Das Glück von weniger Konsum 
Donnerstag, 17. Oktober 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Konsum ist für viele Menschen Selbstbelohnung. Sich etwas zu gönnen, macht glücklich, so die Devise. Eine amerikanische Studie zeigt nun allerdings: Weniger Konsum macht erst recht glücklich. In der Untersuchung wollten die Wissenschaftler herausfinden, ob das Konsumieren nachhaltiger, ökologischer Güter stärker auf das Wohlbefinden wirkt als wahlloser Konsum - und wie sich im Vergleich Konsumverzicht auswirkt. Für die sehr materiell eingestellten Personen unter den Probanden war "grüner" Konsum eine Alternative, ihre Konsumbedürfnisse weiterhin zu erfüllen - und Verzicht keine Option. Bei den Probanden, die sich in Konsumverzicht übten, stellte sich aber ein größeres Wohlbefinden, verbunden mit weniger Stress ein. Die Forscher deuten die Ergebnisse Studie so, dass Besitz eben immer auch Ballast bedeute und dieser verringere sich durch geringeren Konsum.
Weniger kaufen macht glücklicher, wissenschaft.de 9.10.19

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Lügen schaffen soziale Distanz 
Mittwoch, 16. Oktober 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Wer lügt, weicht der Wirklichkeit aus, doch die Wahrheit auszublenden, hat noch mehr Folgen. Eine amerikanische Studie zu Sozialverhalten zeigt: Menschen, die die lügen, tun sich schwerer damit, die emotionale Befindlichkeit anderer Menschen einzuschätzen. In verschiedenen Experimenten hatten Probanden die Möglichkeit zu lügen. Anschließend sollten sie dann in einem Test aufgrund des Gesichtsausdrucks entscheiden, in welcher inneren Verfassung andere Menschen waren. Dabei zeigte sich: Menschen, die zuvor gelogen hatten, hatten hierbei deutliche Probleme. Die Wissenschaftler glauben, dass das Lügen zu einer sozialen Distanz führe, und die klingt nach, selbst in Kontexten, in denen Verbundenheit gefragt wäre.
Die Folgen des Lügens, spektrum.de 9.10.19

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Trotzköpfe machen Karriere 
Dienstag, 15. Oktober 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Schreien, toben, wütend sein - für Kinder mit ihrem ungebremsten Elan ist das Verhalten, das ihre Eltern leicht in Sorge geraten lässt oder auch einfach nur nervt, nicht ungewöhnlich. Doch was wird aus solchen Trotzköpfen, wenn sie mal erwachsen sind? Die Bunte berichtete kürzlich über eine Studie, die Hoffnung macht. In einer Längsschnittuntersuchung wurde 59 Jahre später untersucht, was aus einer Probandengruppe trotziger Kinder geworden ist. Überraschende Erkenntnis: Je wütender als Kids, umso erfolgreicher waren die Personen als Erwachsene im Beruf. Die Psychologen deuten dies dahingehend, dass diese Charaktere später im Berufsleben mehr Engagement für die eigenen Interessen an den Tag legen. Ihre Eltern hätte sich also seinerzeit keine Sorgen machen brauchen. Aber vielleicht sollten wir uns Sorgen machen, dass ungezügeltes Verhalten anscheinend den beruflichen Aufstieg begünstigt. Das erklärt zumindest den ein oder anderen Wutausbruch in der Führungsetage. Gesund für Unternehmen muss das aber nicht sein.
Trotzige Kinder sind später erfolgreicher im Job, bunte.de 8.10.19

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Wie Innenschau beim Führen hilft 
Montag, 7. Oktober 2019 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Immer noch verbinden viele Führungskräfte die Frage der Leadership vor allem mit dem Erlernen entsprechender Skills. Der Jesuit Michael Bordt, der Kurse für angehende Leader im Alter von 20 bis 30 Jahren anbietet, nimmt eher die subtilen Dimensionen des Führens ins Visier. Ganz selbstverständlich stehen in seinen Workshops Yoga und Meditation auf dem Programm, um wach und klar in den Tag zu starten. Und viele der Übungen, die er mit seinen Teilnehmenden macht, zielen vor allem darauf ab, dass diese sich selbst besser kennenlernen - ihre tiefsten Wünsche, Sehnsüchte und Motivationen ebenso wie ihre Schattenseiten. "Im Laufe der Woche wird den Menschen immer mehr klar, weil sie immer sensibler für sich selbst werden, dass sie spüren, was das Fundament ihres eigenen Lebens ist. Und ob die Vision ihres Lebens – wie es mal gut sein soll – tatsächlich auf dem Fundament beruht, oder auf irgendwelchen gesellschaftlichen Klischees oder moralischem Druck", so Bordt in einer Sendung des Deutschlandfunks. Solche Prozesse des Tiefergehens sind nicht immer leicht, denn sie bringen auch all die äußeren Anforderungen, unter denen man steht, ans Licht. "Wer sich wirklich auf die Meditation einlässt, auf sich selbst, ist sehr schnell damit konfrontiert: Wer bin ich eigentlich wirklich? Was ist eigentlich meine Sehnsucht? Und das steht dann oft in einer sehr großen Spannung zu dem, was ein Unternehmen von einem erwartet", so Bordt. In Firmen ist Führung oft auch eine große Anpassungsleistung, denn letztlich hat jedes Unternehmen seine eigene Agenda. Spannend wird es, wenn Führende hier auch die in solchen Seminaren gemachten Selbsterkenntnisse aktiv einbringen.
Mit Meditation zum Erfolg, Deutschlandfunk 1.10.19

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Mit Unsicherheit leben 
Dienstag, 1. Oktober 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Die Suche nach Sicherheit gehört wohl zu den Grunddilemmata des menschlichen Lebens. "Im Gegensatz zum Tier hat der Mensch die Freiheit, die Zukunft zu gestalten, und das bedeutet immer eine gewisse Unsicherheit. Das ist an sich überhaupt nichts Schlimmes, problematisch ist es nur, wenn die Unsicherheit zu groß wird", sagt der Wirtschaftsethiker Martin Booms in einem Interview mit der Zeit. In Zeiten, in denen man sich nicht sicher sein kann, seinen Arbeitsplatz auch noch in ein paar Jahren zu haben, in denen Mieten ständig steigen und die soziale Verunsicherung zunimmt und im Angesicht eines Klimawandels, dessen Folgen für unsere Lebensumstände wir uns noch gar nicht vorzustellen vermögen, wird das leicht zum Problem, weil wir uns von allen Seiten überfordert fühlen. Booms rät dazu, diese Volatilität der Lebensumstände nicht nur als Bedrohung aufzufassen, sondern auch Chancen darin zu erkennen. Doch sieht er auch, dass individuelle Anstrengungen allein hier nicht ausreichen, denn wenn die äußeren Lebensgrundlagen bröckeln, wird es existenziell. "Der Einzelne allein kann das nicht tragen. In Umbruchzeiten geht es deshalb darum, Menschen nicht allein zu lassen, sondern neue gesellschaftliche Modelle von Unterstützung und Teilhabe zu etablieren. Das wird aber nur gehen, wenn wir uns vorher gedanklich frei machen und nicht aus bloßer Angst vor der Veränderung erstarren", so der Ethiker. Für ihn liegt in Ideen wie dem Grundeinkommen eine Möglichkeit, Menschen genügend Freiraum zu geben, ohne akute Bedrohungsängste immer wieder ihren Weg zu finden unter den Vorzeichen der Veränderung.
"Erst seit wir etwas haben, haben wir auch etwas zu verlieren", zeit.de 13.9.19

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Wenn Halbwissen zur Sackgasse wird 
Montag, 30. September 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
In Zeiten, in denen man nahezu alles googeln kann, wird das Gehirn faul. Ich merke oft genug bei mir selbst, wie ich mir bisweilen Details nicht mehr so gerne merke wie zu Zeiten, als einmal vergessene Informationen noch viel schwieriger wiederzuerlangen waren. Eine solche Lässigkeit im Umgang mit potentiellem Wissen kann jedoch gravierende Nachteile haben. Eine amerikanische Studie untersuchte kürzlich in Tests mit rund 3.500 Schülern, wie essentiell das Kennen von Fachbegriffen ist, um größere Zusammenhänge zu verstehen. Dabei zeigte sich, dass wenn die Schüler weniger als 60 Prozent der Schlüsselbegriffe eines Textes verstanden, sich ihnen auch der Gesamtzusammenhang kaum erschloss. Vielleicht kann man sagen, je kleiner unsere Wissensbasis ist, umso enger werden dadurch auch unsere Möglichkeiten, die Welt zu verstehen. Das mag banal klingen. Doch man kann leicht selbst an sich beobachten, ob man dazu neigt, Wissen eher zu inhalieren und sich somit eine dauerhafte Verstehensgrundlage für größere Zusammenhänge zu schaffen, oder ob man geneigt ist zu denken: "Na ja, sollte ich das noch mal wissen müssen, kann ich's ja googeln."
Halbwissen bringt nichts, spektrum.de 26.8.19

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Haben wir uns der Arbeit ausgeliefert? 
Donnerstag, 26. September 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Wissenschaft, Arbeit
Ein Beitrag meines Lieblingssoziologen Hartmut Rosa in der NZZ hat mich schwer zum Nachdenken gebracht. Rosa beschreibt darin ausführlich, warum die Arbeitswelt heute für die meisten Menschen einer der wichtigsten, wenn nicht gar der wichtigste Resonanzraum ist. "Tatsächlich bildet insbesondere in der modernen Gesellschaft Arbeit nicht nur eine Resonanzachse, sondern sie stellt eine zentrale Resonanzquelle dar, in der sich eine Vielzahl von Resonanzachsen wie in einem Brennglas bündeln. Wir begegnen nämlich nicht nur der stofflich-materiellen, widerständigen Welt, an der wir unsere Selbstwirksamkeit entfalten, sondern immer auch anderen Menschen als Kollegen und/oder als Kunden beziehungsweise Klienten, und die überwältigende Mehrzahl von Arbeitenden entwickelt über die Zeit hinweg deshalb intensive soziale Resonanzbeziehungen am Arbeitsplatz: Die Kollegen sind uns nicht gleichgültig, sie berühren uns in ihrem Handeln und Leiden, und wir erfahren uns als selbstwirksam verbunden, wenn wir feststellen, dass wir auch ihnen etwas bedeuten", so Rosa. Die Bedeutsamkeiten und Beziehungen, die uns hier entgegenkommen, mögen uns im Leben tragen. Aber sie verbinden uns auch mit Systemen, die uns oft alles andere als gut tun. Noch kritischer finde ich aber, dass Arbeit heute auch die Sinndimension immer mehr einzunehmen scheint. "Über ihre Arbeit fühlen sich Menschen auch existenziell oder vertikal mit dem Ganzen der Gesellschaft, der Welt oder des Lebens verbunden. Ich nenne das die vertikale oder existenzielle Resonanzachse: Menschen brauchen und suchen nach einer Bestätigung oder einem Sinn dafür, dass sie mit dem Urgrund der Existenz und zugleich mit der Totalität des Daseins verbunden sind, und zwar so verbunden, dass ihr Dasein und ihr Handeln, ihre Existenz nicht spurlos vorübergeht, nicht wirkungslos und bedeutungslos bleibt. Menschen müssen sich einerseits als wirksam und andererseits als «gemeint», als «adressiert» erfahren können. In der Berufsarbeit können sich Menschen ihres resonanten In-der-Welt-Seins auf unmittelbar leiblich-materielle, auf sinnlich erfahrbare Weise vergewissern: In ihrem Arbeiten wirken sie auf die Welt ein und transformieren sie – und sei es «nur» das Regal im Supermarktlager –, und im Lohn- oder Gehaltszettel erfahren sie die nährende Antwort", so Rosa. Das finde ich eine bedenkliche, ja schmerzhafte Entwicklung. Ich glaube, leider, dass Hartmut Rosa hier ein sehr guter Beobachter der Verhältnisse unserer Zeit ist. Aber ich würde mir wünschen, dass wir wieder andere existenzielle Resonanzräume für uns entdecken und beleben, die nicht schon per se in die Funktionalismen des Leistens eingebunden sind.
In der Arbeit finden wir die Welt, NZZ 16.9.19

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Special zu Achtsamkeit in der Apotheken Umschau 
Mittwoch, 25. September 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Woran erkennt man, dass ein Thema in der breiten Bevölkerung ankommt? Die Apotheken Umschau hat kürzlich ein langes, langes Special zu Achtsamkeit veröffentlicht - wieder ein Indiz mehr, dass Meditieren immer weitere Schichten der Gesellschaft erreicht. Das Special gibt einen sehr guten Überblick über den Forschungsstand, lässt Wissenschaftler, Therapeuten und Praktiker zu Wort kommen und gibt Empfehlungen, wie man mit dem Meditieren anfangen kann. Eine Artikelempfehlung für Menschen im eigenen Bekanntenkreis, die Achtsamkeit bisher eher als esoterischen Humbug betrachtet haben. Ich finde es bemerkenswert, dass ein Blatt wie die Apotheken Umschau, das von Apotheken zur Kundenbindung gekauft und verteilt wird, weil sie ihre Produkte besser verkaufen möchten, sich einem Thema widmet, dessen Kern unverkäuflich ist. Gratulation!
Meditation: Gesund durch Achtsamkeit, Apotheken Umschau 16.9.19

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