Finnland testet Grundeinkommen im Kleinen 
Dienstag, 10. Oktober 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Der Deutschlandfunk berichtet in einem längeren Feature über erste Eindrücke zum finnischen Experiment des bedingungslosen Grundeinkommens. 2.000 bisher arbeitslose Finnen erhalten seit Anfang diesen Jahres für zwei Jahre monatlich 560 Euro zur freien Verfügung. Im Vergleich mit einer Kontrollgruppe, die die üblichen Sozialleistungen erhalten, soll eruiert werden, ob das Grundeinkommen sich eignet, bisherige Leistungen des Sozialsystems zu ersetzen und so den Sozialstaat zu vereinfachen. Die Haltung der Finnen zu dem Experiment ist recht unterschiedlich: "Manche finden, dass das Experiment falsch ist, weil es Geld ohne jede Gegenleistung gibt. Andere meinen, dass das exakt das ist, was sie brauchen, was ihnen genau die Hilfe verschafft, die nötig ist, um aus ihrer schwierigen Lage herauszukommen." Man darf gespannt sein, wie nach zwei Jahren die Bilanz aussieht. Pertti Honkanen von der Sozialversicherungsagentur ist eher skeptisch, weil der Umbau des Sozialsystems, sollte das Experiment sich als erfolgreich erweisen, vielen Politikern wohl zu aufwändig werden dürfte: "Die meisten Parteien sind nicht bereit zu so einer radikalen Entscheidung."
Finnland probiert das bedingungslose Grundeinkommen, Deutschlandfunk 4.10.17

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Grundeinkommen eröffnet Freiheitsräume 
Donnerstag, 28. September 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Die Zeit hat in einem sehr interessanten Beitrag drei Gewinner eines Jahres-Grundeinkommens in Höhe von 1.000,- Euro monatlich befragt, was dieser unerwartete Geldsegen für sie und ihre Lebensgestaltung bedeutet. Bei allen Dreien handelte es sich um Menschen in sozialen Umbruchphasen, die Dank dieses finanziellen Spielraums wesentliche Weichen in ihrem Leben wie Berufswechsel oder -einstieg neu stellen konnten. An den Geschichten fällt auf, dass es sich um Übergänge handelt, für die das Sozialsystem bisher keine niedrigschwelligen Formen der Unterstützung vorsieht. Sicher besteht die Möglichkeit, im absoluten Notfall Hartz IV zu beantragen. Doch das bringt Menschen, die schon eine konkrete Gestaltungsabsicht haben und nur für eine überschaubare Zeit etwas konkrete Hilfe benötigen, in eine Maschinerie, die ihren eigenen Gesetzen folgt. Es stimmt nachdenklich, wie schnell man, wenn man keine größeren finanziellen Reserven hat, hierzulande (und wahrscheinlich überall auf der Welt) gleich an der Kante, vor einem Abgrund steht. Denn Eigeninitiative allein hilft wenig, wenn doch so vieles ganz real am Geld hängt. In den Gesprächen mit den Gewinnern zeigt sich auch der immense soziale Druck, der dadurch entsteht - und die Erleichterung, die mit einem ganz konkreten Tatendrang verbunden ist, wenn man das eigene Schicksal in die eigenen Hände nehmen kann, ohne abhängig zu sein. Das ist wirkliches Humankapital, verglichen mit dem Beitrag vom Montag.
"Ich habe geheult vor Erleichterung", zeit.de 16.9.17

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Buddhistischer Lifestyle in der Leistungsgesellschaft 
Freitag, 28. Juli 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
In einem neuen Report zur "Generation Global" nimmt das Zukunftsinstitut unter die Lupe, wie im Zuge der Globalisierung im Westen sich eine immer stärkere Affinität zum Buddhismus zeigt. Dabei geht es nicht um Religion, sondern um Lifestyle. "Der Buddhismus erfährt eine Globalisierung – als individuelle spirituelle Erfahrung, als gemeinschaftsbildendes Ritual und als religionsübergreifende Weltanschauung darüber, wie Leben und Wirtschaften in Zukunft aussehen kann", heißt es im Report. Und dabei gehe es nicht nur um esoterische Selbstverwirklichung: "Die buddhistische Lehre hat eine globale popkulturelle Wirkung entfaltet und dringt mittlerweile bis in die internationale Wirtschaft vor." Mit den spirituellen Perspektiven und kulturellen Aspekten buddhistischer Länder hat das westliche Interesse allerdings kaum etwas gemein. "Der Buddhismus verbreitet sich global also nicht als Religionsform, sondern als Weltanschauung und spirituelle Lebensphilosophie, die sich problemlos in andere religiös geprägte Weltbilder integrieren lässt. Vor allem für die westlichen Länder wird der Buddhismus mit den extrahierten Grundgedanken von Achtsamkeit und Gelassenheit zum gedanklichen Stellvertreter der Vision eines achtsameren Lebens und Wirtschaftens – als positives Gegenbild zur leistungs- und steigerungsorientierten Optimierungsgesellschaft."
Global Culture: Buddhismus, zukunftsinstitut.de

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Für die Jungen ist Arbeit nicht mehr alles 
Montag, 12. Juni 2017 - Lebensart, Arbeit, Management
Über das veränderte Verhältnis der Generation junger Arbeitnehmer zur Arbeit wird viel geschrieben. Gerade hat die Wirtschaftswoche wieder einen Blick auf das Karriereverständnis dieser Altersgruppe geworfen. Spannende Aufgaben, die Möglichkeit etwas zu bewegen, das ist der GenY wichtig. Doch ihre Work-Life-Balance ist es ebenso. Und so zeichnet sich ein verhaltener Trend ab - immer mehr Unternehmen beginnen damit, auch hochkarätige Jobs mit verkürzten Arbeitszeiten anzubieten. Eine klassische Karriere ist damit zwar nicht drin, den in Anwaltskanzleien werden nach wie vor nur jene Partner, die bereit sind, rund um die Uhr zu schuften. Aber womöglich sind dies erste Schritte, die die Arbeitswelt grundlegend verändern. Die Anwaltskanzlei Linklaters etwa bietet ihren Mitarbeitern inzwischen verschiedene Karrierepfade, darunter auch solche mit garantierten Arbeitszeiten und reduzierter Stundenzahl. Wie verrückt die Arbeitswelt tickt, wird bei solchen Arrangements auch offenbar. So leistet eine Anwältin bei CMS Hasche Sigle mit einer 80-Prozent-Stelle immer noch 45 Wochenstunden. Viele Firmen würden sich gerne in Richtung Flexibilität bewegen, haben aber auch die Sorge, dass dann im eigenen Unternehmen eine Klassengesellschaft entsteht. Die Sorge ist nicht unberechtigt. Aber womöglich tragen die auf diese Weise immer sichtbarer werdenden unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse der Arbeitnehmer auch dazu bei, dass sie das Verständnis der Berufswelt langfristig zu verändern beginnt. Dass es in manchen Branchen unumgänglich scheint, 70-80 Stunden pro Woche zu arbeiten, ist schließlich kein Naturphänomen wie Blitz und Donner, das sich nicht vermeiden lässt. Nein, es ist Teil einer Kultur, die menschengemacht ist.
Karriere machen - aber bitte in Teilzeit, WiWo 1.6.17

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Die Vorurteile der künstlichen Intelligenz 
Freitag, 9. Juni 2017 - Lebensart, Wissenschaft, Arbeit
In Bewerbungsprozessen ist es bereits an der Tagesordnung, das die Unterlagen der Bewerber von Computern vor- und aussortiert werden. Viele Prozesse des alltäglichen Lebens werden längst, ohne dass uns dies allzu bewusst ist, von Algorithmen gesteuert. Eine wissenschaftliche Arbeit im Auftrag der Bertelsmann Stiftung legt nun Ansätze vor, die es erleichtern sollen, die Blackbox dieser Algorithmen zu öffnen und ihre Selektionskriterien besser zu überprüfen und zu überwachen. Es geht darum, soziale und politische Interventionsmöglichkeiten zu schaffen, denn die von Menschen programmierte Logik kann ebenso Vorurteile und Diskriminierungen hervorrufen wie das direkte menschliche Handeln. Mit dem Ansatz der Wissenschaftler könnten Algorithmen künftig Risikoprofile erhalten und es sollte möglich werden, die Entscheidungssysteme auch im Hinblick auf kulturelle und gesellschaftliche Wirkungen zu überprüfen.
Gefährliche Algorithmen auf dem Prüfstand, 2.6.17

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
In Bremen schläft es sich am besten 
Mittwoch, 7. Juni 2017 - Lebensart, Studien, Arbeit
Genügend Schlaf und noch dazu guter scheint in der 24/7-Gesellschaft immer mehr zur Mangelware zu werden. Vor allem Berufsgruppen mit hoher Beanspruchung klagen über Schlafdefizite. Es gibt jedoch auch positive Trends in einzelnen Bundesländern. So zeigt der Beurer Schlafatlas, für den 3.500 Bundesbürger befragt wurden: In Bremen schläft es sich am Besten - hier haben die Einwohner eine überdurchschnittliche Schlafqualität, Klagen über Schlafmangel sind durchschnittlich und der Schlafmittelgebrauch sogar unterdurchschnittlich. Die Baden-Württemberger bekunden zwar auch eine hohe Schlafqualität, doch sind hier auch die Klagen über Schlafmangel hoch und viele Einwohner nehmen Schlafmittel. Noch schlechter trifft es viele Bayern, die eine durchschnittliche Schlafqualität vermelden bei hohem Schlafmangel und Schlafmittelkonsum. Menschen in Führungspositionen schlafen pro Nacht im Schnitt 24 Minuten weniger als der Durchschnitt. Insgesamt klagen 42 Prozent der Gutverdienenden über Schlafmangel. Bei den Nicht-Berufstätigen ist es hingegen nur ein Viertel.
Je höher das Gehalt, desto schlechter der Schlaf, WiWo 23.5.17

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Aus Trägheit das Glück verpasst 
Dienstag, 6. Juni 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Was macht uns wirklich glücklich? Die meisten Menschen haben durchaus eine Vorstellung davon, welches die Glücksbringer im Leben sind. Das entspannte Abhängen auf der Couch gehört eher nicht dazu. Dinge, die uns etwas Anstrengung abverlangen, hingegen schon. Eine amerikanische Studie mit 300 Probanden zeigt, dass vielen bewusst ist, dass es Aktivitäten sind, die uns herausfordern, Einsatz verlangen und kontinuierliches Engagement, die unsere Lebensfreude steigern. Die Untersuchungsteilnehmer sollten aus einer Liste mit 36 Aktivitäten, darunter Meditation, anderen Menschen zu helfen, im Internet surfen oder Nichtstun, diejenigen bewerten, die am ehesten glücklich machen. Dabei zeigte sich, dass in ihren Augen die eher passiven Beschäftigungen weniger Glücksmomente bescheren. Befragt, womit sie ihre Freizeit verbringen, gaben sie indes an, sich eher mit anstrengungslosen Zeitvertreiben zu beschäftigen. Die Forscher deuten die Ergebnisse so, dass viele einfach nicht den ersten Schritt hin zur glücklich machenden Aktivität schaffen und so letztlich ihr eigenes Glück schmälern.
Zu faul fürs Glück? Psychologie heute 19.5.17

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Warum schlechte Gefühle wichtig sind 
Dienstag, 23. Mai 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Glücklich sein, zufrieden und entspannt - das ist wohl der Wunsch der meisten Menschen. Und so versuchen wir vieles, um die eher unangenehmen Gefühle im Alltag wie Traurigkeit oder Enttäuschung zu vermeiden. Aber womöglich tun wir uns damit gar keinen Gefallen - und jagen gleichzeitig einem verzerrten Wunschbild nach. Die Wissenschaft jedenfalls zeigt, dass gerade Phasen der Melancholie sehr konstruktiv für unsere menschliche Entwicklung sein können. So zeigt eine Studie, dass Menschen, die aufgrund von Wetterveränderung eine schlechte Stimmung haben, in dieser Phase ein besseres Gedächtnis zeigen und ihre Zeugenfähigkeit wächst, weil sie durch ihre Gefühlslage weniger von äußeren Einflüssen abgelenkt werden. Richter, die nicht so gut drauf sind, weisen einen besseren Blick für Details im Verhalten von Menschen auf und lassen sich nicht so leicht von oberflächlichen, ersten Eindrücken leiten. Andere Experimente zeigen, dass Menschen mit leichter Verstimmung sich bei herausfordernden Aufgaben stärker bemühen und durch ihre Beharrlichkeit bessere Ergebnisse erzielen als Gutgelaunte. In Gesprächen können Verstimmungen zu mehr Mitgefühl für das Gegenüber führen und zum Versuch, wirklich überzeugende Argumente zu finden. Außerdem scheinen milde Verstimmungen auch die Fairness zu erhöhen. All diese Erkenntnisse zeigen, dass temporäres Unglücklichsein viele positive Fähigkeiten wachrufen kann, wenn wir uns unserer Gefühlslage einfach stellen und bewusst mit ihr umgehen, anstatt zu versuchen, diese Stimmungstief auszublenden oder zu vermeiden.
Why bad moods are good for you, Science Alert 14.5.17

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter