In der Krise über sich hinauswachsen 
Montag, 11. Januar 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Wohl jeder hat in den letzten Monaten die Erfahrung gemacht, irgendwann innerlich mürbe zu werden über all den Herausforderungen und Beschränkungen, die mit der Pandemie verbunden sind. Der Psychotherapeut Andreas Knuf bringt jedoch auch eine positive Dimension dieser Situation ins Gespräch, nämlich die Tatsache, dass es gerade überwältigende Umstände wie diese sind, die uns auch Handlungen befähigen, an die unter normalen Umständen nicht zu denken wäre. "Das Loslassen ist alles andere als einfach. Gerade in einer von Optimierung und Selbstoptimierung geprägten Gesellschaft sollen die Dinge so laufen, wie wir sie gerne hätten. ... Doch die aktuelle Situation zeigt auf eine eindrückliche Weise: Wenn es darauf ankommt, sind wir zur Akzeptanz und anderen wünschenswerten Qualitäten durchaus in der Lage. Wir haben diese Fähigkeit noch, sie ist uns nicht durch zunehmende Egobezogenheit und Optimierungswahnsinn abhandengekommen", schreibt er in Psychologie heute. Für Knuf führt das Erleben zerbrechender Sicherheiten dazu, wieder Dankbarkeit empfinden zu können für das, was dennoch möglich ist. "Das Rettende liegt nämlich nicht im Außen, sondern in Krisensituationen zeigen sich unsere Fähigkeiten, mit Belastungen zurechtzukommen. Wenn es wirklich darauf ankommt, sind wir zu Verhaltensweisen in der Lage, zu denen wir im Alltag keinen Zugang haben", folgert er.
Schnellkurs im Loslassen, Psychologie heute 4.12.20

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Glück ist auch eine Frage der Kultur 
Donnerstag, 17. Dezember 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Glück ist ein universelles Phänomen, doch wie es sich einstellt, ist von Kultur zu Kultur sehr verschieden. Westliche Glückstext beispielsweise beziehen sich im Kontext des in diesen Kulturen vorherrschenden Individualismus vor allem auf persönliche Glücksfaktoren, während in östlichen Kulturen Glück eher in gemeinschaftlichen Beziehungen entsteht. Wissenschaftler haben in 63 kulturell sehr unterschiedlichen Ländern mit mehr als 15.000 Testpersonen einen amerikanischen und einen japanischen Glückstext im Hinblick auf seine Aussagekraft für verschiedene Kulturen geprüft. Dabei zeigte sich zuverlässig der beschriebene Ost-West-Unterschied und die aus den jeweiligen Regionen stammenden Tests maßen hier das Glück der Befragten am zuverlässigsten. Darüber hinaus stießen die Wissenschaftler allerdings auf eine weitere Besonderheit: Denn beide Tests erwiesen sich für Länder in Afrika und im Mittleren Osten als recht unzuverlässig, was nahe legt, dass in diesen Kulturen noch andere Faktoren maßgeblich sind für Glück. Möchte man wissen, ob ein Mensch aus einer anderen Kultur glücklich ist, sollte man ihn also immer auch fragen, was ihn eigentlich glücklich macht.
Glück ist kulturabhängig, wissenschaft.de 9.12.20

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Teamgeist und kreative Spannung 
Mittwoch, 16. Dezember 2020 - Psychologie, Arbeit, Management
Viele Unternehmen beschäftigen sich in den letzten Monaten besonders mit der Frage, wie sie die Zusammenarbeit ihrer Teams stärken können, denn durch das verteilte Arbeiten im Home Office brechen viele etablierte Strukturen weg. Und Selbstorganisation stellt sich, vor allem in bisher hierarchisch aufgestellten Firmen, nicht von selbst ein. Der Soziologe Armin Nassehi geht davon aus, dass Kleingruppen mit bis zu sieben Personen sich bestens selbst organisieren können, doch darüber hinaus brauche es Teamleiter, die das gemeinsame Ziel im Blick behalten und Teilaufgaben auch an die richtigen Teammitglieder delegieren. "Vor allem sollte er die Konflikte moderieren, die im Wettbewerb um die beste Idee zu persönlichen Konkurrenzen werden können. Der Erfolg eines Teams orientiert sich nicht in erster Linie an der Zufriedenheit seiner Mitglieder, sondern immer am Ergebnis ihrer Kooperation", so Nassehi im Interview mit dem Spiegel. In seinen Augen kann kreative Spannung die Arbeit von Teams beflügeln, während ungelöste Konflikte den Spirit lähmen. Hier gehe es nicht um direktives Führen, sondern darum, eine gute Kommunikation zu fördern. Was im Endeffekt gelungene Teamarbeit auszeichnet? "Ein Ergebnis, das keiner vorausgesehen hat und das besser ist als das erwartete Resultat. Die gestellten Aufgaben werden gemeinsam einfacher und schneller gelöst."
»Kleine Ensembles spielen besser ohne Dirigent«, spiegel.de 9.12.20

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Den Tatsachen ins Auge sehen 
Dienstag, 15. Dezember 2020 - Psychologie, Studien
Umfragen zeigen in den letzten Tagen sehr deutlich, dass eine Mehrheit in der Bevölkerung die Salami-Taktik und Zögerlichkeit der Politik im Hinblick auf eine mögliche weitere Verschärfung des Lockdowns kritisiert. Sie wollen sich nicht weiter der Illusion hingegen, dass Weihnachten zumindest ansatzweise so wie immer werden könnte, sondern wünschen sich Klartext. Dieser Eindruck wird auch durch eine bevölkerungsweite Befragung des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Charité-Universitätsmedizin in Berlin unterstützt. Sie zeigt, dass die Bevölkerung durchaus mit Unsicherheiten umgehen kann und sich wünscht, dementsprechend informiert zu werden. In einer repräsentativen Online-Umfrage wurden dazu über 2.000 Deutsche befragt. Den Befragten wurden in der Studie vier verschiedene Pandemie-Szenarien vorgelegt, in manchen wurde dabei auf große wissenschaftlichen Unsicherheiten im Hinblick auf den tatsächlichen Verlauf des Pandemie-Geschehens hingewiesen, andere waren mit eindeutigeren Erwartungen formuliert. Gefragt danach, welche Variante sie am geeignetsten empfinden, um die Bevölkerung über den Verlauf der Pandemie zu informieren, wählten 32 Prozent das Format, das die wissenschaftliche Unsicherheit am deutlichsten darstellte. 54 Prozent bevorzugten die beiden Varianten, die ebenfalls auf den Unsicherheitsfaktor verwiesen - im Hinblick auf die gegebenen Zahlen oder indem die Unsicherheit verbal im Bericht erwähnt wurde. Lediglich 21 Prozent glaubten, dass der Bericht, der alle Unsicherheiten unerwähnt ließ, geeignet sei, die Bevölkerung zum Mittragen der notwendigen Maßnahmen zu animieren. Auffallend war laut der Wissenschaftler auch, dass gerade jene Menschen, die die gegenwärtigen Maßnahmen als sehr kritisch betrachten, diese eher mitzutragen geneigt sind, wenn Politik und Experten die bestehenden Unsicherheiten transparent machen.
Keine falsche Sicherheit, Max-Planck-Gesellschaft 10.12.20

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Alltägliche Bewegungen sind gut für die Psyche 
Donnerstag, 10. Dezember 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Sportliche Aktivitäten wirken sich, das zeigen viele Studien, sehr günstig auf unser Wohlbefinden aus. Nun zeigt eine neue Untersuchung, dass auch alltägliche Bewegungen wie das Treppensteigen oder zum Einkaufen gehen ähnlich förderlich sein können. Die Wissenschaftler statteten in einer ersten Versuchsrunde Probanden mit Bewegungssensoren aus und befragten sie via App mehrmals täglich, wie wach und energiegeladen sie sich fühlen. Mit einer weiteren Gruppe wurden zusätzlich Hirnscans durchgeführt. Dabei wurde deutlich, dass für das Zusammenspiel von alltäglicher Bewegung und Wohlbefinden der Anteriore Cinguläre Cortex von Bedeutung ist. Menschen, die in dieser Region wenig graue Substanz aufweisen, neigen eher zu psychischen Problemen. Diese Personengruppen fühlen sich weniger energiegeladen, wenn sie körperlich inaktiv sind, verspüren aber, wenn sie sich bewegen, einen deutlich höheren Energieschub als jene, die mehr graue Substanz in der Hirnregion aufweisen.
Dem „Glückseffekt“ von Alltagsbewegung auf der Spur, wissenschaft.de 26.11.20

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Wir-Gefühl macht Stress noch ansteckender 
Dienstag, 8. Dezember 2020 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Die psychologische Forschung zeigt: Es lässt uns nicht unberührt, wenn andere leiden, und ihre Gefühle übertragen sich auf uns, wenn wir Zeugen ihres Ringens werden. Eine neue deutsche Studie zeigt nun: Beim Stress ist das genauso - er überträgt sich auch auf unbeteiligte Beobachter. Und je enger deren Beziehung zu den Betroffenen ist, umso stärker empfinden sie ebenfalls Stress. Die Wissenschaftler hatten ihre Versuchspersonen in unterschiedliche Gruppen eingeteilt. Bei manchen dieser Gruppen wurde vor Versuchsbeginn gezielt das Wir-Gefühl gestärkt, beispielsweise indem alle Beteiligten immer als Gruppe angesprochen wurden und sie sich überlegen sollten, was sie mit ihren Mitstreitern verbindet. In anderen Gruppen hingegen forcierten die Wissenschaftler das Ich-Gefühl der Beteiligten durch eine individuelle Ansprache, indem die Gruppenmitglieder getrennt voneinander Sitzplätze zugewiesen kamen und noch dazu darüber nachdenken sollten, was sie als Individuum auszeichnet. Anschließend wurde ein Mitglied jeder Gruppe verschiedenen Stresssituationen ausgesetzt wie einem fordernden Bewerbungsgespräch oder dem Lösen komplexer Rechenaufgaben, während die anderen Gruppenmitglieder als Beobachter zugegen waren. In den von allen Probanden genommenen Cortisol-Tests zeigte sich: Alle Beobachter wiesen erhöhte Werte des Stresshormons auf, doch bei jenen, die einer Gruppe mit gefördertem Wir-Gefühl angehörten, waren diese Werte deutlich höher. Erkenntnisse wie diese dürften insbesondere für das Arbeitsleben sehr relevant sein, denn gerade hier gibt es viele Stressfaktoren, die sich in Gruppen verbreiten können. Und es zeigt sich durch die Studie, dass selbst gute Teams diesen Stress dann weniger kompensieren, sondern sich viel mehr anstecken.
Ansteckendem Stress auf der Spur, wissenschaft.de 18.11.2020

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Empfehlung: Magazin moment by moment 
Montag, 7. Dezember 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Medien
Der Achtsamkeits-Trend ist ja inzwischen auf vielen Kanälen präsent und kaum ein Magazin rühmt sich nicht mit Berichten dazu. Da fällt es langsam schwer, im Blick zu behalten, welche Quellen wirklich gut und vielversprechend sind. Zu meinen absoluten Favoriten gehört das Magazin "moment by moment", gegründet von der engagierten Journalistin Stefanie Hammer. Sie bringt viel Expertise mit, hat einen direkten Draht zu den wirklich spannenden Akteur*innen der Mindfulness-Szene und ihr gelingt es mit "moment by moment" immer wieder, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen rund um das Thema Achtsamkeit kompetent zu begleiten. Für alle, die mit Achtsamkeit beruflich zu tun haben, ist das Magazin wirklich ein Muss. Jetzt zur Weihnachtszeit bietet "moment by moment" auch noch ein tolles Geschenk-Abo an. Wer also noch auf der Suche nach sinnvollen Weihnachtsgeschenken ist, kann hier zugreifen. Das besondere: Wer jetzt bestellt, erhält die aktuelle Ausgabe schön verpackt nach Hause geschickt, so dass er sie dem/der Beschenkten dann persönlich überreichen kann.
Zum Geschenk-Abo von moment by moment

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Kleine Freuden, größeres Lebensglück 
Donnerstag, 3. Dezember 2020 - Lebensart, Psychologie, Studien
Studien belegen immer wieder, dass es zu unserem Wohlbefinden wesentlich beiträgt, wenn wir etwas Disziplin aufbringen, um größere Lebensziele zu erreichen. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass wir dafür bisweilen eher kurzfristige Vergnügungen zurückstellen müssen. Eine neue Untersuchung zeigt nun: Das sollte kein Entweder-Oder-Spiel sein, denn Menschen, denen es gelingt, die kleinen Freuden des Alltagslebens richtig zu genießen, empfinden mehr Wohlbefinden als jene, die eher verbissen an ihrer Disziplin festhalten und sich deshalb manche Annehmlichkeit versagen. Die Wissenschaftlerinnen hatten zunächst bei gut 500 Proband*innen untersucht, ob sie eher dazu neigen, kurzfristige Vergnügungen auszukosten oder ob sie solche Genüsse eher übergehen zugunsten größerer Ziele bzw. ob sie ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie doch einmal Fünfe grade sein lassen. Die besonders Disziplinierten zeigten ein deutliches Wohlbefinden, doch in der Gruppe jener, die sich eher als kontinuierliche Genussmenschen zu erkennen gaben, war die Lebenszufriedenheit noch höher ausgeprägt. Die Wissenschaftlerinnen sehen ihre Erkenntnisse als wesentliche Hilfestellung für Therapien, in denen Patient*innen auf langfristige Ziele hinarbeiten. Hier sei es wichtig, auch die Fähigkeit zu kurzfristigen Genüssen zu fördern und mit diesen übergeordneten Zielen in Einklang zu bringen. Kleinigkeiten genießen zu können, hänge dabei auch damit zusammen, im Moment des Genusses entspannen zu können und sich nicht mit einem schlechten Gewissen zu belasten.
Kleine Freuden, große Wirkung, spektrum.de 6.11.20

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