Achtsamkeit im Hamsterrad 
Donnerstag, 9. Januar 2020 - Bewusstsein, Management
"Eine der größten Herausforderung der Arbeitswelt der 20er wird sein, weniger stresskranke Menschen zu produzieren", propagiert die Wirtschaftswoche in einem Grundsatzartikel, in dem das Magazin nicht nur den Achtsamkeitstrend kritisch unter die Lupe nimmt, sondern versucht, eine Diskussion anzustoßen über die ganz grundsätzlichen Veränderungsnotwendigkeiten in der Arbeitswelt. Es ist ein Vorstoß, der dringend notwendig scheint, denn seit die Achtsamkeitswelle an Fahrt aufgenommen hat, versprechen Apps, kluge Tipps für Zwischendurch und Sofortmaßnahmen, dass man mit ein bisschen Feintuning dann doch irgendwie wieder alles auf die Reihe bekommen kann. "Gemeinsam ist den vielen Achtsamkeitstipps, dass sie meist logisch und verlockend klingen und dem Gehetzten Hilfe versprechen, um trotz aller Belastung und aller eindeutiger körperlich-seelischer Warnsignale irgendwie doch nicht krank zu werden. Man muss resigniert feststellen, dass das doch mehr Selbstbetrug als Selbsthilfe ist", so der Artikel. Mit Beispielen hochrangiger Führungskräfte, die von sich aus die Reißleine gezogen haben und im Job kürzer getreten sind oder ihn ganz hingeschmissen haben, versucht der Beitrag dafür zu sensibilisieren, dass unsere Arbeitswelt längst zu unmenschlich geworden ist, als dass da mit individueller Kompensation noch viel zu machen wäre. "Durch Digitalisierung verdichtete Arbeit braucht deutlich mehr Ausgleich als nur ein paar Achtsamkeitsfloskeln. Wer über Jahre hochkonzentriert komplexe und vielfältige Arbeit verrichten soll, kann dies nicht acht Stunden am Tag tun. Erste erfolgreiche Versuche mit dem Fünf-Stunden-Tag gibt es bereits. Die Ansprüche an Freizeit und Familienleben sind gestiegen. Das erfordert noch mehr flexible und familienfreundliche Arbeitszeitregelungen, in einer idealen Welt wäre das die vor Jahren schon einmal vorgeschlagene 32-Stunden-Vollzeit-Woche für Eltern", listet der Artikel einige interessante Vorstöße der jüngeren Vergangenheit auf, die vorherrschenden Probleme grundlegender anzugehen. Es wäre zu wünschen, dass noch viel öfter thematisiert wird, wie wir in den letzten Jahren geradezu eine Überforderungsgesellschaft kreiert haben. Die gute Nachricht: Was wir geschaffen haben, können wir auch wieder verändern!
Gegen den Stress der Massen braucht es mehr als Achtsamkeit, WiWo 30.12.19

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Kann die Finanzwelt achtsam werden? 
Mittwoch, 8. Januar 2020 - Bewusstsein, Management
"Mindful Finance" ist eine der neueren Blüten, die der Achtsamkeitstrend hervorgebracht hat. Friedhelm Boschert, einst in Top-Positionen im Banking tätig, ist einer der Vorreiter des neuen Trends, dem das Magazin enorm einen Beitrag widmet. Inzwischen als Berater und auch Meditationslehrer tätig, versucht Boschert mit dem von ihm gegründeten Mindful Finance Institute den Sinn für die tiefere Beziehungsebene im Finanzwesen zu stärken. Ich finde den Ansatz interessant, weil er eine Wende andeutet von individuell praktizierter Achtsamkeit (oft zur Selbstoptimierung oder als letztes Mittel, um einen Zusammenbruch zu vermeiden) hin zu den menschlichen Zusammenhängen, in denen wir alle stehen. Menschen wieder als Menschen zu sehen und nicht nur als Geschäftspartner, die es einem ermöglichen, Ziele zu erreichen, ist eines der Anliegen. Der Professor für buddhistische Ökonomie Ernest Ng sagt beispielsweise: "Das Bindeglied zwischen Mindfulness und Finanzwesen ist das Vertrauen. Vertrauen ist beispielsweise ein zentrales Element für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit. Je langfristiger eine Geschäftsbeziehung angelegt ist, desto weniger wichtig wird in ihr der aktuelle Profit, und desto wichtiger wird das gegenseitige Vertrauen. Darauf lässt sich aufbauen." Es ist eine zarte Blüte, die hier sprießt. Ich würde mir wünschen, dass diese größeren Beziehungsdimensionen in der Achtsamkeitswelt künftig noch stärkere Resonanz finden.
Mindful Finance macht den Kapitalismus menschlicher, enorm 30.12.19

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Führungskräfte kämpfen mit ihrer emotionalen Inkompetenz 
Dienstag, 7. Januar 2020 - Psychologie, Arbeit, Management
Wer es bis an die Spitze schafft, gilt als erfolgreich. Doch hinter den äußeren Business-Fassade sieht es für viele Menschen in Führungspositionen eher düster aus, weiß der Psychiater Christian Dog aus seiner Beratungspraxis. "Erfolg kann krank machen, das beobachte ich bei meinen Klienten seit vielen Jahren. Besonders dann, wenn die Karriere schnell und steil verläuft. Häufig ist die Entwicklung der Persönlichkeit und die emotionale Kompetenz viel langsamer als der berufliche Aufstieg. Dann werden sie in die ständige Überforderung befördert und versuchen, die Diskrepanz zwischen der wirklichen Leistungsfähigkeit und dem geforderten Arbeitsprofil zu überspielen. Das kostet ungemein viel Kraft. Ohnehin legen viele der von mir betreuten Managerinnen und Manager bei den 80-Stunden-Wochen und dem enormen Druck kaum Wert auf ihre psychische Gesundheit", erzählt er in einem Interview mit der ZEIT. Karriere funktioniere in den üblichen Businessstrukturen nur, "wenn man verhärtet und verdrängt". Dogs macht immer wieder die Erfahrung, dass Führungskräfte nur schlecht Zugang finden zu ihrem Gefühlsleben. Das sei nicht nur ungesund für die eigene Psyche, sondern auch fürs Geschäft, denn viele Entscheidungen werden, ob bewusst oder unbewusst, aus dem Bauch heraus getroffen. Dogs Gegenmittel ist es, den Menschen dabei zu helfen, zu mehr Selbstreflexion zu gelangen: "Wir sprechen über die wirklich wichtigen Dinge und Werte im Leben: über Liebe, Familie, Gesundheit. In einem zweiten Schritt versuchen wir dann, den Alltag bewusst zu verlangsamen, Geschwindigkeit und Druck rauszunehmen und damit den Rahmen zu schaffen, sich auf die emotionale Identität und chronisch ungeklärten Konflikte zu konzentrieren."
"Je höher Manager kommen, desto einsamer werden sie", zeit.de 27.12.19

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Belastungen der Mitarbeiter frühzeitig erkennen 
Montag, 6. Januar 2020 - Arbeit, Management
Stress und Burnout sind nicht nur aufgrund gestiegener Belastungen in der Arbeitswelt in den letzten Jahren zu einem großen Thema geworden, sondern auch, weil viele Unternehmen noch nicht den rechten Blick dafür entwickelt haben, wie sie ihre Mitarbeiter vor Überlastung sinnvoll schützen können. Der Start-up "Dear Employee" möchte hier helfen. Er hat ein Befragungssystem entwickelt, mit dem Firmen leichter erkennen können, wie es um die gesundheitliche und seelische Verfassung ihrer Angestellten steht. Die Online-Befragungen sollen Entscheidern einen Überblick geben, wo es in ihrem Unternehmen hakt. Denn nur wer überhaupt im Bilde ist, wie es den Menschen, die in der Firma arbeiten, geht, kann auch entsprechende Maßnahmen ergreifen.
Dieses Start-up will Angestellte vor Burn-out schützen, welt.de 22.12.19

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Große Unternehmen bremsen beim Home Office 
Freitag, 13. Dezember 2019 - Studien, Arbeit, Management
Nicht mehr so oft im Stau stehen, leichter Berufliches und Privates ausbalancieren - für viele Mitarbeiter ist das Home Office eine Möglichkeit, sich das Leben etwas leichter zu gestalten. Doch insbesondere große Unternehmen treten hier auf die Bremse. Eine repräsentativenUnternehmensbefragung des Prognos-Instituts zeigt: Es sind vor allem kleinere Firmen, die ihren Angestellten das Arbeiten von zu Hause aus ermöglichen. Am besten sind dabei die kleinsten Unternehmen aufgestellt. In Betrieben mit fünf bis neun Mitarbeitern können 75 Prozent derer, deren Arbeitsfeld es zulässt, mobil arbeiten. Bei Betrieben mit 10 bis 49 Mitarbeitern sind es noch 58 Prozent. In Großunternehmen mit mehr mehr als 1.000 Angestellten nur noch die Hälfte. Vor allem kleinere Firmen scheinen gezielt mit diesen Vorteilen um Mitarbeitende zu werben.
„Die Bremser sitzen im mittleren Management“, welt.de 6.12.19

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Ethische Messlatte hängt für Frauen höher 
Donnerstag, 12. Dezember 2019 - Studien, Arbeit, Management
Wenn es um die Beurteilung von Fehlverhalten geht, liegt im Business die ethische Messlatte für Frauen deutlich höher als für Männer. Amerikanische Wissenschaftler untersuchten mit 512 Probanden, wie diese das Fehlverhalten von männlichen und weiblichen CEO's bewerten. Ihnen wurden fiktive Zeitungsberichte vorgelegt. Darin ging es um fehlerhafte Autos. Mal legte der Fehler Inkompetenz der obersten Führung nahe, mal gezielten Betrug. Anschließend wurden die Probanden gefragt, wie hoch ihre Bereitschaft sei, bei dem Unternehmen noch mal ein Auto zu kaufen. War der fiktive CEO der Geschichte ein Mann, sank die Kaufbereitschaft bei den Befragten in gleichem Maße bei inkompetentem wie ethisch bedenklichem Verhalten. Wurde den Studienteilnehmenden hingegen eine Frau als oberste Chefin präsentiert, wollten deutlich weniger Probanden ein Auto kaufen, wenn die Ursache moralisches Vergehen war. Bei der Inkompetenz reagierten sie hingegen nachsichtiger als bei männlichen CEO's. Die Studie zeigt, welcher Gender-Gap im Hinblick auf die Bewertung von Moral zutage tritt. Wenn eine Frau lügt, scheint das doppelt schlimm zu sein.
„Frauen sind höhere Standards vorgeschrieben“, WiWo 6.12.19

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Selbstoptimierungsmaschine 
Mittwoch, 11. Dezember 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit, Management
"Mit Fitnesscoach und Meditation zum „absoluten Machertypen“?" - das fragt das Magazin Gründerszene. Um dann mit dem Portrait eines Firmengründers zu zeigen, wie Selbstoptimierung aus dem Bilderbuch daherkommt. Meditation spielt für den portraitierten Unternehmer, das erfährt man am Schluss des Artikels, eher eine untergeordnete Rolle - macht er einfach, weil's ihm ein Coach geraten hat. Jede Menge Sport, Ernährungsberatung, regelmäßige Physiotherapie als Prophylaxe und gleich mehrere Coaches halten den agilen Gründer auf Trab. Mir wurde ein wenig schwindlig beim Lesen des Artikels. Bösartig könnte man auch fragen, wann der Mann noch Zeit zum Arbeiten findet. Aber wer all seine Lebensbereiche so optimal gestaltet, braucht dafür vielleicht wesentlich weniger Zeit? Ich finde es ein wenig erschreckend, welcher Hand, das Leben beherrschen zu wollen, hier auch zum Vorschein kommt. Gesund zu leben, ist eine Sache. Aber fast schon zwanghaft aus allen Dimensionen des menschlichen Daseins, aus Körper, Geist und Seele, das Beste herausholen zu wollen, ist schon extrem.
Mit Fitnesscoach und Meditation zum „absoluten Machertypen“?, gründerszene.de 30.11.19

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Stress und Hektik sind das neue Normal im Job 
Montag, 9. Dezember 2019 - Studien, Arbeit, Management
Viel zu viel arbeiten, keine Pausen machen, am Rad drehen - Stress und Hektik scheinen immer mehr zum Normalzustand der Arbeitswelt zu werden. Eine neue Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbundes mit 6.600 Befragten zum Thema "Gute Arbeit" zeigt: 53 Prozent der Arbeitenden fühlen sich häufig gehetzt. Ein Viertel schafft die Arbeit nicht in der vorgegebenen Zeit. Genau so viele Menschen machen deshalb kürzere Pausen oder lassen sie gleich ganz ausfallen. Bis zur Hälfte der Arbeitenden hat dabei den Eindruck, diese Belastungen nicht bis zur Rente durchzuhalten. Der DGB ist alarmiert, auch weil drei Viertel der Unternehmen die Belastungsanalysen zum Schutz der Gesundheit, die laut Arbeitsschutzgesetz vorgesehen sind, gar nicht durchführt. Die Arbeitswelt scheint sich hier auf ein besorgniserregendes Überlastungsniveau einzupendeln. Und immer noch wird, wenn Menschen schließlich aufgrund von zu viel Stress erkranken, versucht, diese Probleme im persönlichen Bereich zu lösen, beispielsweise durch Therapien. Auf die Couch müsste eigentlich einmal unser Verständnis von Arbeit und dem, was für Menschen verkraftbar ist.
Mehr Stress – und mehr psychische Erkrankungen, FAZ 5.12.19

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