Warum die Sinnfrage für Unternehmen wichtig ist 
Mittwoch, 31. Januar 2018 - Bewusstsein, Wissenschaft, Arbeit, Management
Sinnvolle Arbeit wünscht sich wohl jeder, der im Erwerbsleben steht. In einem Interview mit dem Harvard Business Manager erklärt die Sinnforscherin Tatjana Schnell, warum die Sinnfrage für Unternehmen mehr als nur ein Feelgood-Faktor sein sollte. "Mei­ne Mo­ti­va­ti­on, mich im Be­ruf zu en­ga­gie­ren, hängt da­von ab, ob ich das, was ich tue, als sinn­voll an­se­he. Sonst fehlt mir der An­trieb, In­ter­es­se, Ver­ant­wor­tung und Lei­den­schaft hin­ein­zu­ste­cken – all das, was wir als En­ga­ge­ment ver­ste­hen. Wir ma­chen nur noch Dienst nach Vor­schrift", so Schnell. Ihre wissenschaftliche Forschung zeigt, dass extrinsische Faktoren wie Karriere und Geld zwar eine Weile motivieren können, aber selbst jenen, die unter diesen Vorzeichen viel erreichen, irgendwann eine "höhere Ebene" fehle, die sie motiviere. "Eine Ar­beit, die nicht sinn­voll ist, wird zur Tor­tur, und es kommt zur Sinn­kri­se. Dann ist die Ar­beit we­der sinn­voll noch gibt sie Sinn. Am Ende steht der Burn-out. Das ist eine Ge­fahr für Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer", erklärt Schnell. Ihrer Forschung zufolge zahlen vier Dimensionen auf den Sinn ein. Das, was Menschen arbeiten, müsse mit ihren anderen Lebensbereichen und Fähigkeiten zusammenpassen, also kohärent sein. Auch müsse die Arbeit als bedeutsam erfahren werden, zum Beispiel weil sie etwas Gutes bewirke oder Anerkennung vermittle. Ein weiteres Kriterium sei die Orientierung - stimmt der Habitus des Unternehmens mit den eigenen Werten überein? Und schließlich schaffe die Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen Sinn.
"Man muss nicht gleich die Welt retten", HBM Januar 2018

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Besser funktionieren mit Schmerzmitteln? 
Freitag, 26. Januar 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Wissenschaft
Vor einiger Zeit hatten wir darüber berichtet, dass sich in den Vereinigten Staaten in breiteren Teilen der Bevölkerung eine ernstzunehmende Abhängigkeit von Schmerzmitteln ausgebreitet hat. Auch in Deutschland zeichnen sich Entwicklungen ab, die bedenkenswert sind. Gerade bei den freiverkäuflichen Schmerzmitteln, denen man kaum Gefährdungspotential zutraut, gibt es gewisse Trends. So hat sich der Verkauf von frei erhältlichen Ibuprofen-Tabletten in den letzten zehn Jahren hierzulande fast verdoppelt. Seit den 2000er Jahren hat im deutschen Gesundheitswesen ein Umdenken stattgefunden. In der heutigen Zeit unter Schmerzen zu leiden, sei oft unnötig, so die Meinung nicht weniger Mediziner. Damit steigen die Verschreibungszahlen. Und es entwickelt sich eine Kultur, in der der Gebrauch von Schmerzmitteln zu etwas Alltäglichem wird. Eine Umfrage von Bayer etwa zeigt, dass es für viele Menschen bereits üblich ist, wenn es ihnen gesundheitlich schlecht geht, Schmerzmittel zu nehmen, um den Aufgaben in Beruf und Alltag gewachsen zu sein. Eine Entwicklung, die durchaus bedenklich ist, denn Mittel wie Ibuprofen können, so sie regelmäßig angewendet werden, Herzinfarkte und Schlaganfälle begünstigen und die Nieren schädigen. Laut Forschung ist der langfristige Gebrauch von Schmerzmitteln schädlicher als der von Opiaten. Mediziner raten dazu, einen Arzt aufzusuchen, wenn man an mehr als zehn Tagen im Monat Schmerzmittel nutzt. Vielleicht sollte man auch einfach mehr darüber nachdenken, warum man bei Schmerzen so leicht zu den Tabletten greift. Wer regelmäßig unter Kopfschmerzen leidet, weil er überlastet ist, tut sich keinen Gefallen, wenn er einfach immer weiter macht. Und die Vorstellung, im Job stets funktionieren zu müssen, mag von Arbeitsmoral zeugen, führt aber auch dazu, dass man reale Schieflagen im eigenen Leben ignoriert anstatt grundsätzlich etwas zu verändern.
Haste mal 'ne Ibu? Zeit.de 14.1.18

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Meditation und die neuen Technologien 
Dienstag, 16. Januar 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Wissenschaft
Meditation ist eine der ältesten Methoden, das Bewusstsein zu weiten. Heute gibt es unzählige digitale Tools, die diesen Prozess effizienter und effektiver machen wollen. Was ist dran an diesem Versprechen? Dieser Frage bin ich in einem Artikel für evolve - Magazin für Bewusstsein und Kultur nachgegangen. Meine eigenen Selbstversuche in diesem Terrain haben mich sehr nachdenklich gemacht, denn einerseits scheinen manche der am Markt befindlichen, zumindest auf der psycho-emotionalen Ebene, durchaus positive Wirkungen zu zeitigen. Andererseits erlebe ich auch, wie durch die äußere Stimulation oder "Leistungskontrolle" auch Nebeneffekte eintreten können, die das, was Meditation letztlich auszeichnet, das so grundsätzliche Loslassen, auch stören. Ich denke, für Anfänger können solche Tools ein guter Einstieg sein, denn es ist nicht leicht, sich dem unablässigen Gedankenstrom in der Stille immer wieder zu stellen und ihm zu widerstehen. Und oft fragt man sich dann: Bin ich hier wirklich am Meditieren? Digitale Tools können hier durchaus Anhaltspunkte vermitteln. Aber ich bin da vielleicht einfach auch Puristin, denn die Freiheit, zu der Achtsamkeit eine Tür öffnen kann, will womöglich auch durch eine gewisse Anstrengung im eigenen Leben etabliert werden. Mit freundlicher Genehmigung von evolve können Sie den Artikel hier kostenlos lesen. Auch der 5. Kongress Meditation & Wissenschaft, der am 30. November/1. Dezember 2018 in Berlin stattfinden wird und den ich für die drei ihn tragenden Stiftungen organisiere, wird sich mit einem seiner Schwerpunktthemen unter dem Motto „Das Ich zwischen bewusster Selbstentwicklung und Neuro-Optimierung“ dem Thema widmen. Dr. Roland Kipke wird in einem Impuls das menschliche Streben nach Selbstverbesserung näher betrachten und die Unterschiede zwischen Neuro-Enhancement und traditionellen Methoden der Übung beleuchten. Dr. Ulrich Ott nimmt Biofeedback-Geräte unter die Lupe und gibt einen Überblick darüber, welche wissenschaftlichen Belege es für den Nutzen von Biofeedback beim Erlernen und Praktizieren von Meditation gibt. Und Dr. Jürgen Fell zeigt, was von dem Hype um die Hirnstimulation mit so genannten Binauralen Beats, die in Tools wie Holosync oder den Meditations-Tracks von iAwake genutzt werden, um das Gehirn in einen meditativen Zustand zu versetzen, zu halten ist. Im gemeinsamen Dialog werden die drei Wissenschaftler eruieren, wie viel Optimierung das Streben nach Selbstverbesserung verträgt, und das Spannungsverhältnis betrachten, das entsteht, wenn Meditation zu einer Methode der Selbstentwicklung gemacht wird. Womöglich ist der Weg „Vom Autopilot zur inneren Freiheit“ auch viel einfacher zu beschreiten. Die Studien zum freien Willen von John-Dylan Haynes jedenfalls stimmen zuversichtlich. Beim Kongress wird er seine neuesten Forschungen vorstellen und betrachten, welche Spielräume Achtsamkeit ermöglicht, wenn es darum geht, unser Denken aus seinen eingefahrenen Bahnen zu befreien.

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Schreibtisch auf Abruf kann zermürben 
Mittwoch, 10. Januar 2018 - Wissenschaft, Arbeit, Management
Vor allem in Unternehmen mit vielen Außendienstlern hat der Trend zu flexiblen Arbeitsplätzen in den letzten Jahren zugenommen. 30 bis 60 Prozent der Mitarbeiterplätze lassen sich einsparen, wenn die Angestellten sich morgens einen Rollcontainer mit ihren Arbeitsutensilien schnappen und im Großraumbüro und anderen Arbeitsbereichen nach ihrem Schreibtisch des Tages suchen. Das ist nicht nur flexibel, es wird von vielen Firmen auch als besonders hip verkauft. Sie erhoffen sich von den wechselnden Arbeitsplätzen nicht nur finanzielle Einsparungen, sondern auch, dass die Mitarbeiter durch die wechselnden Nachbarschaften und Kontakte kreativer sind. Die Kehrseite: Mitarbeiter, die lieber in gewohntem Umfeld arbeiten, werden durch die tägliche Schreibtischsuche zermürbt, Arbeitsgruppen auseinandergerissen und neue Mitarbeiter tun sich schwer damit, ein Netzwerk aufzubauen. Das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation hat in einer Studie herausgefunden, dass für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz vor allem der Einfluss auf die Gestaltung maßgeblich ist. In Arbeitsumgebungen, auf die die Mitarbeiter keinen Einfluss haben, verstärke sich der Trend zu psychischen Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Leiden eher. Auch könne die tägliche Suche nach einem Schreibtisch ein Gefühl der Entwurzelung fördern. Nicht alles, was modern und vielleicht cool ist, ist auch sinnvoll. Die menschliche Dimension kommt bei den flexiblen Arbeitsplätzen womöglich deutlich zu kurz.
Schreibtisch verzweifelt gesucht, FAZ 13.12.17

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Schmerzmittel werden zum kulturellen Problem 
Freitag, 10. November 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Wissenschaft
Als der US-Präsident Donald Trump vor zwei Wochen den nationalen Gesundheitsnotstand ausrief, hat ein Phänomen öffentliche Anerkennung gefunden, das seit vielen Jahren große Teile der amerikanischen Bevölkerung betrifft. Die wachsende Abhängigkeit von starken Schmerzmitteln hat längst Millionen von Menschen in eine Abhängigkeit getrieben, die kulturelle Sprengkraft hat. Im Schnitt sterben täglich 91 Amerikaner an einer Überdosis Opioide. Und es sind nicht nur die typischen Junkies, sondern Menschen aus der Mittelschicht. Der sorglose Umgang mit süchtig machenden Schmerzmitteln hat im Gesundheitswesen seine Spuren hinterlassen. Schmerzpatienten, die als geheilt gelten, finden sich dann in einem Alltag wieder, den sie nur noch bewältigen können, wenn sie weiterhin Schmerzmittel nehmen. Der Deutschlandfunk hat in einem großen Feature Geschichten dieser Menschen gesammelt. Vielen ist ein Leben ohne Medikamente nicht mehr möglich, und wenn sie keine Ärzte finden, die ihnen die benötigten Tabletten verschreiben, rutschen sie bisweilen ab in eine Drogenkarriere. Es ist ein Überlebenskampf, der viel über die westliche Kultur aussagt. Wo das Funktionieren einen hohen Stellenwert hat, muss der Schmerz bekämpft werden, und jedes Mittel scheint dazu recht. Mediziner haben schon lange vor dem sorglosen Umgang mit Opioiden gewarnt. Sie treffen aber auch oft genug auf Menschen, die genau diese wollen, um dem Schmerz zu entfliehen. Etwa seit der Jahrtausendwende sind die Zahlen der Opioid-Toten explodiert. Jährlich sterben 33.000 Amerikaner an einer Überdosis - das entspricht der Zahl derer, die durch Autounfälle oder Waffengewalt ihr Leben verlieren. Die Flucht in Medikamente ist ein Spiegel kultureller Hilflosigkeit. Im Feature erklärt Dave, der seine Abhängigkeit schließlich überwunden hat: "Im Endeffekt weiß ich jetzt, dass die Antwort auf all meine Probleme stets eine chemische Antwort gewesen ist. Eine Pille oder einen Drink, den ich nehmen konnte, um die schlechten Dinge verschwinden zu lassen. Du verscheuchst den Schmerz, verdrängst ihn, so dass du dich besser fühlst. Aber das ist ja überhaupt nicht der Fall. Weißt du, ich habe erst wieder lernen müssen, das Leben so wahrzunehmen, wie es nun einmal ist…, das Leben durch andere Menschen erfahren, in der Gemeinschaft mit anderen." Verdrängung und Isolation sind so typisch für moderne Kulturen, in denen jeder auf sich alleine gestellt ist. In der Entwöhnungstherapie spielt die Gemeinschaft, die viele der Abhängigen zuvor vermisst haben, eine tragende Rolle. Anscheinend brauchen wir tragische Entwicklungen wie diese, um zu erkennen, dass es letztlich eine Kultur der Verbundenheit ist, die wir als wirklichen Lebensraum brauchen.
Die Betäubten Staaten von Amerika, Deutschlandfunk 2.11.17


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Einfach mal durchatmen, hält gesund 
Donnerstag, 26. Oktober 2017 - Lebensart, Wissenschaft
Es muss nicht immer gleich Meditation sein, wenn man Körper und Geist etwas Gutes tun möchte. In der Apothekenumschau rät Matthias Bolz vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig dazu, im Alltag immer mal wieder den eigenen Atem wahrzunehmen. Eine besondere Technik sei dazu nicht erforderlich. "Schon das langsame und regelmäßige Ein- und Ausatmen führt zu mehr innerer Ruhe und Entspannung. Der Blutdruck und die Pulsrate sinken. Tauchen Gedanken und Gefühle auf, die die Konzentration stören und den Atemrhythmus verändern, sollte man einfach wieder zum normalen Atmen zurückkehren", so sein Tipp. Einfacher geht es kaum!
Pressemitteilung Apothekenumschau, 10.10.17

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Künstliche Intelligenz und Bewusstsein 
Montag, 18. September 2017 - Bewusstsein, Wissenschaft
Die wissenschaftlichen Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz lassen viele Menschen nachdenklich werden. Sind wir als menschliche Wesen vielleicht schon ein Auslaufmodell? Im Kontext der Ars Electronica sprach der Mönch und KI-Experte Zenbo Hidaka darüber, dass die technologischen Vorstöße auch eine Gelegenheit sein könnten, die mystische Dimension des Menschseins wieder stärker in den Blick zu nehmen. "Ich denke, dass es an der Zeit ist, unsere Selbsterkenntnis zu stärken, indem wir transzendentale Existenzen konfrontieren. Die Tatsache, dass KI menschliche Fähigkeiten übersteigt, ist vielleicht in dem Sinn eine Gefahr, dass es unserer Kontrolle entgleitet – aber gleichzeitig könnte es eine Wiederentdeckung der Heiligkeit sein, die einst der Religion vorbehalten war", so Hidaka. Die menschliche Endlichkeit, der zumindest manche KI-Forscher die technikgetriebene Ewigkeit entgegenhalten, bringt eine Wesenhaftigkeit mit sich, die den Kern unserer Existenz auszumachen scheint. "Der Unterschied zwischen einem Menschen und Künstlicher Intelligenz ist, ob sie das Bewusstsein haben, sterbliche Wesen zu sein, oder eben nicht. Ein solches Bewusstsein bringt spirituelle Schmerzen mit sich", sagt Hidaka. Wir ersinnen immer neue Wege, diesem Schmerz zu entkommen - vergessen dabei aber womöglich, dass es auch dieser Schmerz ist, der uns als Menschen immer wieder über uns hinauswachsen lässt.
Künstliche Intelligenz und Spiritualität, Ars Electronica 1.9.17

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Die Vorurteile der künstlichen Intelligenz 
Freitag, 9. Juni 2017 - Lebensart, Wissenschaft, Arbeit
In Bewerbungsprozessen ist es bereits an der Tagesordnung, das die Unterlagen der Bewerber von Computern vor- und aussortiert werden. Viele Prozesse des alltäglichen Lebens werden längst, ohne dass uns dies allzu bewusst ist, von Algorithmen gesteuert. Eine wissenschaftliche Arbeit im Auftrag der Bertelsmann Stiftung legt nun Ansätze vor, die es erleichtern sollen, die Blackbox dieser Algorithmen zu öffnen und ihre Selektionskriterien besser zu überprüfen und zu überwachen. Es geht darum, soziale und politische Interventionsmöglichkeiten zu schaffen, denn die von Menschen programmierte Logik kann ebenso Vorurteile und Diskriminierungen hervorrufen wie das direkte menschliche Handeln. Mit dem Ansatz der Wissenschaftler könnten Algorithmen künftig Risikoprofile erhalten und es sollte möglich werden, die Entscheidungssysteme auch im Hinblick auf kulturelle und gesellschaftliche Wirkungen zu überprüfen.
Gefährliche Algorithmen auf dem Prüfstand, 2.6.17

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