Wider die humane Selbstabwertung 
Mittwoch, 11. September 2019 - Bewusstsein, Lebensart
"Vertraue auf die natürliche Intelligenz", postuliert der Zukunftsforscher Matthias Horx mit seinem neuen Buch. Ein Teil des Buches widmet sich der Euphorie im Hinblick auf künstliche Intelligenz ebenso wie der parallel dazu um sich greifenden Panik. Horx' Diagnose ist nicht sonderlich tiefschürfend, wohl aber kulturell treffend: "Eine der quälenden Selbstwahrnehmungen des Menschen besteht darin, sich selbst als schrecklich UNGEORDNET zu empfinden. Menschliche Existenz ist »messy«, ein einziges Chaos widerstreitender Gefühle, Instinkte, einfacher physiologische Empfindungen wie Hunger, Geilheit, Gier, Erschöpfung, die vielen Töne der Angst, Sehnsucht, Liebe und Wahn. Dieses chaotische Durcheinander quält uns, es vermittelt die Selbstwahrnehmung, irgendwie »kaputt« zu sein." Technik wird in diesem Kontext dann entweder zum Heilsbringer oder zum Dämon, der alles nur noch schlimmer werden lässt. Horx warnt davor, durch immer neue technische Vorstöße das Falsche im Leben immer weiter zu perfektionieren. Und rät, wir sollten uns wieder mehr auf unsere natürliche Intelligenz besinnen. Ist interessant, sich einmal zu fragen, wer wir wirklich sind, jenseits unserer Facebook-Blase, den ständigen Konsumvorschlägen, die die Algorithmen uns machen, und all der leblosen Virtualisierung, in der wir große Teile unserer Tage verbringen. Wir müssten uns nur trauen, mal wieder genauer hinzuschauen ... Geht, versprochen, völlig analog ...
Vertraue auf die natürliche Intelligenz

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Die Privatisierungsfalle der Achtsamkeit 
Montag, 9. September 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit
Achtsamkeit ist womöglich auch so populär geworden, weil sie unser Gefühl von Selbstwirksamkeit stärken kann. Zu viel Stress? Ein nerviger Job? Rundum überfordert? All das, so zumindest das vielfache Versprechen, lässt sich mit Achtsamkeit in den Griff bekommen. Der Tagesspiegel geht in einem Beitrag der Frage nach, inwieweit ein solch individuelles Gegenwirken bei Herausforderungen, die gerade nicht allein dem persönlichen Verhalten oder gar Zugriff geschuldet sind, nicht auch zur Falle werden kann. Wer ganz damit beschäftigt ist, gegen das eigene Unwohlsein mit Meditation vorzugehen, vergesse leicht, dass die Ursachen oft in größeren Kontexten liegen, auf die man selbst wenig Einfluss hat. Das wird Achtsamkeit leicht zu ein bisschen Kompensation, ohne dass das eigentliche Problem gelöst wird. Gesellschaftliche Schieflagen können sich so verfestigen. Und statt die steigenden kollektiven Herausforderungen endlich in Angriff zu nehmen, verliert man sich leicht im Rückzug ins Private. Dann wird das Ich zur permanenten work-in-progress und verfestigt die ohnehin schon kulturell stark ausgeprägte Ich-Fixiertheit. All das ist natürlich nicht die Schuld von Achtsamkeit. Diese möglichen Gefahren zeigen eher, was geschieht, wenn eine überindividualisierte und entsolidarisierte Gesellschaft neue Tools schmackhaft gemacht bekommt, die diese Zustände verfestigen. Achtsamkeit als wirkliches Loslassen vermag auch Türen zu öffnen - im Geist wie im Herzen. Und dann wird man vielleicht wach für das, was wirklich getan werden sollte.
Die gefährlichen Folgen der Achtsamkeitslehre, Tagesspiegel 19.8.19

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Natürliche Unnatürlichkeit 
Mittwoch, 14. August 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Was empfinden wir in unserer modernen, vielerorts größtenteils von Menschenhand gestalteten Umwelt als natürlich? Dieser Frage ging eine Studie nach, für die 1.400 britische Parkbesucher befragt wurden. Die Naturliebhaber wurden dabei in ganz unterschiedliche Grünanlagen geschickt - manche urwüchsig-wild, andere dezent gestaltet, wieder andere klar ersichtlich die Schöpfung ambitionierter Gartenbauer. Dort, wo die Gärten sehr architektonisch angelegt waren, empfanden die Besucher*innen sie eher als unnatürlich. Ob ein Areal besonders wildwüchsig, also kaum von Menschenhand gezügelt war, oder dezent, aber doch deutlich wahrnehmbar gestaltet wurde, machte hingegen kaum einen Unterschied - beide Gestaltungsformen wurden von den Studienteilnehmenden als natürlich empfunden. Kritischer zeigten sich lediglich die Gebildeteren unter den Befragten, sie schätzten die Natürlichkeit der Parks generell deutlich niedriger ein. Es ist interessant, wie sehr wir anscheinend fast schon automatisch mit Grün auch Natürlichkeit verbinden. Ich fühle mich da sehr an einen Besuch in San Francisco erinnert. Die Stadt viele sehr, sehr schöne Parks. Ich begann mich seinerzeit jedoch schon nach kurzer Verweildauer irgendwie unwohl zu fühlen. Vielleicht, weil etwas in mir, und wahrscheinlich nicht nur der wissende Intellekt, spürte, dass vieles zwar natürlich aussah, aber eben doch sehr gezähmte Natur repräsentierte.
Ganz natürlich, Psychologie heute 10.7.19


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Gefangen im Selbstbezug? 
Dienstag, 13. August 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Irgendwie freue ich mich ja immer, wenn Massenmedien etwas über Achtsamkeit schreiben, denn ich denke, es kann vielen Menschen helfen, bewusster zu leben. Doch in letzter Zeit fällt mir immer wieder auf, dass viele solcher Ratgeber-Artikel auch einen besonders starken Selbstbezug in den Vordergrund rücken. Sicher, sich wohlzufühlen, ist wohl für die meisten Menschen eine sehr persönliche, ja private Angelegenheit. Und doch hat die Selbstbezogenheit der Tipps, die viele Anleitungen zu mehr Achtsamkeit im Alltag beinhalten, auch ihre Tücken. Man muss keine spirituellen Ambitionen haben, um durch Achtsamkeitsübungen positive Wirkungen zu verspüren. Aber letztlich geht ein Teil der Wirkung solcher Methoden auch darauf zurück, dass man einmal zumindest ein Stück weit von sich selbst absieht. Spätestens seit Buddha ist es quasi amtlich, dass viele unserer empfundenen Probleme schlicht darauf zurückzuführen sind, dass das Leben sich nicht immer nach unserem Willen richtet. Auf der Webseite von Cosmopolitan rät ein Achtsamkeitsartikel dazu, Moodboards zu erstellen, sich selbst einen Liebesbrief zu schreiben oder sich einfach mehr selbst zu vertrauen. Das ist alles gut gemeint. Aber es geht irgendwie auch an dem, was bei Achtsamkeit besonders wirkt, vorbei. Denn gerade die innere Freiheit, die entsteht, wenn ich mal von meinen Wünschen und Bedürfnissen absehe, ist es, die ein tieferes Wohlbefinden nach sich zieht. Weil es mir dann vielleicht nicht immer gut geht, ich das aber gar nicht sooo schlimm finden muss.
5 Tipps, die mehr Fokus, Glück und Achtsamkeit in dein Leben bringen, cosmopolitan.de 4.8.19

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Entspannt das Grundeinkommen unsere Beziehung zur Arbeit? 
Freitag, 9. August 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Seit die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens sich verbreitet hat, werden immer wieder Diskussionen darüber geführt, ob eine solche Grundsicherung uns alle faul werden lässt oder vielleicht einfach ein Stückchen mehr Freiheit in für immer mehr Menschen doch recht angespannte Versorgungsnotwendigkeiten bringen könnte. "Im Grunde genommen entkrampft das Grundeinkommen unser angespanntes Verhältnis zu Arbeit und Einkommen. Je weniger ich mir um mein eigenes Einkommen Sorgen machen muss, desto besser kann ich aus freien Stücken für andere tätig sein", findet Philip Kovce, der als Philosoph zum Thema forscht. Die Freiheit, von der Kovce spricht, ist herausfordernd, denn wo sie für alle gelten soll, fordert sie auch von jedem in der Gesellschaft den Respekt dieser Freiheit des anderen. Und genau hier scheint es gegenwärtig noch ziemlich zu hapern. In Umfragen sagen immer wieder die meisten Menschen, dass sie selbst mit einer Grundsicherung weiter arbeiten würden. Von ihren Mitmenschen glauben indes viele, dass diese sich dann faul zurücklehnen würden. Gerne wird dann von der Selbstverantwortlichkeit gesprochen und davon, dass eine Fürsorge in Sachen Lebensführung erst dann greifen sollte, wenn Menschen sich nicht mehr selbst helfen können. Diese Argumentation verschleiert jedoch, dass auch die Marktwirtschaft immer schon von Vornherein ein komplexes System wechselseitiger Abhängigkeiten. Und hier liegt der Hase begraben - denn was geschieht, wenn diese Abhängigkeiten durch den Wegfall des Zwangs zum Geldverdienen durchbrochen werden? Über diese unterschwellige Sorge sollten wir vielleicht mehr sprechen.
"Ich bin fleißig, du bist faul", zeit.de 29.7.19

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Müssen wir vor dem Internet gerettet werden - oder vor uns selbst? 
Mittwoch, 7. August 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Der republikanische Senator Josh Hawley rüstet in den USA zu einem Feldzug gegen die sozialen Medien und will einige derer besonders "süchtig machenden" Features verbieten lassen. Dazu gehören die Autoplay-Funktion von Videos, das Endlos-Scrollen, das einen oft viel länger als eigentlich geplant auf Plattformen wie Facebook festhängen lässt, oder auch Gamification-Elemente, die für besonders intensive Nutzung belohnen. Aber sind das alles wirklich Dinge, vor denen wir unbedingt geschützt werden müssen? Mich persönlich nerven diese Features zweifelsohne. Und ich empfinde den inneren Weckruf, den ich beim Lesen des Artikels über Joshs Vorstoß verspürte, als heilsam. Aber, ganz ehrlich: Mit ein bisschen gesundem Menschenverstand und Selbstdisziplin braucht man solche Verbote gar nicht. Regulatorische Ideen wie diese führen nur dazu, dass wir immer mehr in eine Unmündigkeit hineinrutschen und unser Urteilsvermögen brachliegen lassen. Aber vielleicht ist Joshs Kampagne ja eine subversive Kampagne und genau darauf aus?
US-Senator will Autoplay und endloses Scrollen verbieten, SZ 31.7.19

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Meditation im Marketing 
Dienstag, 6. August 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit, Management
Der Meditations-Boom treibt immer bizarrere Blüten. Das Digital-Magazin t3n etwa verrät seinen Leser*innen in einem Ratgeber "7 Prinzipien, die Marketer von der Meditation lernen können". Aufhänger des Artikels ist der Auftritt von Andy Puddcombe, dem Gründer der Meditations-app Headspace, beim Online-Marketing-Rockstars-Festival 2019, bei dem rund 7.000 Teilnehmer mit ihm meditiert haben sollen. Die Tipps des Magazins lesen sich wie Kalendersprüche. Da heißt es dann: "Nimm dir Zeit und Raum zum Ausprobieren, Geh Perspektivenwechsel ein, Bewahre ein Beginner’s Mindset, Hab auch mal einen langen Atem, Fokussiere dich, Höre Gurus an, aber folge ihnen nicht blind oder Finde dein Mantra." Na ja, wer darauf noch nicht selbst gekommen ist, sollte vielleicht vor den ersten Meditationsversuchen noch einen Kurs für gesunden Menschenverstand versuchen. Aber das ist vielleicht zu aufwändig, denn: "Hast du schon einmal meditiert? Falls nicht: Vielleicht hast du ja nach dem Lesen dieses Beitrags Lust, es einmal auszuprobieren. Schon fünf bis zehn Minuten am Tag können reichen."
7 Prinzipien, die Marketer von der Meditation lernen können, t3n 31.7.19

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Es ist nicht allein das Digitale, das krank macht 
Montag, 5. August 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit, Management
Die Zahl psychischer Erkrankungen, zumindest derer, die iim Gesundheitswesen erfasst werden, hat sich in den letzten 20 Jahren laut DAK-Psychoreport verdreifacht. Viele machen dafür nicht zuletzt die immer schneller werdende Taktung in der Arbeitswelt verantwortlich, die durch die Digitalisierung geschürt wird. Doch ist das Digitale nur einer von vielen Brandbeschleunigern, wenn es um Gesundheit in Arbeitskontexten geht. "Digitalisierung führt zu Beschleunigung in allen Arbeitsprozessen, die ebenfalls ein Stressor sein kann. Bis vor zehn Jahren schrieb man einen Brief, und bis die Antwort darauf kam, hatte man Zeit für andere Dinge, es entstanden Pausen in der Kommunikation, die es heute nicht mehr gibt. Gleichzeitig hören wir immer wieder, dass die unternehmensinterne Kommunikation trotz aller technischer Möglichkeiten oft sehr schlecht ist. Das ist extrem belastend. Einen wichtigen Einfluss auf die psychische Gesundheit der Mitarbeiter hat auch die Art der Führung. Die ist oft wenig empathisch", sagt Sabine Winterstein, Fachreferentin für betriebliches Gesundheitsmanagement bei der DAK, in einem Interview mit dem Manager Magazin. Winterstein weist darauf hin, dass in Unternehmen der wachsende Druck gerne von oben nach unten durchgereicht wird. Führungskräfte sorgen sich dann weniger um das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter als darum, sich erst mal selbst aus der Schusslinie zu bringen - indem sie Aufgaben durchdelegieren, obwohl sie vielleicht wissen, dass dies zu einem Zuviel für die Betroffenen führt. Winterstein deutet in dem Beitrag darauf, was Firmen verändern sollten, damit Mitarbeiter nicht in eine krankmachende Stressspirale geraten. Und doch zeigen ihre Tipps für die, die bereits erkrankt sind, dass letztlich das gesamte Thema dann doch wieder in der individuellen Ecke hängen bleibt, weil die Betroffenen es ja sind, die letztlich zusehen müssen, wie sie sich aus dieser Krise wieder herauslavieren.
"Das Schlimmste, was Sie als Chef tun können, ist Signale zu ignorieren", Manager Magazin 25.7.19


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