Wie sich Persönlichkeit verändert 
Dienstag, 13. Juni 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Charakterzüge betrachten wir gemeinhin als etwas sehr persönliches. Und gleichzeitig folgt diese Persönlichkeit auch immer den größeren Strömen von Kultur und Zeit. Eine Studie, für die die Daten von 420.000 Wehrpflichtigen aus Finnland ausgewertet wurde, zeigt, dass sich Charaktermerkmale in den letzten Jahrzehnten sukzessive verändert haben. Die Verhaltensforscher der Universität Helsinki kommen zu dem Schluss, dass sich vor allem positive Züge verstärkt haben, unter anderem solche, die dem beruflichen Erfolg dienen. In dem Vergleich, der die Jahre 1962 bis 1976 umfasst, sind die durchschnittlichen Werte für Selbstsicherheit, Bedächtigkeit und Geselligkeit gestiegen. Diese Entwicklung deckt sich mit Erkenntnissen im Hinblick auf die Intelligenz-Entwicklung. Hier zeigt sich der so genannte Flynn-Effekt - mit jeder Generation wächst der Intelligenzquotient um 5 bis 25 Punkte. Auch wenn nicht klar ist, welchen detaillierten gesellschaftlichen Entwicklungen diese Veränderungen geschuldet sind, eine Entwicklung zum Besseren scheinen sie zu belegen.
Immer mehr dufte Typen unter uns, SZ 7.6.17


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Die Qual der Wahl - und das Grübeln danach 
Donnerstag, 8. Juni 2017 - Psychologie, Studien
Sich für etwas zu entscheiden, ist nicht immer einfach. Selbst wenn man alle Optionen gründlich prüft, kommt man später vielleicht doch noch zu dem Schluss, nicht die beste Wahl getroffen zu haben. Kanadische Forscher haben in drei Studien die Entscheidungsmuster von Menschen und ihre Zufriedenheit mit den getroffenen Entscheidungen getestet. Dabei zeigte sich: Lange abzuwägen, um die in den eigenen Augen beste Entscheidung zu treffen, ist überhaupt kein Problem. Doch grübelt man im Nachhinein noch einmal über die möglichen Szenarien und die entgangenen Optionen, trübt sich die Zufriedenheit. Besser sei es, nach einer getroffenen Entscheidung alle verworfenen Möglichkeiten einfach wirklich abzuhaken und sich über den Nutzen zu freuen, den die getroffene Entscheidung bringt.
Entscheiden ohne Reue, Psychologie heute 24.5.17

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Aus Trägheit das Glück verpasst 
Dienstag, 6. Juni 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Was macht uns wirklich glücklich? Die meisten Menschen haben durchaus eine Vorstellung davon, welches die Glücksbringer im Leben sind. Das entspannte Abhängen auf der Couch gehört eher nicht dazu. Dinge, die uns etwas Anstrengung abverlangen, hingegen schon. Eine amerikanische Studie mit 300 Probanden zeigt, dass vielen bewusst ist, dass es Aktivitäten sind, die uns herausfordern, Einsatz verlangen und kontinuierliches Engagement, die unsere Lebensfreude steigern. Die Untersuchungsteilnehmer sollten aus einer Liste mit 36 Aktivitäten, darunter Meditation, anderen Menschen zu helfen, im Internet surfen oder Nichtstun, diejenigen bewerten, die am ehesten glücklich machen. Dabei zeigte sich, dass in ihren Augen die eher passiven Beschäftigungen weniger Glücksmomente bescheren. Befragt, womit sie ihre Freizeit verbringen, gaben sie indes an, sich eher mit anstrengungslosen Zeitvertreiben zu beschäftigen. Die Forscher deuten die Ergebnisse so, dass viele einfach nicht den ersten Schritt hin zur glücklich machenden Aktivität schaffen und so letztlich ihr eigenes Glück schmälern.
Zu faul fürs Glück? Psychologie heute 19.5.17

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Beim Pokern sich selbst erkennen 
Freitag, 26. Mai 2017 - Psychologie, Management
Vielen Top-Managern wird gerne nachgesagt, dass es um ihre Sensibilität für ihre Mitmenschen und ihr Gespür für ihr eigenes Verhalten nicht zum besten bestellt ist. Der Coach und leidenschaftliche Poker-Spieler Stephan Kahlhamer findet, dass die Chefs gerade beim Pokerspiel ihre Selbsterkenntnis verbessern könnten, um so auch im Business zu einem angemessenen Verhalten zu finden. "Beim Pokern ist man ständig in einer Extremsituation, die dazu führt, dass der Charakter sich sehr deutlich zeigt. Ungeduldige werden noch rastloser, Ängstliche noch defensiver, dominante Menschen besonders pushy. Diese Typisierungen sind ein wichtiges Thema in meinen Workshops für Manager. Wenn ich etwas über das Spielerprofil sage, fühlen sich die Leute nicht als Person angegriffen und wir können offen darüber reden", so der Coach. Für ihn ist dabei die moralische Dimension, die sich öffnet, wesentlich: "Spitzenspieler haben meist extrem hohe moralische Werte. Auch mir hat Poker moralisch viel gebracht. Denn beim Pokern hat man viel Zeit - man beobachtet, trifft alle zwei Minuten Entscheidungen, beobachtet wieder. Am Tisch entwickelt man daraus dann böse Manöver. Das heißt aber auch: Ich kenne das Negativ so gut, dass ich es im zivilen Leben leicht in etwas Positives umwandeln kann. Poker lehrt Verantwortung und vor allem einen Mix aus Mut und Demut, aus Aggressivität und Zurückhaltung, großen und kleinen Einsätzen, Aktivität und Passivität. Es gibt immer ein Zuviel und ein Zuwenig. Wer das verinnerlicht, kann frei, aber verantwortungsbewusst entscheiden. Die meisten Leute gehen aber einen Weg, den sie einmal gefunden haben, und gehen ihn immer wieder. Sie beschränken sich selbst." Warum also nicht einmal bei einer Runde Kartenspiel dem eigenen Selbst ein bisschen näher kommen?
"Poker lehrt Mut und Demut", Karrierespiegel 15.5.17

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Warum schlechte Gefühle wichtig sind 
Dienstag, 23. Mai 2017 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Glücklich sein, zufrieden und entspannt - das ist wohl der Wunsch der meisten Menschen. Und so versuchen wir vieles, um die eher unangenehmen Gefühle im Alltag wie Traurigkeit oder Enttäuschung zu vermeiden. Aber womöglich tun wir uns damit gar keinen Gefallen - und jagen gleichzeitig einem verzerrten Wunschbild nach. Die Wissenschaft jedenfalls zeigt, dass gerade Phasen der Melancholie sehr konstruktiv für unsere menschliche Entwicklung sein können. So zeigt eine Studie, dass Menschen, die aufgrund von Wetterveränderung eine schlechte Stimmung haben, in dieser Phase ein besseres Gedächtnis zeigen und ihre Zeugenfähigkeit wächst, weil sie durch ihre Gefühlslage weniger von äußeren Einflüssen abgelenkt werden. Richter, die nicht so gut drauf sind, weisen einen besseren Blick für Details im Verhalten von Menschen auf und lassen sich nicht so leicht von oberflächlichen, ersten Eindrücken leiten. Andere Experimente zeigen, dass Menschen mit leichter Verstimmung sich bei herausfordernden Aufgaben stärker bemühen und durch ihre Beharrlichkeit bessere Ergebnisse erzielen als Gutgelaunte. In Gesprächen können Verstimmungen zu mehr Mitgefühl für das Gegenüber führen und zum Versuch, wirklich überzeugende Argumente zu finden. Außerdem scheinen milde Verstimmungen auch die Fairness zu erhöhen. All diese Erkenntnisse zeigen, dass temporäres Unglücklichsein viele positive Fähigkeiten wachrufen kann, wenn wir uns unserer Gefühlslage einfach stellen und bewusst mit ihr umgehen, anstatt zu versuchen, diese Stimmungstief auszublenden oder zu vermeiden.
Why bad moods are good for you, Science Alert 14.5.17

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Dunkle Charaktere zieht es in die Wirtschaft 
Donnerstag, 18. Mai 2017 - Psychologie, Arbeit
Ist es das Studium, dass die Charaktereigenschaften im Beruf besonders prägt? Oder entscheidet der Charakter über die Wahl des Studienfachs? Diesen Fragen sind die Forscherinnen Anna Vedel und Dorthe K. Thomsen in einer Studie nachgegangen, die in "Personality and Individual Differences" erschienen ist. Dabei zeigte sich, dass junge Menschen, die sich für Wirtschaftswissenschaften oder Jura entscheiden, stärker von Selbstüberschätzung, Psychopathie und rücksichtslosem, manipulativem Verhalten geprägt sind. Angehende Psychologen wiesen hier die geringsten Neigungen auf. Sie waren allerdings signifikant neurotischer als Wirtschafts- und Politikwissenschaftsstudenten und dabei verträglicher und offener als Wirtschafts- und Jurastudenten. Sicher wäre es interessant, diese charakterlichen Eigenschaften auch einmal in größerem kulturellem Maßstab zu betrachten und zu erforschen. Welche Rahmenbedingungen tragen zu diesen Prägungen bei? Und welche könnten vielleicht andere Prägungen begünstigen? Viele Studien zeigen, dass der Egomane an der Spitze eines Unternehmens keine Ausnahme darstellt. Doch solange es kulturelle Felder gibt, in denen sich dieser Typus immer wieder bestätigt, wird sich das kaum ändern. In der Diagnose sind wir schon recht weit. Was ansteht, wäre herauszufinden, welche Werte und Umgehensweisen wir uns in unserer Kultur besonders wünschen - und wie sie sich entwickeln lassen.
Wirtschaftsstudenten neigen zu Narzissmus und Rücksichtslosigkeit, spektrum.de 5.5.17

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Belastet bis ins Gehirn 
Donnerstag, 11. Mai 2017 - Psychologie, Studien
Psychische Extremerfahrungen scheinen über die Phase der akuten Belastung hinaus die Fähigkeiten des Gehirns zu beeinträchtigen, das legt zumindest eine Studie der Uniklinik München nahe. Die Studie mit gut 260 Probandinnen untersuchte das Auftreten von Problemen im Hinblick auf Konzentration, Gedächtnis und Orientierung. Von den Versuchspersonen hatten etwa zwei Drittel aufgrund ihrer Diagnose eine Krebstherapie erhalten, während die restlichen Studienteilnehmerinnen (der Kontext war Brustkrebs) ein negatives Screening hatten und keine Chemotherapie bekamen. Bisher waren Beeinträchtigen der Hirnfunktion den aggressiven Wirkungen der Chemotherapie zugeschrieben worden. Die Studie indes zeigte, dass die Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, das Auftreten von Desorientierung und Gedächtnisprobleme nur bei den Krebs-Patientinnen auftraten, die durch die Diagnose eine Belastungsstörung entwickelt hatten. Die traumatische Erfahrung scheint also ursächlich zu sein. Es könnte interessant sind, diese Perspektive weiter zu vertiefen und einmal zu erforschen, ab welcher Belastungsintensität das Gehirn beginnt, Funktionalität einzubüßen, denn es gibt genügend Berufe, in denen besondere Belastungen zum Alltag gehören, die nicht gleich zu einer diagnostizierten Belastungsstörung führen, aber womöglich stärker die geistige Gesundheit beeinträchtigen, als bisher bekannt ist.
'Chemobrain" kommt nicht durch Chemotherapie, spektrum.de 4.5.17

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Wie Perfektionismus stresst 
Dienstag, 25. April 2017 - Psychologie, Studien
Perfektionist zu sein, kann ganz schön anstrengend sein. Eine kanadische Studie mit gut 900 Probanden, alle Studierende, zeigt, dass die Gedanken von Perfektionisten häufig darum kreisen, wie sie dem eigenen ambitionierten Selbst-Bild gerecht werden können. Die Wissenschaftler untersuchten die Studienteilnehmer anhand von verschiedenen Perfektionismusskalen und befragten sie, woran sie in verschiedenen Situationen häufig denken. Die Perfektionisten unter ihnen waren mit Gedanken und dem Streben nach ihrem idealen Selbstbild vor allem in den Kontexten Studium, Freundschaft und Selbstverbesserung beschäftigt. Die Studie lieferte zudem eine erste Bestätigung, dass diese intensive Beschäftigung mit dem Selbstideal, das häufige gedankliche Kreisen darum, das Risiko erhöht, an Depressionen und Burnout zu erkranken.
Bin ich perfekt? Psychologie heute 6.4.17

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