Macht Achtsamkeit unproduktiv? 
Mittwoch, 13. Juni 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Studien, Arbeit, Management
Im Business ist Achtsamkeit nicht zuletzt deshalb in aller Munde, weil man sich von ihr nicht nur mehr Ausgeglichenheit und Wohlbefinden für die Mitarbeiter erhofft, sondern, gestützt durch deren wachsende Zufriedenheit auch eine bessere Arbeitsleistung. Manche Studien scheinen in der Tat zu belegen, dass Mitarbeiter, die meditieren, fokussierter sind und viele Aufgaben besser bewältigen. Eine Studie der Católica Lisbon School of Business & Economics und der Carlson School of Management, University of Minnesota, zeigt nun: Meditation kann der Motivation das Wasser abgraben. In der Untersuchung zeigte sich, dass Menschen, die Achtsamkeit praktizierten, weniger geneigt waren, Aufgaben anzugehen. Die Forscher führen diesen Effekt darauf zurück, dass Achtsamkeit einen Zustand der Akzeptanz fördere, während es, um anzupacken und Probleme zu lösen, durchaus eines gewissen Maßes an Unzufriedenheit erfordere, um den Hintern hochzubekommen.
Zu viel Meditation raubt die Motivation, SZ 3.6.18

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Die unbewusste Vereinnahmung durch digitale Tools durchbrechen 
Freitag, 8. Juni 2018 - Bewusstsein, Lebensart
Seit einigen Jahren mehren sich die Studien, die vor der suchterzeugenden Wirkung von Handy & Co. warnen. Dem Psychiater Manfred Spitzer gelang mit seinem Buch "Digitale Demenz" sogar ein richtiger Publikumserfolg. Wir wissen, dass wir sorgsamer auf unsere Mediennutzung achten sollten - und lassen uns dann doch wieder gerne von den schier unbegrenzten digitalen Ablenkungsmöglichkeiten in den Bann ziehen. Apple hat nun angekündigt, sich mehr der digitalen Gesundheit zu widmen. Die kommende Version des iPhone-Betriebssystems soll den Nutzern anzeigen, wie viel Zeit sie aktiv mit dem Handy verbringen und welche Apps sie dabei vor allem in den Bann ziehen. Vielleicht erleichtert es eine solche Funktion, den eigenen Ablenkungsstrategien eher ins Auge zu sehen, denn die vielen unbewussten alltäglichen Griffe zum Smartphone, aus denen leicht ein paar Stunden digitale Dröhnung werden können, blenden wir doch allzu leicht aus.
Apple will Handynutzung einschränken, FAZ 1.6.18

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Schlafmangel lässt sich bedingt ausgleichen 
Mittwoch, 6. Juni 2018 - Lebensart, Studien, Arbeit
Wenig zu schlafen, gehört mit zu den Grundlagen einer auf die Spitze getriebenen Leistungskultur. Mediziner warnen jedoch immer wieder vor den gesundheitlichen Auswirkungen, die dauerhafter Schlafmangel haben kann, denn er leistet verschiedenen Erkrankungen Vorschub und kann das Leben verkürzen. Von der nachlassenden geistigen Leistungsfähigkeit permanent Übermüdeter einmal ganz zu schweigen. Eine neue Studie zeigt nun, dass sich der werktägliche Schlafmangel zumindest bedingt durch längeres Schlafen am Wochenende ausgleichen lässt. Eine Studie wertete dazu die Daten von 44.000 Menschen aus. Sie gingen von einer optimalen Schlafdauer von sieben Stunden aus. Unter 65-Jährige, die jede Nacht fünf Stunden oder weniger schliefen, zeigten demnach ein höheres Sterberisiko als die Ausgeschlafenen. Diese Folge konnte von jenen vermieden werden, die am Wochenende einfach länger schliefen. Auch zu langes Schlafen tut anscheinend nicht gut, denn die Langschläfer, die jede Nacht auf mehr als neun Stunden Schlaf kamen, waren ebenfalls von einem erhöhten Sterberisiko betroffen. Wochenend-Kompensationsschläfer seien allerdings gewarnt. "Der Schlaf kürzer als sechs Stunden geht schon nach einer Nacht aufs Gemüt", so Ingo Fietze, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums an der Berliner Charité. Einen weiteren Kommentar von ihm finde ich eher unglücklich, denn er sagt auch, dass die gesunde Schlafdauer von sieben bis siebeneinhalb Stunden pro Nacht heute für viele Arbeitnehmer nicht realistisch sei. Das mag stimmen, aber im Kontext dieser Studie ist es auch eine Einladung, sich einfach kritiklos den äußeren Zwängen zu beugen anstatt mehr danach zu fragen, wie wir ein Leben können, in dem unsere menschlichen Basisbedürfnisse nicht zu kurz kommen.
Schlafmangel lässt sich am Wochenende ausgleichen, Zeit online 27.5.18

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Der Spagat zwischen Stress- und Komfortzone 
Dienstag, 5. Juni 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit
Das Vokabular der Leistungsgesellschaft hat die Komfortzone schon vor Jahren zum toten Winkel erklärt. Mehr etwas erreichen möchte im Leben, muss einfach raus aus der Kuschelecke, meinen die Dauerperformer. Womöglich hat diese Einstellung mit zum gegenwärtigen Stresshoch beigetragen. Sich auch mal zurückzulehnen, hat einfach einen schlechten Ruf. "Ständige Überforderung, sich also permanent außerhalb der eigenen Komfortzone zu bewegen, führt zu Erstarrung oder Panik. Wir brauchen Komfort als Überlebensgrundlage", warnt hingegen der Psychologe Nico Rose. Worum es letztlich geht, ist wohl die rechte Mischung. Immer nur im Wohlbefinden zu verharren, kann auch langweilig werden. Lernen und uns weiterentwickeln können wir uns am ehesten dann, wenn wir das schon Vertraute auch einmal hinter uns lassen. Das mag sich bisweilen unbehaglich anfühlen, oft sogar herausfordernd. Und doch trägt dieses die Fühler Ausstrecken mit dazu bei, dass die eigene Komfortzone sich erweitert. Daraus allerdings gleich einen neuen Leistungsethos zu zimmern, ist wahrscheinlich keine gute Idee, denn wenn aus Entwicklung dauerhafte Überforderung wird, gewinnen Panik oder schlicht Verweigerung die Oberhand.
Wer Risiken eingeht, vergrößert seine Komfortzone, WiWo 27.5.18

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Jung ranklotzen und jung wieder aussteigen 
Freitag, 25. Mai 2018 - Lebensart, Arbeit
In den USA braut sich zur Zeit eine neue Simplify-Bewegung zusammen. Junge Arbeitnehmer, insbesondere solche in sehr gut bezahlten Jobs, üben sich schon zum Beginn ihrer Berufslaufbahn in Sparsamkeit, weil sie vor allem ein Ziel haben - möglichst jung aus der Job-Tretmühle wieder auszusteigen. Das Phänomen hat auch schon einen Namen - FIRE (Financial Independence, Retire Early), was so viel heißt wie "Finanzielle Unabhängigkeit, setz' dich früh zur Ruhe). Die jungen Profesionals wollen nicht schnell reich werden und dann in Saus und Braus leben. Sie wollen sich vom Zwang des Geldverdienens befreien, um anschließend machen zu können, was sie wirklich wollen. Die Welt zeigt in einem Artikel, wie die Lebensmodelle dieser Aussteiger funktionieren. Sie nutzen die Zeit ihres Angestelltendaseins, um möglichst viel Geld auf die Seite zu legen. Und sobald sie genügend erwirtschaftet haben, um in der Zukunft sparsam leben zu können, schmeißen sie hin. So ziemlich das Gegenteil der Karriere- und Konsumwelt, die heute für viele so erstrebenswert ist. Aber auch zynisch aus der Sicht derer, die in Niedriglohnjobs gefangen sind, schon heute extrem sparsam leben müssen und dafür aber bis zur Rente weiterschuften.
Wie man mit 30 nicht mehr arbeiten muss, welt.de 15.5.18

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Subjektivität neu entdecken 
Donnerstag, 24. Mai 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Wissenschaft
In ihrem neuen Buch "Die Illusion der Gewissheit" wirft die Schriftstellerin Siri Hustvedt einen interessanten Blick auf unser Verständnis des Menschseins. Sie spricht sich nicht nur dafür aus, Menschsein holistischer zu sehen, sie kritisiert auch, dass die westliche Neigung zur Verwissenschaftlichung der Dimension des Subjektiven nicht gerecht wird. "Bei allen objektiven Daten sieht man nicht, was die subjektiven Erfahrungen eines Menschen sind, was es bedeutet, ein Mensch in der Welt zu sein, und dass sich das nicht einfach so quantifizieren lässt wie andere physiologische Veränderungen", so Hustvedt. Vielleicht mit ein Grund, warum Hustvedt besonders kritisch wird, wenn es um künstliche Intelligenz geht. "Es ist klar, dass Künstliche Intelligenz in gewisser Weise auch messbar ist, zum Beispiel können Computer Schach spielen, sie können das besser als Menschen oftmals, aber ich stehe nicht alleine mit der Ansicht: Viele glauben, dass Computer nicht in der Lage sein werden, Emotionen zu entwickeln, denn das Modell gibt das so nicht vor. Wir verstehen auch nicht genau genug, wie diese biologischen Prozesse der Emotionen überhaupt funktionieren", sagt sie. Heute erlebt beispielsweise Meditation einen ungeahnten Boom, weil unzählige wissenschaftliche Studien ihre Wirksamkeit nachweisen. Aber womöglich tun wir viel besser daran, erst einmal damit zu beginnen, unsere eigenen, inneren Erfahrungen systematischer zu betrachten und Schlüsse daraus zu ziehen. Damit meine ich nicht die typische selbstbezogene Nabelschau (die oft alle möglichen oder auch unmöglichen Ideen der Selbstverbesserung im Gepäck hat). Nein, vielleicht geht es heute tatsächlich um die Frage, wer wir unserem tiefsten Wesen nach sind. Es ist eine Frage, die nur wir selbst beantworten können, in einer gemeinsamen Erkundung, die sich nicht nach Objektivitäten streckt, sondern beginnt, die intersubjektiven Muster unseres Menschseins in die Sichtbarkeit zu bringen. Es ist vielleicht so etwas wie eine neue Psychowissenschaft, die statt nach der Gewinnung von Daten, nach der ernsthaften Betrachtung von Erfahrungen strebt.
Plädoyer für ein ganzheitliches Verständnis vom Menschen, Deutschlandfunk Kultur, 17.5.18

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Die Sehnsucht nach der Natur flammt wieder auf 
Dienstag, 22. Mai 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Wissenschaft
In gewisser Weise ist es bizarr, wie sich die menschliche Sehnsucht nach Natur in Zeiten der immer weiter um sich greifenden Urbanisierung aufbäumt. In einem Artikel greift die Zeit das Thema "Waldbaden" auf. Ja, richtig gelesen. Der "Trend" kommt aus Japan, wo die wissenschaftliche Erforschung der Wirkung des Waldes auf den Menschen bereits eine längere Tradition hat. Viele medizinische Untersuchungen erklären uns heute sehr detailliert, welche Bestandteile der gesunden Waldluft dem Körper gut tun und auch eine wohltuende Wirkung auf Geist und Seele zu haben scheinen. Heute geht man deshalb nicht mehr einfach spazieren, man badet im Wald. Wo unsere Ahnen noch versuchten, der sie beherrschenden Natur zu entrinnen, Städte bauten und, zumindest zwischenzeitlich, diese Durchbrüche menschlicher Schaffenskraft als positive Entwicklung des Menschseins genossen, scheinen wir heute an einer Schwelle zu stehen. Je mehr sich unsere Städte ausweiten, umso mehr geht uns der unmittelbare Kontakt mit dem Natürlichen verloren. Der heute vielfach empfundene Zivilisationsstress liegt vielleicht nicht nur an zu viel Arbeit und den Lasten der Digitalisierung. Womöglich wird uns langsam bewusst, dass Natur für unser Menschsein ebenso essenziell ist wie die kulturelle Pflege des Menschseins. Ich finde den Zeit-Artikel anregend, weil er diese Dimension wieder ins Bewusstsein bringt. Die wissenschaftlichen Erklärungen sind erhellend, doch sollte man nicht den Fehler machen, nun zu versuchen, die Natur zu funktionalisieren. Waldbaden funktioniert vielleicht gerade deshalb, weil es uns wieder mit der Absichtslosigkeit, mit dem schlichten Dasein in Kontakt bringt.
Spring! Zeit Online 8.5.18

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Zu viel Arbeit macht unproduktiv 
Freitag, 18. Mai 2018 - Lebensart, Studien, Arbeit, Management
Produktivität hat Grenzen, vor allem wenn es um die menschliche Arbeitskraft geht. Morten Hansen, Managementprofessor an der Universität von Kalifornien in Berkeley, untersuchte, mit welchem Arbeitspensum am Produktivsten sind. Fünf Jahre lang betrachtet der die Arbeitsweise und Leistung von 5.000 Beschäftigten. Die Erkenntnisse seiner Untersuchung sind eine klare Absage an 80-Stunden-Wochen und Dauerpräsenz am Arbeitsplatz. In seiner Studie zeigte sich, dass Menschen, die gewöhnlich 30 bis 50 Stunden pro Woche arbeiten, kurzfristig durch Mehrarbeit, beispielsweise weil besondere Projekte diese erfordern, tatsächlich produktiver werden können. Bei Menschen, die regelmäßig bis zu 60 Stunden in der Woche arbeiteten, stagnierte die Produktivität hingegen. Ab einer Wochenarbeitszeit von 65 Stunden wurde die Produktivität sogar rückläufig.
Warum weniger arbeiten mehr bringt - und wie es gelingt, WoWo 8.5.18

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