Gesund essen - aber was? 
Freitag, 18. Dezember 2020 - Lebensart, Wissenschaft
Gesunde Ernährung hat für viele Menschen einen hohen Stellenwert. Und wahrscheinlich genau so viele kümmert es nicht, was sie essen. Dank der Wissenschaft entstehen immer wieder neue Trends, die uns sagen, was auf den Teller kommen sollte und was besser nicht. Der Molekularphysiker Thomas Vilgis betrachtet all die Ernährungsempfehlungen, die aus wissenschaftlichen Studien abgeleitet werden, eher skeptisch. Im Interview mit der taz sagt er: "Aus naturwissenschaftlicher Sicht lässt sich gesundes Essen nicht definieren. Was wir heute dem Essen zuschreiben und davon erwarten, wird seiner eigentlichen Grundfunktion nicht mehr gerecht, nämlich dass es uns nährt und wärmt und die Physiologie am Laufen hält. Das haben viele völlig vergessen. Dabei kann der Homo sapiens im Laufe der Evolution nicht so viel falsch gemacht haben." In seinen Augen macht es wenig Sinn, einige Lebensmittel quasi zu Giften zu erklären, anderen hingegen zu Heilmitteln hochzustilisieren. Denn bei allen wissenschaftlichen Erkenntnissen reagiere der menschliche Stoffwechsel sehr unterschiedlich auf verschiedene Lebensmittel. Vilgis' Tipp für eine gesunde Ernährung ist deshalb sehr simpel: "Selbst kochen! Mit frischen Zutaten, vielfältig und ohne hochprozessierte Produkte aus der Industrie. Das ist die beste Art der Kontrolle, die vernünftigste Form – und ich nehme den Begriff in den Mund – die gesündeste Art der Ernährung."
„Heute regieren Dogmen“, taz.de 12.12.20

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Brücken bauen für mehr Kooperation 
Montag, 14. Dezember 2020 - Wissenschaft, Arbeit, Management
Die Pandemie hat viele Fragen aufgeworfen, in welcher Beziehung Wissenschaft und Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zueinander stehen. Für Maja Göpel, Wissenschaftliche Direktorin des Hamburger Thinktanks The New Institute, zeigt sich seit einigen Monaten immer mehr, dass diese verschiedenen Akteure verstärkt darüber nachdenken, "welche Kooperationen es zwischen Unternehmen und Gesellschaft und Politik braucht, damit nachhaltiges Wirtschaften zu einer neuen Normalität werden kann". Im Interview mit dem Harvard Business Manager gibt sie sich zuversichtlich: "Das ist für mich ein starkes Statement zum "Wir", weil wir damit aus dieser ewigen Schleife der Schuldzuweisungen herauskommen: Immer hieß es, es sei wahlweise der Markt, der Verbraucher, der Staat oder der Produzent, der uns am Wandel hindert. Stattdessen können wir nun gemeinsam überlegen, welche Strukturen es sind, die wir verändern sollten, sodass wir in unserer Rolle als Konsument, Produzent oder als Verwaltung dazu beitragen können, ein System zukunftsfähig zu machen." Sie betrachtet die gegenwärtige Krise nicht per se als Chance, sondern verweist deutlich darauf, dass es die durch sie womöglich wachsende Bereitschaft zu mehr Kooperation ist, die einen Wandel zum Besseren ermöglichen könnte: "Krisen durchbrechen Routinen und Pfadabhängigkeiten. Damit entsteht eine Chance, dass sich das System nach einer Krise in eine andere Konfiguration verändert, um sich in einer neuen Form wieder zu stabilisieren. Durch Zusammenarbeit bekommen wir solche strukturellen Veränderungen schneller und besser hin." Krisen helfen immer, HBM 30.11.20

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Corona macht uns sparsam 
Freitag, 6. November 2020 - Lebensart, Wissenschaft
Als ich letzte Woche bei meiner Friseurin war, wurde mir deutlich, wie stark die Corona-Krise auf unsere alltäglichen Gewohnheiten durchschlägt. Sie klagte über einen Umsatzeinbruch von rund 30 Prozent - weil die Leute weniger ausgehen, weniger Feste feiern und es irgendwie kaum noch Anlässe gibt, die dazu animieren, sich aufzuhübschen. Ich trage weiterhin treu zu ihrem Umsatz bei, weil ich es einfach nicht leiden kann, wenn meine praktische Kurzhaarfrisur beginnt, ein Eigenleben zu führen ... Aber grundsätzlich scheint es ein Trend zu sein, die eigenen Konsumaktivitäten zurückzufahren. Einer Untersuchung des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken zufolge ist die Sparquote gegenwärtig mit 15 Prozent so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr. 56 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sparsamer leben. Man kann natürlich denken, dass in der Krise und in Anbetracht einer ungewissen Zukunft viele Menschen reflexhaft dazu neigen, ihr Geld zusammenzuhalten. Vielleicht zeigt der Wegfall vieler Konsumaktivitäten uns aber auch, dass wir vieles, das wir gewohnt sind, schlicht nicht brauchen.
Repräsentative Umfrage: So viel Geld haben die Deutschen im letzten Jahr durchschnittlich angespart, Business Insider Deutschland 28.10.20

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Corona zeigt die widersprüchliche Logik unserer Systeme 
Dienstag, 27. Oktober 2020 - Lebensart, Wissenschaft
Die Verwirrung oder gar Wut, die viele Menschen angesichts immer unübersichtlicher werdender Corona-Regeln verspüren, ist womöglich gar nicht nur der aktuellen Krise und dem mit ihr verbundenen Kontrollverlust über das eigene Leben geschuldet. In einem Interview mit dem Handelsblatt verdeutlicht der Soziologe Armin Nassehi, dass im Ringen um vermeintliche Lösungen vielmehr die unterschiedlichen Logiken der Subsysteme, die unsere Gesellschaft ausmachen, darunter Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien, stärker zum Vorschein kommen - gerade weil sie sich widersprechen. "Diese Subsysteme haben getan, was sie immer tun. Sie reagieren mit ihren je eigenen Mitteln. Wirtschaftliche Akteure achteten darauf, zahlungsfähig zu bleiben. Wissenschaft forschte und wies zugleich auf die Unsicherheiten der eigenen Arbeit hin. Medien bemühten sich um die Suche nach Berichtenswertem. Und die Politik war bemüht, Loyalitäten aufrechtzuerhalten. Das ist doch gerade die Versuchsanordnung, durch die moderne Gesellschaften stets als krisenhaft erscheinen. Die unterschiedlichen Logiken lassen sich nicht einfach synchronisieren – das wird nun erst recht sichtbar, etwa daran, dass wir es nicht einmal schaffen, mit so einem Virus fertigzuwerden", erklärt er. Nassehi spricht sich dafür aus, in Prozessen die unterschiedlichen Perspektiven ins Gespräch zu bringen, um zu gemeinsamen Handlungsmöglichkeiten zu kommen. Er sagt: "All diese Perspektiven müssen in die politische Entscheidungsfindung mit einbezogen werden. Diese interdisziplinären Ansätze sind ein großer zivilisatorischer Fortschritt." Und er findet die Zeit gekommen, bewusster die bestehenden Risiken abzuschätzen und mit ihnen aktiv umzugehen: "In der Soziologie unterscheiden wir zwischen Gefahren und Risiken. Eine amorphe Gefahr macht uns zu passiv Betroffenen, wir müssen das in ein Risiko verwandeln, also Handlungsoptionen diskutieren. Eine Gefahr wird zu einem Risiko, sobald wir Entscheidungen treffen und dann die Frage nach der Verantwortung und den erwartbaren Schäden stellen. Da geht es um klassische ethische Dilemmata, denn jede Maßnahme auf der einen Seite bedeutet Kosten auf einer anderen. Diese Balance muss ständig neu gefunden werden."
„Unsere Debatten über Kontaktbeschränkungen müssen für viele Länder wie Hohn klingen“, HB 19.10.20

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Diversity ist gut für Innovationen und den Profit 
Freitag, 9. Oktober 2020 - Bewusstsein, Wissenschaft, Arbeit, Management
Diversity rockt, könnte man sagen, wenn man sich die verschiedenen Studien ansieht, die erforschen, was die Leistungsfähigkeit von heterogenen Arbeitnehmerschaften von der eher uniformer Belegschaften unterscheidet. Laut McKinsey beispielsweise erhöht sich die Wahrscheinlichkeit überdurchschnittlicher Profitabilität um 25 Prozent, wenn ein Unternehmen eher divers aufgestellt ist. Und die Boston Consulting Group hat festgestellt, dass in Unternehmen mit diversen Team 45 Prozent des Umsatzes durch Innovationen reinkommen, während es in Firmen, in denen hauptsächlich weiße, männliche Teams arbeiten, lediglich 26 Prozent sind. Auch in Krisenzeiten bewährt sich Diversität, denn divers besetzte Führungsteam wirtschaften nachhaltiger und führen besser, so eine Untersuchung des Karriereportals Stepstone.
Vielfältige Teams machen Unternehmen profitabler, WiWo 1.10.20

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Unser Lebensstil kostet Menschenleben 
Freitag, 18. September 2020 - Lebensart, Studien, Wissenschaft
Der Klimawandel wird nicht nur unsere Lebensumstände in deutlichem Maße verändern, sondern - beispielsweise durch Dürre- oder Unwetterkatastrophen - auch mehr und mehr Menschenleben kosten. Es sind Zusammenhänge, die wir gerne ausblenden. Das erklärt vielleicht auch, warum wir schon heute recht unempfindlich sind, wenn es darum geht, die gegenwärtigen Auswirkungen unseres Lebensstils und seine Folgen anzuerkennen und daraus Konsequenzen zu ziehen. Eine Untersuchung der Europäischen Umweltagentur etwa zeigt, dass 2012 jeder achte Tod in der EU im Zusammenhang mit Umweltverschmutzung steht. Insgesamt waren das in besagtem Jahr 630.000 Todesfälle. Zu den größten Risiken gehören die Luftverschmutzung und die Belastung mit Chemikalien. Diese Umweltverschmutzung wird vor allem mit Krebserkrankungen sowie Erkrankungen des Herzkreislaufsystems und der Atemwege in Verbindung gebracht. In Rumänien soll jeder fünfte Todesfall auf Umweltverschmutzung zurückgehen. In den am besten aufgestellten Ländern Dänemark und Schweden ist es immer noch jeder zehnte. Während wir im Kontext der aktuellen Pandemien nahezu alles tun, um Gesundheitsrisiken möglichst zu vermeiden, scheinen wir im Hinblick auf die Auswirkungen der Umweltbelastungen auf menschliche Leben noch viel Nachholbedarf zu haben.
Jeder achte Todesfall in Verbindung mit Umweltverschmutzung, zeit.de 8.9.20

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Die Krise als Navigator nutzen 
Mittwoch, 9. September 2020 - Bewusstsein, Wissenschaft, Arbeit, Management
"Wir müssen die Wirtschaft von der Krise her neu denken", fordert der Wirtschaftswissenschaftler Lars Hochmann in einem Beitrag für Capital. Und er kritisiert, wie sich sein Fach über lange Jahre in der Bequemlichkeit alter Begrifflichkeiten eingerichtet hat. Sein Anliegen: Wirtschaft nicht mehr als ein System zu sehen, das eben so ist, wie es ist. Die Ursache der Krise "liegen weder in der Verantwortung einzelner Menschen noch lassen sie sich auflösen in einer gesellschaftlichen Totalität. Sie sind das Ergebnis einer sozialen Praxis, die sich weitestgehend unbesehen entlang von individuellen wie geteilten Gewohnheiten und Gepflogenheiten fortführt. Ökonomie gestaltet diese Kulturen, sie prägt, wie wir kommunizieren, uns kleiden, ernähren und miteinander umgehen. Der Glaube, Wirtschaft sei ein fremder Stern, auf dem es nur um den eigenen Vorteil und den rollenden Rubel geht, war immer schon ein Irrtum. Sie erscheint nur so, wenn sie aus diesem Blickwinkel betrachtet wird. Wir können ihn aber verändern, wir können andere Begriffe verwenden, andere Fragen stellen, andere Perspektiven einbeziehen, andere Ziele verfolgen – und kämen zu einem ganz anderen Bild", so Hochmann. Seine Forderung: Wir sollten im Hinblick auf die Gestaltung von Wirtschaft reflexiver werden, Begriffe und Gegebenheiten überdenken und so neu formulieren, dass sie konstruktive Entwicklungen ermöglichen. Die Werturteile und Standpunkte, die hinter diesen Gegebenheiten stehen, sollten transparenter gemacht werden. Weiter seien Teilhabe und Mitwirkung von auße essenziell für den Wandel, denn das Wissen der Vielen führe leichter zu neuen Lösungen.
Wir müssen Wirtschaft grundlegend neu denken, Capital 25.8.20

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Übermächtige Gedanken 
Dienstag, 25. August 2020 - Bewusstsein, Psychologie, Wissenschaft
Wir bewegen sie den ganzen Tag - und doch empfinden wir sie oft als lästig. Die Rede ist von unseren Gedanken. Der Psychologe Andreas Mayer zeigt in einem Forschungsüberblick, dass viele Menschen ihre Gedanken als etwas wahrnehmen, dass von außen in sie sie eindringt, ohne dass sie sich dessen erwehren könnten. Das führe zu einem Gefühl von Kontrollverlust, weil viele Betroffene kaum eine Möglichkeit sehen, diese geistigen Geschehnisse einfach sein zu lassen. Im Gegenteil: Sie fühlen sich gedrängt, sich mit dem, was in ihrem Geiste vorgeht, ständig auseinanderzusetzen. Die Psychologie hat dieses Phänomen bisher vor allem mit psychischen Dysfunktionalitäten in Zusammenhang gebracht, doch scheinen auch viele augenscheinlich gesunde Menschen unter diesem Phänomen zu leiden. Vielleicht rückt es auch erst in der heutigen Zeit so sehr in unsere Aufmerksamkeit, weil wir mit so vielen Einflüssen konfrontiert sind, dass in unserem Kopf eigentlich ständig etwas los ist. Womöglich stoßen Meditation und Achtsamkeit heute auch deshalb auf ein solch großes Interesse, weil immer mehr Menschen spüren, dass sie diesen Gedankenimpulsen eben nicht hilflos ausgeliefert sind, ja dass es eine Stille gibt, die man spüren kann, selbst wenn es im Geiste noch rumort.
Gedanken, die in unseren Kopf eindringen, Psychologie heute 7.8.20

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