Unehrlichkeit gräbt sich ins Leben ein 
Donnerstag, 15. August 2019 - Bewusstsein, Studien, Arbeit, Management
Manchmal ein bisschen Flunkern, aber eigentlich ist man doch ehrlich? Viele Menschen dürften genau dieses Selbstbild von sich haben. Ich erinnere mich an eine Übungsaufgabe aus einem Buch des Beraters Lance Secretan, in der sich diese Lebenshaltung gut einfangen lässt. Er legte den Teilnehmenden seiner Kurse Fragenkataloge vor, bei denen sie ihre Selbsteinschätzung auf einer Skala von 0 bis 10 machen sollten. Eine der Fragen: Ich sage stets die Wahrheit. Die große Mehrheit der Kursteilnehmer machte hier ihr Kreuz im Bereich von 8 oder 9. Den Wenigsten war hingegen bewusst, dass der Wortlaut ein absoluter war - und man entweder mit 0 oder 10 hätte antworten können, während die Zwischenstufen schlicht Schönfärberei sind. Eine Studie mit den Daten eines gehackten Portals für Seitensprünge zeigt, wie tief sich Unehrlichkeit ins Leben graben kann. Die Wissenschaftler verglichen die Daten von 11.000 der registrierten Fremdgeher mit Datensätzen der Normalbevölkerung und fanden heraus, dass die, die Seitensprünge suchten, auch im Berufsleben deutlich öfter betrogen - die Wahrscheinlichkeit dafür war bei ihnen nahezu doppelt so hoch. Ehrlichkeit ist irgendwie ein ganz oder gar nicht Bereich - und wenn die Grenzen löchrig werden, ist man schnell auf der anderen Seite.
Wer privat fremdgeht, betrügt auch im Job eher, Manager Magazin 9.8.19


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Natürliche Unnatürlichkeit 
Mittwoch, 14. August 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Was empfinden wir in unserer modernen, vielerorts größtenteils von Menschenhand gestalteten Umwelt als natürlich? Dieser Frage ging eine Studie nach, für die 1.400 britische Parkbesucher befragt wurden. Die Naturliebhaber wurden dabei in ganz unterschiedliche Grünanlagen geschickt - manche urwüchsig-wild, andere dezent gestaltet, wieder andere klar ersichtlich die Schöpfung ambitionierter Gartenbauer. Dort, wo die Gärten sehr architektonisch angelegt waren, empfanden die Besucher*innen sie eher als unnatürlich. Ob ein Areal besonders wildwüchsig, also kaum von Menschenhand gezügelt war, oder dezent, aber doch deutlich wahrnehmbar gestaltet wurde, machte hingegen kaum einen Unterschied - beide Gestaltungsformen wurden von den Studienteilnehmenden als natürlich empfunden. Kritischer zeigten sich lediglich die Gebildeteren unter den Befragten, sie schätzten die Natürlichkeit der Parks generell deutlich niedriger ein. Es ist interessant, wie sehr wir anscheinend fast schon automatisch mit Grün auch Natürlichkeit verbinden. Ich fühle mich da sehr an einen Besuch in San Francisco erinnert. Die Stadt viele sehr, sehr schöne Parks. Ich begann mich seinerzeit jedoch schon nach kurzer Verweildauer irgendwie unwohl zu fühlen. Vielleicht, weil etwas in mir, und wahrscheinlich nicht nur der wissende Intellekt, spürte, dass vieles zwar natürlich aussah, aber eben doch sehr gezähmte Natur repräsentierte.
Ganz natürlich, Psychologie heute 10.7.19


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Gefangen im Selbstbezug? 
Dienstag, 13. August 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Irgendwie freue ich mich ja immer, wenn Massenmedien etwas über Achtsamkeit schreiben, denn ich denke, es kann vielen Menschen helfen, bewusster zu leben. Doch in letzter Zeit fällt mir immer wieder auf, dass viele solcher Ratgeber-Artikel auch einen besonders starken Selbstbezug in den Vordergrund rücken. Sicher, sich wohlzufühlen, ist wohl für die meisten Menschen eine sehr persönliche, ja private Angelegenheit. Und doch hat die Selbstbezogenheit der Tipps, die viele Anleitungen zu mehr Achtsamkeit im Alltag beinhalten, auch ihre Tücken. Man muss keine spirituellen Ambitionen haben, um durch Achtsamkeitsübungen positive Wirkungen zu verspüren. Aber letztlich geht ein Teil der Wirkung solcher Methoden auch darauf zurück, dass man einmal zumindest ein Stück weit von sich selbst absieht. Spätestens seit Buddha ist es quasi amtlich, dass viele unserer empfundenen Probleme schlicht darauf zurückzuführen sind, dass das Leben sich nicht immer nach unserem Willen richtet. Auf der Webseite von Cosmopolitan rät ein Achtsamkeitsartikel dazu, Moodboards zu erstellen, sich selbst einen Liebesbrief zu schreiben oder sich einfach mehr selbst zu vertrauen. Das ist alles gut gemeint. Aber es geht irgendwie auch an dem, was bei Achtsamkeit besonders wirkt, vorbei. Denn gerade die innere Freiheit, die entsteht, wenn ich mal von meinen Wünschen und Bedürfnissen absehe, ist es, die ein tieferes Wohlbefinden nach sich zieht. Weil es mir dann vielleicht nicht immer gut geht, ich das aber gar nicht sooo schlimm finden muss.
5 Tipps, die mehr Fokus, Glück und Achtsamkeit in dein Leben bringen, cosmopolitan.de 4.8.19

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Pessimismus ist gut fürs Sparen 
Montag, 12. August 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Wem es gut geht, der nicht an mögliche schlechte Zeiten. So könnte man die Erkenntnisse von sieben Studien mit rund 4.000 Teilnehmenden aus Israel und den Niederlanden einordnen. In ihren Experimenten brachten die Wissenschaftler die Proband*innen in Situationen, die ihrem Selbstbild gut taten oder es ankratzten und testeten danach deren Bereitschaft, für ihre Zukunft durch Sparen vorzusorgen. Dabei zeigte sich der größte Sparwille bei den Studienteilnehmenden, an deren Selbstwertgefühl die vorhergehenden Tests besonders genagt hatten. Die Sparbereitschaft jener, die in den Tests gut abgeschnitten hatten, sank hingegen.
Optimisten sparen nicht gern, Psychologie heute 10.7.19

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Entspannt das Grundeinkommen unsere Beziehung zur Arbeit? 
Freitag, 9. August 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Seit die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens sich verbreitet hat, werden immer wieder Diskussionen darüber geführt, ob eine solche Grundsicherung uns alle faul werden lässt oder vielleicht einfach ein Stückchen mehr Freiheit in für immer mehr Menschen doch recht angespannte Versorgungsnotwendigkeiten bringen könnte. "Im Grunde genommen entkrampft das Grundeinkommen unser angespanntes Verhältnis zu Arbeit und Einkommen. Je weniger ich mir um mein eigenes Einkommen Sorgen machen muss, desto besser kann ich aus freien Stücken für andere tätig sein", findet Philip Kovce, der als Philosoph zum Thema forscht. Die Freiheit, von der Kovce spricht, ist herausfordernd, denn wo sie für alle gelten soll, fordert sie auch von jedem in der Gesellschaft den Respekt dieser Freiheit des anderen. Und genau hier scheint es gegenwärtig noch ziemlich zu hapern. In Umfragen sagen immer wieder die meisten Menschen, dass sie selbst mit einer Grundsicherung weiter arbeiten würden. Von ihren Mitmenschen glauben indes viele, dass diese sich dann faul zurücklehnen würden. Gerne wird dann von der Selbstverantwortlichkeit gesprochen und davon, dass eine Fürsorge in Sachen Lebensführung erst dann greifen sollte, wenn Menschen sich nicht mehr selbst helfen können. Diese Argumentation verschleiert jedoch, dass auch die Marktwirtschaft immer schon von Vornherein ein komplexes System wechselseitiger Abhängigkeiten. Und hier liegt der Hase begraben - denn was geschieht, wenn diese Abhängigkeiten durch den Wegfall des Zwangs zum Geldverdienen durchbrochen werden? Über diese unterschwellige Sorge sollten wir vielleicht mehr sprechen.
"Ich bin fleißig, du bist faul", zeit.de 29.7.19

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Schon Kinder haben Sinn dafür, ob der Boss fair ist 
Donnerstag, 8. August 2019 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Fairness mag eine moralische Leistung sein, doch faires von unfairem Verhalten zu unterscheiden, ist schon Kleinkindern möglich. Wissenschaftler haben in einer Studie mit 17 Monate alten Kindern gezeigt, dass diese bereits von "Anführern" erwarten, sich fair zu verhalten. In dem Experiment wurden den Kleinen mehrere Situationen vorgespielt - solche, in denen Figuren, die ihnen zuvor als "Boss" vorgestellt wurden, sich fair verhielten, und solche, in denen der "Anführer" gezielt unfair agierte. Um die Reaktionen der Kids einzuschätzen, beobachteten die Forscher ihren Augenkontakt mit der Situation. Wenn Kleinkinder mit etwas Erwartetem konfrontiert werden, behalten sie es meist nur kurz im Blick, während sie bei unerwarteten Situationen deutlich länger hinschauen. Im Test war letzteres der Fall immer dann, wenn die Anführer-Figuren sich unfair verhielten. Vielleicht wäre das einmal ein guter Selbsttest für Führungskräfte? Einfach mal genauer beobachten, wohin die Blicke der Mitarbeiter schweifen, wenn man Unpopuläres verkündet ... Die Kids im Labor konnten noch nicht sprechen. Die Untergebenen sprechen in solchen Fällen oft nicht aus gutem Grund ...
Auch Kleinkinder erwarten gerechte Anführer, spektrum.de 29.7.19

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Müssen wir vor dem Internet gerettet werden - oder vor uns selbst? 
Mittwoch, 7. August 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Der republikanische Senator Josh Hawley rüstet in den USA zu einem Feldzug gegen die sozialen Medien und will einige derer besonders "süchtig machenden" Features verbieten lassen. Dazu gehören die Autoplay-Funktion von Videos, das Endlos-Scrollen, das einen oft viel länger als eigentlich geplant auf Plattformen wie Facebook festhängen lässt, oder auch Gamification-Elemente, die für besonders intensive Nutzung belohnen. Aber sind das alles wirklich Dinge, vor denen wir unbedingt geschützt werden müssen? Mich persönlich nerven diese Features zweifelsohne. Und ich empfinde den inneren Weckruf, den ich beim Lesen des Artikels über Joshs Vorstoß verspürte, als heilsam. Aber, ganz ehrlich: Mit ein bisschen gesundem Menschenverstand und Selbstdisziplin braucht man solche Verbote gar nicht. Regulatorische Ideen wie diese führen nur dazu, dass wir immer mehr in eine Unmündigkeit hineinrutschen und unser Urteilsvermögen brachliegen lassen. Aber vielleicht ist Joshs Kampagne ja eine subversive Kampagne und genau darauf aus?
US-Senator will Autoplay und endloses Scrollen verbieten, SZ 31.7.19

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Meditation im Marketing 
Dienstag, 6. August 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit, Management
Der Meditations-Boom treibt immer bizarrere Blüten. Das Digital-Magazin t3n etwa verrät seinen Leser*innen in einem Ratgeber "7 Prinzipien, die Marketer von der Meditation lernen können". Aufhänger des Artikels ist der Auftritt von Andy Puddcombe, dem Gründer der Meditations-app Headspace, beim Online-Marketing-Rockstars-Festival 2019, bei dem rund 7.000 Teilnehmer mit ihm meditiert haben sollen. Die Tipps des Magazins lesen sich wie Kalendersprüche. Da heißt es dann: "Nimm dir Zeit und Raum zum Ausprobieren, Geh Perspektivenwechsel ein, Bewahre ein Beginner’s Mindset, Hab auch mal einen langen Atem, Fokussiere dich, Höre Gurus an, aber folge ihnen nicht blind oder Finde dein Mantra." Na ja, wer darauf noch nicht selbst gekommen ist, sollte vielleicht vor den ersten Meditationsversuchen noch einen Kurs für gesunden Menschenverstand versuchen. Aber das ist vielleicht zu aufwändig, denn: "Hast du schon einmal meditiert? Falls nicht: Vielleicht hast du ja nach dem Lesen dieses Beitrags Lust, es einmal auszuprobieren. Schon fünf bis zehn Minuten am Tag können reichen."
7 Prinzipien, die Marketer von der Meditation lernen können, t3n 31.7.19

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