Pragmatisches Verhältnis zur Arbeit ist nicht verkehrt 
Freitag, 14. September 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Arbeit, Management
"Dienst nach Vorschrift", das klingt in einer Leistungsgesellschaft leicht nach Drückebergerei. Der Arbeitssoziologe Falk Eckert sieht das anders. "Dienst nach Vorschrift hat einen schlechten Ruf, aber ich erkenne nichts Negatives darin, Arbeit als Pflichterfüllung zu sehen. Ich finde es gut, dass Menschen eine klare Grenze zwischen Arbeit und ihrem Leben ziehen. In diesem Sinn ist Dienst nach Vorschrift sogar gesund", sagt er in einem Interview mit Zeit online. Die Erwartungen an eine tiefere Identifikation der Arbeitnehmer mit ihrem Job und Arbeitgeber sei ein vergleichsweise neues Phänomen. "Ich würde sagen, dass die Erwartung, dass man am Arbeitsplatz gut drauf und motiviert sein soll, gestiegen ist. Vor 100 Jahren wäre man eher nicht auf die Idee gekommen, zu fragen, ob sich Arbeitnehmer emotional an den Arbeitgeber gebunden fühlen", so Eckert. Er warnt auch davor, dass hohe emotionale Erwartungen im Arbeitskontext individuellen Druck schüren: "Die Nachricht ist häufig: Sei glücklicher und erfüllter bei der Arbeit. Und wenn du es nicht bist, hast du etwas falsch gemacht. Dann musst du deine Einstellung wechseln oder den Job. Die Verantwortung wird auf die Einzelperson abgewälzt. Dabei liegt sie häufig bei den Organisationen."
"Dienst nach Vorschrift ist gesund", Zeit online 3.9.18

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Achtsamkeit als Politikum 
Donnerstag, 13. September 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Success Stories
Großbritannien mag die EU verlassen und einen Rückzieher machen, in anderer Hinsicht gehört das Land indes zu den Vorreitern. Noch keine fünf Jahre ist es her, als der Parlamentsabgeordnete Chris Ruane einen Vorstoß machte, Achtsamkeit in die Politik zu bringen. Seitdem ist viel passiert. 186 Abgeordnete aus dem House of Commons und dem House of Lords haben inzwischen Meditationskurse absolviert. Und auf der Mitarbeiter-Warteliste stehen bereits 100 weitere Personen, die das Meditieren erlernen möchten. Den Brexit scheint die Meditation im politischen Feld nicht verhindern zu können. Doch hat Ruanes Vorstoß längst zu weiteren Initiativen geführt. So gibt es bereits in einigen britischen Gefängnissen Meditationsgruppen. Und an britischen Schulen läuft ein Großversuch, der durch eine Studie der Universität Oxford begleitet wird. 26.000 SchülerInnen lernen Achtsamkeit. Und mit 4.000 jungen Menschen sollen die Langzeitwirkungen erprobt werden - 2.000 werden Meditieren, die andere Hälfte nicht. Die Ergebnisse dieser dreijährigen Erprobung sollen 2021 vorliegen. Ruane erwartet, dass die so gewonnenen Erkenntnisse zu einer Reform des Bildungssystems beitragen werden. "Menschen, die nicht in einem ausgeglichenen Zustand sind, können nicht die besten Entscheidungen treffen. Weder privat noch politisch", sagt Ruane gegenüber der österreichischen Zeitung "Die Presse". Auch in Österreich tut sich, zumindest hinter den Kulissen, bereits etwas in Sachen Meditation. Hier hat Martina Esberger-Chowdhury die „Initiative Achtsames Österreich“ mitgegründet und versucht, Achtsamkeit den Politikern näherzubringen.
Auch das britische Parlament meditiert, Die Presse 1.9.18

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Zwischen Wut und Selbstüberschätzung 
Montag, 10. September 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Wut ist nicht nur eine Reaktion, die sich bei Angst oder auch Frustration einstellt, sie kann auch auf eine gehörige Portion Narzissmus hinweisen und durch die damit verbundene Selbstüberschätzung ausgelöst werden. In einer Studie mit knapp 530 Studierenden zeigte sich, dass Menschen, bei denen Tests eine Neigung zu narzisstischen Charakterzügen und Wut offenbart hatten, ihre Intelligenz für überdurchschnittlich hoch hielten - und sich dabei gehörig überschätzten. (Sie hatten auch einen klassischen Intelligenztest durchlaufen, so dass entsprechende Werte vorlagen.) Die Forscher fragen sich nun, ob die Wut möglicherweise über Bande eine Folge dieser Selbstüberschätzung ist. Ihre These, die sie in künftigen Studien prüfen wollen: Vielleicht tritt die Diskrepanz zwischen überhöhter Selbstwahrnehmung und tatsächlicher Leistung in die Wahrnehmung und führt dann zur Wut.
Sind Choleriker besonders intelligent?, wissenschaft.de 24.8.18

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Waldbaden, Kungfu oder Meditation - wie Manager abschalten 
Freitag, 7. September 2018 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Das Handelsblatt zeigt in einem Beitrag, welche Methoden Führungskräfte nutzen, um heute im turbulenten Job-Alltag Kraft zu tanken und zur Ruhe zu kommen. Achtsamkeit, Yoga und Meditation scheinen da schon fast zu Klassikern zu avancieren - manche der über ihre Erfahrungen berichtenden Manager praktizieren sie schon seit vielen Jahren. Ein IT-Geschäftsführer hat es mit Waldbaden versucht und findet in der Natur wieder Erdung und dabei auch zu sich selbst. An Bürotagen gönnt er sich mittags, um nicht in den alten Trott zu fallen, 20 Minuten für sich zum Meditieren. Auch Kungfu scheint für Führungskräfte interessant zu sein. Hier können einerseits mentale Kraft und Stärke kultiviert werden, aber auch Entspannung in Aktion.
Zum Relaxen in den Wald, HB 23.8.18

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Erwarteter Stress stresst genauso wie erlebter 
Dienstag, 4. September 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Stress macht uns nicht nur fertig, wenn wir ihn tatsächlich haben. Eine neue Studie von Verhaltensforschern aus Heidelberg und den USA zeigt: Selbst wenn wir nur erwarten, in eine stressauslösende Situation zu geraten, zieht uns das runter und vermiest unsere Stimmung. Auch wenn der erwartete Stress sich dann vielleicht gar nicht einstellt - unserem Körper-Geist-System ist das gleich, wir fühlen uns gestresst. Die Wissenschaftler führen diese innere Reaktion darauf zurück, dass schon die Erwartung von Stress bei vielen Menschen Grübeleien auslöst. Und das bringt das emotionale Wohlbefinden aus der Balance.
Die Erwartung von Stress stresst, Psychologie heute 11.7.18

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Wird Achtsamkeit zum Business-Tool? 
Freitag, 31. August 2018 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Achtsamkeit wurde nicht zuletzt durch verschiedene Programme bei Google im Business salonfähig - und scheint sich immer mehr gleichberechtigt zu anderen Business-Tools zu etablieren. Der Berater Bruno Weidl erkundet in einem Interview mit Gopi Kallayil, der bei Google als Chief Evangelist Brand Marketing tätig ist und im Unternehmen auch Yoga unterrichtet, wie sich hier ein neues Feld zwischen Internet und "inner net" auftut. Kallayil wuchs in Indien mit den Yoga-Traditionen auf. Heute mixt er dieses kulturelle Erbe mit der Silicon Valley Kultur. "Die Frage ist, wie können wir dieses innere Netz auf Höchstleistung ausrichten", sagt er. Bewusste Entscheidungen sind für ihn ein wesentlicher Weg. "Unser Leben besteht aus den Entscheidungen, die wir jede einzelne Minute unserer Existenz treffen. Alles, was wir tun, ist unsere Wahl. Jede Wahl ist eine kritische Frage in einem bewussten Leben. Nur wenn ein Gehirn trainiert ist, die Unterscheidung zwischen richtig und falsch zu treffen, besteht die Chance auf ein Leben voller Bedeutung und Sinn", erklärt Kallayil. Im Kontext, den er setzt, wird deutlich, dass die typische neoliberale Leistungskultur für ihn zu den guten Entscheidungen gehört. Seine Folgerung: "Ich bin fest davon überzeugt, dass Achtsamkeit - praktiziert als eine nichtbewertende Wachheit im Augenblick, die in Meditation, Buddhismus und Yoga gründet - zu einem wichtigen Business-Tool wird." Ich finde es fast ein wenig unheimlich, wie hier verschiedene Dimensionen vermischt werden. Wo der Buddhismus auf Leere und Loslassen abzielt, hört sich das, was Kallayil vorschwebt, sehr zielorientiert an. Hier wird Achtsamkeit in einen Dienst gestellt - ohne dass dieser Kontext hinterfragt würde. Das ist legitim. Es ist aber auch eine Form von Vereinnahmung.
"Leading yourself", 18.7.18, Interview von Bruno Weidl

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Werden wir zur depressiven Gesellschaft? 
Mittwoch, 29. August 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Der Gesundheitsreport 2018 der Techniker Krankenkassen lässt aufmerken. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Verschreibungen von Antidepressiva verdoppelt. Seit 2007 erhöhte sich die Zahl der verschriebenenTagesdosen an Medikamenten gegen Depressionen von 6,8 auf 13,5. Frauen sind dabei deutlich stärker betroffen als Männer. Ihnen wurden 16,9 Tagesdosen verschrieben, Männern lediglich 10,6. Die Fehlzeiten weisen in die gleiche Richtung. Heruntergerechnet auf Durchschnittswerte fehlten Frauen im vergangenen Jahr 3,42 Tage aufgrund psychischer Beschwerden, Männer 2,11 Tage. In der Fachwelt wird viel darüber diskutiert, dass Anstiege wie dieser auch damit zu tun haben, dass heute mehr Menschen aufgrund psychischer Probleme zum Arzt gehen und dann natürlich auch entsprechend behandelt werden. Das wirft vielleicht auch die Frage auf, wie wir kulturell mehr Erfahrungsräume schaffen können, in denen wir konstruktiv mit seelischen Überforderungen umgehen können. Die medizinische Seite des Phänomens jedenfalls deutet darauf, dass sich hier etwas in unserem Menschsein zu verschieben scheint. Sind wir nicht mehr robust genug für die Anforderungen, die wir uns auferlegen? Oder sollten wir einfach mehr darüber nachdenken, wie wir das Leben so gestalten können, dass es unser Menschsein nicht bedrängt sondern fördert? Was sich hier zeigt, ist mehr als ein medizinisches Problem. Es ist eine große gesellschaftliche Frage, die sich hier auftut.
Antidepressiva auf dem Vormarsch, Ärzteblatt 26.7.18

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Nachwuchs setzt im Job vor allem auf Sicherheit 
Dienstag, 28. August 2018 - Bewusstsein, Studien, Arbeit
Unsichere Zeiten lassen viele Menschen gezielt nach Sicherheiten greifen. Das betrifft auch immer mehr die junge Generation. Die "Studentenstudie 2018" des Beratungsunternehmens EY etwa zeigt, dass immer mehr junge Leute bei der Suche nach einem Arbeitgeber vor allem nach einem möglichst sicheren Arbeitsverhältnis streben. Befragt wurden 2.000 Studierende von 27 Universitäten. Schon mehr als 40 Prozent betrachten Jobs im öffentlichen Dienst als besonders attraktiv. Vor zwei Jahren waren es noch 32 Prozent. Auch Kultureinrichtungen (22 Prozent) und die Wissenschaft (20 Prozent) werden von den Studierenden als mögliche Arbeitgeber hoch geschätzt. Die Skandale in der Autoindustrie haben Spuren hinterlassen. Vor zwei Jahren betrachteten noch 22 Prozent der Studierenden die Branche als attraktives Berufsfeld für sich, heute sind es nur noch acht Prozent.
Studenten ist sicherer Arbeitsplatz wichtiger als Geld, WiWo 24.7.18

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