Schöne neue transhumanistische Welt? 
Montag, 9. Oktober 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Arbeit
Die Diskussion um Technologieentwicklung wird vielerorts vor allem unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt. Im Zentrum des Interesses stehen die Auswirkungen der Industrie 4.0 auf die Arbeitsmärkte und das Effizienzversprechen im Hinblick auf ökonomische Optimierungen. In einem Beitrag des Harvard Business Managers spricht die Wirtschaftsinformatikerin Sarah Spiekermann nun insbesondere über die menschliche Dimension des Themas, die allzu leicht übersehen wird. Spiekermann sieht in den transhumanistischen Visionen vieler Technologievordenker Gefahren im Hinblick auf unser Menschsein erwachsen. "Transhumanismus bezeichnet eine Art und Weise, über uns selbst nachzudenken. Ein Denken, das geprägt ist vom Streben, über unsere angeborene Natur hinauszuwachsen und unsere Spezies zu 'transformieren'. Auf den ersten Blick klingt das ermutigend. Positiv zu wachsen bedeutet, sich selbst zu erkennen, wie schon am Eingangstor des Orakel von Delphi stand: "Gnothi seauton". Eine Botschaft, die große Hoffnung in die Erkenntnis und die Entwicklung unserer individuellen Menschlichkeit setzt", sagt sie. Aber: "Transhumanisten haben diesen wohlwollenden Glauben und diese Geduld mit der Menschheit nicht. Für Transhumanisten sind normale Menschen nur 'Ressourcen', ein 'Präferenzbündel', 'DAUs' (Dümmster Anzunehmende User) oder sogar 'Wetware'." Spiekermann beschreibt anschaulich, wie durch den ungebremsten Technologieoptimismus des Silicon Valley das transhumane Menschenbild immer mehr in die Kultur einsickert und sich durch seine wirtschaftliche Macht zu behaupten beginnt. "Es ist diese Mischung aus Geld, Interessen und Macht, gepaart mit einer bösartigen Ideologie, die mir am meisten Sorgen bereitet", schreibt sie. Ihr Appel: "Transhumanisten gründen ihr Naturverständnis auf einer positivistischen und vereinfachenden, modellgetriebenen, konzeptionellen und analytischen Perspektive der Realität. Als Wissenschaftlerin weiß ich, dass all diesen Modellen - trotz ihrer Nützlichkeit, Eleganz und Präzision! - eine entscheidende Essenz fehlt: ein wirklich ganzheitliches und damit realistisches Verständnis unserer komplexen Wirklichkeitsphänomene. Ich habe nur eine einzige Sorge: dass die Macht der transhumanistischen Bilder vom Menschen auf dem Rücken der positivistischen Wissenschaft so stark ist, dass wir weiter Technik in die Welt setzen, die uns Menschen schwächt und die insbesondere zu einem Phänomen führt: dass viele Menschen verlernen, wie sie ihre Aufmerksamkeit bewusst kontrollieren können." Es wird Zeit, dass wir uns diesen Entwicklungen sehr bewusst stellen! Für alle, die sich tiefer für die Bewusstseinsdimension dieses Themas interessieren, dürfte die aktuelle Ausgabe des Magazins evolve zum Thema Mensch & Maschine - Big Data und die Zukunft unserer Menschlichkeit sehr interessant sein.
Vorsicht vor dem Mensch 2.0, HBM 21.9.17

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Arbeit ohne Sinn wird zum Produktivitätskiller 
Freitag, 6. Oktober 2017 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Wer arbeitet, erhofft sich, mit seiner Tätigkeit einen positiven Unterschied zu machen, Spuren zu hinterlassen. Stellt sich indes hinaus, dass das eigene Bemühen umsonst ist, ist das ein Motivationskiller, und dieser Frust hat Auswirkungen auf die künftige Produktivität von Menschen. Forscher am Leibnitz Institut für Wirtschaftsforschung in Halle untersuchten die Haltungen von 140 Mitarbeitern, die in einer Forschungseinrichtung an einem Projekt gearbeitet hatten, das eingestellt worden war. Die Studienteilnehmer wurden in drei Gruppen eingeteilt. Einer sagte man, dass ihre Aufgabe bedeutungsvoll war. Eine andere erhielt die Botschaft, dass ihr Einsatz größtenteils vergeblich gewesen sei. Der dritten Gruppe wurde vermittelt, dass ihr Engagement in einem neuen Kontext noch Wirkung entfalten würde. Alle drei Gruppen sollten schließlich Fragebögen beantworten, wobei sie für einen Teil der Fragen eine Aufwandsentschädigung erhielten, während weitere Fragen freiwillig und ohne Vergütung beantwortet werden sollten. Die Probanden der Gruppen, die mit einem Kommentar in die Studie geschickt wurden, der ihre Arbeit sinnvoll erscheinen ließ, zeigten dabei ein wesentlich höheres Engagement bei der Beantwortung der freiwilligen Fragen. "Ein Unternehmen sollte kurzfristige Verluste in Kauf nehmen und eine neue Verwendungsmöglichkeit für die bereits erledigte Arbeit suchen. Diese Verluste dürften niedriger ausfallen als die Kos­ten, die auf lange Sicht durch demotivierte Angestellte entstehen", so die Schlussfolgerung der Studie.
Bloß nicht für den Papierkorb arbeiten! faz.net 26.9.17

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Durchhaltevermögen inspiriert 
Montag, 2. Oktober 2017 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Wenn Menschen die Ärmel hochkrempeln und trotz Unannehmlichkeiten oder Gegenwind an einer Sache dranbleiben, kann das eine besondere Inspirationskraft freisetzen. Eine MIT-Studie mit Kindern im Alter von 13 bis 18 Monaten zeigt nun, dass diese Vorbildkraft schon bei den Kleinsten zu wirken scheint. In der Untersuchung sahen die Kinder dabei zu, wie Erwachsene eine bestimmte Aufgabe lösten. In einem Szenario bemühten sich die Erwachsenen dabei mehrfach, bis sie zum Ziel gelangten, in einem anderen gaben sie schnell auf und ließen die Aufgabe ungelöst. Anschließend sollten die Kinder selbst ein Problem lösen. Dabei zeigte sich, dass diejenigen, die zuvor das fortgesetzte Bemühen eines Erwachsenen beobachtet hatten, selbst ein wesentlich größeres Durchhaltevermögen an den Tag legten als die Kinder, die gesehen hatten, wie die Versuchspersonen aufgaben. Die Inspiration, länger am Ball zu bleiben, stellte sich vor allem dann ein, wenn die erwachsenen Versuchspersonen, während sie ihre Aufgabe lösten, mit den Kindern in Kontakt waren und mit ihnen sprachen. Inspiration scheint also einerseits von Vorbildern zu leben, aber auch von der persönlichen Beziehung zu diesen.
Kinder schauen sich Hartnäckigkeit von Erwachsenen ab, spektrum.de 21.9.17

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Lebenskrisen sind großer Stressfaktor 
Mittwoch, 27. September 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Arbeit
Die Arbeitsausfälle durch psychische Erkrankungen sind in den letzten zehn Jahren um 80 Prozent gestiegen, so eine Erkenntnis des Fehlzeiten-Report 2017 der Krankenkasse AOK. Der wachsende Stress in der Arbeitswelt ist dabei nur ein Problem, denn die Repräsentativstudie zeigt auch, dass Lebenskrisen für viele Arbeitnehmer einen enormen Stressfaktor darstellen. Unter den Arbeitnehmern, die jünger als 30 Jahre sind, ist immerhin bereits ein Drittel davon betroffen, unter den 50- bis 65-Jährigen sind es sogar zwei Drittel. Für eine große Mehrheit sind dann körperliche Beschwerden oder psychische Probleme die Folge. Das hat auch für die Arbeit Folgen. Mehr als die Hälfte der Betroffenen fühlt sich im Job nicht voll leistungsfähig. Nahezu jeder Zweite geht trotz seiner Beschwerden weiter zur Arbeit. Ein Drittel der Betroffenen meldet sich häufiger krank.
Arbeitsausfälle wegen psychischer Erkrankung nehmen drastisch zu, SZ 14.9.17

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Selbsterkenntnis hilft im zwischenmenschlichen Miteinander 
Dienstag, 26. September 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Wie gut wir andere Menschen verstehen, scheint auch davon abzuhängen, wie gut unser Zugang zu unserem eigenen tiefsten Inneren ist. Das legt eine deutsch-amerikanische Studie nahe. Die Wissenschaftler ließen über drei Monate ihre Studienteilnehmer im Alter von 20 bis 55 Jahren im Rahmen eines Meditationstrainings ihre eigenen kognitiven Muster mit innerem Abstand betrachten. Außerdem übten sich die Probanden darin, verschiedene in ihnen wirksame Persönlichkeitsanteile zu erkennen, darunter der "innere Manager“, "der Feuerwehrmann“, "die glückliche Prinzessin“ oder "das enthusiastische Kind“. In Partnerübungen ging schließlich eine Person in die Rolle eines dieser Persönlichkeitsanteile und erzählte ein eigenes Erlebnis, die zuhörende Person sollte erkennen, welcher Anteil hier gerade sprach. Dabei zeigte sich, dass diejenigen, die durch den Übungsprozess ihre Selbsterkenntnis am meisten gestärkt hatten, die Rolle ihres Gegenübers am sichersten erkannten. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Fähigkeit zur inneren Differenzierung ausschlaggebend dafür ist, die Komplexität anderer Menschen besser zu verstehen.
Erkenne dich selbst! Psychologie heute 14.9.17

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Wenn Scheitern gefühlt wird, lernen wir daraus 
Donnerstag, 21. September 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Scheitern ist meist mit einem Makel behaftet. Da wundert es wenig, dass wir fast schon reflexartig nach rationalen Gründen suchen, wenn uns etwas misslingt. Das ist jedoch nicht unbedingt die beste Strategie, wie eine neue Studie der University of Kansas zeigt. Die Wissenschaftler untersuchten, ob es einen Unterschied macht, wenn man nach einem Fehlschlag versucht, die Ursachen kognitiv zu analysieren oder wenn man die Erfahrung des Scheiterns emotional auf sich wirken lässt. In den Versuchen der Wissenschaftler zeigte sich, dass Menschen, die sich gefühlsmäßig auf ihr Scheitern einlassen, sich anschließend mehr anstrengen, um zum Ziel zu kommen. Die rationale Analyse hingegen erleichtere es, sich von einem Misserfolg innerlich zu distanzieren - das macht es schwerer, mögliche Lehren daraus zu ziehen.
Bauch lernt besser dazu als Kopf, spektrum.de 13.9.17

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Achtsamkeit beugt Suchttendenzen vor 
Dienstag, 19. September 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Achtsamkeit kann dabei helfen, sich der eigenen Suchttendenzen bewusster zu werden und ihnen nicht im Autopilotmodus immer nachzugehen. Britische Forscher arbeiteten in einer Studie mit Probanden, die zu gewohnheitsmäßigem Bierkonsum neigten, aber (noch) nicht alkoholabhängig waren. Eine Untersuchungsgruppe wurde mit Entspannungsübungen vertraut gemacht. Ihnen sagten die Forscher, dass diese Entspannung den inneren Druck, Alkohol zu konsumieren, lindern könne. Die andere Untersuchungsgruppe erhielt Achtsamkeitsübungen und sollte dabei auf ihre körperlichen Reaktionen und ihr Verlangen nach Alkohol achten. Anschließend sollten die Teilnehmenden eine Woche lang jeden Tag mindestens 15 Minuten ihre jeweiligen Übungen machen und ihren Alkoholkonsum beobachten. Im anschließenden Test zeigt sich, dass in beiden Gruppen das gefühlte Bedürfnis nach Alkohol gesunken war, bei den Probanden der Entspannungsgruppe etwas mehr als in der Achtsamkeitsgruppe. In der Achtsamkeitsgruppe sank der Alkoholkonsum durch die Intervention um rund ein Drittel - bei der Entspannungsgruppe nur um gut zehn Prozent.
Elf Minuten Achtsamkeits-basierte Therapie bremsen Bierdurst, Ärztezeitung 4.9.17

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Stress schon in der Schule 
Donnerstag, 7. September 2017 - Psychologie, Studien
Die Zahl der Berufstätigen, die über Stress klagt, nimmt stetig zu. Nun richtet die Krankenkasse DAK den Blick darauf, dass selbst die jüngste Generation schon unter Stress leidet. Eine Untersuchung zeige, dass 43 Prozent der deutschen Schüler betroffen sind. Bei einem Drittel der Betroffenen führt das bereits zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Schlafproblemen. Mädchen fühlen sich gestresster als die Jungen. So gab jede zweite Schülerin an, sehr oft oder oft unter Stress zu stehen, bei den Jungen ist es etwa jeder Dritte. Etwa 40 Prozent der Schülerinnen hat häufig Kopfschmerzen, jede Dritte schläft schlecht. Unter den Jungen wird nur gut jeder Vierte öfter von Kopfschmerzen geplagt, jeder Dritte schläft schlecht.
Fast die Hälfte aller Schüler leidet unter Stress, welt.de 1.9.17

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