Arbeitsverdichtung wird für viele zum Problem 
Mittwoch, 12. Februar 2020 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Die Arbeitsverdichtung in den Unternehmen scheint immer mehr um sich zu greifen. Laut dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hat sich 2018 in 81 Prozent der Firmen die Arbeit für die Beschäftigten weiter verdichtet. Drei Viertel der Befragten nehmen höhere Leistungserwartungen wahr und mehr Multitasking. 71 Prozent finden, ihre Aufgaben werden immer komplexer. 65 Prozent fühlen sich gestresst, weil sie immer mehr Projekte gleichzeitig zu bewältigen haben. Das Institut sieht diese Entwicklungen nicht unbedingt dem technologischen Wandel geschuldet, der die Menschen womöglich herausfordert. Oft seien schlicht die betrieblichen Rahmenbedingungen ungünstig für die Beschäftigten. Von diesen fürchten bereits 77 Prozent gesundheitliche Probleme aufgrund der hohen Belastung. 68 Prozent glauben, dass sich in ihrem Unternehmen das Betriebsklima bereits verschlechtert habe. Und 47 Prozent rechnen damit, dass die Qualität der Arbeit unter der Überbeanspruchung leiden wird.
Die Arbeitstage werden dichter und dichter, FAZ 4.2.20

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Von der Manipulation zur Mindfulness 
Montag, 10. Februar 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit, Management
Die Tech-Firmen des Silicon Valley haben in den letzten Jahren, zumindest was ihre Moral angeht, auf der Beliebtheitsskala rasant verloren. Doch in manchen Kreisen zeichnet sich eine Umkehr ab - von der Manipulation zur Mindfulness. Die FAZ hat in einem Artikel mit dem Direktor des kalifornischen Esalen-Instituts Ben Tauber gesprochen. Esalen, einst Hochburg der Human Potential Bewegung und der Hippie-Kultur, zieht heute immer mehr Menschen aus der Tech-Branche an. "Tech verbessert unser Leben nicht mehr. Die alte Euphorie ist verschwunden. Eine Weile dachten wir, dass Disruption etwas sehr Positives ist, es gab diese ,magic moments‘ im Silicon Valley. Momente, in denen wir sahen: Von hier aus verändern wir die Welt. Doch dann übernahm eine bestimmte Aufmerksamkeitsindustrie unsere Welt. Und dann ging es bergab", erzählt Tauber. Er versucht, die großen Influencer des Silicon Valleys zu beeinflussen. Und bei manchen hat er Erfolg - weil sie nachts nicht mehr schlafen können oder längst den Sinn ihrer Arbeit nicht mehr sehen. Tauber arbeitete selbst eine Zeit lang für Google, nachdem das Unternehmen seinen Start-up gekauft hatte. Und er kennt aus eigener Erfahrung die Abwärtsspirale, die die Mischung aus Tech, Fun, Karriere und Macht in Gang setzen kann. "Ich war auf dem Höhepunkt meiner Karriere und fühlte mich so leer wie noch nie. Ich besuchte Esalen, meditierte, sprach mit Therapeuten und begann, auf mich zu hören. Ich spürte auf einmal, dass ich in meinem Job nichts anders tat, als die Wissenschaft der Sucht und Abhängigkeit zu studieren und auf Menschen anzuwenden", erzählt er der FAZ freimütig. Wie ihm geht es längst vielen und einige davon landen nun bei ihm in Esalen. Vielleicht der Beginn einer neuen Erfolgsgeschichte der anderen Art.
Wo lernt das Silicon Valley eine neue Moral?, FAZ 16.1.20

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Belohnungen führen zum Wunsch nach mehr Belohnung 
Donnerstag, 6. Februar 2020 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Boni scheinen eine Spirale des Wunsches nach mehr in Gang zu setzen, so der Hirnforscher Gerhard Roth. Denn im Gehirn stellen sich Gewöhnungseffekte ein. Eben noch beglückt über einen Bonus, wird dieser schnell als selbstverständlich "eingepreist". Dann erwarten Menschen bei der nächsten Gelegenheit die gleiche Gratifikation oder sogar eine höhere. Und Nichtzahlungen führen leicht zum Gefühl, einem werde etwas entzogen. Diese Mechanismen zeigen sich auch bei immateriellen Belohnungen wie dem Lob, so der Wissenschaftler. Lediglich bei intrinsischen Belohungen, beispielsweise der Freude an der Arbeit, griffen diese Automatismen nicht. Für Arbeitgeber ist das keine einfache Nachricht, denn gerade diese Belohnungsart liegt nur bedingt in ihren Händen. Zwar können sie gute Arbeitsbedingungen schaffen, aber letztlich sind die Umstände, unter denen sich diese Art der Freude einstellt, sehr individueller Natur.
„Eine ungerechte Belohnung verdirbt die Sitten“, FAZ 30.1.20

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Lob hilft der Konzentration 
Montag, 3. Februar 2020 - Bewusstsein, Studien, Arbeit, Management
Vielleicht sollten sich Führungskräfte öfter ein Beispiel an Lehrern nehmen - an den guten natürlich. Eine Studie zeigt nämlich: Wenn die Lehrenden ihre Schüler*innen regelmäßig loben, kann deren Aufmerksamkeitsspanne sich um bis zu 30 Prozent verbessern. In der Untersuchung hatten die Wissenschaftler ausgewertet, wie die Lehrenden ihren Schüler*innen gewünschte Verhaltensweisen vermitteln. Das Lob hat hier eine bestätigende Funktion. Und je öfter der Nachwuchs gelobt wird, umso länger bleibt er auch konzentriert an einer Aufgabe dran.
Kinder, die öfter gelobt werden, arbeiten konzentrierter, spektrum.de 29.1.20

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Befristung als Psycho-Strategie 
Dienstag, 28. Januar 2020 - Studien, Arbeit, Management
Unternehmen nutzen die Befristung von Arbeitsverhältnissen, um neuen Mitarbeitern auf den Zahn zu fühlen. Das ergibt das Betriebspanel des Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit (IAB). 42 Prozent der Firmen gaben an, die Befristung als Möglichkeit zu sehen, neue Beschäftigte zu erproben. Weitere zwei Prozent versprachen sich davon außerdem eine höhere Motivation der Angestellten. Laut einer DGB-Studie erfüllt sich dieser Wunsch allerdings nicht, denn diese Mitarbeitergruppe weise eine geringere Arbeitszufriedenheit auf als unbefristet Beschäftigte. Es ist immer wieder erstaunlich, wie Unternehmen auf diese Weise ihre Macht ausnutzen und Menschen klein halten - und so einfach die gesetzlich vorgesehene Probezeit ausdehnen.
Befristete Anstellung wird oft als verlängerte Probezeit genutzt, zeit.de 21.1.20

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Mut geht übers Ich hinaus 
Montag, 27. Januar 2020 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Der Harvard Business Manager widmet seine aktuelle Ausgabe der Frage, was Mut ausmacht. Ich bin vor allem an den Betrachtungen von Kai Dierke und Anke Houben, Gründer von Dierke Houben Leadership Partners, hängengeblieben, denn in dem, was sie sagen, eröffnet sich meiner Wahrnehmung nach eine Perspektive, die vor allem unsere Beziehungen zur Welt in den Blick nimmt - und, wie wir uns dieser Welt auszusetzen bereit sind. Die beiden sprechen beispielsweise vom "Mut zum Nichtwissen" und dem Verzicht auf vorschnelle Urteile, davon, eine Gefolgschaft zu schaffen, die sich nicht an der eigenen Person, sondern an etwas Größerem orientiert, sich selbst als "Lernexperiment" zu sehen und den Panzer des Selbstschutzes zu durchbrechen und Verletzlichkeit zuzulassen. Es sind Haltungen, die einen Menschen öffnen. Und es sind Haltungen, die natürlich beunruhigen, weil man (Schein)Sicherheiten aufgibt. Und sie drehen sich nicht darum, etwas zu machen oder zu erreichen. Sondern sie deuten irgendwie auf eine andere Berührbarkeit.
"Mut ist Bescheidenheit", HBM 16.1.20

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Wenn Achtsamkeit zum Incentive wird 
Freitag, 24. Januar 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Management
Es ist keine wirkliche Schlagzeile, aber eine Entwicklung, die tief blicken lässt. Letzte Woche verkündete die Hotelgruppe Hyatt, im Rahmen einer Partnerschaft mit dem Anbieter Headspace künftig Mitarbeitern die Inhalte der Meditations-App auf breiter Basis zugänglich zu machen. Es ist natürlich eine gute Sache, wenn durch solche Aktionen Menschen, die es wie Geschäftsreisende wahrscheinlich besonders nötig haben, auch einmal wirklich zu entspannen, auf einfache Weise mit Meditation und Achtsamkeit in Berührung kommen. In der Pressemitteilung zu dem Deal heißt es: "Die Kooperation mit Headspace ist Teil der ganzheitlichen Wellbeing-Strategie. Diese ist nach den drei Wahrzeichen 'feel', 'fuel' und 'function' ausgerichtet und soll Mitarbeitern und Gästen helfen ihr Wohlbefinden und Achtsamkeit im Berufs- und Privatleben zu stärken." Für mich hört sich das ein bisschen wie typisches Vokabular der Leistungsgesellschaft an. Mal eben todmüde ins Hotelbett fallen, noch schnell eine Meditation reinziehen und dann am nächsten Morgen wieder fit sein für den nächsten Deal. In diese Richtung geht zumindest auch das Statement von Mark Vondrasek, Chief Commercial Officer bei Hyatt: "Das Wellbeing-Konzept ist ein wichtiger Eckpfeiler für die Umsetzung unseres Unternehmenszwecks – to care for people so they can be their best." Manchmal frage ich mich, wie eine Welt aussehen könnte, in der man Achtsamkeit nicht als das nächste tolle Incentive vermarkten muss - einfach weil wir Wege gefunden haben, Ausgeglichenheit zu einem gesellschaftlichen Grundzustand werden zu lassen.
Pressemitteilung Hyatt

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Wie viel oder wenig Arbeit funktioniert und tut gut? 
Mittwoch, 22. Januar 2020 - Psychologie, Arbeit, Management
Die in der letzten Zeit immer öfter hochpoppenden Diskussionen über deutliche Reduzierungen der Arbeitszeit beflügeln manche Angestellte und lassen vielen Arbeitgebern eher die Haare zu Berge stehen. Aus der Arbeitspsychologie ist natürlich bekannt, dass kein Mensch acht Stunden am Tag hochkonzentriert durcharbeiten kann. Deshalb sind Arbeitspsychologen auch eher aufgeschlossen, wenn es darum geht, über eine Komprimierung von Arbeit nachzudenken - mehr erledigen in kürzerer Zeit und dafür längere freie Phasen. Dem menschlichen Organismus scheint das näher zu kommen als eine ausgedehnte Präsenzphase, durch die man sich mehr oder weniger durchschleppt. Gleichzeitig bergen solche Vorstöße auch Gefahren. Denn wenn das hochgetaktete Arbeiten nicht auf kürzere Phasen beschränkt ist, vergrößert sich die Gefahr von Erschöpfung. Innovative Firmen, die mit neuen Arbeitszeitmodellen experimentieren, nehmen sich zum Teil ein Beispiel an der Softwareentwicklung, wo Großprojekte systematisch auf kleinere Aufgabenpakete heruntergebrochen werden. Organisieren sich Firmen als Ganzes so, ist es gar nicht so schwer, auch Mitarbeiter, die ganz unterschiedliche Zeitvolumina arbeiten, in Teams zu integrieren. Insbesondere Arbeitgeber aus Branchen, in denen heute eher ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften herrscht, schreien indes auf, weil sie durch Arbeitszeitverkürzungen ja noch mehr Mitarbeiter, die sie bereits jetzt nicht finden können, bräuchten. Das zeugt jedoch, beispielsweise in Pflegeberufen, auch von einer Scheuklappenmentalität. Denn diesen Branchen ist auch nicht gedient, wenn die Mitarbeiter ständig über ihre Grenzen gehen und dann hinschmeißen. Insgesamt zeigen die aktuellen Diskussionen, dass Wandel ein sehr langsamer Prozess ist. Und ein sehr gewöhnungsbedürftiger. Aber je mehr Diskussionen es gibt, umso mehr wird sich vielleicht auch verändern.
Vier Tage arbeiten bei gleichem Gehalt – und die Firma profitiert auch, welt.de 13.1.20

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