Das Revival der Selbsterkenntnis im Business 
Dienstag, 13. Februar 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Arbeit, Management
"Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung", weiß der Volksmund. Im Business scheint sie, gefördert von dem um sich greifenden Achtsamkeits-Hype, zu neuen Ehren zu gelangen. Die Wirtschaftswoche widmet einen umfassenden Beitrag dem Phänomen, dass sich in den Chef-Etagen immer mehr Manager mit "Self-Awareness" beschäftigen. Das Google-Programm "Search inside yourself" und große Achtsamkeitsprogramme für die Belegschaft bei SAP haben die Innenschau wieder salonfähig gemacht. Das hat eine gewisse Logik, denn nur wer sich selbst kennt, kann andere auch gut führen. Blinde Flecken der Führungskräfte können leicht zu blinden Flecken des gesamten Unternehmens werden. Und so bringen immer mehr Berater die meditative Innenschau in Coachingprozesse ein. Und immer mehr Führungskräfte fangen von sich aus an, ihr Innenleben tiefer zu erkunden. Die bewusste Selbstreflektion hilft Menschen dabei, ihre Lebenserfahrung zu durchschauen. Denn heute wissen wir, dass Erfahrung zwar in vielen Entscheidungsprozessen die Souveränität stützt, wir aber gleichermaßen auch zu Gefangenen unserer Erfahrungen werden können und unseren Blick verengen. Eine Studie von Korn Ferry mit knapp 7.000 Mitarbeitern zeigt: Je Selbst-Bewusster Arbeitnehmer sind, umso weniger blinde Flecken gibt es im Unternehmen - und umso höher fällt die Rendite aus.
Warum so viele Manager auf Self-Awareness setzen, WiWo 31.1.18

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Warum Resilienz-Trainings Standard werden sollten 
Freitag, 9. Februar 2018 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Die Studie ist schon ein wenig älter, aber interessant - die Bertelsmann Stiftung untersuchte mit weiteren Forschungspartnern, wie Führungskräfte die Resilienz ihrer Mitarbeiter verbessern können. Die Untersuchung mit rund 560 Teilnehmern zeigt, dass Mitarbeiter mit hoher psychischer Widerstandsfähigkeit ihre Arbeit mit großer Gewissenhaftigkeit erledigen, sich mit anderen Menschen besser verstehen, neugieriger sind und als emotional stabiler wahrgenommen werden. Vorgesetzte können zur Resilienz ihrer Mitarbeiter beitragen, indem sie ihnen Orientierung vermitteln und Kontrolle über ihre Arbeitsbereiche geben. Auch wie authentisch, ehrlich, vorbildlich und sinnvermittelnd ein Chef ist, trage zur Zufriedenheit und Gesundheit der Angestellten bei. "Folgt man den Ergebnissen der Studie, sollten Trainings, die die Resilienz steigern, bald zum Standardangebot des betrieblichen Gesundheitsmanagements in den Betrieben gehören. Davon können dann sowohl Mitarbeiter und Führungskräfte als auch Unternehmen profitieren", sagt Detlef Hollmann, Projekt-Manager der Bertelsmann Stiftung.
Studie der Bertelsmann Stiftung


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Smileys sind gut für die Büro-Kommunikation 
Donnerstag, 8. Februar 2018 - Studien, Arbeit
Im Arbeitsleben haben sie einen eher schlechten Ruf, denn die Verwendung von Emoticons in beruflichen E-Mails gilt gerne als unprofessionell und zu privat. Zu Unrecht, wie eine Untersuchung des Wirtschaftsinformatikers Claus-Peter Ernst zeigt. Er fand heraus: "Glückliche und ironische Emoticons schwächen die negativen Assoziationen einer Nachricht auf den persönlichen Ebenen ab. So verändern sie zum einen die Wahrnehmung auf der Ebene der Selbstoffenbarung, also die Interpretation der Empfängerin oder des Empfängers bezüglich dessen, was die Absenderin oder der Absender in der E-Mail über sich selbst preisgibt, wie beispielsweise ihre oder seine gegenwärtigen Emotionen. Zum anderen findet auch eine Wahrnehmungsveränderung auf der Beziehungsebene statt, das heißt, auch die wahrgenommene Einstellung des Gegenübers zu einem selbst wird verändert." Man könnte auch sagen: Ein Smiley macht es für den Empfänger einer kritischen Botschaft leichter, nicht zu verzagen. Und gleichzeitig fördert er die Beziehung zwischen Kritiker und Kritisiertem. In der Untersuchung mit 230 Probanden zeigte sich auch, dass der Einsatz von Emoticons die Kritik nicht negiert. Die Grinsebildchen erhöhen eher deren Akzeptanz.
Ein Smiley mehr hilft sehr, FAZ 30.1.18

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Alleinsein kann der Kreativität dienlich sein 
Dienstag, 6. Februar 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Arbeit
Kreativität verbinden wir leicht mit äußerer Stimulation, zwischenmenschlichem Austausch und Extroversion. Eine amerikanische Studie zeigt nun, dass auch das Alleinsein die Kreativität unterstützen kann. Die Wissenschaftler untersuchten bei 300 Studierenden, ob und aus welchen Gründen sie häufiger sozial zurückgezogen sind und welche Gefühle sie damit verbinden. Außerdem betrachteten sie, als wie kreativ die jungen Menschen sich betrachteten. Dabei wurde deutlich, dass diejenigen, die schlicht kein großes Bedürfnis nach viel sozialem Miteinander hatten, mit dieser Haltung aber im inneren Einklang waren, sich tendenziell eher kreativ fühlten. Studenten, die aus Schüchternheit oder anderen Gründen soziale Kontakte vermieden und dabei Gefühle der Aggression oder auch Einsamkeit empfanden, fühlten sich hingegen deutlich weniger kreativ. Alleinsein per se ist damit kein Kreativitäts-Booster. Wohl aber zeigt sich, dass Menschen, die sich auch in Situationen ohne soziale Stimulation wohlfühlen, in ihrer Kreativität profitieren können, wenn sie dieser inneren Neigung treu bleiben.
Can Solitude make you more creative? Greater Good Magazine 26.1.18

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Erfolg braucht auch Glück 
Montag, 5. Februar 2018 - Arbeit, Bücher
Unsere Leistungsgesellschaft lebt von vielen Mythen. Einer davon ist, dass Erfolg hauptsächlich das Ergebnis persönlichen Einsatzes ist. Das ist nicht nur ein Trugschluss im Hinblick auf das eigene Selbstbild, es hat auch Konsequenzen für die Gesellschaft im Ganzen. In seinem neuen Buch "Ohne Glück kein Erfolg: der Zufall und der Mythos der Leistungsgesellschaft" beschreibt der amerikanische Ökonom Robert H. Frank, dass es häufig ganze Ketten eher unwahrscheinlicher Ereignisse sind, die Menschen mit ihren Anliegen erfolgreich sein lassen. Er leitet daraus ab, dass wir Leistung überschätzen und dabei den Zufall unterschätzen. Wer glaubt, durch eigene Anstrengung zum Ziel gelangt zu sein, erwartet auch von anderen diese vermeintliche Selbstverantwortung. In der Welt der Ökonomie kann das dazu führen, dass erfolgreiche, reiche Menschen ausblenden, dass sie es gerade nicht alleine geschafft haben - und sich deshalb anderen kaum verpflichtet fühlen. Dieser Rückzug auf das Selbst trägt in den Augen von Frank zu einer Verfestigung der Schieflage zwischen Arm und Reich bei und sei auch Ausdruck eines gesellschaftlichen Versagens. In einer gerechten Welt, in der der Kontext der Geburt, Zugang zu Bildung und andere Aspekte, die das individuelle Fortkommen unterstützen, die Erfolgschancen nicht förderten oder einschränkten, dürfte die eigene Leistung vielleicht für Erfolge ausschlaggebend sein. Frank deutet darauf, dass wir jedoch in einer solchen Welt nicht leben.
Wider den Zufall, HB 25.1.18

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Vorübergehend kann Multitasking die Leistung steigern 
Donnerstag, 1. Februar 2018 - Bewusstsein, Studien, Arbeit
Multitasking hat einen schlechten, denn unser Geist scheint nicht für das Nebeneinander verschiedener Aufgaben gemacht zu sein. Der österreichische Neurowissenschaftler Bernd Hufnagl etwa hat errechnet, dass Multitasker für Aufgaben 60 Prozent mehr Zeit benötigen und dabei 40 Prozent mehr Fehler machen. Eine neue amerikanische Studie wiederum kommt zu dem Schluss, dass Multitasking zumindest vorübergehend auch leistungssteigernd wirken kann. Das bloße Empfinden, dass man erfolgreich mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältige, könne den Output verbessern. Menschen fühlen sich dann aktiver, wenn sie glauben, große Leistungen zu vollbringen - und das fördert ihr Durchhaltevermögen. Wie lange diese Motivation anhält, haben die Forscher indes nicht untersucht. Die Frage ist auch, wann Menschen womöglich die Grenze überschreiten, ab der sie sich einfach nur noch auspowern - und dann nur noch deutlich geringere Leistungen erbringen können. Unter dem Strich dürfte das ein Nullsummenspiel sein ...
Gefühltes Multitasking stachelt zu höherer Leistung an, WiWo 25.1.18

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Warum die Sinnfrage für Unternehmen wichtig ist 
Mittwoch, 31. Januar 2018 - Bewusstsein, Wissenschaft, Arbeit, Management
Sinnvolle Arbeit wünscht sich wohl jeder, der im Erwerbsleben steht. In einem Interview mit dem Harvard Business Manager erklärt die Sinnforscherin Tatjana Schnell, warum die Sinnfrage für Unternehmen mehr als nur ein Feelgood-Faktor sein sollte. "Mei­ne Mo­ti­va­ti­on, mich im Be­ruf zu en­ga­gie­ren, hängt da­von ab, ob ich das, was ich tue, als sinn­voll an­se­he. Sonst fehlt mir der An­trieb, In­ter­es­se, Ver­ant­wor­tung und Lei­den­schaft hin­ein­zu­ste­cken – all das, was wir als En­ga­ge­ment ver­ste­hen. Wir ma­chen nur noch Dienst nach Vor­schrift", so Schnell. Ihre wissenschaftliche Forschung zeigt, dass extrinsische Faktoren wie Karriere und Geld zwar eine Weile motivieren können, aber selbst jenen, die unter diesen Vorzeichen viel erreichen, irgendwann eine "höhere Ebene" fehle, die sie motiviere. "Eine Ar­beit, die nicht sinn­voll ist, wird zur Tor­tur, und es kommt zur Sinn­kri­se. Dann ist die Ar­beit we­der sinn­voll noch gibt sie Sinn. Am Ende steht der Burn-out. Das ist eine Ge­fahr für Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer", erklärt Schnell. Ihrer Forschung zufolge zahlen vier Dimensionen auf den Sinn ein. Das, was Menschen arbeiten, müsse mit ihren anderen Lebensbereichen und Fähigkeiten zusammenpassen, also kohärent sein. Auch müsse die Arbeit als bedeutsam erfahren werden, zum Beispiel weil sie etwas Gutes bewirke oder Anerkennung vermittle. Ein weiteres Kriterium sei die Orientierung - stimmt der Habitus des Unternehmens mit den eigenen Werten überein? Und schließlich schaffe die Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen Sinn.
"Man muss nicht gleich die Welt retten", HBM Januar 2018

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Arbeit oder Leben? 
Dienstag, 23. Januar 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit
Die Dominanz, die die Erwerbstätigkeit im Hinblick auf unsere Lebensgestaltung einnimmt, wird von Zeit zu Zeit immer wieder einmal Thema im öffentlichen Diskurs. Gerade erst haben die Gewerkschaften mit ihrer Forderung nach einer 28-Stunden-Woche (wenngleich nicht als Standard für alle Arbeitnehmer, so doch als längerfristige Option in bestimmten Lebensphasen) eine neue Diskussion eröffnet. Studien zur Akzeptanz des Grundeinkommens zeigen immer wieder, dass die meisten Menschen auch bei einer solchen finanziellen Freiheit weiterarbeiten würden. Andererseits ist auch ein Trend zum Downshifting zu beobachten - vor allem jüngere Menschen wählen öfter Teilzeit-Jobs, um all den anderen Dingen, die ihnen im Leben wichtig sind, gleichermaßen gerecht werden zu können. Unser Verhältnis zur Arbeit hat viele Facetten, manche davon durchaus zwiespältig. Das sagt auch der Experte für Arbeits-, Organisations- und Gesundheitspsychologie Tim Hagemann in einem Interview mit der Wirtschaftswoche. Wertschätzung und Handlungspielräume seien zentrale Aspekte, die Menschen mit ihrer Arbeit zufrieden sein lassen, erklärt er. Darüber hinaus bindet uns die Arbeitswelt in ein größeres soziales Gefüge ein. "Lebenszufriedenheit ist nicht unbedingt von der Arbeit abhängig – genau so gut können sich Menschen kulturell, wissenschaftlich oder politisch engagieren. Nur für sich alleine zu sein, ohne Aufgabe oder Sinn, das wird für die Allermeisten sehr schwierig", so Hagemann. Viele, die mit der Arbeit grundsätzlich hadern, leiden womöglich allein an dem engen Korsett, das ihnen ihr Job auferlegt. Oder sie spüren, dass das tägliche Tätigwerden gegen Geld in nur einem Kontext sie von so vielem anderen, was sie als wichtig empfinden, abhält. Letztlich steht hier weniger die Frage im Raum, ob es gut ist zu arbeiten oder nicht, sondern vielleicht eher, was das Leben als Ganzes für uns ausmacht.
Was reizt uns am Leben ohne Arbeit? WiWo 10.1.18

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