Glück oder Pech? Alles eine Frage der Haltung ... 
Mittwoch, 16. September 2020 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Wie wir unsere Lebensumstände empfinden, hängt nicht unwesentlich von unserer Haltung zum Leben ab. Eine amerikanische Studie zeigt: Menschen mit hohem Anspruchsdenken fühlen sich leichter ungerecht behandelt und zeigen sogar weniger Mitgefühl als jene, die nicht so viel für sich erwarten. Die Wissenschaftler testeten zunächst mit einem Fragebogen, wie hoch das Anspruchsdenken ihrer Probanden war. Dann sollten sie eine langweilige Tätigkeit ausführen, wobei allen Testteilnehmern gesagt wurde, das Los hätte entschieden und sie wären leider nicht für die angenehmere Tätigkeit ausgewählt worden. Bei der anschließenden Befragung zeigten sich Menschen mit hohem Anspruch deutlich verärgerter als jene, deren Anspruchsdenken nicht so ausgeprägt ist. Gebeten, über Lebensumstände zu erzählen, bei denen sie Pech hatten, zeigte einen ähnlichen Effekt. Jene, die für sich viel vom Leben erwarteten, gaben sich hier betroffener als die, die weniger hohe Erwartungen haben. Gleichzeitig zeigten die sich besonders betroffen Fühlenden in einem weiteren Versuch, bei denen ihnen das Pech anderer vor Augen geführt wurde, weniger Mitgefühl. Offenheit gegenüber den Zumutungen des Lebens und Verständnis für andere scheinen also auch davon abzuhängen, was wir für uns selbst erwarten und mit welcher Vehemenz wir dies tun.
Pech gehabt! spektrum.de 3.9.20

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Die Unkontrolliertbarkeit des Lebendigen annehmen 
Dienstag, 15. September 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Mit Corona haben die verschiedensten Bedrohungs- und Angstszenarien in unseren Alltag Einzug gehalten. Dadurch mag das Angstlevel in Teilen der Bevölkerung gewachsen sein. Doch sollten wir auch bedenken, dass die Angst vor dem Kontrollverlust eigentlich zum Wesen unserer modernen Gesellschaften gehört, denn viele unserer heutigen Errungenschaften beruhen gerade darauf, dass wir versuchen, mit ihnen unser Leben zu verbessern und es so zu schützen. "Das Leben ist immer gefährlich. Man kann den Leuten nicht sagen, wenn sie das und das machen, dann kommt alles gut. Wir müssen die Unkontrollierbarkeit des Lebendigen annehmen. Erst wenn wir aufhören, alles kontrollieren und beherrschen zu wollen, sind wir frei", sagt der Neurowissenschaftler Gerald Hüther in einem Interview mit der Berner Zeitung. Ein Schritt auf diesem Weg sind für ihn mehr Bewusstheit und Gemeinsinn: "Es braucht eine emanzipierte, sich selbst bewusste Bevölkerung. Statt der Interessen Einzelner soll das Wohl aller im Vordergrund stehen." Im Ernstfall von etwas Größerem getragen zu sein, kann sicherlich so manchen Ängsten den Nährboden entziehen ...
«Angstmacherei ist eine Unart unserer ganzen Gesellschaft», Berner Zeitung 28.8.20

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Die Krise als Navigator nutzen 
Mittwoch, 9. September 2020 - Bewusstsein, Wissenschaft, Arbeit, Management
"Wir müssen die Wirtschaft von der Krise her neu denken", fordert der Wirtschaftswissenschaftler Lars Hochmann in einem Beitrag für Capital. Und er kritisiert, wie sich sein Fach über lange Jahre in der Bequemlichkeit alter Begrifflichkeiten eingerichtet hat. Sein Anliegen: Wirtschaft nicht mehr als ein System zu sehen, das eben so ist, wie es ist. Die Ursache der Krise "liegen weder in der Verantwortung einzelner Menschen noch lassen sie sich auflösen in einer gesellschaftlichen Totalität. Sie sind das Ergebnis einer sozialen Praxis, die sich weitestgehend unbesehen entlang von individuellen wie geteilten Gewohnheiten und Gepflogenheiten fortführt. Ökonomie gestaltet diese Kulturen, sie prägt, wie wir kommunizieren, uns kleiden, ernähren und miteinander umgehen. Der Glaube, Wirtschaft sei ein fremder Stern, auf dem es nur um den eigenen Vorteil und den rollenden Rubel geht, war immer schon ein Irrtum. Sie erscheint nur so, wenn sie aus diesem Blickwinkel betrachtet wird. Wir können ihn aber verändern, wir können andere Begriffe verwenden, andere Fragen stellen, andere Perspektiven einbeziehen, andere Ziele verfolgen – und kämen zu einem ganz anderen Bild", so Hochmann. Seine Forderung: Wir sollten im Hinblick auf die Gestaltung von Wirtschaft reflexiver werden, Begriffe und Gegebenheiten überdenken und so neu formulieren, dass sie konstruktive Entwicklungen ermöglichen. Die Werturteile und Standpunkte, die hinter diesen Gegebenheiten stehen, sollten transparenter gemacht werden. Weiter seien Teilhabe und Mitwirkung von auße essenziell für den Wandel, denn das Wissen der Vielen führe leichter zu neuen Lösungen.
Wir müssen Wirtschaft grundlegend neu denken, Capital 25.8.20

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Die Illusion von Kontrolle trifft uns frontal 
Montag, 7. September 2020 - Bewusstsein, Psychologie
Psychologen stellen seit vielen Wochen fest, wie stark die Pandemie auf unser Angstsystem zu wirken scheint. Der kollektiv erfahrene Kontrollverlust offenbart dabei ein Paradox, denn es sind nicht unbedingt die realen Gefahren, die uns in Sorge versetzen, sondern eher die Erkenntnis, dass wir einer Illusion aufgesessen haben, unser Leben kontrollieren zu können. "Wie leben in einer der am besten abgesicherten Gesellschaften weltweit. Aber unsere Ängste sind oft überdimensional groß. Unsere Fähigkeit, auf einen Kontrollverlust zu reagieren, nimmt ab. Weil es für uns so selbstverständlich ist, dass es immer Strom gibt, dass Wind und Wetter kein Problem mehr sind, all das. Je weniger Angst wir ausgesetzt sind, desto mehr wächst die Illusion, es gäbe ein System ganz ohne sie", erklärt der Coach Bernd Sprenger in einem Interview mit der Zeit. Für ihn lädt die Unsicherheit der gegenwärtigen Situation geradezu dazu ein, sich mehr darauf zu besinnen, was wir nicht kontrollieren können, und entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen: "Wir können nicht alles selbst planen. Deshalb sollten wir es gar nicht erst versuchen. Es geht eher darum: Vertrauen zu entwickeln in Bereichen, die man gar nicht kontrollieren muss. Natürlich sollten wir aktiv handeln. Aber da, wo wir es können, wo wir etwas verändern können. Und nicht da, wo wir ohnehin keine Macht haben."
"Vertrauen Sie darauf, dass Sie irgendwie durch die Krise kommen", Zeit.de 21.8.20

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Wohlbefinden ist durch Corona für viele kaum beeinträchtigt 
Donnerstag, 3. September 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Wohl jede*r hat inzwischen diese Momente, in denen sich eine gewisse Corona-Müdigkeit einstellt. Seit Monaten mit all den bestehenden Einschränkungen zu leben, ist für viele Menschen eine kleine Katastrophe, für andere vielleicht nur zunehmend nervig. Eine Studie zeigt nun, dass sich bei all den Zumutungen, denen wir ausgesetzt sind, das grundsätzliche Wohlbefinden der Menschen dennoch kaum verschlechtert hat - zumindest bei jenen, die (immer noch) vollzeiterwerbstätig sind, denn diese stellen in besagtem Fall die Probanden dar. Die Möglichkeit, die Zeit vor und während Corona zu vergleichen, ergab sich, da die Studie - mit anderem Schwerpunkt - bereits im Dezember gestartet war. Anfangs war Corona natürlich für viele ein Schlag, doch: Die negative Stimmung hat mit der Zeit abgenommen. Wir haben mit dem Gegenteil gerechnet – dass Menschen zunehmend wütend oder verärgert sind über die Situation. Doch das konnten wir nicht belegen", so der Leipziger Psychologe Hannes Zacher. "Ich denke, dass Menschen in der Corona-Krise seltener diese intensiven negativen Gefühle spürten, sondern eher weniger aktivierte negative Emotionen wie Trauer oder ein Gefühl der Leere, die eher depressiver, apathischer oder emotionsloser Natur sind." Für Zacher stimmt das öffentlich vermittelte Bild zunehmender deutlicher Unzufriedenheit nicht mit den Erkenntnissen seiner Studie überein. Für den Psychologen ist auch augenscheinlich, dass der mit der Krise verbundene Kontrollverlust eine auf Sicherheit bedachte Kultur wie die Deutsche besonders trifft.
»Die negative Stimmung hat mit der Zeit abgenommen«, spektrum.de 21.8.20

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Meditation differenzierter betrachten 
Mittwoch, 2. September 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
In den letzten Jahren war die Meditationsforschung in einem Euphorie-Hoch. Vielleicht ist es so etwas wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, dass Studien über positive Effekte von Achtsamkeit weitere nach sich ziehen, die zu ähnlichen Erkenntnissen kommen. Seit Meditation in der Wissenschaft als Thema salonfähig geworden ist (es gab Zeiten, in der das Thema ein wahrer Karrierekiller war), bemühen sich natürlich insbesondere Wissenschaftler, denen die Methode am Herzen liegt, in entsprechender Forschung. Das hat lange Zeit den Blick dafür verstellt, bei den jeweiligen Forschungssettings genauer hinzuschauen. Wie die taz in einem sehr differenzierten Artikel darlegt, gibt es viele Studien, deren Parameter teils unübersichtlich, teils sogar fragwürdig sind. Auch werfen seit einiger Zeit immer mehr Studien auch kritische Blicke auf die Achtsamkeit. So belegen mehrere Forschungsarbeiten, dass Meditieren auch Nebenwirkungen haben kann - zumindest bei manchen Menschen. Vielleicht erleben wir hier gerade einen Reifungsprozess der Achtsamkeitsforschung, in dem neben dem Für auch das Wider nun stärker in den Blick rückt. Ein weiteres Thema, dass vielleicht auch noch stärker diskutiert und erforscht werden sollte: Vom Grundsatz her war Meditation nie als eine Methode gedacht, besondere Wirkungen bei Menschen hervorzurufen, wie dies nun in therapeutischen Kontexten gewünscht ist. Die Öffnung im Meditieren oder auch das Loslassen des Gewohnten haben in den spirituellen Traditionen einen hohen Stellenwert, allerdings im Sinne einer Hingabe jenseits aller Erwartungen. Erleuchtung kann man nicht machen, sie wird einem vielleicht einmal zuteil. Und es lässt sich nicht messen, wann dies geschehen könnte. Vielleicht ist nun die Zeit, nicht nur genauer hinzuschauen, wenn es um Meditation geht, sondern den Blick auch weiter und unschärfer werden zu lassen, um auch diese Tiefendimension jenseits der reinen Daten und Fakten zu berücksichtigen. Das wäre dann allerdings kein neurologisches Thema, sondern Disziplinen wie die Anthropologie und die Philosophie sind hier gleichermaßen gefragt.
Stellen wir die falschen Fragen?, taz 20.8.20

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Erschöpfung kann lange anhalten 
Montag, 31. August 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Seit Burnout ein gesellschaftliches Thema geworden ist, gibt es viele Therapieansätze, die versuchen, Betroffenen zu helfen. Die Wissenschaft zeigt allerdings inzwischen auch, dass die Genesung von solchen tiefgehenden Erschöpfungsphasen im Leben nicht ganz so einfach ist, wie gedacht. Eine schwedische Studie etwa begleitete 217 Menschen, die einer Klinik eine entsprechende Therapie absolviert hatten, über sieben Jahre, um die Entwicklung ihres Gesundheitszustandes zu dokumentieren. Dabei zeigte sich, dass sich nur 16 Prozent der Betroffenen nach diesen sieben Jahren als wirklich genesen betrachteten. 80 Prozent fühlten sich zwar besser als vor der Therapie, litten aber weiterhin unter belastenden Symptomen wie einer geringen Stresstoleranz (73 Prozent), extremer Müdigkeit (46 Prozent) oder Gedächtnisproblemen (43 Prozent). Vier Prozent der Betroffenen meinten sogar, dass es ihnen gleich schlecht oder sogar schlechter wie vor der Therapie ginge. Die Wissenschaftler führen diese ernüchternde Situation darauf zurück, dass Burnout-Symptome einerseits sehr hartnäckig sein könnten und andererseits sich oftmals die belastenden äußeren Umstände im Leben der Menschen nicht veränderten.
Burnout glimmt lange nach, spektrum.de 20.8.20

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Meditation ist immer eine Gratwanderung 
Mittwoch, 26. August 2020 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Seit Meditation schon fast ein neuer Volkssport geworden ist, mehren sich auch Studien über mögliche negative Wirkungen. Jeder Meditationsanfänger dürfte das Phänomen kennen: Wenn man erst einmal in Kontakt mit der Stille kommt, nimmt man plötzlich auch viel stärker wahr, wie viel Lärm eigentlich das eigene Leben durchzieht. Für Menschen, die als Teil einer Therapie gegen Angststörungen oder Depressionen auch meditieren, kann dieser Effekt, der ganz natürlich ist, durchaus auch problematisch werden. Eine neue Übersichtsstudie etwa zeigt, dass - konservativ geschätzt - etwa acht Prozent der Probanden, die in solchen therapeutischen Settings Achtsamkeit üben, sogar mehr Ängste zeigen als zuvor. Die Wissenschaftler möchten das nicht als eine Kontraindikation für Meditation verstanden wissen. Eher deuten diese Erkenntnisse darauf hin, wie wichtig es ist, beim Meditieren kompetente Begleitung zu haben.
Studie: Meditation können Depressionen und Angstzustände auch verstärken, Grenzwissenschaft aktuell 18.8.20

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