Pragmatisches Verhältnis zur Arbeit ist nicht verkehrt 
Freitag, 14. September 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Arbeit, Management
"Dienst nach Vorschrift", das klingt in einer Leistungsgesellschaft leicht nach Drückebergerei. Der Arbeitssoziologe Falk Eckert sieht das anders. "Dienst nach Vorschrift hat einen schlechten Ruf, aber ich erkenne nichts Negatives darin, Arbeit als Pflichterfüllung zu sehen. Ich finde es gut, dass Menschen eine klare Grenze zwischen Arbeit und ihrem Leben ziehen. In diesem Sinn ist Dienst nach Vorschrift sogar gesund", sagt er in einem Interview mit Zeit online. Die Erwartungen an eine tiefere Identifikation der Arbeitnehmer mit ihrem Job und Arbeitgeber sei ein vergleichsweise neues Phänomen. "Ich würde sagen, dass die Erwartung, dass man am Arbeitsplatz gut drauf und motiviert sein soll, gestiegen ist. Vor 100 Jahren wäre man eher nicht auf die Idee gekommen, zu fragen, ob sich Arbeitnehmer emotional an den Arbeitgeber gebunden fühlen", so Eckert. Er warnt auch davor, dass hohe emotionale Erwartungen im Arbeitskontext individuellen Druck schüren: "Die Nachricht ist häufig: Sei glücklicher und erfüllter bei der Arbeit. Und wenn du es nicht bist, hast du etwas falsch gemacht. Dann musst du deine Einstellung wechseln oder den Job. Die Verantwortung wird auf die Einzelperson abgewälzt. Dabei liegt sie häufig bei den Organisationen."
"Dienst nach Vorschrift ist gesund", Zeit online 3.9.18

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Jeder Fünfte fühlt sich motiviert geführt 
Dienstag, 11. September 2018 - Studien, Arbeit, Management
Wann ist eine Meldung eine wirkliche Nachricht? Spiegel.de etwa titelte kürzlich: "Mehr als fünf Millionen Arbeitnehmer haben innerlich gekündigt". Die Information war frisch, sie stammt aus dem neuesten Engagement-Index, denn Gallup jedes Jahr veröffentlicht. Die Ergebnisse dieser Erhebung sind indes fast immer die gleichen. Etwa 14 Prozent der Beschäftigten fahren allenfalls Dienst nach Vorschrift und sind nicht wirklich bei der Sache. Am anderen Ende der Skala zeigen sich 15 Prozent hochmotiviert. Und der Rest bewegt sich irgendwo dazwischen. Vielleicht sollten wir anfangen zu erkennen, dass das, was Studien uns als höchste Motivation verkaufen, auch ein Wunschgebilde der wohl meisten Arbeitgeber darstellt. Der Befindlichkeit der Arbeitnehmerschaft scheint es jedenfalls nicht zu entsprechen. Man könnte auch sagen: Wie schön, dass jeder siebte Arbeitnehmer sich so über die Maßen im Job reinkniet. Und wie schön, dass etwas weniger Menschen wenig Lust auf Arbeit haben. Die Gallup-Studie legt immer wieder mit Zusatzfragen nahe, wie sehr es die Unternehmen in der Hand haben, das Klima zu verbessern. Laut Studie findet nur jeder fünfte Befragte, dass er sich in seinem Unternehmen auch ausprobieren könne und Fehler toleriert würden. Jeder Fünfte sagt: "Die Führung, die ich bei der Arbeit erlebe, motiviert mich, hervorragende Arbeit zu leisten." Allerdings scheint sich das nicht 1:1 in Höchstleistung zu übersetzen, denn, haben Sie mitgerechnet? - Gallup misst nur 15 Prozent Super-Power-Arbeitnehmer. Studien wie diese suggerieren, dass Firmen nur an ein paar Stellschrauben drehen müssen und schon läuft der Laden. So einfach scheint es indes nicht zu sein …
Mehr als fünf Millionen Arbeitnehmer haben innerlich gekündigt, Spiegel.de 29.8.18

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Waldbaden, Kungfu oder Meditation - wie Manager abschalten 
Freitag, 7. September 2018 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Das Handelsblatt zeigt in einem Beitrag, welche Methoden Führungskräfte nutzen, um heute im turbulenten Job-Alltag Kraft zu tanken und zur Ruhe zu kommen. Achtsamkeit, Yoga und Meditation scheinen da schon fast zu Klassikern zu avancieren - manche der über ihre Erfahrungen berichtenden Manager praktizieren sie schon seit vielen Jahren. Ein IT-Geschäftsführer hat es mit Waldbaden versucht und findet in der Natur wieder Erdung und dabei auch zu sich selbst. An Bürotagen gönnt er sich mittags, um nicht in den alten Trott zu fallen, 20 Minuten für sich zum Meditieren. Auch Kungfu scheint für Führungskräfte interessant zu sein. Hier können einerseits mentale Kraft und Stärke kultiviert werden, aber auch Entspannung in Aktion.
Zum Relaxen in den Wald, HB 23.8.18

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Karriere-Ambitionen der jungen Generation lassen nach 
Mittwoch, 5. September 2018 - Studien, Arbeit
Lust auf Karriere? Viele Studierende beantworten diese Frage längst nicht mehr mit einem klaren Ja. Eine Untersuchung der Wirtschaftsprüfer der Ernst & Young Unternehmensberatung (EY) mit 2.000 Studenten zeigt: Für eine Mehrheit steht der Erfolg im Job nicht unbedingt an erster Stelle ihrer Erwartungen ans Leben. Für immerhin 41 Prozent hat die Karriere in ihrem Leben eine sehr hohe Bedeutung - bei der letzten EY-Untersuchung zwei Jahre zuvor traf dies noch auf 57 Prozent zu. 70 Prozent der Befragten messe hingegen der Familie einen besonders hohen Stellenwert zu. Sich mehr nach den persönlichen Vorlieben auszurichten als auf möglichst gute Verdienstchancen zu schielen, ist vor allem für Kultur- und Geisteswissenschaftler ein Thema. Sie wählen ihr Studienfach hauptsächlich aus Neigung. Bei den Wirtschaftswissenschaftlern sagt hingegen eine Mehrheit, dass die guten Einkommenschancen für sie wichtiger seien als ihr persönliches Interesse am Studienfach.
Immer weniger Studenten streben eine Karriere an, WiWo 16.8.18

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Machen können, was man will 
Montag, 3. September 2018 - Lebensart, Arbeit
Die Süddeutsche Zeitung rückt mit einem interessanten Artikel ein neues Phänomen ins Licht - den Wunsch vieler Berufstätiger, deutlich vor dem üblichen Rentenalter oder dem Alter typischer Frühverrentung Abschied zu nehmen von der Arbeitswelt. Am Beispiel mehrerer solcher 50+-KandidatInnen zeigt der Bericht, dass es den jungen Rentnern meist gar nicht darum geht, überhaupt nicht mehr zu arbeiten und nur noch ihr Privatleben zu pflegen. Für viele steht anscheinend eher im Vordergrund, die Zwänge einer Vollzeitbeschäftigung hinter sich zu lassen, das Rund-um-die-Uhr-Rackern und Immer-verfügbar-sein-Müssen. Einige der vorgestellten Menschen suchen sich nach kurzer Pause wieder eine Teilzeitbeschäftigung (und das nicht nur aus finanziellen Gründen) oder arbeiten ehrenamtlich. Sie wollen etwas und dennoch Zeitsouveränität genießen. Es mag ein Nischenphänomen sein, denn nur wenige können es sich leisten, früh einfach hinzuschmeißen. Aber es wirft ein Licht auf die Vorzeichen unserer heutigen Lebens- und Arbeitswelt. Wo immer mehr Menschen die Norm-Arbeitsverhältnisse als Korsett empfinden und sich verschlissen oder aufgefressen fühlen, stellt sich die Frage nach neuen Lebensformen, die das Menschsein nicht auf den Job reduzieren.
"Mit 50 Jahren höre ich auf", SZ 30.7.18

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Wird Achtsamkeit zum Business-Tool? 
Freitag, 31. August 2018 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Achtsamkeit wurde nicht zuletzt durch verschiedene Programme bei Google im Business salonfähig - und scheint sich immer mehr gleichberechtigt zu anderen Business-Tools zu etablieren. Der Berater Bruno Weidl erkundet in einem Interview mit Gopi Kallayil, der bei Google als Chief Evangelist Brand Marketing tätig ist und im Unternehmen auch Yoga unterrichtet, wie sich hier ein neues Feld zwischen Internet und "inner net" auftut. Kallayil wuchs in Indien mit den Yoga-Traditionen auf. Heute mixt er dieses kulturelle Erbe mit der Silicon Valley Kultur. "Die Frage ist, wie können wir dieses innere Netz auf Höchstleistung ausrichten", sagt er. Bewusste Entscheidungen sind für ihn ein wesentlicher Weg. "Unser Leben besteht aus den Entscheidungen, die wir jede einzelne Minute unserer Existenz treffen. Alles, was wir tun, ist unsere Wahl. Jede Wahl ist eine kritische Frage in einem bewussten Leben. Nur wenn ein Gehirn trainiert ist, die Unterscheidung zwischen richtig und falsch zu treffen, besteht die Chance auf ein Leben voller Bedeutung und Sinn", erklärt Kallayil. Im Kontext, den er setzt, wird deutlich, dass die typische neoliberale Leistungskultur für ihn zu den guten Entscheidungen gehört. Seine Folgerung: "Ich bin fest davon überzeugt, dass Achtsamkeit - praktiziert als eine nichtbewertende Wachheit im Augenblick, die in Meditation, Buddhismus und Yoga gründet - zu einem wichtigen Business-Tool wird." Ich finde es fast ein wenig unheimlich, wie hier verschiedene Dimensionen vermischt werden. Wo der Buddhismus auf Leere und Loslassen abzielt, hört sich das, was Kallayil vorschwebt, sehr zielorientiert an. Hier wird Achtsamkeit in einen Dienst gestellt - ohne dass dieser Kontext hinterfragt würde. Das ist legitim. Es ist aber auch eine Form von Vereinnahmung.
"Leading yourself", 18.7.18, Interview von Bruno Weidl

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Wer sich reinkniet, macht eher Karriere 
Donnerstag, 30. August 2018 - Studien, Arbeit, Management
Wer länger arbeitet, macht eher Karriere, so die Erkenntnis einer Erhebung des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit. Aufstieg und Beförderungen scheinen demnach in engem Zusammenhang zu stehen mit dem zeitlichen Investment in den Job. Eine Studie aus Dänemark kommt zu ähnlichen Schlüssen. In zwei Langzeitstudien wurden hier die Daten von 170.000 Dänen ausgewertet. Hier zeigte sich, dass die Aufsteiger in Top-Positionen pro Woche 15 Prozent mehr arbeiteten als jene, die nicht befördert wurden. Diese Zusammenhänge wurden allerdings nur für Menschen untersucht, die im Unternehmen, in dem sie bereits arbeiten, aufstiegen.
Wer länger arbeitet, macht schneller Karriere, WiWo 24.7.18

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Nachwuchs setzt im Job vor allem auf Sicherheit 
Dienstag, 28. August 2018 - Bewusstsein, Studien, Arbeit
Unsichere Zeiten lassen viele Menschen gezielt nach Sicherheiten greifen. Das betrifft auch immer mehr die junge Generation. Die "Studentenstudie 2018" des Beratungsunternehmens EY etwa zeigt, dass immer mehr junge Leute bei der Suche nach einem Arbeitgeber vor allem nach einem möglichst sicheren Arbeitsverhältnis streben. Befragt wurden 2.000 Studierende von 27 Universitäten. Schon mehr als 40 Prozent betrachten Jobs im öffentlichen Dienst als besonders attraktiv. Vor zwei Jahren waren es noch 32 Prozent. Auch Kultureinrichtungen (22 Prozent) und die Wissenschaft (20 Prozent) werden von den Studierenden als mögliche Arbeitgeber hoch geschätzt. Die Skandale in der Autoindustrie haben Spuren hinterlassen. Vor zwei Jahren betrachteten noch 22 Prozent der Studierenden die Branche als attraktives Berufsfeld für sich, heute sind es nur noch acht Prozent.
Studenten ist sicherer Arbeitsplatz wichtiger als Geld, WiWo 24.7.18

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter