Meditations- und Bewusstseinsforschung online 
Freitag, 25. Januar 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Wissenschaft
Im Kontext des Kongresses Meditation & Wissenschaft, der seit 2010 bereits fünf Mal in Berlin stattgefunden hat, ist eine umfangreiche Dokumentation zentraler Entwicklungen der Bewusstseinsforschung entstanden, die nun auch komplett online zugänglich ist. Beiträge von Vorreitern wie Jon Kabat-Zinn, Richard Davidson, Tania Singer, Thomas Metzinger, Thilo Hinterberger, Harald Walach, Ulrich Ott, Stefan Schmidt und vielen anderen, die die Wirkung von Meditation in Medizin und Therapie sowie der Arbeitswelt beleuchten, sind hier als Einzeldownloads oder Kollektionen erhältlich. Die Beiträge des ersten Kongresses 2010 stellen die Veranstalter auf ihrer eigenen Webseite zum kostenlosen Download bereit, außerdem ist der Vortrag von Gert Scobel zum Thema »Paradoxien der Meditation - Über Weisheit und Wissenschaft, säkulare Ethik und Fiktion« vom Kongress 2018 frei erhältlich.
Video-Archiv zum Kongress Meditation & Wissenschaft


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Unsere Freiheit liegt in unseren Fehlern 
Dienstag, 22. Januar 2019 - Bewusstsein, Wissenschaft
In einem spannenden Interview mit dem Deutschlandfunk bringt der Philosoph Markus Gabriel neue Perspektiven in die Diskussion über Transhumanismus und künstliche Intelligenz. Gabriel plädiert dafür, menschliche Intelligenz nicht allein als Funktion von Logik zu betrachten. "Die Art und Weise, wie wir denken, besteht ja darin, dass wir häufig auch logische Fehler begehen. Das ist übrigens unsere evolutionäre Stärke, dass wir nicht perfekte logische Maschinen sind, sondern emotional abweichen und nur auf diese Weise überhaupt Relevanzkriterien in unser Leben bringen können. Die Logik ist eine normative Disziplin, die beschreibt, wie wir unter idealisierten Bedingungen denken sollten. So denken wir aber nicht. ... Unsere Abweichung von einem Ideal der Rationalität ist der Quotient unserer Intelligenz. Das heißt, ein IQ-Test misst, wenn man so will, gerade das Gegenteil von Intelligenz", sagt er. Dem steten Hang zur Optimierung, der durch die Digitalisierung befördert wird, hält er das Moment der menschlichen Freiheit entgegen. "Frei sind wir ja immer im Licht der Möglichkeit, dass wir auch anders handeln könnten. Freiheit hat ja etwas damit zu tun, dass wir von Normen abweichen können. ... Die Normabweichung ist die Manifestation unserer Freiheit. Ohne diese Abweichung, ohne den Bruch der Regel gäbe es gar keine Freiheit. Das heißt, unsere Fehler sind der Ort, an dem sich unsere Freiheit manifestiert", erklärt Gabriel. Die Argumentation macht offensichtlich, dass der Wahn zum digitalen Perfektionismus quasi versucht, ein wesentliches Merkmal des Menschseins auszuschalten, nämlich das Nichtperfekte, das Eigenwillige. Heute ist vieles in der Diskussion um künstliche Intelligenz bereits ein Akt der Selbstverteidigung des Menschlichen. Wir sollten endlich einen Schritt weiter gehen und ganz bewusst darüber sprechen, welche menschlichen Fähigkeiten und Wesenszüge wir als Unverfügbar, als Unantastbar setzen wollen. Ansonsten passen wir uns scheibchenweise einer Maschinenrealität an.
Ohne Bewusstsein keine Intelligenz, Deutschlandfunk Kultur 12.1.19

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Wie viel Ethik braucht die Informatik? 
Dienstag, 15. Januar 2019 - Bewusstsein, Wissenschaft, Arbeit
Computertechnologien haben heute einen enormen Einfluss auf unser aller Leben. Und im gesellschaftlichen Diskurs wird immer wieder die Frage laut, wie wir diesen technologischen Einfluss ethisch in den Griff bekommen können. In der Realität zeigt sich: Informatiker werden im Berufsalltag zwar häufig mit ethischen Fragen konfrontiert, doch ist Ethik im Zuge ihrer Ausbildung fast nie ein Thema. Diese Erfahrung machte zumindest ein Informatik-Professor an der Universität des Saarlandes, der für ein Projekt angeheuert werden sollte, an dem er Zweifel hatte. Er tat sich an der Uni schließlich mit einem Absolventen zusammen, der neben Informatik auch Philosophie studiert hatte und beide entwickelten ein Seminar "Ethik für Nerds". Das Angebot trifft einen Nerv und ist seitdem an der Hochschule bei Studierenden sehr gefragt. Einzelne Hochschulen erproben bereits Ethikveranstaltungen im Kontext der Informatik. Aber vielleicht sollte es uns mehr zu denken geben, dass, bei aller Regulierung unserer Ausbildungen, Ethik nicht bereits in allen Fachrichtungen zum Standard gehört.
Philosophische Nachhilfe für Nerds, FAZ 4.1.19

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Der Faktor Mensch bei der Auswertung von Daten 
Mittwoch, 14. November 2018 - Bewusstsein, Studien, Wissenschaft
Statistik ist für viele Menschen ein Inbegriff der Objektivierung. Wo uns Daten über Sachverhalte zur Verfügung stehen, müssen wir nicht mehr mutmaßen. Aber ist das wirklich so? Eine britische Studie zeigt nun, welchen Einfluss der Faktor Mensch auf die Auswertung von Daten hat. 29 interdisziplinäre Teams sollten anhand der gleichen Datensätze analysieren, ob dunkelhäutige Fußballspieler häufiger die rote Karte gezeigt bekommen als hellhäutige. Vor der Datenanalyse wurden die Mitglieder der Forscherteams mit einer Umfrage auf mögliche Voreingenommenheiten getestet. Bei den folgenden Analysen kamen zwei Drittel der Teams zu dem Schluss, dass ein Zusammenhang zwischen Hautfarbe und der Häufigkeit der roten Karte bestehe, ein Drittel fand hingegen keine Zusammenhänge. Die signifikanten Unterschiede in den Ergebnissen der Forscher sind laut Studie darauf zurückzuführen, dass jeweils unterschiedliche Methoden für die Datenanalyse verwendet wurden. In einer Zeit, in der immer mehr Bereiche unseres Alltags durch statistische und algorithmische Prozesse beeinflusst werden, wirken solche Erkenntnisse mehr als beunruhigend.
Gleiche Daten, anderes Ergebnis, spektrum.de 5.11.18

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TU Kaiserslautern entwickelt neue Stress-App 
Freitag, 9. November 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Wissenschaft
Meditieren mit Apps scheint immer mehr zum Trend zu werden. Die TU Kaiserslautern ist nun dabei, eine App für besseres Stressmanagement zu entwickeln. "Stress-Mentor" soll Menschen dabei unterstützen, spielerisch Meditation und Bewegung in den Alltag einzubauen. Eine Tagebuch-Funktion soll dabei helfen, Stressoren besser zu erkennen und konstruktiver mit ihnen umzugehen. Um die Motivation während der Übungsphase zu stärken, sind die Übungen der App mit einem Fabelwesen gekoppelt, um das sich die App-Nutzer "kümmern" müssen, indem sie wenigstens eine Übung am Tag absolvieren. Die Entwickler der App betrachten den digitalen Helfer nicht als dauernde Unterstützung. Das Tool soll lediglich dabei helfen, verschiedene Übungen zu erlernen und in den Alltag zu integrieren, so dass man die App schließlich nicht mehr braucht.
Pressemitteilung der TU Kaiserslautern 29.10.18

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Achtsamkeit als Ego-Trend 
Donnerstag, 20. September 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Wissenschaft
Achtsamkeit ist in vieler Munde. Die damit verbundene Herauslösung der Meditation aus explizit spirituellen Kontexten hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass sich breite Bevölkerungsschichten dem Meditieren zuwenden, und dies oft mit ganz selbstbezogenen Motiven. "Das Überangebot scheint mir die eigentliche, authentische Idee der Achtsamkeit immer mehr zu verdrängen, ja zu pervertieren. Es geht dabei nicht um das eigene Ego, nicht um ständige Beschäftigung mit sich selbst und die Konzentration auf das eigene Denken und Fühlen", kritisiert Thomas Joiner, Professor für Psychologie an der Florida State University in Tallahassee, den Mindfulness-Trend. Er findet: "Vielen Achtsamkeitstrainings fehlt das Moment der Demut. Dem ursprünglichen Geist nach soll uns Achtsamkeit Bescheidenheit und Distanz lehren. Bei dieser Sichtweise ist das Ich vielleicht nicht gerade eine Illusion, aber doch gar nicht so wichtig, es ist ein Staubkorn im Universum. Der gegenwärtige Hype um die Achtsamkeit stellt den Einzelnen und sein Befinden in den Mittelpunkt. Statt auf Demut zielen viele Trainings auf Selbstoptimierung." In seinen Augen deutet das große Interesse an Achtsamkeit auch auf eine Art kulturellen Narzissmus. "In unserer ichbezogenen Gesellschaft hat die Achtsamkeit auf einmal eine ganz neue Funktion bekommen: Sie wird als Mittel zur Potenzialentfaltung und zur ungehemmten Beschäftigung mit dem eigenen Befinden betrachtet. Diese narzisstische Selbstbespiegelung ist ein Symptom unserer Zeit", so Joiner.
Der Hype um die Achtsamkeit, spektrum.de 11.9.18

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Kann Achtsamkeit zur Falle werden? 
Freitag, 13. Juli 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Wissenschaft
Der Mindfulness-Trend führt immer mehr dazu, dass Meditation und Achtsamkeit auch als Selbstoptimierungs-Techniken angewendet werden. In einem Interview für eine Beilage von evolve - Magazin für Bewusstsein und Kultur zum Kongress Meditation & Wissenschaft 2018 kritisiert der bekannte Fernsehmoderator Gert Scobel die vereinfachenden Betrachtungsweisen im Umgang mit Meditation. "Achtsamkeit alleine macht noch keine guten Menschen. Selbst Erwachen oder Erleuchtung – wie auch immer man es nennen will – als vertiefte Praxis der Meditation macht noch keine guten Menschen", sagt er. Ein wunder Punkt in unserer Wahrnehmung der Möglichkeiten von Meditation: "Wir erkennen die Fiktionalität unserer Erwartungen nicht." Scobel versucht dafür zu sensibilisieren, dass die Wissenschaft im Hinblick darauf, was Achtsamkeit für unser gefühltes Menschsein und unsere Handlungsmöglichkeiten bedeutet, erst ganz am Anfang stehe. "Alle wissenschaftlichen Untersuchungen kommen aus der Dritte-Person-Perspektive: jemand untersucht jemand anderen, der irgendetwas mit seinem Bewusstsein macht. Man kann analysieren, was in dieser Zeit, in der sich das Bewusstsein oder das Verhalten verändert, im Gehirn geschieht. Aber das ist etwas völlig anderes als die Erste-Person-Perspektive: wie fühlt es sich an, wenn ich diesen veränderten Bewusstseinszustand erfahre und beispielsweise dualistische Unterscheidungen fallen lasse und eine Einheit mit der Welt nicht nur denke, sondern erfahre und erlebe. Das sind zwei völlig unterschiedliche Welten", sagt er. Bei Kongress Meditation & Wissenschaft 2018, der am 30. November / 1. Dezember 2018 in Berlin stattfinden wird, hat Scobel vor, dieses Dilemma in seinem Festvortrag zum Thema "Paradoxien der Meditation - Über Weisheit und Wissenschaft, säkulare Ethik und Fiktion" näher zu beleuchten.
Drahtseilakt Selbstoptimierung, Kongress Meditation & Wissenschaft

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Langeweile kann eine Kulturtechnik sein 
Dienstag, 10. Juli 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Wissenschaft
Langeweile hat meist einen schlechten Ruf. In Zeiten des permanenten Beschäftigtseins ist es uns oft unheimlich, wenn einmal nichts zu tun ist. Auch bei monotonen Tätigkeiten sucht etwas in uns gerne nach einer Ausflucht, nach etwas, das unseren Geist mehr fesselt und interessiert. Vielleicht sollten wir die Langeweile aber einfach einmal aushalten, denn, das zeigt ein Artikel in der Wirtschaftswoche, in diesem geistigen Raum des Nicht-gefordert-Seins wird eine Menge möglich. Studien etwa zeigen, dass Menschen, die zuvor eine sehr langweilige Aufgabe ausgeführt haben, anschließend wesentlich kreativer sind. "Man vergeudet Jahre, wenn man nicht in der Lage ist, Stunden zu vergeuden", soll der israelisch-amerikanische Psychologe Amos Tversky gesagt haben. Die temporäre Unterforderung des Geistes scheint ihn in Bestform zu bringen. Langeweile, dieser innere Raum frei von Ablenkungen, öffnet darüber hinaus eine Sphäre der Selbstbegegnung. "Fruchtbar wird die Langeweile, wenn ich, statt zu sagen: Etwas langweilt mich, zu der Erkenntnis vorstoße: Ich langweile mich", erklärt der Autor Norbert Bolz in seinem Buch "Lob der Langeweile". Vielleicht sollten wir uns bewusst viel öfter Zeit nehmen, um uns langweilen zu können ...
Ein Lob der Langeweile, WiWo 10.7.18

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