahmen wie wenn ihnen zu viele Optionen geboten wurden.
Wenn Entscheidungen quälend werden, sueddeutsche.de 16.10.18

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Lieber vertuschen als das Gesicht zu verlieren 
Donnerstag, 25. Oktober 2018 - Studien, Arbeit, Management
Aus Fehlern lernt man, das geben Eltern schon ihren Kindern mit auf den Weg. Im Unternehmensalltag sieht die Welt hingegen anders aus. Hier gilt eher: Fehler vertuscht man besser, wenn man seine Karriere nicht ruinieren möchte. Die Unternehmensberatung Ernst & Young befragte 800 Angestellte und 218 Führungskräfte zur Fehlerkultur in ihren Unternehmen. 66 Prozent der Manager glaubten, in ihrem Unternehmen herrsche eine offene Diskussionskultur, was allerdings nur von 42 Prozent der Mitarbeiter bestätigt wurde. 18 Prozent der Angestellten sagten auch, dass in ihrer Firma Fehler nicht angesprochen wurden. Das sahen nur 7 Prozent der Führungskräfte gleichermaßen. 57 Prozent der Mitarbeiter glauben, dass Fehler vertuscht werden, weil die Angst bestehe, Karrierenachteile zu erleiden oder zum Bauernopfer gemacht zu werden. Für 54 Prozent der Manager ist es vor allem die Angst vor Gesichtsverlust, die zum Verschweigen veranlasse.
Fehlerkultur ist in vielen Unternehmen ausbaubar, FAZ 14.10.18

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Führungsfrauen bringen Teams einen Schub 
Mittwoch, 24. Oktober 2018 - Studien, Arbeit, Management
Es gibt bereits verschiedene Studien, die zeigen, dass Unternehmen oder Teams, in denen eine nennenswerte Zahl von Frauen Führungsrollen innehat, bessere Ergebnisse erzielen als eher männlich dominierte Gruppen. Wissenschaftlich lässt sich in solchen Konstellationen aber nie zweifelsfrei nachweisen, ob die bessere Performance nur der Anwesenheit der Frauen geschuldet ist oder ob nicht auch andere Faktoren eine Rolle spielen. Eine Studie aus Italien bringt nun mehr Licht in diese Konstellation, denn sie untersuchte die Führungs- und Leistungskapazitäten von gemischten Teams im Zuge der Prüfungsvorbereitung, so dass für alle Beteiligten die Rahmenbedingungen gleich waren. Es zeigte sich: Die von Frauen geführten Teams erzielten deutlich bessere Abschlussnoten. Und Frauen als Teamleiterinnen scheinen insbesondere Frauen in Höchstform zu bringen. Die Studie zeigt allerdings auch, dass die Männer die Führungsfrauen tendenziell schlechter bewerteten als die Männer, die Teams führten, was an eher grundsätzlichen Vorbehalten gegenüber Frauen in Führungspositionen liegen könnte. In besagtem Experiment wurde auch deutlich, dass die Frauen, die Teams führten, sich besonders für das Wohl des Teams als Ganzem ins Zeug legten. Sie investierten besonders viel Zeit in ihre Führungsaufgaben und ihre eigenen Prüfungsergebnisse fielen, wahrscheinlich aufgrund dieses Aufwands, schlechter aus als die ihrer Team-KollegInnen.
Der Frauen-Effekt sorgt für signifikant bessere Ergebnisse, welt.de 13.10.18

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Nett sein, kann einiges kosten 
Dienstag, 23. Oktober 2018 - Lebensart, Psychologie, Studien
Nette Menschen, die nicht üppig verdienen, laufen eher Gefahr, in Geldprobleme zu schliddern, als solche, denen die Mitmenschen eher gleichgültig sind oder die einfach genug verdienen. So die Erkenntnisse einer wissenschaftlichen Auswertung von mehr als drei Millionen Datensätzen aus Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Menschen, die zu Nettigkeit neigen, scheinen sich weniger aus Geld zu machen, was finanzielles Missmanagement begünstigt. Wer anderen gerne hilft, tut das bisweilen im wahrsten Sinne des Wortes auf eigene Kosten, insbesondere, wenn er oder sie es sich eigentlich finanziell besser nicht leisten sollte. Bei jenen, die nicht zu den Geringverdienern gehören, mag die Nettigkeit auch ihren Preis haben, doch führt sie dann zumindest nicht zu Geldproblemen.
Warum nette Menschen eher Geldprobleme haben, spiegel.de 12.10.18

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Altruismus kann man üben 
Montag, 22. Oktober 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Unter den Vorzeichen des Neoliberalismus sind Wettbewerbsdenken und Selbstbezug im Hinblick auf eigene Vorteile fast schon Teil der kulturellen DNA. Doch das Geflecht aus Konkurrenz und Egoismus lässt sich vielleicht leichter entwirren, als viele meinen. Eine neue Studie zeigt, dass bereits drei Monate des Übens von meditativen Methoden, die sozioaffektive Fähigkeiten wie Mitgefühl, Dankbarkeit und prosoziale Motivation schulen, bei den Teilnehmenden zu nachhaltigen Veränderungen in ihrer altruistischen Haltung wie auch in ihrem Handeln führen. Die Studienteilnehmer verhielten sich nach den Trainingseinheiten großzügiger, waren zu mehr spontaner Hilfe bereit und spendeten höhere Beiträge an gemeinnützige Organisationen. Die Wissenschaftler verglichen die Wirkung dieser Altruismus-Übungen außerdem mit anderen Meditationsmethoden, die beispielsweise die körperliche Wahrnehmung förderten oder die Fähigkeiten, die Betrachtungsperspektive zu wechseln. Dabei wurde deutlich, dass diese Übungen keine altruistischen Effekte mit sich brachten - was wiederum verdeutlicht, dass Meditation nicht per se soziale Verhaltensweisen fördert.
Altruismus lässt sich trainieren, idw 10.10.18

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