Fluides Führen will gelernt sein und braucht Empathie 
Dienstag, 15. Mai 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Die Digitalisierung macht das Arbeitsleben schneller und unüberschaubarer. An die Stelle von Hierarchien und der Möglichkeit der Kontrolle treten fluide Prozesse, Teamarbeit und permanente Bewegung. Das verändert die Aufgaben und Möglichkeiten von Führungskräften radikal. In einer Stepstone-Umfrage gaben sechs von zehn Fachkräften an, dass sie nicht den Eindruck haben, ihre Chefs seien diesem Paradigmenwechsel gewachsen. "Pläne, Aufgaben und Projekte, die bislang eher langfristig ausgelegt waren, erfordern nun immer häufiger eine kurzfristige Nachjustierung. Führungskräfte müssen die Fähigkeit besitzen, kurzfristige Änderungsprozesse ausreichend zu moderieren und kommunikativ stark aufzutreten. Ein permanenter Dialog mit Mitarbeitern wird unumgänglich, um sich ständig wechselnden Rahmenbedingungen anzupassen und schnelles Feedback zu erhalten. Gleichzeitig wird der Dialog künftig zur vielleicht größten Herausforderung für Führungskräfte. Denn mit der Digitalisierung werden auch die Möglichkeiten flexibler Arbeitsplätze zunehmen. Managern wird der unmittelbare Zugriff auf ihre Mitarbeiter dadurch erschwert", beschreibt Sebastian Dettmers, Geschäftsführer von Stepstone, die aktuellen Herausforderungen in der Wirtschaftswoche. Führungskräfte müssten die Fähigkeit zu einer "Shares Leadership" kultivieren, Aufgaben und Verantwortung delegieren können, und zahlreiche ineinandergreifende Arbeitsprozesse und Team eher navigieren und moderieren denn bestimmen. Empathie sei hier ein wesentlicher Anker, damit die Komplexität nicht auseinanderfalle. "Persönlichkeit lässt sich nicht digitalisieren", so Dettmers. Und womöglich wird die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit künftig immer mehr zu einer zentralen Führungsaufgabe.
Der alte Führungstyp hat ausgedient, WiWo 2.5.18

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Dem Zickzack-Kurs des Lebens gerechter werden 
Freitag, 11. Mai 2018 - Bewusstsein, Arbeit
Ein geordneter Sozialstaat lebt von einer gewissen Geradlinigkeit. Wir betrachten, wie das Leben üblicherweise funktioniert, schauen auf die Sonderfälle, in denen das nicht klappt, und diese versuchen wir, sozial abzufedern? Was aber, wenn der Normalfall, von dem wir dabei ausgehen, längst keiner mehr ist? Die FDP macht mit ihrem Arbeitsmarktkonzept einen Vorstoß, dieser Frage gerecht zu werden. Sie kritisiert, dass viele unserer Vorstellungen und Regularien rund um das so genannte Normalarbeitsverhältnis - die Festanstellung in Vollzeit - längst überholt sind. Weil viele Menschen dem nicht gerecht werden (können oder wollen), aber auch, weil die Rahmenbedingungen der Arbeitswelt (die man vielleicht selbst gar nicht mehr so nennen sollte) immer poröser werden. Zu den FDP-Forderungen gehört es beispielsweise, die Möglichkeit des Übergangs zwischen verschiedenen Beschäftigungsformen stärker ins Kalkül zu ziehen. Heute ist man entweder angestellt oder selbstständig, ein fluider Wechsel zwischen den Formen wird durch systemische Zwänge meist erschwert. Wer selbstständig wird, zahlt bei der Kranken- und Rentenversicherung einen hohen Preis. Umgekehrt haftet der Selbstständigkeit aus Arbeitgebersicht immer noch die Aura an, es hier mit absoluten Solo-Playern zu tun zu haben, die eher nicht teamfähig sind. Ich finde es gut, dass die FDP hier versucht, eine Diskussion anzustoßen. Es sollte aber eine werden, die nicht allein in ökonomischer Verwertungslogik denkt, sondern auch berücksichtigt, dass Leben sich frei entfalten möchte. Welche Lebensläufe wir wohl hätten, wenn wir nicht mehr in Kategorien wie Angestelltenverhältnis oder Selbstständigkeit denken? Wenn es nicht primär um Geldverdienen geht, sondern darum, unser Leben zu gestalten?
Zickzack-Lebensläufe werden Normalität, FAZ 3.5.18

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Funktioniert Leben ohne Geld? 
Mittwoch, 9. Mai 2018 - Lebensart, Arbeit
Die Zeit hat in einem spannenden Beitrag Menschen portraitiert, die versuchen, ohne Geld zu leben. Gerade in der jungen Generation zeigt sich hier seit einigen Jahren ein Umdenken. Der Lebensstandard der Eltern oder der Mehrheit der Gesellschaft wird für viele Junge nicht mehr automatisch zum Maßstab dessen, was sie erstreben. Und ihre Lebensexperimente sind nicht allein eine Absage an Arbeit, Geldverdienen oder den Kapitalismus. In den Beweggründen der Menschen, die die Zeit vorstellt, kommt auch zum Ausdruck, dass sie das Leben selbst von neuen Seiten aus denken. Was möchte ich gerne tun? Was möchte ich erleben? Mit welchen Menschen möchte ich zusammensein? Fragen wie diese stehen oft am Anfang der Entscheidung, das eigene Leben nicht mehr hauptsächlich von der Notwendigkeit des Geldverdienens aus zu zu denken. Das Interessante an diesem Perspektivwechsel: Das, was wirklich notwendig ist, sei es ein Dach über dem Kopf, ein Platz zum Schlafen, Kleidung oder das tägliche Essen, lässt sich auf vielen Wegen erreichen. Ich finde Biographien, die von solch einer anderen Seite kommen, immer spannend, weil sie den Schleier des zutiefst Gewohnten lüften. Wenn ich mich frage, wie ich an eine warme Malzeit komme, ohne sie selbst zu kaufen, wird mein Leben weiter, weil meine Phantasie gefragt ist. Ich möchte die Experimente aus dem Zeit-Artikel keinesfalls glorifizieren. Aber mir wird bewusst, wie spannend es ist, einfach mal, uns sei es zunächst vielleicht nur im Geiste, die ausgetretenen Pfade zu verlassen.
Geld? Brauch ich nicht! zeit.de 1.5.18

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Sind wir auf dem Weg in eine Techno-Sklaverei? 
Dienstag, 8. Mai 2018 - Bewusstsein, Arbeit
Die Digitalisierung durchpflügt unsere Vorstellungen der Arbeitswelt und lässt keinen Stein auf dem anderen. Das schafft viele neue Chancen, aber auch Ängste. Der DGB äußerte kürzlich wieder Bedenken zur sich ausweitenden "Plattformökonomie". Laut Gewerkschaft verdienen sich schätzungsweise zwei Millionen Deutsche bereits durch von digitalen Plattformen vermittelte Jobs ihren Lebensunterhalt ganz oder teilweise. So entsteht ein neuer Arbeitsmarkt, der sich den Reglementierungen des Arbeitnehmerschutzes entzieht, schlicht weil für diese neuen Konstellationen keine passenden Gesetze existieren. Der DGB fordert deshalb, hier nachzuregulieren, um die Crowdworker besser zu schützen. Vielleicht ist aber auch eine wesentliche Frage, die öfter gestellt werden sollte, wie wir insgesamt faire Lebensverhältnisse möglich machen können. Das übliche Regulierungsdenken versucht oft schlicht, Strukturen aufrechtzuerhalten, die man vielleicht besser gleich mit hinterfragt. Was wäre, wenn wir kein Geld verdienen müssten, um unsere Existenz zu sichern? Das ist keine Frage, die nach einer endgültigen Antwort strebt. Sie öffnet vielmehr unser gewohntes Denken. Arbeitsverhältnisse müssten dann nicht mehr reguliert werden, weil sie mit einer menschlichen Freiheit konfrontiert wären, die dieser Art des Schutzes nicht bedarf. Vielleicht zeigt sich hier der Unterschied zwischen politischem Denken und der Fähigkeit zur Vision. Und damit auch ein Dilemma von Politik, wenn sie nur im Gegebenen denkt, nicht aber darüber hinaus.
DGB-Chef warnt vor "moderner Sklaverei", zeit.de 28.4.18

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Professionals schätzen Sicherheit mehr als das große Geld 
Freitag, 27. April 2018 - Studien, Arbeit, Management
Sicherheit scheint für Fach- und Führungskräften in der letzten Zeit wichtiger geworden zu sein als ein hohe Gehalt. Das zeigt eine Umfrage des Stellenportals meinestadt.de mit mehr als 2.000 Teilnehmern. Am wichtigsten ist den Befragten mit 56,5 Prozent ein sicherer Arbeitsplatz - darunter fällt vor allem ein unbefristetes Arbeitsverhältnis und die pünktliche Gehaltszahlung. Auf Rang zwei folgt mit 49,6 Prozent ein gutes Arbeitsklima. 26,5 Prozent der Professionals ist ein Arbeitsplatz in der nähe des Wohnortes wichtig. 21,3 Prozent wünschen sich, dass ihre Arbeit sie nicht gesundheitlich beeinträchtigt. Erst auf Rang folgt schließlich das überdurchschnittliche Gehalt, das für 17,6 Prozent besonderes Gewicht hat. Gute Arbeitnehmer zu finden, könnte also wesentlich preiswerter sein, als viele Unternehmen meinen.
Ein hohes Gehalt? Den Top-Leuten ist etwas anderes wichtiger, welt.de 19.4.19

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Warum wir Leistung neu denken sollten 
Donnerstag, 26. April 2018 - Psychologie, Wissenschaft, Arbeit, Management
Der Hyperindividualisierung der modernen Kultur hat längst auch unseren Leistungsbegriff geprägt. Denken wir an Leistung, meinen wir damit meistens: Schau, das hab' ich geschafft! Aber wie realistisch ist die Annahme eigentlich, dass das, was wir als unsere Leistung wahrnehmen - und was im Business als Leistung betrachtet wird -, wirklich allein auf unser Konto geht? "Hinter dem, was als individuelle Leistung gilt, steht ein kollektiver Kraftakt. Alles, was in der Erwerbswelt produziert wird, beruht auf den Anstrengungen von ganz vielen. Ähnliches gilt sogar im Bereich der Bildung, in dem wir ebenfalls von persönlicher Leistung sprechen. Das Können von Schulkindern beruht ja nicht nur auf ihrem eigenen Fleiß und ihrer Begabung, sondern auch auf dem Unterricht der Lehrer und der Unterstützung der Eltern", sagt etwa die Historikerin Nina Verheyen. Sie deutet mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit zur geschichtlichen Entwicklung des Leistungsgedankens darauf, dass es an der Zeit sein könnte, unsere Vorstellungen von Leistung zu revidieren. "Ich plädiere dafür, Leistung als eine genuin soziale Größe zu denken, was Verschiedenes beinhaltet. Erstens arbeiten wir ständig im Team, zweitens sind wir nicht gezwungen, nur Dinge als Leistung gelten zu lassen, die sich vermeintlich quantifizieren lassen. In Theorien sozialer Gerechtigkeit geht es bei einer Leistung im Kern um etwas, das jemand hervorbringt – und das von der Gesellschaft erwünscht ist. Warum ist es nicht auch eine Leistung, ein Glas Wein miteinander zu trinken und zu quatschen? Ich glaube, es fällt uns so schwer, das zu denken, weil wir Leistung fast automatisch mit Anstrengung, Druck, Messbarkeit und auch Ökonomie verbinden – eine Verengung", so Verheyen. Es ist spannend, darüber nachzudenken, wie sich unsere Wertelandschaft verändern würde, wenn wir einerseits Leistung nicht mehr nur als unser ureigenes Ding sehen würden und andererseits nicht nur mit meist wirtschaftsnahen Bereichen überhaupt die Idee von Leistung verbinden.
Wie ungerecht ist das denn? Zeit online 18.4.18

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Wer Karriere macht, ist nicht zwingend besonders gut 
Mittwoch, 25. April 2018 - Psychologie, Arbeit, Management
Der gesunde Menschenverstand legt nahe, dass es vor allem die Menschen sind, die in ihren Arbeitsbereichen die Dinge besonders gut machen, die auch Karriere machen. Im Interview mit Spiegel online erklärt der Wirtschaftspsychologe Florian Becker, dass dies eine Illusion ist. Mit Verweis auf eine amerikanische Studie, in der 30 Top-Manager betrachtet worden waren, die am schnellsten Karriere gemacht hatten, und 30, in deren Bereichen alles am besten lief, habe sich gezeigt: "Es gab kaum Überschneidungen der beiden Gruppen. Nicht diejenigen, die den besten Bereich hatten, also objektiv am besten führten, machten die steilste Karriere." Die Überlappung von Leistung und Karriere lägen laut wirtschaftspsychologischen Erkenntnisse bei lediglich zehn Prozent. Die, die aufsteigen, sind die Netzwerker, die gute Kontakte zu den Einflussreichen und Entscheidungsträgern aufbauen. Ein weiterer wichtiger: Attraktivität. "Ungefähr 70 Prozent der Menschen, die sehr viel Erfolg im Beruf haben, sehen überdurchschnittlich gut aus. Psychologen erklären das mit höherem Selbstbewusstsein und besseren kommunikativen Fähigkeiten, die die Attraktiven aufbauen konnten. Von anderen werden sie oft auch kompetenter eingeschätzt", so Becker. Auch was die Leidenschaft für den Job angeht, bringt sie einen nicht zwingend weiter. Becker sagt: "Eher wenig Einfluss auf den Aufstieg hatten die Leidenschaft für den Beruf, die Frage, wie lange jemand schon im Unternehmen war oder wieviel Erfahrung er mitbrachte. Starke Erfolgstreiber hingegen wären Extraversion und Proaktivität - jemand zeigt Interesse an neuen Aufgabenfeldern und meldet frühzeitig Interesse an einem Projekt an. Solche Leute suchen sich auch eher Mentoren im Unternehmen."
Wie Größe und Stimme die Karriere pushen, Spiegel online 16.4.18



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Wenn Arbeiten zum Dauer-Sprint wird 
Donnerstag, 19. April 2018 - Bewusstsein, Psychologie, Arbeit, Management
Agilität ist zu einem neuen Trend in der Organisation von Arbeitsprozessen geworden. Die Idee dahinter: Möglichst flexible und wendige Arbeitsprozesse zu gestalten, die mit der Schnelligkeit, die die Arbeitswelt heute zu fordern scheint, Schritt zu halten. Die FAZ geht in einem Beitrag dem Für und Wider dieses Trends nach. Einerseits zeigt sich, dass viele der heute genutzten Agilitäts-Tools und -Prozesse das Arbeiten effizienter machen können und es erleichtern, besser und schneller auf Veränderungen zu reagieren. Das hat jedoch auch einen Prozess. Routinen werden zunehmend ausgemerzt, es gibt keine Atempausen oder ein Zurücklehnen mehr. Der Arbeitstag wird, zugespitzt formuliert, zu einem Dauer-Sprint. Was Unternehmensberater feiern, könnte aus psychologischer Sicht durchaus auch Nachteile haben. Denn es liegt nicht in der Natur jedes Menschen (und vielleicht sogar überhaupt nicht in der menschlichen Natur), stets an forderster Front alles zu geben. Darauf läuft agiles Management aber in gewisser Weise hinaus, denn es funktioniert vor allem, wenn möglichst viele ständig auf dem Sprung sind. Das Dasein besteht nicht nur aus Angriff, es braucht auch Phasen, in denen es ruhiger zugeht. Und in der Arbeitswelt nur das Beste einer Welt haben zu wollen, trennt zugleich vom Rest des Lebens. Ich würde mir wünschen, dass wir besser verstehen, dass diese Ganzheit etwas sehr Zentrales ist. Das ist keine Absage an Effizienz und Schnelligkeit, sondern die Einsicht, dass wir sehr vielschichtig sind und als ganze Menschen mit all unseren Fähigkeiten und Befindlichkeiten im Arbeitsleben stehen sollten.
Rugby für das Büro, FAZ 12.4.18

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