Das Revival der Selbsterkenntnis im Business 
Dienstag, 13. Februar 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Arbeit, Management
"Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung", weiß der Volksmund. Im Business scheint sie, gefördert von dem um sich greifenden Achtsamkeits-Hype, zu neuen Ehren zu gelangen. Die Wirtschaftswoche widmet einen umfassenden Beitrag dem Phänomen, dass sich in den Chef-Etagen immer mehr Manager mit "Self-Awareness" beschäftigen. Das Google-Programm "Search inside yourself" und große Achtsamkeitsprogramme für die Belegschaft bei SAP haben die Innenschau wieder salonfähig gemacht. Das hat eine gewisse Logik, denn nur wer sich selbst kennt, kann andere auch gut führen. Blinde Flecken der Führungskräfte können leicht zu blinden Flecken des gesamten Unternehmens werden. Und so bringen immer mehr Berater die meditative Innenschau in Coachingprozesse ein. Und immer mehr Führungskräfte fangen von sich aus an, ihr Innenleben tiefer zu erkunden. Die bewusste Selbstreflektion hilft Menschen dabei, ihre Lebenserfahrung zu durchschauen. Denn heute wissen wir, dass Erfahrung zwar in vielen Entscheidungsprozessen die Souveränität stützt, wir aber gleichermaßen auch zu Gefangenen unserer Erfahrungen werden können und unseren Blick verengen. Eine Studie von Korn Ferry mit knapp 7.000 Mitarbeitern zeigt: Je Selbst-Bewusster Arbeitnehmer sind, umso weniger blinde Flecken gibt es im Unternehmen - und umso höher fällt die Rendite aus.
Warum so viele Manager auf Self-Awareness setzen, WiWo 31.1.18

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Algorithmen sind nicht besser als Menschen 
Montag, 12. Februar 2018 - Bewusstsein, Studien
In vielen Lebens- und Arbeitsbereichen kommen längst Algorithmen zum Einsatz, um Entscheidungsprozesse zu verbessern. Was wir auf Facebook zu sehen bekommen, welche Artikel uns von Amazon empfohlen werden, aber auch welche Bewerber Personalabteilungen zu einem Gespräch einladen - all dies und noch viel mehr geschieht inzwischen unter Zuhilfenahme computergestützter Bewertungsprozesse. Studien im Personalwesen haben bereits gezeigt, dass Algorithmen zum Teil Vorurteile transportieren und verfestigen. Eine Studie aus den USA zeigt nun, dass Software, die zur Prognose der Rückfallwahrscheinlichkeit von Straftätern genutzt wird, keine besseren Voraussagen liefert, als wenn unbedarfte Internetnutzer ihre Einschätzung abgeben. Selbst wenn den Testpersonen deutlich weniger Datenmaterial zur Verfügung gestellt wurde als das, welches für die Berechnungen verwendet wurde, waren ihre Prognosen mit einer Trefferwahrscheinlichkeit von rund zwei Dritteln mindestens genauso gut (man könnte auch sagen schlecht) wie die Vorhersagen der Software. Für die Forscher wirft das die Frage auf, ob Algorithmen überhaupt einen Mehrwert bringen in Entscheidungsprozessen. Mich wundern die Ergebnisse dieser Untersuchung nicht. Denn Algorithmen sind von Menschen geschaffen, bilden also zwangsläufig auch deren Denkweisen ab. Es wird zwar viel davon gesprochen, dass Algorithmen auch lernen können und so ihre Kapazitäten erweitern. Doch wird in der Wissenschaft - zumindest so weit öffentlich bekannt ist - wohl noch viel zu wenig daran geforscht, welche Möglichkeiten und auch Beschränkungen beim Anlegen von Algorithmen durch den Faktor Mensch als Programmierer in solche Rechenprozesse Einzug halten. So wenig perfekt, wie wir Menschen sind, so wenig sind es dann auch die Algorithmen.
Wenn Algorithmen in der Jury sitzen, Bild der Wissenschaft 17.1.18

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Meditation als Lichtblick in Krisen und Kriegen 
Mittwoch, 7. Februar 2018 - Bewusstsein
Die Zeit berichtet in einem Interview mit dem indischen Guru Sri Sri Ravi Shankar darüber, wie Meditation in Kriegs- und Krisengebieten Menschen dabei helfen kann, mit den erlittenen Traumata besser zurechtzukommen. Seine Organisation "The Art of Living" ist in 155 Ländern aktiv. Gegenwärtig unterrichtet sie beispielsweise 16.000 Menschen in Flüchtlingscamps in Jordanien, Libanon und Syrien in Meditation. "Diese Menschen sind vor dem Krieg geflohen. Sie sind traumatisiert. Gibt man ihnen etwas zu essen, bekommen sie es nicht hinunter. Stellt man ihnen ein Bett auf, können sie nicht einschlafen. Sie sind viel zu aufgewühlt. Wir bieten ihnen in den Kursen eine geistige Zuflucht. Helfen ihnen, zur Ruhe zu kommen. Dank der Meditationen sind die Geflüchteten ihren Gefühlen nicht mehr so stark ausgeliefert. Das gibt ihnen Hoffnung, dass sie auch ihr Leben wieder in den Griff bekommen", erklärt Shankar. Ihm geht es nicht allein darum, eine Methode zu vermitteln, die hilft. Wesentliches Anliegen ist ihm, einen Beitrag zu mehr wechselseitigem Respekt und Toleranz zu leisten. Dabei helfe die spirituelle Dimension der Meditation. "Wir sind doch alle gestresst. Möchten getröstet werden, Ängste, Anspannung und Unsicherheit loswerden. Meditation ist eine Technik, mit der man sich auf die eigene innere Stärke besinnt. Das macht gelassener, zugänglicher. ... Alles, was Frieden bringt, was Menschen befähigt mehr Liebe für sich, andere und ihre Umwelt zu empfinden, ist Spiritualität. Sie ist die Grundlage der Weltreligionen – das, was sie alle verbindet. Man könnte auch Humanismus dazu sagen: Menschlichkeit, Freiheit, Toleranz, Respekt", sagt er.
"Jeder möchte getröstet werden", Zeit online 30.1.18

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Alleinsein kann der Kreativität dienlich sein 
Dienstag, 6. Februar 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Arbeit
Kreativität verbinden wir leicht mit äußerer Stimulation, zwischenmenschlichem Austausch und Extroversion. Eine amerikanische Studie zeigt nun, dass auch das Alleinsein die Kreativität unterstützen kann. Die Wissenschaftler untersuchten bei 300 Studierenden, ob und aus welchen Gründen sie häufiger sozial zurückgezogen sind und welche Gefühle sie damit verbinden. Außerdem betrachteten sie, als wie kreativ die jungen Menschen sich betrachteten. Dabei wurde deutlich, dass diejenigen, die schlicht kein großes Bedürfnis nach viel sozialem Miteinander hatten, mit dieser Haltung aber im inneren Einklang waren, sich tendenziell eher kreativ fühlten. Studenten, die aus Schüchternheit oder anderen Gründen soziale Kontakte vermieden und dabei Gefühle der Aggression oder auch Einsamkeit empfanden, fühlten sich hingegen deutlich weniger kreativ. Alleinsein per se ist damit kein Kreativitäts-Booster. Wohl aber zeigt sich, dass Menschen, die sich auch in Situationen ohne soziale Stimulation wohlfühlen, in ihrer Kreativität profitieren können, wenn sie dieser inneren Neigung treu bleiben.
Can Solitude make you more creative? Greater Good Magazine 26.1.18

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Vorübergehend kann Multitasking die Leistung steigern 
Donnerstag, 1. Februar 2018 - Bewusstsein, Studien, Arbeit
Multitasking hat einen schlechten, denn unser Geist scheint nicht für das Nebeneinander verschiedener Aufgaben gemacht zu sein. Der österreichische Neurowissenschaftler Bernd Hufnagl etwa hat errechnet, dass Multitasker für Aufgaben 60 Prozent mehr Zeit benötigen und dabei 40 Prozent mehr Fehler machen. Eine neue amerikanische Studie wiederum kommt zu dem Schluss, dass Multitasking zumindest vorübergehend auch leistungssteigernd wirken kann. Das bloße Empfinden, dass man erfolgreich mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältige, könne den Output verbessern. Menschen fühlen sich dann aktiver, wenn sie glauben, große Leistungen zu vollbringen - und das fördert ihr Durchhaltevermögen. Wie lange diese Motivation anhält, haben die Forscher indes nicht untersucht. Die Frage ist auch, wann Menschen womöglich die Grenze überschreiten, ab der sie sich einfach nur noch auspowern - und dann nur noch deutlich geringere Leistungen erbringen können. Unter dem Strich dürfte das ein Nullsummenspiel sein ...
Gefühltes Multitasking stachelt zu höherer Leistung an, WiWo 25.1.18

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Warum die Sinnfrage für Unternehmen wichtig ist 
Mittwoch, 31. Januar 2018 - Bewusstsein, Wissenschaft, Arbeit, Management
Sinnvolle Arbeit wünscht sich wohl jeder, der im Erwerbsleben steht. In einem Interview mit dem Harvard Business Manager erklärt die Sinnforscherin Tatjana Schnell, warum die Sinnfrage für Unternehmen mehr als nur ein Feelgood-Faktor sein sollte. "Mei­ne Mo­ti­va­ti­on, mich im Be­ruf zu en­ga­gie­ren, hängt da­von ab, ob ich das, was ich tue, als sinn­voll an­se­he. Sonst fehlt mir der An­trieb, In­ter­es­se, Ver­ant­wor­tung und Lei­den­schaft hin­ein­zu­ste­cken – all das, was wir als En­ga­ge­ment ver­ste­hen. Wir ma­chen nur noch Dienst nach Vor­schrift", so Schnell. Ihre wissenschaftliche Forschung zeigt, dass extrinsische Faktoren wie Karriere und Geld zwar eine Weile motivieren können, aber selbst jenen, die unter diesen Vorzeichen viel erreichen, irgendwann eine "höhere Ebene" fehle, die sie motiviere. "Eine Ar­beit, die nicht sinn­voll ist, wird zur Tor­tur, und es kommt zur Sinn­kri­se. Dann ist die Ar­beit we­der sinn­voll noch gibt sie Sinn. Am Ende steht der Burn-out. Das ist eine Ge­fahr für Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer", erklärt Schnell. Ihrer Forschung zufolge zahlen vier Dimensionen auf den Sinn ein. Das, was Menschen arbeiten, müsse mit ihren anderen Lebensbereichen und Fähigkeiten zusammenpassen, also kohärent sein. Auch müsse die Arbeit als bedeutsam erfahren werden, zum Beispiel weil sie etwas Gutes bewirke oder Anerkennung vermittle. Ein weiteres Kriterium sei die Orientierung - stimmt der Habitus des Unternehmens mit den eigenen Werten überein? Und schließlich schaffe die Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen Sinn.
"Man muss nicht gleich die Welt retten", HBM Januar 2018

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Gedanken loslassen braucht Training 
Dienstag, 30. Januar 2018 - Bewusstsein, Lebensart
Im Zuge des gegenwärtigen Achtsamkeits-Hypes ist immer wieder auch die Rede davon, dass das Loslassen der eigenen Gedanken ein wesentlicher Schritt zu mehr innerer Freiheit ist. Wer im Gedankenkarussell gefangen ist, frage sich natürlich, wie das gehen soll. "Im Zazen versuchen wir, die Gedanken einfach so zu lassen, wie sie sind, so wie Vogelstimmen, wie Insekten und loszulassen. Und loslassen ist etwas, was man nicht machen kann. Der Trick ist, die Gedanken anzunehmen. Wenn man die Realität oder das Leiden oder sich selbst loslassen will, muss man gleichzeitig die Realität, das Leiden, sich selbst annehmen. Also, wenn ich etwas nicht annehmen will, wie es ist, dann wird es zum Problem für mich. Wenn ich es annehme, wie es ist, muss ich nichts damit machen, das heißt, in dem Moment ist es schon losgelassen", erklärt der deutsche Abt Muho, der in Japan dem Zen-Kloster Antaiji vorsteht, in einer Sendung von Deutschlandfunk Kultur. Hört sich einfach an, oder? Ist aber nicht immer so einfach zu realisieren, denn unsere Denkgewohnheiten können sehr mächtig sein. Die im Kloster Praktizierenden meditieren pro Jahr etwa 1.800 Stunden ... Mit ein paar Minuten Meditation ist es vielleicht nicht getan, aber sie können ein Anfang sein. "Echtes Glück bedeutet, dass man auch mal sein Unglück annehmen kann. Echte Erleuchtung bedeutet, aufzuhören, danach zu suchen, wie der Hund, der herumschnüffelt und nach der Bratwurst sucht", sagt Abt Muho.
"Wenn du ganz stille sitzt, dann geschieht etwas", Deutschlandfunk Kultur 21.1.18

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Wohin hat uns die 1968er-Bewegung gebracht? 
Montag, 29. Januar 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Medien
Vor 50 Jahren, wenn man in Jubiläumszyklen denken mag, keimte mit der Hippie-Bewegung die Postmoderne auf. Kulturell betrachtet hat seitdem nicht weniger als eine tektonische Plattenbewegung stattgefunden. Kulturelle Vielfalt, Political Correctness und Gender Mainstreaming gehören zum offensichtlichen Erbe der Postmoderne und prägen heute wie selbstverständlich unsere Mainstream-Kultur. Doch zeigen die weltweit wachsenden Protestbewegungen mit nationalistischem Rückzugsdenken, Fremdenangst und Abstiegssorgen auch, dass der Spirit der 68er noch längst nicht nachhaltig Fuß gefasst hat in der Welt von heute. Die aktuelle Ausgabe von evolve - Magazin für Bewusstsein und Kultur widmet sich der Frage, wohin uns postmodernes Denken gebracht hat, welche Durchbrüche mit ihm verbunden sind, aber auch, welche geistigen Engpässe mit ihm verbunden sind. Was mich bei der Recherche zu meinem eigenen Artikel über den politischen und kulturellen Einfluss der Postmoderne auf unsere gegenwärtigen Lebensverhältnisse überrascht und auch ein wenig betroffen gemacht hat, ist, dass gerade der Aufbruch zu mehr Vielfalt im Hinblick auf Lebensstile und kulturelle Konventionen durch die Hintertür auch den Weg geebnet hat für den heute immer mehr ausufernden Neoliberalismus der Leistungsgesellschaft. Weitere Beiträge der Ausgabe "Die Postmoderne und darüber hinaus - 1968 bis 2018": Der integrale Philosoph Ken Wilber sieht die Widerstände gegen die Postmoderne ebenfalls als einen Weckruf an die progressiven Kräfte in aller Welt, in ihrer Entwicklung einen Schritt weiterzugehen. Denn seiner Ansicht nach müssen wir Wege finden, die Pluralität der Postmoderne in eine umfassendere Integration zu führen. Bei dieser Integration wird auf psychologischer Ebene ein neuer Umgang mit unserer Innenwelt und unseren Gefühlen nötig sein, erklärt der Gestalttherapeut und Soziologe Hans-Peter Dreitzel, der die Hippie-Bewegung in Kalifornien und die Studentenbewegung in Berlin hautnah miterlebt hat. Er spricht von einer reflexiven Sinnlichkeit, die unsere Empfindungsfähigkeit mit einer wachen Bewusstheit verbindet, die auch um unsere Verbundenheit mit dem Ganzen weiß. Die evolve-Redakteurin und Gender-Expertin Elizabeth Debold hat sich in ein aktuelles Minenfeld der Diskussion um postmoderne Konfliktlinien begeben und analysiert in ihrem Artikel die #meetoo-Bewegung. Diese Bewegung hat eine längst überfällige Diskussion über sexuelle Gewalt und Übergriffe gegen Frauen angestoßen, bezieht sich aber gleichzeitig immer wieder auch auf alte Feindbilder. Wie können sich in dieser erhitzten Atmosphäre neue Geschlechterbeziehungen in beiderseitigem Respekt entwickeln? Wer probelesen möchte, findet hier einen Auszug aus dem Leitartikel von Thomas Steininger.

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