Unternehmen, die sich selbst gehören 
Freitag, 16. Oktober 2020 - Arbeit, Management
Unternehmen sind nicht nur wesentlich als Arbeitgeber und die Institutionen, die uns mit allem versorgen, was wir zum Leben brauchen. Sie sind durch den Kapitalmarkt auch leicht Spekulationsobjekte. Diese Dynamik möchte eine neue Initiative durchbrechen, die sich dafür einsetzt, dass Firmen künftig auch sich selbst gehören können. Sie möchte eine neue Rechtsform schaffen, die sogenannten Verantwortungseigentumsgesellschaft, abgekürzt VE-GmbH. Ihre rechtliche Grundlage sieht vor, dass die jeweiligen Firmeneigentümer nur Treuhänder sind, die sich kein Unternehmensvermögen mehr auszahlen können. Gewinne sollen verpflichtend im Unternehmen verbleiben. Und wer Anteile an der Firma hält, darf sich lediglich eine angemessene Vergütung ausbezahlen. Die Idee dahinter: Ein schnelles Abkassieren von Unternehmen zu verhindern und ihre Werte über lange Zeiträume sicherzustellen. Gleichzeitig könnte die Rechtsform das Vertrauen von Kunden und Mitarbeitern stärken. Der Vorschlag der Initiative, die von bisher 600 Unterzeichnern unterstützt wird, liegt nun der Politik zur Prüfung und bestenfalls Umsetzung vor. Befürworter sehen darin einen wichtigen Schritt, die soziale Marktwirtschaft zu stärken. Kritiker weisen darauf hin, dass es bereits durch die Gründung von Stiftungen möglich sei, solche Konstruktionen zu verwirklichen. Für die Initiatoren der neuen Initiative steht im Vordergrund, dass ihr Modell diesen Weg auch kleineren Unternehmen mit wesentlich geringerem Aufwand eröffnen würde.
Diese Unternehmens-Idee soll die soziale Marktwirtschaft retten, welt.de 7.10.20

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Diversity ist gut für Innovationen und den Profit 
Freitag, 9. Oktober 2020 - Bewusstsein, Wissenschaft, Arbeit, Management
Diversity rockt, könnte man sagen, wenn man sich die verschiedenen Studien ansieht, die erforschen, was die Leistungsfähigkeit von heterogenen Arbeitnehmerschaften von der eher uniformer Belegschaften unterscheidet. Laut McKinsey beispielsweise erhöht sich die Wahrscheinlichkeit überdurchschnittlicher Profitabilität um 25 Prozent, wenn ein Unternehmen eher divers aufgestellt ist. Und die Boston Consulting Group hat festgestellt, dass in Unternehmen mit diversen Team 45 Prozent des Umsatzes durch Innovationen reinkommen, während es in Firmen, in denen hauptsächlich weiße, männliche Teams arbeiten, lediglich 26 Prozent sind. Auch in Krisenzeiten bewährt sich Diversität, denn divers besetzte Führungsteam wirtschaften nachhaltiger und führen besser, so eine Untersuchung des Karriereportals Stepstone.
Vielfältige Teams machen Unternehmen profitabler, WiWo 1.10.20

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Ungerechte Chefs machen Mitarbeiter krank 
Mittwoch, 7. Oktober 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Studien, Arbeit, Management
Ob Vorgesetzte ihre Mitarbeiter fair behandeln, scheint nicht zu unterschätzende Auswirkungen auf die Gesundheit der Arbeitenden zu haben. Diese Schlussfolgerung legt der AOK-Fehlzeiten-Report 2020 nahe. Befragt wurden 2.500 Arbeitnehmer*innen. In der Gesamtbilanz zeigt sich: Jene, die sich vom Chef fair behandelt fühlen, sind im Jahresschnitt zwei Tage weniger krank als die, die über Ungerechtigkeit klagen. Letztere empfinden Wut und Ärger (23,3 Prozent) und berichten, dass sie unter Lustlosigkeit (21,2 Prozent), Erschöpfung (19,7 Prozent) oder Schlafstörungen (18,1 Prozent) leiden - und dies ständig oder beinahe ständig in den vier Wochen vor der Erhebung.
Je gerechter der Arbeitsplatz, umso gesünder die Beschäftigten, WiWo 29.9.20

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Wenn die Fassaden bröckeln 
Dienstag, 6. Oktober 2020 - Lebensart, Arbeit
Top-gestylt am Schreibtisch war gestern. Im Home Office haben viele Arbeitende in einen legereren Modus umgeschaltet. Und das lässt manche die Konventionen im Business-as-usual grundsätzlich hinterfragen. Lauren Griffiths löste kürzlich eine rege Diskussion aus, als sie ihr LinkedIn-Profilfoto austauschte. Zuvor war die Personalerin eine Tech-Konzerns dort im klassischen Business-Outfit zu sehen, mit frisch gefärbten Haaren und natürlich geschminkt. Dann beschloss die Mutter dreier Kinder, ihre gegenwärtige Realität ins Bild zu setzen - ungeschminkt, mit verwuscheltem Haar. "Die heutige Homeoffice-Welt hat die Grenzen zwischen meinem beruflichen und meinem persönlichen Selbst verwischt, und das will ich mit meinem neuen Profilbild zum Ausdruck bringen. Kaum getrocknetes Haar, bequemer Pullover, zerrissene Jeans - leicht zerzaust, weil ich gerade drei Kinder für die Schule fertig gemacht habe - aber lächelnd und bereit für die Arbeit. Ich habe genug über authentische Führung gelesen und miterlebt, um zu wissen, dass es für die Karriere viel nützlicher ist, aufrichtig und verletzlich zu sein, als ein glänzendes Profilbild zu haben", schreibt sie. Unzählige positive Zuschriften bestätigen sie darin. Es scheint, dass Offenheit und Transparenz viel mehr berühren als die üblichen Versuche, den Konventionen auf Biegen und Brechen zu entsprechen.
Warum 23.000 Menschen über diese Profilbilder diskutieren, spiegel.de 28.9.20

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Was bei der Arbeit zählt, sind Beziehungen 
Mittwoch, 30. September 2020 - Lebensart, Psychologie, Arbeit, Management
Frustration oder das Gefangensein in einem Bullshit-Job ist für viele Menschen ein Problem. Andere hingegen werden angespornt davon, ihre Karriere anzutreiben. Für wieder andere ist ihr Job sogar Berufung. Die Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie Amy Wrzesniewski hat in ihren Studien herausgefunden, dass all diese Blickwinkel auf Arbeit in der Bevölkerung in etwa gleich verteilt sind, rund ein Drittel der Arbeitenden fällt in die jeweiligen Gruppen. Interessant ist dabei, dass die Haltung zur Arbeit weniger durch die Tätigkeit selbst bestimmt wird als vielmehr durch die Beziehungen, in denen die Menschen bei der Arbeit stehen. "Die entscheidende Komponente sind die Beziehungen, die Menschen zu ihrer Arbeit aufbauen. Es geht darum, wie sehr sie mit dem eigenen Wertesystem übereinstimmt und ob sie zur eigenen Identität passt. Wichtig sind auch die Beziehungen, die im Arbeitsumfeld entstehen. Kolleginnen und Kollegen, die einem das Gefühl von Gemeinschaft geben, dass man zu einer Gruppe gehört, mit der man sich identifiziert", so Wrzesniewski. Die Wissenschaft geht davon aus, dass etwa 20 Prozent unserer Lebenszufriedenheit von unserer Arbeit abhängen. Wer vor allem auf sein Einkommen fixiert ist, ist dabei deutlich unzufriedener als Menschen, die mit ihrer Arbeit auch andere Werte verbinden. Wrzesniewski sieht es gleichzeitig skeptisch, unbedingt die Arbeit zum zentralen Sinnfaktor im Leben machen zu wollen. "Ich finde es schwierig, wenn man so tut, als müsste jeder Mensch im Job seine Berufung finden. Denn das birgt ein starkes Werturteil. Es ist gar nicht möglich, dass jeder seiner Berufung nachgeht, so wie die Arbeitswelt beschaffen ist. Und selbst wenn: Wer würde sich in der Freizeit noch ehrenamtlich engagieren, wenn alle komplett in der Arbeit aufgehen? Es sind außerdem auch gar nicht alle Menschen darauf aus, ihrem Leben durch Arbeit Sinn zu verleihen. Allerdings sollten sie selbst darüber entscheiden können, ob sie einen sinnstiftenden Job machen wollen oder nicht", sagt sie.
"Arbeitslosigkeit wäre auf Dauer frustrierender als ein sinnloser Job", zeit.de 17.9.20

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Dominanz hilft nicht zwingend der Karriere 
Montag, 21. September 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Studien, Arbeit, Management
Manchmal hat man das Gefühl, dass es vor allem die harten Kämpfer sind, die irgendwann mit Sicherheit in der Führungsetage landen. Die, die ganz auf den eigenen Erfolg fixiert und deshalb alle Hebel in Bewegung setzen, um besonders erfolgreich zu sein. Vielleicht rührt dieser Eindruck daher, dass solche Egomanen meist besonders laut agieren und man sie deshalb kaum überhören oder übersehen kann. Eine Langzeitstudie der Berkeley-Universität zeigt jedoch - dieser Eindruck trügt. Die Studie hat die Lebensverläufe von 670 Universitätsabgängern beobachtet. Zum Studienbeginn wurden dabei die Persönlichkeitsmerkmale der Beteiligten erfasst. Und 10 bis 14 Jahre später betrachteten die Wissenschaftler, welche Karrieren die Professional gemacht hatten. Dabei zeigte sich: Die typischen Egomanen schaffen es zwar oft an die Spitze, aber nicht häufiger als Menschen, die sich durch eine andere Persönlichkeitseigenschaft auszeichnen. Eine Mischung aus einer gewissen Dominanz und Zielstrebigkeit, gepaart mit der Fähigkeit, Verbündete zu gewinnen, fachlicher Kompetenz und sozialer Zugewandtheit anderen gegenüber ist eine mindestens genau so gute Basis, um beruflich voranzukommen. Die Wissenschaftler erklären das damit, dass Egomanen zwar starke Kämpfer für die eigene Sache sind, aber mit ihrem Verhalten auch viele Menschen verprellen oder sogar zu Konkurrenten werden lassen, die sie bekämpfen. Immer nur die Ellbogen auszufahren, bringt also keine besonderen Vorteile.
Skrupellosigkeit macht nicht erfolgreicher, wissenschaft.de 31.8.20

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Wenn das Home Office zur Isolationsfalle wird 
Montag, 14. September 2020 - Psychologie, Arbeit, Management
Viele Menschen schätzen die Arbeit im Home Office - weil ihnen längere Arbeitswege erspart bleiben, aber auch, weil sie das Gefühl haben, ohne ständige Störungen durch die lieben Kolleg*innen produktiver zu arbeiten. Andere vermissen letzteres, weil sie diese persönlichen Kontakte vermissen. In einem Interview mit dem Harvard Business Manager warnt die Psychologin Antje Flade davor, dass das Home Office leicht zu einem Ort der Isolation werden könne. "Eine länger dauernde Verlagerung vom Büro ins Homeoffice ist aus psychologischer Sicht problematisch: Man bekommt weniger Anregungen aus der realen Außenwelt, der soziale Austausch ist reduziert, die raumzeitliche Ordnung des Wohnalltags wird überstrapaziert, und die Wohnung verliert ihre erholende Wirkung. Der Mensch stößt im Außenraum auf Fragen, die ihm sonst nicht in den Sinn gekommen wären und die ihn motivieren, sich mit weniger Ich-bezogenen Themen zu befassen. Der Erfahrungshorizont wird erweitert, das Umweltwissen vermehrt. Das Homeoffice ist im Vergleich dazu ein reizarmer Ausschnitt der Lebenswelt." Für mich klingt das fast ein wenig nach Ego-Falle und selbstinduzierter Filterblase. Und da ist natürlich etwas dran, denn man mag das Arbeiten zu Hause zwar als einen Ausdruck von Selbstwirksamkeit empfinden, aber gleichzeitig ist da auch nicht mehr als das eigene Selbst anwesend. Und in einer Kultur, die ohnehin dazu neigt, die Gemeinschaftlichkeit mehr und mehr zu vernachlässigen, kann das natürlich langfristig auch im Hinblick auf unser soziales Zusammensein insgesamt Auswirkungen haben. Flade kritisiert denn auch: "Die Vorstellung, dass das Homeoffice und seine Unabhängigkeit von festen Arbeitszeiten als Gewinn an Freiheit und Selbstbestimmung zu bewerten ist, beruht allzu sehr auf dem Trend in Richtung einer Individualisierung der Gesellschaft, die den Menschen auf die Daseinsform eines örtlich und sozial ungebundenen Einzelwesens reduziert." Gleichzeitig sollten wir aber vielleicht auch mehr darüber nachdenken, dass wir heute vor die Arbeitssphäre als primären Raum sozialer Kontakte betrachten - weil wir dort die meiste Zeit verbringen. Wir könnten ja auch damit beginnen, das hier beschriebene Problem von dieser Seite aus zu lösen - weniger Arbeit, mehr Raum für soziale Beziehungen ...
Ein reizarmer Ausschnitt der Lebenswelt, HBM 17.8.20

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Wenn der Bonus zum Schuss in den Ofen wird 
Donnerstag, 10. September 2020 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Mitarbeitern einen Bonus gewähren, wenn sie immer schön brav zur Arbeit erscheinen? Hört sich irgendwie schräg an - und kann zum Schuss in den Ofen werden. Das zeigt jedenfalls eine Studie, die untersuchte, was passiert, wenn man genau das versucht. Grundlage bildete ein reales Testszenario mit Auszubildenden im Einzelhandel. Diese konnten durch stete Anwesenheit bis zu 240 Euro oder vier zusätzliche Urlaubstage im Jahr erhalten. Um Verzerrungseffekte auszuschließen, wurde ein längerer Zeitraum betrachtet, der auch die Zeit vor dem Bonus-System und danach mit einschloss. Dabei zeigte sich: Der Motivationsanreiz kehrte sich in sein Gegenteil. Statt nun besonders auf ihre regelmäßige Anwesenheit zu achten, waren diejenigen, denen der Geldbonus angeboten wurde, nun im Schnitt alle zwei Monate einen zusätzlichen Tag abwesend. Die zusätzlichen Urlaubstage hingegen wirkten auf die Motivation zur Anwesenheit neutral. Die Forscher erklären das Ergebnis damit, dass es durch das in Aussicht gestellte Geld plötzlich keine unhinterfragte Selbstverständlichkeit mehr sei, wirklich zur Arbeit zu erscheinen. Ich habe zu dem Ergebnis noch eine andere Theorie. Fehltage durch Krankheit beispielsweise können den erwartbaren Geldsegen schon reduzieren. Hochgerechnet bedeutet die Statistik der Wissenschaftler, dass die Blaumacher im Schnitt an sechs Tagen im Jahr fehlten. Was sind schon 240 Euro mehr in der Tasche im Vergleich zu bis zu sechs Tagen mehr "Freizeit"? Ich könnte mir gut vorstellen, dass diejenigen, die mehr Urlaubstage bekamen, disziplinierter waren, weil die ihnen angebotene "Währung" eine andere war. Vielleicht sagt diese Studie nicht nur darüber etwas aus, wie sehr Geldanreize die Motivation untergraben, sondern viel mehr darüber, wie wertvoll Menschen zusätzliche freie Zeit ist?
Bonus reizt zum Blaumachen, spiegel.de 28.8.20

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