Stille ist nichts für Feiglinge 
Mittwoch, 6. Februar 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit, Management
Es ist schon fast Routine, dass beim Weltwirtschaftsforum in Davos auch meditiert wird. Jon Kabat-Zinn, Vater der Mindfulness-Bewegung war bei dem internationalen Event bereits zu Gast, dieses Jahr führte ein tibetischer Lama die Top-Manager ins Meditieren ein. Die Aargauer Zeitung berichtet in diesem Kontext, wie auch in Schweizer Unternehmen, darunter Swisscom und Axpo, Achtsamkeit immer mehr Einzug hält. "Meditation hilft, sich neu auszurichten, sich auf seine Aufgaben und die Menschen, mit denen man zusammenarbeitet, zu fokussieren", sagt etwa der Jesuit Tobias Karcher, der im Lassalle-Institut in der Nähe von Zug Meditationskurse für Manager gibt. Er hat auch die wachsende Kritik an Achtsamkeit im Unternehmenskontext auf dem Radar, sieht hier aber eher weniger Gefahren: "Auch wenn das Unternehmen von zufriedenen Mitarbeitern profitiert, so profitiert der Mitarbeiter zuallererst selbst von seiner Zufriedenheit." Er verweist eher auf die unberechenbare Einsicht, die Meditation freisetzen kann. "Wenn man ganz bei sich selber ist, werden sich Dinge zeigen, die man verdrängt hat, die unangenehm sind", so Karcher. In diesem Sinne sei Meditation nichts für Feiglinge.
Meditation statt Marathon: Achtsamkeit in den Teppichetagen der Grosskonzerne, Aargauer Zeitung 27.1.19

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Engagiert sein, ohne auszubrennen 
Dienstag, 5. Februar 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit
Burn-out verbinden viele vor allem mit all den äußeren Faktoren, denen wir tagtäglich ausgesetzt sind. Schwappen zu viele Einflüsse, die wir nicht selbst gestalten können, in unser Leben, wird es leicht zu viel und etwas in uns kapituliert. Das Magazin working@office beleuchtet in einem aktuellen Artikel noch eine weitere Facette des Burn-out-Phänomens, nämlich die uns bisweilen fehlende Selbstakzeptanz. "Wir alle wollen etwas leisten. Es erfüllt uns, etwas erreicht zu haben. Mit dem äußeren Druck bei der Arbeit wächst jedoch auch der innere Druck. Viele denken, dass sie alles sofort erledigen müssen. Es ist oft kein Raum da, über Dinge nachzudenken. So verlieren wir leicht den Kontakt zu uns selbst. Das heißt, wir spüren unsere Bedürfnisse nicht mehr und beginnen, die eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen. Wenn wir uns antreiben, wenn wir über unsere Grenzen gehen und uns erschöpfen, so wie ich das im Burnout sehe, ist das oft angetrieben von dem Wunsch, von den Kollegen oder den Vorgesetzten als positiv und fleißig gesehen zu werden. Das macht uns abhängig von der Anerkennung anderer", sagt etwa die Therapeutin Christine Brähler, die sich mit Selbstmitgefühl beschäftigt. Der Artikel gibt Beispiele und Übungen, wie sich das Gespür für die eigenen Bedürfnisse wieder stärken lässt - und wie man lernen kann, diesem Gespür dann auch zu folgen.
Selbstakzeptanz: Ich will so bleiben, wie ich bin ... working@office 23.1.19

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Gegenwind für Achtsamkeit im Business 
Freitag, 1. Februar 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Der Achtsamkeitstrend ruft in letzter Zeit immer wieder auch Skeptiker auf den Plan - und zwar nicht etwa jene, die finden, dass Meditation, erst recht im Business, nicht mehr als grober Unfug ist, sondern jene, die ahnen, dass verordnete Entspannungskurse für Firmen auch ein Weg sein können, Mitarbeiter gefügiger zu machen. Die Basler Zeitung beispielsweise berichtet, dass der Management-Vordenker Manfred Kets de Vries, Professor für Leadership Development und Organisational Change an der französischen Wirtschaftshochschule Insead, und seine Fachkollegin Katharina Balazs, Professorin an der Wirtschaftsschule ESCP Europe, in ihrem Blog den Hype um die Achtsamkeit in Frage stellen: "Wenn Unternehmen mit einer kompetitiven Kultur Wellnessprogramme einführen, ist ihr Ziel wirklich, das Leben der Mitarbeiter zu ändern? Oder dient dies meistens dazu, zu verhindern, dass überarbeitete Menschen völlig ausbrennen?" Sie kritisieren, dass in zu vielen Firmen Angst und Paranoia herrschten und dem sei nicht mit ein bisschen Meditation beizukommen. Beide plädieren dafür, sich eher mit dem Thema Vertrauen zu beschäftigen. "Vertrauen bedeutet, dass Menschen einander mit gegenseitigem Respekt behandeln, sich integer verhalten und dass faire Prozesse selbstverständlich sind", sagen sie. Das ist natürlich deutlich aufwändiger, als einfach mal ein paar Achtsamkeitskurse ins Leben zu rufen.
«Ist ihr Ziel wirklich, das Leben der Mitarbeiter zu ändern?», Basler Zeitung 18.1.19

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Wie Stille erschüttern kann 
Montag, 28. Januar 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Vielleicht hat der eine oder die andere seinerzeit den Film "Die große Stille" von Philip Gröning im Kino gesehen, ein phantastischer dreistündiger Epos, der einen tief hineinzieht in den Frieden und die Offenheit, die sich auftun, wenn Räume zwischen einmal nicht ständig mit etwas gefüllt werden. Psychologie heute sprach mit Gröning über seine Erfahrungen, die er während der Dreharbeiten in dem Kloster machte. Seine Antworten zeigen: Stille kann uns zutiefst erschüttern - und das fühlt sich anfangs nicht immer gut oder gar wunderbar an. "Am Anfang war da eine ziemliche Verzweiflung. Man ist ja wahnsinnig gewohnt daran, zu kommunizieren und viele Dinge aufzunehmen. Da war bei mir erst einmal eine große innere Leere und auch eine große Trauer. Und dann, nach ein paar Wochen, hat sich die Wahrnehmung geöffnet für das, was eigentlich das Wunderbare der Gegenwart ist: Wie ist das Licht, wie verändern sich kleine Pflanzen, wie sind die Wolken?", erzählt der Regisseur. Über die Zeit erlebte Gröning einen fundamentalen Perspektivwechsel: "Die Stille wurde mir immer wichtiger. Ich war immer dankbarer für die Momente, in denen ich weder drehen noch zu einer Messe musste, sondern einfach nur da sein konnte und sehen, wie die Zeit vergeht. Das Irre an der Stille ist die Veränderung der Wahrnehmung. Du kommst in die Lage zu sagen: Durch diesen Stein, den du beim Spazierengehen gefunden hast, kannst du hindurchsehen bis zur Schöpfung der Welt." Es ist eine neue Intimität mit dem Leben, die hier aufscheint - und die uns im so geschäftigen Alltag schlicht entgeht. Mich hat an dem Interview berührt, wie weit unsere menschliche Wahrnehmung werden kann. Es ist eine Einsicht in das Leben jenseits aller Vorstellungen, eine Einsicht, die sich nicht "machen" lässt. Meditation kann einen Weg in diese Weitung ebnen, aber nicht auf Knopfdruck. Ich erlebe manchmal in längeren Retreats ähnliches - nach Tagen des Sitzens in Stille bricht etwas auf. Man erblickt etwas, das immer schon da war, aber irgendwie auch unzugänglich. Und man ahnt, wie klein man das Leben gewöhnlich hält. Manchmal würde ich mir wünschen, dass der gegenwärtige Achtsamkeits-Hype sich auch diesen Dimensionen mehr zuwendet. Das ist allerdings unbequem, denn es braucht Zeit und Hingabe. Und doch scheint gerade, wenn man sich der Stille wirklich intensiv zuwendet, das Leben erst so richtig auf.
"Sehen, wie die Zeit vergeht", Psychologie heute 12.12.18

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Zu wenig Schlaf wird schon in der Jugend antrainiert 
Donnerstag, 24. Januar 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Das Schlafbedürfnis ist etwas sehr Individuelles. Manche Menschen sind bereits nach nur fünf Stunden Bettruhe wieder fit (allerdings realistischerweise deutlich weniger, als dies von sich behaupten), andere brauchen neun Stunden Schlaf pro Nacht, um ausgeruht zu sein und gesund zu bleiben. Eine Studie der DAK über den Schlaf von Schülern lässt ahnen, wohin die Reise gesellschaftlich und kulturell geht, wenn wir von der Bedeutung des Schlafs sprechen. Die Erhebung zeigt, wie schon junge Menschen in wenigen Jahren Muster des zu wenig Schlafens entwickeln. Fünftklässler verbringen noch 9,4 Stunden pro Nacht im Bett, bei den Zehntklässlern sind es nur noch 7,3 Stunden. Freizeitbeschäftigungen wie (digitaler) Medienkonsum sind hier nicht unschuldig. Wohin aber führt es, wenn schon in diesem Alter das natürliche Schlafbedürfnis ignoriert wird? Studien zeigen immer wieder, dass kontinuierlich zu wenig Schlaf auch die Gesundheit beeinträchtigt. Und das Schülerdasein mit seiner Pflicht zum frühen Aufstehen ist ja nur der Anfang, denn in der Arbeitswelt setzt sich dieser Trend fort. Vielleicht bin ich bei diesem Thema so sensibel, weil ich zu jenen gehöre, die dauerhaft nur mit mindestens acht Stunden Schlaf pro Nacht wirklich in Form sind - und weil ein Großteil meiner Umgebung anderen Gepflogenheiten nachgeht, ist es für mich immer besonders schwer, zu diesem Bedürfnis zu stehen und ihm auch nachzukommen. Ich würde mir wünschen, dass wir unser Leben mehr unter dem Gesichtspunkt betrachten (und natürlich leben!), was uns insgesamt auf Dauer gut tut - und weniger von dem ausgehen, was grundsätzlich möglich, aber auf Dauer eben auch schädlich ist. Mich würde zum Beispiel einmal sehr interessieren, welchen ursächlichen Zusammenhang es zwischen kontinuierlichen Schlafdefiziten und psychischen Erkrankungen, Erschöpfung und Depression gibt. Diese Probleme einfach als "psychisch" zu betrachten und damit in gewisser Weise rational begründbaren Kausalitäten zu entziehen, könnte Teil einer kulturell nicht dienlichen Entwicklung sein.
Deutschlands Schüler schlafen zu wenig, FAZ 16.1.19

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Machen gelebte Werte uns humorlos? 
Mittwoch, 23. Januar 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Humor ist, wenn man trotzdem lacht - wer kennt ihn nicht, diesen Spruch? Humorlose Menschen betrachten wir dagegen gerne als etwas moralinsauer. Was sagt uns das über die Werte, denen wir uns verbunden fühlen? Die Süddeutsche Zeitung berichtet über eine Studie der Universitäten in Singapur und Washington, bei der untersucht wurde, in welcher Beziehung der Humor von Menschen zu ihren Werten steht. Die Untersuchung zeigt: Menschen finden Witze immer dann besonders lustig, wenn sie moralische Tabus berühren. Anders ist das jedoch bei jenen, deren Wertesystem besonders tugendhaft ist. Sie finden, über solche Tabubrüche solle man nicht lachen - und sie tun es selbst auch nicht. Darüber hinaus zeigte die Studie, dass diese Gruppe insgesamt eher humorlos zu sein scheint, da es ihr auch nicht liegt, tabufreie Witze zu machen. Was mich an dem Beitrag unangenehm berührt hat, ist, wie er gegenüber dieser Humorlosigkeit stichelt. Das ist von "Auto-Spaßbefreiung" die Rede und von "ethischen Spaßbremsen". Im Umkehrschluss legt das nahe, dass wir nur lustige, fröhliche Menschen sein können, wenn wir gezielt Werte verletzen und unseren Spaß auf Kosten anderer haben. Der Artikel schließt mit dieser Folgerung: "Wer an sich selbst hohe ethische Standards anlegt, wandelt als impliziter moralische Vorwurf an alle anderen durch das Leben. Das provoziert Aversion, was sich durch ein paar grenzwertige Witze vielleicht aufbrechen ließe - wenn man denn darüber lachen könnte." Mein Einwand wäre, einfach mal nach anderen Wegen zu suchen, zu lachen. Und da gibt es viele, die ethisch einwandfrei sind.
Ethische Spaßbremsen, SZ 12.1.19

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Wie gehen wir mit menschlicher Verletzlichkeit um? 
Montag, 21. Januar 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Die Zahl psychischer Erkrankungen ist seit Jahren im Steigen begriffen - die alljährlich höheren Zahlen, die die Krankenkassen veröffentlichen, belegen dies. Digitale Verfügbarkeit und wachsende Beanspruchungen im Arbeitskontext dürften zu den Gründen gehören, dass unsere Gesellschaft immer kranker wird. Bisher wird dies jedoch immer noch hauptsächlich als privates Problem gesehen, für das jede/r Einzelne selbst verantwortlich. Der Tagesspiegel bringt nun in einem Kommentar die breite gesellschaftliche Relevanz dieser Entwicklungen ins Spiel und macht die Entwicklungen zu einer übergreifenden Kulturfrage und zu einer Frage an die Politik. "Zwar ist die psychische Reaktion auf Umstände individuell und nicht von außen steuerbar, wohl aber sind die Umstände, die Stresserkrankungen auslösen, gesamtgesellschaftlicher und damit generalisierbarer Art – und damit gehören sie durchaus in den Verantwortungsradius der Politik", so Ariane Bemmer. Ihrer Ansicht sollte es nicht nur darum gehen, Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern. Eher müsse man ganz grundsätzlich fragen, wie die Gesellschaft im Ganzen den wachsenden Bedarfen an Selbstoptimierung, die an die Menschen herangetragen werden, konstruktiv begegnen könne. "Es scheint noch immer die klammheimliche Einstellung in dieser dem Bekunden nach am individuellen Wohl und Wesen orientierten Gesellschaft vorzuherrschen, dass, wer psychisch krank wird, eben zu schwach war, um mitzuhalten. Ein Weichei, bedauernswert, aber – tja, so isses. Diese Herablassung trifft nun ausgerechnet die Seele, also das, was den einzelnen Menschen viel mehr ausmacht als sein Skelett, seine Muskeln oder seine Innereien. Deren Erkrankungen aber wird mit Respekt begegnet und einem Hilfesystem, das breit aufgestellt und schnell verfügbar ist. Das ergibt eine Pointe, die eine beträchtliche Eiseskälte offenbart – die vermutlich niemand wirklich will", warnt Bemmer.
Die Politik reagiert hilflos auf die kranke Gesellschaft, Tagespiegel.de 2.1.19

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Auch die Stars meditieren fleißig 
Freitag, 18. Januar 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Der Meditations-Hype hat längst auch die Promi-Szene erreicht. In einem Artikel zum Thema "Glück kann man lernen" listet Gala gleich eine ganze Reihe bekannter Persönlichkeiten auf, die meditieren, darunter Naomi Watts, Herzogin Meghan und Jessica Alba. Viele der Stars schwören auf Transzendentale Meditation. Man kann spekulieren, warum das so ist. Vielleicht schafft die Tatsache, dass man in TM nur von ausgewählten Lehrern eingewiesen wird und ein vermeintlich persönliches Übungsmantra erhält, einen Hauch von Exklusivität, der dem Habitus dieser Zielgruppe entspricht. Der Gala-Beitrag listet noch eine ganze Reihe von Luxus-Ressorts auf, in denen man sich, das entsprechende Kleingeld vorausgesetzt, in die Stille zurückziehen kann. Dort sind dann letztlich wieder alle gleich ...
Glück kann man lernen, Gala 6.1.19

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