Was das Leben lebenswert macht 
Mittwoch, 16. Mai 2018 - Bewusstsein, Lebensart
In den letzten Jahren hat sich in der Wohlstandsdiskussion ein Perspektivwechsel gezeigt. Längst sind es nicht mehr allein monetäre Faktoren, die in der politischen und öffentlichen Diskussion betrachtet werden, wenn es um das Wohlergehen von Bevölkerungen geht. Länder wie Bhutan haben hier wesentliche Impulse gesetzt, denn die Idee des Bruttosozialglücks richtet den Blick auf konkrete Lebensfaktoren, die Einfluss auf das menschliche Wohlbefinden haben. Die Triodos Bank betrachtet in ihrem Blog einige dieser Faktoren, die nicht zwingend alle einen direkten Bezug zu Geld oder der volkswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit haben. Bhutan erkundet beispielsweise das psychische Wohlbefinden der Bevölkerung und fragt nach Empfindungen wie Eifersucht, Frustration oder Selbstbezogenheit, aber auch um Großzügigkeit, Mitleid und Gelassenheit. Auch die Bedeutung von Meditation und Spiritualität ist hier ein Thema. Beim Thema Zeit betrachten sie, wie viel Zeit den Bürgerinnen und Bürgern auch für Soziales, Religiöses und Kulturelles zur Verfügung steht. Neben regulärer Arbeit werden auch unbezahlte Tätigkeiten wie Hausarbeit oder Pflege erfasst, um ein Gesamtbild aller notwendigen Aktivitäten zu bekommen. Ebenfalls auf der Agenda - das Gemeinschaftsleben. Wie steht es um Vertrauen und Zugehörigkeit? Welche Beziehungen werden gepflegt? Gesundheit, Ökologie, Lebensstandard und gute Regierungsführung sind ebenfalls Fragen, mit denen sich der Staat auseinandersetzt. Betrachtet man die Vielfalt der Aspekte, kommt einem die westliche Politik erstaunlich flach vor, werden doch in den Industrienationen die eher grundsätzlichen Lebensthemen zumeist bürokratisch-strukturell als Mängelverwaltung gedacht oder durch den Filter des wirtschaftlich Möglichen. Die Herangehensweise von Bhutan lädt ein zum Nachdenken und Weiterdenken und dazu, sich wieder zu fragen, was Menschsein wirklich ausmacht. Das Bruttosozialprodukt dürfte da den Wenigsten in den Sinn kommen.
Bhutan im Glück, Triodos Blog 3.5.18

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Funktioniert Leben ohne Geld? 
Mittwoch, 9. Mai 2018 - Lebensart, Arbeit
Die Zeit hat in einem spannenden Beitrag Menschen portraitiert, die versuchen, ohne Geld zu leben. Gerade in der jungen Generation zeigt sich hier seit einigen Jahren ein Umdenken. Der Lebensstandard der Eltern oder der Mehrheit der Gesellschaft wird für viele Junge nicht mehr automatisch zum Maßstab dessen, was sie erstreben. Und ihre Lebensexperimente sind nicht allein eine Absage an Arbeit, Geldverdienen oder den Kapitalismus. In den Beweggründen der Menschen, die die Zeit vorstellt, kommt auch zum Ausdruck, dass sie das Leben selbst von neuen Seiten aus denken. Was möchte ich gerne tun? Was möchte ich erleben? Mit welchen Menschen möchte ich zusammensein? Fragen wie diese stehen oft am Anfang der Entscheidung, das eigene Leben nicht mehr hauptsächlich von der Notwendigkeit des Geldverdienens aus zu zu denken. Das Interessante an diesem Perspektivwechsel: Das, was wirklich notwendig ist, sei es ein Dach über dem Kopf, ein Platz zum Schlafen, Kleidung oder das tägliche Essen, lässt sich auf vielen Wegen erreichen. Ich finde Biographien, die von solch einer anderen Seite kommen, immer spannend, weil sie den Schleier des zutiefst Gewohnten lüften. Wenn ich mich frage, wie ich an eine warme Malzeit komme, ohne sie selbst zu kaufen, wird mein Leben weiter, weil meine Phantasie gefragt ist. Ich möchte die Experimente aus dem Zeit-Artikel keinesfalls glorifizieren. Aber mir wird bewusst, wie spannend es ist, einfach mal, uns sei es zunächst vielleicht nur im Geiste, die ausgetretenen Pfade zu verlassen.
Geld? Brauch ich nicht! zeit.de 1.5.18

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Zu viel geteilte Freude verliert sich leicht 
Montag, 7. Mai 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
"Geteilte Freude ist doppelte Freude", weiß der Volksmund. Und sicher kennt jeder die Erfahrung, dass man in freudigen Momenten noch glücklicher ist, wenn man dabei nicht alleine ist. Eine amerikanische Studie zeigt nun, dass auch das Gegenteil der Fall sein kann. Wissenschaftler fanden in verschiedenen Settings heraus, dass Freude, beispielsweise an Musik oder einem besonderen Genuss, schneller verfliegt, wenn man sie mit vielen Menschen teilt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese inflationäre Freude einen Sättigungseffekt mit sich bringt, was auch der Tatsache geschuldet sein könnte, dass wir durch soziale Medien mit so vielen Vorlieben in Kontakt kommen, die den Zauber des Besonderen schneller verfliegen lassen, weil sie nicht mehr einzigartig sind. Es ist vielleicht nicht so, dass wir anderen die gleiche Freude, die wir selbst empfinden, nicht gönnen. Doch unbewusst ist Freude womöglich mit der Ahnung des Einzigartigen verbunden. Das, was alltäglich ist, verliert dann diesen erhebenden Effekt. Andererseits zeigen Studien zur Achtsamkeit, dass sich, wenn man den eigenen Blickwinkel verändert, auch im Alltäglichen große Freude einstellen kann - schlicht, weil wir dann nicht mehr vergleichen oder bewerten, sondern einfach ganz da sind. Eine Form der Freude, die keine Sättigungsgrenze hat, wenn man bei der Sache bleibt, denn dann ist jeder Moment neu und eine Überraschung ...
Geteilte Freude ist halbe Freude, spektrum.de 13.4.18

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Star Wars als Türöffner zur Meditation 
Dienstag, 24. April 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Yoda, der Jedi-Ritter, hat schon viele Menschen durch seine Weisheit begeistert. 40 Jahre Star Wars haben mit dazu beigetragen, dass geistige Schulung wie Meditation selbst Science-Fiction-Fans nicht mehr unbedingt fremd ist. Die Süddeutsche Zeitung geht in einem Beitrag dem Trend nach, dass die Jedi-Mentalität ihren Weg in den Mainstream findet. Der Artikel stellt Menschen vor, die ganz im Geiste der Star-Wars-Saga meditative Elemente der Jedi in den Alltag bringt. Vielleicht ist es ja ein deutliches Zeichen, dass man Luke Skywalker im Trailer des neuesten Films aus dem Off mit den Worten vernimmt: "Atme. Atme einfach." Da kann man nur sagen, möge die Macht mit uns sein ...
Möge die Achtsamkeit mit dir sein, SZ 13.4.18

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Glück heißt vielleicht einfach, im Fluss des Lebens zu sein 
Montag, 23. April 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Effektive Wege zum Glücklichsein haben eigentlich immer Hochkonjunktur, denn was ersehnen wir uns mehr als ein Leben in Freude und Zufriedenheit? Doch bei dem, was wir unter Glück verstehen, gehen wir leicht in die Irre. Sind es wirklich die großen Dinge oder Besonderheiten, die uns glücklich machen? Oder Ist uns das Glück vielleicht näher, als wir meist denken - und damit auch leichter zu erreichen? Der Achtsamkeitstrainer Helmut Nowak jedenfalls hat einige gute Tipps, wie wir dem Glück mit ganz alltäglichen Aufmerksamkeiten sehr viel näher kommen können. Seine drei Ansatzpunkte sind für jeden unmittelbar nutzbar:
Vermeide alles, was dich unglücklich macht, statt dem Glück hinterherzurennen.
Finde wirksame Strategien, um deine Bedürfnisse zu nähren.
Akzeptiere, wenn die Geschehnisse des Lebens anders sind, als du sie gern hättest.
Allein der letzte Punkt mag vielleicht herausfordernd sein. Gerade hier kann die Übung von Achtsamkeit allerdings gute Dienste leisten. "Kultivierte Achtsamkeit hilft, aus unseren
unheilsamen automatisierten Reaktionsmustern auszusteigen und Ja sagen zu können zu dem, was gerade ist", so Nowak. Da steht einer glücklichen Woche eigentlich nichts mehr im Wege ...
(K)ein Weg zum Glück, Oberhessische Presse 13.4.18

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Besser schlafen, ohne sich von To-Do's auffressen zu lassen 
Freitag, 20. April 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
In unserer beschäftigen Welt sind Einschlafstörungen längst zu einer Art Jedermanns-Problem geworden. Vor allem das Unerledigte, das uns im Nacken sitzt und in der Stille vor dem Schlaf in unseren Gedanken aufpoppt, macht vielen Menschen das Einschlafen schwer. Wenn man sich von den offenen To-Do's innerlich verabschieden kann, schläft es sich leichter sein, so die Erkenntnis einer neuen Studie. Probanden bekamen die Aufgabe, vor dem Schlafengehen entweder zu notieren, was sie über den Tag alles erledigt hatten, oder aber sie sollten die Dinge auflisten, die sie am nächsten Tag zu tun hatten. Dabei zeigte sich, dass die To-Do-Listen offensichtlich einen befreienden und entspannenden Effekt hatten, denn je detaillierter die Versuchspersonen vermerkten, was sie für den nächsten Tag vor sich hatten, umso schneller schliefen sie ein.
Einschlafen mit List(en), Psychologie heute 12.4.18

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Weniger arbeiten, mehr leben 
Mittwoch, 18. April 2018 - Lebensart, Arbeit, Management
Die Idee, Arbeitsprozesse zu verdichten, um Zeit zu sparen und Mitarbeitern dadurch ohne Lohneinbußen kürzere Arbeitszeiten zu ermöglichen, lädt immer mehr Unternehmen zum Experimentieren ein. Die Zeit portraitierte kürzlich eine IT-Agentur aus Bielefeld, die mit 5-Stunden-Arbeitstagen experimentiert. Um das gewohnte Pensum zu schaffen, wurden Meetings gestrafft, aber die wesentliche Zeitersparnis liegt darin, dass viele eher soziale Begegnungen, die gewöhnlich zum Arbeitsalltag gehören, schlicht ausgeklammert werden. Ein Plausch in der Kaffeeküche ist nicht drin, wenn man das, wofür man früher acht Stunden Zeit hatte, nun in fünf Stunden bewältigen möchte. Dem Bericht zufolge schätzen viele Mitarbeiter diese Straffung, weil sie durch den früheren Feierabend mehr Zeit haben, über die sie frei und privat verfügen können. Das mag auf den ersten Blick wie ein Gewinn wirken - und ist es in der Erfahrung der Arbeitenden meist auch. Es zeigt sich aber auch, dass die Arbeitsprozesse selbst sehr stark funktionalisiert werden. Das dürfte längerfristig auch das Gefühl bei der Arbeit beeinflussen. Die Bielefelder Agentur lässt ihr Experiment auch wissenschaftlich untersuchen. Es wird spannend sein zu sehen, wie sich die Straffung auf die Wahrnehmung des Arbeitens auswirkt. Ich frage mich zum Beispiel, ob diese starke Funktionalisierung nicht auch längerfristig neue Formen der Entfremdung kreiert. Es hat durchaus etwas Maschinenhaftes, wenn man vor allem auf Output fokussiert ist - und das menschliche Miteinander aus Gründen der Zeitersparnis zurückstellt. Auf die Spitze getrieben könnte sich daraus eine Entkoppelung von Arbeit und Leben ergeben, die wir so vielleicht auch nicht wollen. Das soll kein Skeptizismus sein, eher die Frage danach, was uns Arbeiten in einem größeren Kontext wirklich bedeutet.
"Wollt ihr weniger arbeiten und genauso viel verdienen?", Zeit.de 10.4.18

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Die Selbstbezüglichkeitsfalle des Achtsamkeits-Trends 
Dienstag, 10. April 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Das Zeit-Magazin nimmt in einem Beitrag den gegenwärtigen Achtsamkeits-Trend aufs Korn. Zwar ist der Artikel in teils sehr zynisch-überheblichem Tonfall verfasst, doch trifft er einen wunden Punkt der scheinbar immer mehr um sich greifenden Neigung zur Selbsterforschung und -verbesserung. Meditations-Lehrer, die im Kontext einer spirituellen Tradition der Weltreligionen Achtsamkeit praktizieren, warnen schon länger davor, dass in einer modernen Kultur des extremen Individualismus Meditation womöglich unter kontraproduktiven Vorzeichen geübt wird. Viele Menschen möchten einfach weniger gestresst sein und sich ein bisschen besser fühlen. Das ist legitim und wünschenswert. Doch wer sich aus diesem Ichbezug heraus versucht, etwas Gutes zu tun, übersieht dabei leicht etwas Wesentliches. In den großen spirituellen Traditionen liegt die Befreiung von den Bedrängnissen des Alltags gerade darin, zunächst einmal dieses Ich durchlässiger werden zu lassen, diesen oft unsere gesamte Wahrnehmung umfassenden Selbstbezug loszulassen. Wer in einem Moment des inneren Aufbrechens diese Grenze des Ichs schon einmal durchbrochen hat, mag ahnen, wie anders unser Dasein in der Welt sein kann verglichen mit unserer ganz alltäglichen Selbstwahrnehmung. Ist uns dieser mögliche Unterschied indes nicht bewusst, kann das Streben nach Achtsamkeit zu einer Manie werden, die uns nur noch stärker um uns selbst kreisen lässt. Wie das aussieht, beschreibt der Zeit-Artikel auf die Spitze getrieben (und in gewisser Weise aus eben dieser Perspektive heraus). Dankenswerterweise endet der Beitrag allerdings mit dem Hinweis auf die mögliche Tiefendimension, zu der wir in unserem Menschsein durch praktizierte Achtsamkeit wieder Zugang erreichen können. In der Metta-Meditation beispielsweise belässt man es nicht dabei, sich selbst innerlich ein gutes Leben zu wünschen. Man dehnt diesen Wunsch im Zuge der Praxis aus auf einem Nahestehende, auf Menschen, die mang nicht mag, bis hin zu allen Lebewesen. "Dass das tatsächlich wirkt, hat eine Langzeitstudie des Leipziger Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften erwiesen: Die Metta-Meditation kann, so die Ergebnisse, die Aktivität von Gehirnregionen verstärken, die mit positiven Emotionen und Zugehörigkeitsgefühlen assoziiert sind. Aber eben nur dann, wenn man die Ebene des Ichs verlässt und sich ins Wir hineinbegibt", so die Schlussfolgerung des Artikels.
Und, wie fühlst du dich dabei? Zeit Magazin 30.3.18

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