Wie Corona die Job-(Un)zufriedenheit erhöht 
Dienstag, 14. September 2021 - Lebensart, Studien, Arbeit, Management
Die Corona-Krise hat viele Unzufriedenheiten in Arbeitsverhältnissen unterm Brennglas gezeigt. Gleichzeitig gibt es auch Berufsgruppen, die von der Pandemie profitiert haben. Eine Studie des HDI Versicherungskonzerns zeigt - insgesamt hat sich die Schere zwischen zufriedenen und unzufriedenen Arbeitenden weiter vergrößert. Und das liegt auch an der Digitalisierung. Ein gutes Drittel der 3.700 Befragten wurde in der Krise zufriedener mit den eigenen Arbeitsbedingungen. Darunter fallen vor allem Menschen in den Einkommensgruppen am 5.000 Euro/Monat, solche, die in der IT arbeiten, und Führungskräfte - also vor allem Berufsgruppen, die gewisse Gestaltungsspielräume im Job haben und durch Arbeit im Home Office mehr Bequemlichkeit fanden. Für 15 Prozent verdüsterte sich indes im vergangenen Jahr die Einstellung zur Arbeit. Auf beiden Seiten stiegen die Werte gegenüber dem Jahr davor um drei Prozentpunkte, was die Versicherung zu Warnungen in Richtung Arbeitgebern veranlasst, denn beides sei nicht gut für sie. Denn die Bereitschaft zum Jobwechsel ist von 18 auf 27 Prozent gestiegen, bei manchen aus einer Position der empfundenen Stärke, bei anderen aus purer Not.
Die Pandemie spaltet die Arbeitswelt, WiWo 2.9.21

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Teilzeit oder Jobsharing? Vom Makel zum Mehrwert 
Donnerstag, 9. September 2021 - Arbeit, Management
Eine Beschäftigung von Teilzeit gilt in vielen Unternehmen nach wie vor eher als Abstellgleis. Für Frauen, die der Familie zuliebe kürzertreten möchten, wird die Reduzierung der Arbeitszeit oft zur Karrierefalle, für Männer mit Karriereanspruch zum Ko-Kriterium. Eine Umfrage des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo und des Personalvermittlers Randstad unter 630 Personalverantwortlichen etwa zeigt: 45 Prozent der Befragten halten Führungspositionen in Teilzeit für undenkbar. Allerdings können sich 40 Prozent das vorstellen. Spricht man hingegen von Jobsharing, sieht die Sache etwas anders aus. Immer mehr Unternehmen fangen an, mit solchen Doppelbesetzungen in der Führungsetage zu experimentieren. Und das nicht nur, um den Frauenanteil im Management zu erhöhen. Denn in der Praxis zeigt sich auch, dass zwei Köpfe mehr beitragen können als einer. Sich eine Führungsposition zu teilen, bringt einerseits mehr Flexibilität für die Beteiligten, aber eben auch mehr Kreativität fürs Unternehmen. Skeptiker bemängeln, dass Führungspositionen keine fixen Arbeitszeiten kennen und deshalb die Gefahr besteht, dass hier schleichend aus Teilzeitstellen dann doch wieder Vollzeitarbeit werden könnte. Aber auch das könnte man ja einfach ändern.
„Teams profitieren vom Know-how zweier Köpfe“, WiWo 30.8.21

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Wenn die Arbeit im Büro Halt gibt 
Dienstag, 7. September 2021 - Studien, Arbeit, Management
Manche lieben das Home Office, andere sehnen sich nach dem ständigen Zusammensein mit Kollegen. Fest steht: Durch die Pandemie-bedingte Isolation bekommen die sozialen Aspekte der Arbeit neues Gewicht. "Eine unserer Erkenntnisse ist, dass Menschen durch die Pandemie neurotischer, unsicherer und ängstlicher geworden sind. Die Einschränkungen der Pandemie haben sich auf die Persönlichkeit der Menschen ausgewirkt und ihr Verhalten geändert", diagnostiziert der Arbeits- und Organisationspsychologe Hannes Zacher in einem Interview mit der Wirtschaftswoche. In einer solchen Situation gebe der Büroalltag mit seinen Strukturen den Menschen Halt: "In Krisenzeiten gehen Struktur und Kontrolle verloren, das Beklagen auch unsere Studienteilnehmer. Im Büro gibt es dagegen soziale Taktgeber, wie der Gang in die Kantine oder gemeinsame Meetings vor Ort. Ohne solche Taktgeber lassen sich Menschen leichter ablenken. Mit Gegenreaktionen wird versucht, die Kontrolle wiederherzustellen. Viele checken deshalb ständig ihre Handys oder E-Mails." Seine Langzeitstudie, die er seit März 2020 mit 1.000 Teilnehmenden durchführt, zeigt: Das Home Office bringt zwar viele Freiheiten, beispielsweise im Hinblick auf zeitliche Flexibilität mit sich, wird aber auch schnell kontraproduktiv. Ein bis zwei Tage in der Woche von Zuhause aus zu arbeiten, könne die Zufriedenheit bei der Arbeit stärken. Doch längere Zeiträume sind für viele Menschen schwierig, weil ihnen eine übergeordnete Struktur fehlt, sie unproduktiver werden und auch ihre sozialen Kontakte vermissen.
Das Homeoffice hat uns neurotisch gemacht, WiWo 28.8.21

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Nicht mehr schuften für jeden Preis 
Montag, 6. September 2021 - Lebensart, Arbeit, Management
Die Pandemie hat den Niedriglohnsektor durchgewirbelt - und anscheinend bahnt sich nun in der ersten Phase der Erholung ein fundamentaler Wandel an. In den ersten Lockdowns verloren viele Menschen, die insbesondere in Branchen mit eher schlechter Bezahlung wie der Gastronomie tätig waren, ihre Arbeit, scheint es jetzt, wo die Geschäfte wieder anziehen, für viele Unternehmen schwierig, wieder Personal zu finden. In den USA, wo diese eher prekären Arbeitsverhältnisse anscheinend noch verbreiteter sind als in Deutschland, führten die von der Regierung eingeführten Corona-Hilfen sogar dazu, dass viele Arbeitslose plötzlich mehr Geld zur Verfügung hatten als zu den Zeiten, als sie für wenig Geld viel malochten. Eine Situation, die weniger daran liegt, dass die Zahlungen der Regierung besonders üppig gewesen wären, sondern eher darauf deutet, wie schlecht die Stundenlöhne in vielen Beschäftigungsverhältnissen waren. Nun, wo die Wirtschaft sich erholt, haben viele Firmen Schwierigkeiten, zu den ursprünglichen, sehr niedrigen Löhnen, überhaupt noch Mitarbeiter zu finden. Manche haben sich einfach neue Jobs in besser bezahlten Kontexten gesucht. Andere rechnen vielleicht nach und stellen fest, dass staatliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen, ihrem Leben dienlicher ist als für einen Hungerlohn zu schuften. Man darf gespannt sein, ob diese momentane Entwicklung in der Perspektive auf Themen wie den Mindestlohn längerfristig etwas verändert.
Goodbye, Knochenjob!, zeit.de 25.8.21

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Leistung stiftet kaum Sinn 
Mittwoch, 1. September 2021 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Wissenschaft, Arbeit
Was die Sinnforscherin Tatjana Schnell in ihren Studien herausgefunden hat, sollte Arbeitgeber, die auf eine besondere Leistungskultur pochen, zum Aufhorchen bringen. Und könnte Beschäftigten, die, obwohl sie erfolgreich sind im Job, unter einer Sinnkrise leiden, so manches erklären. Schnell hat nämlich in verschiedenen Studien belegt, dass Leistung "kein super Sinngeber" ist. Im Interview mit Psychologie heute erklärt sie auch, warum: "Vermutlich weil Leistung relativ external erlebt wird, also jemand anders definiert, was eine gute Leistung ist. Oft liegt der Leistung auch ein sozialer Vergleich zugrunde, und soziale Vergleiche tun uns ohnehin nicht gut." Am stärksten tragen laut ihren Forschungen Generativität, Fürsorge, Religiosität, Harmonie und Entwicklung zur Sinngebung bei. Hört sich vielleicht ein bisschen altbacken an, doch ist mit all diesen Faktoren anscheinend eine Tiefendimension unseres Daseins angesprochen. Sinn entsteht anscheinend nicht an der glatten Oberfläche.
„Plötzlich bin ich ein Teil von etwas Großem“, Psychologie heute 10.8.21

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Home Office scheint sich zu etablieren 
Dienstag, 31. August 2021 - Studien, Arbeit, Management
Zwar kehren immer mehr Menschen zurück an ihre Büroarbeitsplätze, doch zeigen Erhebungen gleichzeitig, dass sich der Trend zum Home Office zu verstetigen scheint und die Arbeitswelt diesbezüglich in einem längerfristigen Umbruch ist. Dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung zufolge beabsichtigten im Juni vergangenen Jahres bereits 64 Prozent der befragten Unternehmen in der Informationswirtschaft, ihren Beschäftigten auch nach der Pandemie die Arbeit von Zuhause aus zu ermöglichen. Aktuell ist diese Zahl bereits auf 74 Prozent gestiegen. Dieser Wandel erreicht selbst das Gewerbe, das häufig weniger fürs Home Office geeignete Arbeitsplätze bereitstellt. Vor der Pandemie konnten sich nur 24 Prozent der Betriebe für ihre Mitarbeiter regelmäßige Heimarbeit vorstellen. Vor einem Jahr waren es bereits 37 Prozent und inzwischen rechnen sogar 46 Prozent der Firmen damit, dass ein Teil ihrer Angestellten künftig mindestens einmal in der Woche von daheim arbeitet.
Unternehmen rechnen mit deutlich mehr Homeoffice, spiegel.de 4.8.21

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Verquere Arbeitswelt 
Dienstag, 24. August 2021 - Lebensart, Arbeit, Management
Wir nehmen die Bedingungen unserer Arbeitswelt leicht als unverrückbar gegeben hin und vergessen dabei gerne, wie diese Einstellung historisch gewachsen ist. Im Interview mit dem Philosophie Magazin erklärt der Soziologe Harald Welzer: "Deutschland ist eines der frühindustrialisierten Länder, in dem sich die entsprechende Produktionsart mitsamt dem zugehörigen Zeitregime sowie einer dazu passenden, normativen Hochbewertung von Arbeit über mehrere Generationen in die Psyche eingeschrieben hat." Vieles, was wir mit Arbeit verbinden, hat bis heute unsere Gegenwartskultur entscheidend geprägt. "Man muss auch sehen, dass mit dem bereits beschriebenen Prozess der Industrialisierung die Arbeit als Erziehungsmittel etabliert wurde. Wir merken mitunter heute noch, dass Begriffe wie Arbeit, Erziehung, Disziplin, ordentliche Lebensführung usw. stark miteinander verkoppelt sind", so Welzer. Vielleicht fällt es uns gerade deshalb so schwer, unsere Perspektive zu verändern? Die aktuellen Diskussionen um das Grundeinkommen oder auch eine 4-Tage-Woche illustrieren, wie Initiativen heute verstärkt versuchen, mehr Souveränität in das System zu bringen. Doch das ist gar nicht so einfach: "Es ist schlicht und ergreifend eine Tatsache, dass Zeit nicht als politische Gestaltungsaufgabe begriffen wird, denn was macht man mit den Produktivitätszuwächsen, die es ohne Zweifel gibt? Man übersetzt sie in die Generierung von weiterem Mehrwert und nicht in kürzere Arbeitszeit. ... Aber immerhin gibt es bei der IG Metall jetzt Tarifabschlüsse mit der Wahl zwischen mehr Einkommen oder mehr Freizeit. Das sind also schon kleine Anzeichen dafür, dass es eine Renaissance der Arbeitszeitdiskussion gibt. Ansonsten wird aus Arbeitnehmerperspektive allerdings meist für mehr Lohn optiert, während aus Arbeitgeberperspektive der Produktivitätszuwachs so investiert wird, dass man noch produktiver sein kann. Zudem handelt es sich bei dem Drang, ständig beschäftigt zu wirken schließlich auch um ein Kulturphänomen. Etwas also, das sich nicht ohne Weiteres ändern lässt." Wir scheinen in einer Art Spirale festzustecken, doch vielleicht hilft es bereits, die Frage, wie wir Arbeit anders denken und leben können, einfach immer wieder zu thematisieren, um die verfestigten Denk- und Handlungsstrukturen langsam, aber sicher durchlässiger werden zu lassen.
Harald Welzer: „In manchen Berufen wird nur noch Unsinniges gemacht“, Philosophie Magazin 22.7.21

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Der Ouzo zur Rechnung macht spendabel 
Mittwoch, 28. Juli 2021 - Lebensart, Psychologie, Studien, Arbeit
Zeigen sich Menschen spendabel, animieren sie damit oft ihre Mitmenschen ebenfalls zu Großzügigkeit. Dies zeigt ein Experiment, bei dem für 400 Tische in einem griechischen und 200 Tische in einem deutschen Restaurant die Handhabung der Freigetränke mit dem gegebenen Trinkgeld der Gäste verglichen wurde. Dabei wurde deutlich: Insbesondere wenn die Gabe, beispielsweise ein Ouzo, direkt mit der Rechnung serviert wird, sind die Gäste am Großzügigsten. Hier gaben sie im Schnitt 8,6 Prozent Trinkgeld. Wurde bereits während des Essens ein Freigetränk gereicht, waren es immerhin 7,8 Prozent. Kommt der Ouzo hingegen erst, nachdem die Rechnung bereits beglichen ist, wurden 7,1 Prozent Trinkgeld gegeben. Im gutbürgerlichen deutschen Restaurant führte der Schnaps zur Rechnung sogar zu 8,8 Prozent Trinkgeld. Es hat den Anschein, dass die Nähe zum Zeitpunkt der Gegengabe durch die Restaurantgäste die finanzielle Impulskraft des Freigetränks hebt. Doch unter dem Strich dürfte dies mehr als eine Rechenaufgabe sein. Denn eine kostenlose Gabe durch den Wirt signalisiert ja auch Wertschätzung und schafft eine Beziehung. Vielleicht sollte man auch einmal untersuchen, was geschieht, wenn der Ouzu missmutig zur Rechnung angeboten wird.
Spendierfreude zahlt sich aus, spektrum.de 16.7.21

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