Burn-out wird offiziell als Krankheit anerkannt 
Freitag, 7. Juni 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Wissenschaft
Die Weltgesundheitsorganisation hat angekündigt, dass Burn-out künftig als Krankheit anerkannt werden soll. In der neuen Klassifikationsliste ICD 11, die ab 2022 gelten soll, wird Burn-out dann als Syndrom geführt, das aufgrund von "chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet wird", auftritt. Allein diese Definition finde ich schon mehr als kritisch, da sie einen bestimmten Zusammenhang setzt, nämlich, dass chronischer Stress auch erfolgreich verarbeitet werden kann. Die WHO selbst weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Definition nur für Arbeitskontexte gelten soll, gibt sich also sehr genau. Aber bei diesem anderen Detail wird einiges übersehen. Ich bin keine Medizinerin, aber in medizinischen Berichten lese ich immer wieder, dass chronischer Stress nur eines ist - nicht lebensdienlich bzw. schädlich. Sicherlich ist die Stressschwelle für jeden Menschen eine andere, aber chronisch bedeutet dauernd, ständig. Verschiedene Studien zeigen, dass beispielsweise Tiere, die Dauerstress ausgesetzt werden, schneller sterben. Es scheint also Grenzen zu geben, oberhalb derer lebendige Organismen, und dazu zählen auch wir Menschen, Stress nicht mehr verarbeiten können. Die WHO-Definition ist gefährlich, denn sie bringt im Kontext von chronischem Stress qua Definition ins Spiel, dass er vielleicht doch individuell verarbeitet werden kann. Betroffene, denen das nicht gelingt, können dann zwar wunderbar als krank klassifiziert werden. Aber diese Klassifikation lässt die äußeren Umstände, die zur Erkrankung führen, völlig außer acht.
Burn-out erstmals als Krankheit anerkannt, zeit.de 28.5.19

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Die Zukunft der Achtsamkeit als dialogische Erfahrung 
Mittwoch, 5. Juni 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Der Selbstoptimierungs-Trend, den die Achtsamkeitsbewegung hervorgebracht hat, sitzt mir schon länger quer. Nicht, weil ich etwas dagegen hätte, dass Menschen meditieren, um sich einfach ein bisschen wohler zu fühlen. Eher, weil mich die Sorge beschleicht, dass mit diesem Selbstbezug auch eine gewisse Form der Isolation einhergeht. Denn wenn meine achtsamen Wahrnehmungen nur um mich selbst kreisen, verändert sich nicht automatisch meine Beziehung zu meinen äußeren Lebensumständen - oder gar diese Umstände selbst. Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, bei einem großen Achtsamkeitskongress in Bad Kissingen mit 1.200 Teilnehmenden einen Vortrag zu halten zur Zukunft der Achtsamkeit als dialogischer Erfahrung. Dabei habe ich gezeigt, wie Achtsamkeit, wenn man sie als dialogische Haltung kultiviert und mit anderen Menschen in achtsame Dialoge geht, völlig neue Zwischenräume öffnen, die uns miteinander verbinden und unerwartete, tiefgreifende Einsichten zwischen den Beteiligten entstehen lassen. Selbst im Vortrag, der ja erwiesenermaßen kein Dialog ist, war spürbar, dass die Zuhörenden sich hier in etwas Tiefem berührt fühlten. Gemeinsam mit meinen Kolleg*innen vom evolve Magazin konnten wir auch zwei Dialog-Cafés und einen Workshop geben, bei dem die Teilnehmenden die Möglichkeit hatten, dieses Dazwischen und Darüberhinaus tiefer zu erfahren. Ihre Resonanz stimmt mich zuversichtlich. Da war viel von Verbundenheit die Rede, von einer besonderen Beziehungsqualität. Und ist es nicht gerade das, was uns als Menschen ausmacht?
Vortrag "Die Zukunft der Achtsamkeit als dialogische Erfahrung"

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Weiterbildung Achtsamkeit am Arbeitsplatz 
Montag, 3. Juni 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit, Management
Achtsamkeit boomt und viele Berater*innen würden gerne auf den Zug aufspringen. Doch wie findet man eine passende Weiterbildung? Die Ausbildung zum MBSR-Lehrenden beispielsweise ist hochkarätig, aber auch sehr zeitintensiv. Und viele Angebote mit eher kurzer Dauer sind oft nicht nachhaltig. Ein guter Bekannter von mir, Rüdiger Standhardt, gehört zu den Pionieren im Feld der Achtsamkeits-Schulung. Er unterrichtet auch MBSR, hat aber für Menschen, die vor allem in Business-Kontexten mit Achtsamkeit arbeiten möchten, ein besonderes Programm entwickelt, das den Bedürfnissen dieser Zielgruppe gerecht wird. Ab dem Sommer bietet er wieder eine einjährige Trainer-Ausbildung "Achtsamkeit am Arbeitsplatz" an, die ich wärmstens empfehlen kann. In zwölf Tagen ermittelt er alles, was man wissen sollte, um andere Menschen in Achtsamkeit anzuleiten - viel eigene Praxis inklusive. Die Weiterbildung findet in Hofheim am Taunus und in Frankfurt am Main statt.
Trainer-Ausbildung Achtsamkeit am Arbeitsplatz

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Verbreiten technische Gadgets Sexismus? 
Freitag, 31. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Warum haben eigentlich so viele technische Gadgets Frauenstimmen? Über die Jahre habe ich mich daran gewöhnt, dass mein Navigationssystem als "Frau" zu mir spricht - und gleichzeitig nervt mich das ein wenig, weil etwas in mir spürt, dass hier auch etwas Stereotypes in meine Lebenswelt einzudringen scheint. Seit ein paar Wochen habe ich einen Staubsaug-Roboter. Für mich ist das ein klarer Fall von "er", doch dieser fleißige Geselle kommt nur mit weiblicher Stimme und alternative Audiotracks hat der Hersteller anscheinend nicht vorgesehen. Mich stört es durchaus, dass der Sauber-Zauber in unserem Haus, ohne dass ich es ändern könnte, eine weibliche Konnotation bekommt. Die Unesco zeigt nun, dass mein Unbehagen kein rein persönliches ist. Sie hat einmal näher hingeschaut, wie die Sprachassistenten von Apple oder Amazon, natürlich auch als weiblich deklariert, gestrickt sind. Und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Die Sprachroutinen zeigen, beispielsweise wenn man Siri oder Alexa anzüglich anspricht, ein übles devotes Verhalten. Die Unesco empfiehlt deshalb Technologieherstellern, Frauenstimmen nicht als Standard zu setzen und auch dafür zu sorgen, dass die Sprachassistenten in der Lage sind, beispielsweise auf Beleidigungen gemäß ihrem "Geschlecht" gesellschaftlich angemessen zu reagieren. Ich finde es ungemein wichtig, dass wir bewusster mit all diesen unbewussten Einflüssen auf unsere Weltwahrnehmung umgehen. Ich gebe zu, es ist vor allem der Chauvi in mir, der im Saugroboter eine Männerstimme vermisst - weil es mich einfach wütend macht, wenn Putzen durch programmierte Frauenstimmen mal eben so wieder als Frauensache deklariert wird. (Und ganz nebenbei - bei uns putzt meistens mein Partner, während ich lieber Ikea-Regale zusammenschraube ... dafür würde ich auch gar keinen Roboter haben wollen ...)
Unesco kritisiert Alexa und Siri als sexistisch und unterwürfig, welt.de 23.5.19

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Naturerfahrungen in jungen Jahren schützen Seele auch im Alter 
Mittwoch, 29. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Natur ist wie ein Lebenselexier für uns Menschen und das nicht allein in physiologischer Hinsicht. Eine europäische Studie mit knapp 3.600 Erwachsenen zeigt: Menschen, die in jungen Jahren viel in der Natur waren, sind auch als Erwachsene psychologisch stabiler und weniger anfällig für seelische Erkrankungen. Für die Untersuchung wurden die Studienteilnehmenden danach gefragt, wie viel Zeit sie als Kinder in der Natur verbrachten, und es wurde untersucht, wie es um ihre psychische Verfassung heute bestellt ist. Warum tiefere Naturerfahrungen in der Jugend bis ins Erwachsenenalter eine solch positive Wirkung entfalten, kann die Studie nicht klären. Aber vor dem Hintergrund, dass heute in Europa etwa 70 Prozent der Bevölkerung in urbanen Lebensräumen zuhause sind, stellt sich die Frage, ob durch die immer geringer werdenden Möglichkeiten für Naturerlebnisse wir nicht etwas Wesentliches in unserem Menschsein verlieren. Grüner Schutz für die Seele? wissenschaft.de 22.5.19

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Schlechte Gefühle beim Meditieren 
Donnerstag, 23. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Meditation ist nicht nur ein seeligmachender Heilsbringer, auch wenn der gegenwärtige Achtsamkeitstrend das bisweilen suggeriert. Eine Befragung von rund 1.200 Meditierenden zeigt: Etwa ein Viertel der Übenden hat nach dem Praktizieren bisweilen negative Gefühle oder sogar Angstzustände. Vor allem bei eher dekonstruierenden Methoden wie Zen oder Vipassana ist das der Fall, weniger bei Menschen, die MBSR-Übungen machen. Meditation ist ihrem Ursprung nie eine Methode gewesen, die zu Wohlbefinden führen soll, sondern eher ein Weg, auch Selbsttäuschungen zu durchschauen. Das innerliche Herausgefordertsein, das durchaus auch zu existenziellen Ängsten führen kann, könnte man auch als Beleg dafür sehen, dass das Meditieren etwas bewirkt. Die Wissenschaftler weisen auch darauf hin, dass solche Effekte in den spirituellen Traditionen Teil der gemeinsamen Erfahrungswelt seien. Ihre Sorge gilt jenen Menschen, die, weil sie einfach ein bisschen entspannen möchten, in solche Erfahrungen hineinschliddern und dann oft nicht wissen, wie sie mit ihnen umgehen sollen.
Häufig negative Erfahrungen beim Meditieren, spektrum.de 14.5.19

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Hin und her, sich zu entscheiden, fällt schwer 
Mittwoch, 22. Mai 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Warum tun wir uns manchmal so schwer damit, uns zu entscheiden? "Ein Problem, das bei Entscheidungen oft auftritt, ist, dass wir diese dramatisieren. Wir stellen uns automatisch das Schlimmste vor, was passieren könnte. Das Problem dabei ist, dass wir Risiken sehr viel stärker bewerten als potenzielle Gewinne", sagt Philip Meissner, Professor für Entscheidungsfindung, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Er hat einen Tipp für Entscheidungsschwache parat, dem, was man wirklich möchte, näher zu kommen - und so die passende Entscheidung zu treffen. Meissner rät, sich durch Warum-Fragen immer tiefer zu arbeiten. Wer sich fragt, ob er den Job wechseln sollte, kann fragen, warum ihm oder ihr der Gedanke kommt. Die Antwort wird wieder der Warum-Frage unterzogen und die Antwort darauf dreht eine weitere Warum-Runde. Probieren Sie's mal aus. Mir passiert es immer wieder, dass ich auf diesem Weg merke, dass meine Ausgangsannahme das Problem oft gar nicht trifft - die Warum-Fragen öffnen dann bisweilen einen Weg in eine ganz andere und stimmige Richtung.
"Wir stellen uns automatisch das Schlimmste vor, was passieren könnte", SZ 13.5.19

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Gute Laune? Sport rockt's ... 
Dienstag, 21. Mai 2019 - Lebensart, Psychologie, Studien
Gute Stimmung kommt nicht von ungefähr. Körperliche Ertüchtigung tut dem Gemüt gut. Ein Beitrag in Psychologie heute zeigt, was von welchen sportlichen Betätigungen zu erwarten ist. Krafttraining fördert die Bildung eines Botenstoffes, der das Nervenzellenwachstum stimuliert und so nicht nur die Kognition fördert, sondern auch bei der Stimmungsregulierung wirkt. Yoga und ähnliche Bewegungsmeditationen scheinen eine ganzheitliche Balance für Körper und Geist mit sich zu bringen. Wenn es ums Laufen geht, ist sich die Forschung indes nicht einig - manche Studien zeigen, dass Menschen hier zu emotionalen Höhenflügen ansetzen, andere legen gegenteiliges nahe. Wenn es um die Trainingsintensität geht, lautet die Devise - nicht zu viel, nicht zu gering, besser mittendrin. Und, für die, die nie Zeit haben, wichtig: 10 bis 30 Minuten reichen für den stimmungsaufhellenden Kick.
Gemütsbewegend, Psychologie heute 8.5.19

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