Aufmerksamkeit ist ein Politikum 
Montag, 18. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Der Achtsamkeits-Hype lässt immer mehr Menschen darüber nachdenken, wie sie im Alltag ein bisschen mehr entspannen und ihre Resilienz fördern können. Womöglich gehen individuelle Initiativen aber an den eigentlichen Herausforderungen vorbei. Die Autorin Lisa Herzog jedenfalls findet, dass Aufmerksamkeit eigentlich ein Politikum ist. In der Zeit schreibt sie: "Die Verantwortung wird dem einzelnen Individuum zugeschoben. Wer heute sein Humankapital optimal vermarkten will, hat eben auch die eigene Aufmerksamkeit und Erholung selbst zu managen! Aufmerksamkeit – und damit auch ihre digitalen Feinde – sind aber keine rein individuelle Angelegenheit, sondern eine gesellschaftliche, und, in gewissem Rahmen, auch eine politische." Einerseits deutet sie darauf, dass immer mehr vor allem digitale Geschäftsmodelle unsere menschliche Aufmerksamkeit kommerzialisieren. Das mache es schwer, noch wirklich persönliche Lebensentwürfe zu entwickeln. Darüber hinaus würden die Aufmerksamkeitsräume zunehmend privat, beispielsweise wenn ich meditiere oder ich dafür sorge, dass ich nicht durch mein Handy gestört werden. Herzog findet, es fehlen heute zunehmend Räume einer geteilten Aufmerksamkeit, solche, in denen beispielsweise auch "spontane Begegnungen mit anderen Menschen stattfinden können". Sie fragt: "Wer weiß, wie viele andere Veränderungen möglich würden, wenn durch ein bisschen weniger digitalen Aufmerksamkeitsklau neue Freiräume für das Weiterdenken spontaner Ideen oder für neue Begegnungen mit Mitmenschen entstünden!" Es geht ihr um mehr als nur ein bisschen mehr Miteinander, denn mit der Frage, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten und mit wem wir sie teilen, ist sehr Grundsätzliches verbunden. "Was dabei auf dem Spiel steht, ist die Art und Weise, wie wir arbeiten, aber auch, wie wir leben, in einem sehr existenziellen Sinn", so Herzog.
Für Ihre Erholung müssen Sie schon selbst sorgen!, zeit.de 31.10.19

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Verbote sorgen für seelische Entlastung 
Mittwoch, 13. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
In der Klimadiskussion geraten die Befürworter von Verboten und die Verfechter der Freiheit immer wieder aneinander. Der Kölner Psychologe Stephan Grünewald findet: Verbote machen uns das Leben leichter. "Überall, wo die Gesellschaft für Verhaltensänderungen auf Freiwilligkeit und Gebote mit bloßem Empfehlungscharakter setzt, führt das dazu, dass sich die Menschen dauernd selber in den Hintern treten müssen. Dann doch lieber eine klare Ansage, an die sich alle halten müssen. Psychologisch tragen Verbote somit dem Wunsch nach Entlastung Rechnung", sagt er. Hinzu komme, dass insbesondere in Fragen des Klimawandels immer mehr Bürger*innen das Gefühl hätten, dass die Industrie Narrenfreiheit genieße, während sie selbst - siehe die Diskussionen über Fleischkonsum oder Dieselautos - sich beschränken sollen. Mehr Verbote, die die Lage grundsätzlich justieren, könnten hier auch ein Ausdruck von Gerechtigkeit sein, so Grünewald. Der Markt- und Sozialforscher möchte damit allerdings nicht einem alles regulierenden Staat das Wort reden, sieht jedoch durchaus auf der psychologischen Ebene auch ein Bedürfnis vieler Menschen, einer "entfesselten Beliebigkeit" zu entkommen.
Die neue Lust am Verbot

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Schüchtern und zufrieden in der Natur 
Montag, 11. November 2019 - Lebensart
Sie sind eher schüchtern, hängen oft in der Sauna ab und im zweiten Jahr in Folge die glücklichste Nation der Welt. Die Rede ist von den Finnen und bescheinigt wird ihnen ihr Glück vom World Happiness Report. In einem Bericht des Deutschlandfunks wird deutlich, was eine mögliche Quelle dieser tiefen Zufriedenheit ist: die Natur. "Es mag sich vielleicht nach einem Klischee anhören, aber unsere Naturverbundenheit spielt eine große Rolle. Egal, was du machst, egal, wo du lebst: Innerhalb kürzester Zeit bist du draußen. In der Natur. Kannst abschalten", erklärt ein Finne in dem Beitrag. Und viele der weiteren befragten Vorzeige-Finnen stimmen ihm hier zu. Ich frage mich, ob das nur persönliches Empfinden ist, oder ob es nicht auch eine Rolle spielt, dass die Finnen sich hier kulturell sehr einig sind, denn neben dem Saunabesuch scheint das Draußensein für viele Finnen eine wesentliche Rolle zu spielen. Vielleicht bringt es insgesamt mehr Balance in ein kulturelles Feld, wenn man nicht allein immer wieder im Alltag nach kleinen Auszeiten suchen muss, sondern wenn dieses Relaxen fester Bestandteil einer gemeinsamen Kultur ist.
Das glücklichste Land der Welt, Deutschlandfunk 4.11.19

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Klimawandel: Erst mal fragen, was ist denn ein gutes Leben 
Freitag, 8. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart
Die Frage, welche Verhaltensänderungen in nahezu allen Alltagsgewohnheiten nötig sind, um die katastrophalen Folgen des Klimawandels wenigstens ein wenig abzumildern, beschäftigen Politik, Medien und Bürger*innen vor allem in den letzten Wochen in besonderem Maße. Das Schwierige an unserer Lage weltweit: Wir werden um Einschnitte in unserer Lebensführung nicht herumkommen. Doch die Diskurswelt, in der wir leben, ist eine, die uns zutiefst verinnerlichen lässt, dass dies vor allem "Verlust" bedeutet. "Dieses Denken vom Wachstum hier, überall und in jeder Bevölkerungsgruppe, beruht darauf, dass es als politisch nicht durchsetzbar oder auch nur denkbar gilt, dass jemand etwas von dem wieder abgibt, was er oder sie schon hat. Nie wird infrage gestellt, wie sich Menschen denn eigentlich sicher versorgt fühlen. Aber das Unsicherheitsgefühl wird immer mit so einer Rhetorik von »es wäre dann schlechter als heute« angeworfen", kritisiert die Expertin für Nachhaltigkeitspolitik und Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) in der taz. Für Göpel ist es an der Zeit, statt mit Verlustängsten zu ringen, besser wesentliche Fragen zu stellen: "Ich glaube, es ist im Moment ein Fenster da, über tiefere Fragen nachzudenken: »Worum geht es denn eigentlich? Was macht ein gutes und sinnvolles Leben aus? Warum machen wir jeden Tag das, was wir tun?« Das ist neu und entstanden durch diese vielen Demonstrationen und die klaren Forderungen gerade der jungen Leute von Fridays for Future." Für sie ist auch klar, dass systemische Probleme auch auf einer systemischen Ebene gelöst werden müssten: "Meine Alltagspraxis ist in eine Struktur eingebaut, die mich in Richtung Zerstörerseite drückt. Ich glaube, viele Verbote würden sehr viele Menschen jetzt einfach mal befreien. Zu wissen, dass nicht nur ich mich einschränke, sondern dass es alle tun. In vielen Umfragen ist das genau der Punkt: Warum soll ich das tun und die anderen machen es im Zweifel nicht und haben dadurch noch mehr Planet zur Verfügung?"
Verbote können Menschen befreien, taz

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Schüchtern und glücklich in der Natur 
Donnerstag, 7. November 2019 - Lebensart
Sie sind eher schüchtern, hängen oft in der Sauna ab und im zweiten Jahr in Folge die glücklichste Nation der Welt. Die Rede ist von den Finnen und bescheinigt wird ihnen ihr Glück vom World Happiness Report. In einem Bericht des Deutschlandfunks wird deutlich, was eine mögliche Quelle dieser tiefen Zufriedenheit ist: die Natur. "Es mag sich vielleicht nach einem Klischee anhören, aber unsere Naturverbundenheit spielt eine große Rolle. Egal, was du machst, egal, wo du lebst: Innerhalb kürzester Zeit bist du draußen. In der Natur. Kannst abschalten", erklärt ein Finne in dem Beitrag. Und viele der weiteren befragten Vorzeige-Finnen stimmen ihm hier zu. Ich frage mich, ob das nur persönliches Empfinden ist, oder ob es nicht auch eine Rolle spielt, dass die Finnen sich hier kulturell sehr einig sind, denn neben dem Saunabesuch scheint das Draußensein für viele Finnen eine wesentliche Rolle zu spielen. Vielleicht bringt es insgesamt mehr Balance in ein kulturelles Feld, wenn man nicht allein immer wieder im Alltag nach kleinen Auszeiten suchen muss, sondern wenn dieses Relaxen fester Bestandteil einer gemeinsamen Kultur ist.
Das glücklichste Land der Welt, Deutschlandfunk 4.11.19

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Unmittelbare Bedürfnisbefriedigung hat oft gute Gründe 
Donnerstag, 7. November 2019 - Lebensart, Psychologie, Studien
Jetzt sparen und an später denken oder das Stück Kuchen lieber liegen lassen, um nicht dick zu werden? Das Aufschieben der Befriedigung von Bedürfnissen oder gar der gänzliche Verzicht werden gerne mit innerer Stärke gleichgesetzt und mit intelligenter Lebensplanung. Doch unter bestimmten Umständen kann es vielleicht klüger sein, sich unmittelbar etwas zu gönnen. Eine neue Studie zeigt: Menschen ziehen kurzfristige Vorteile vor allem dann vor, wenn sie glauben, dass ihre Situation in der Zukunft ungünstiger sein wird. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass es aus der Sicht von sozial schlechter Gestellten oft sehr sinnvoll erscheint, das bisschen Geld, das sie haben, gleich auszugeben, oder früher Kinder zu bekommen. Denn wenn das eigene Leben als sehr fragil empfunden wird und die Zukunftsaussichten als wenig rosig, weiß man zumindest im Moment, was man hat.
Was vernünftig ist, ist relativ, spektrum.de 28.10.19

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Haben Sie noch ein Gespür für Ihre "Naturzeit"? 
Mittwoch, 6. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Wann wir morgens aufstehen oder abends ins Bett gehen, ist uns oft von äußeren Faktoren vorgegeben, bei denen, die einer Arbeit nachgehen, vor allem von den regulären Arbeitszeiten. Wir mögen uns daran stoßen, dass wir morgens vielleicht noch nicht so recht wach sind oder, wenn wir zu den Frühaufstehern gehören, Meetings am frühen Abend lieber vermeiden, aber meist sind wir uns nicht bewusst, was diese Fremdtaktung wirklich für Körper, Geist und Seele bedeutet. Wir hechten einfach einer Anforderung nach der anderen hinterher. "Der menschliche Körper ist ein rhythmisches Instrument. Er repräsentiert Zeit, indem er mir anzeigt, wann ich aufnahmefähig und aktiv bin und wann müde. Die Uhr ist hingegen ein Taktinstrument und die Umstellung auf die Winterzeit bringt uns sozusagen aus dem Takt. Man könnte sie aber auch als eine Chance sehen, um wieder in den natürlichen Rhythmus zu kommen, den wir in den vielen Jahren, in denen wir nach der Uhr gelebt haben, verlernt haben", erlärtt der Zeitforscher Karlheinz Geißler in einem Interview mit der SZ. Doch selbst, wenn vieles an unserem Tagesrhythmus von außen vielleicht vorgegeben ist, können wir immer noch auf der Mikroebene wieder sensitiver werden für die Feinheiten unseres ganz persönlichen Zeitempfindens. Ein kleines Nickerchen, wenn man zwischendurch müde wird, kann da ebenso helfen, wie die Mahlzeiten auf Phasen zu verschieben, in denen man wirklich hungrig ist. Auch mit dem Schlafengehen ist das so eine Sache. Mal Hand aufs Herz - gehen Sie abends immer zeitnah ins Bett, wenn Sie sich müde fühlen? Oder ist der Krimi im Spätprogramm dann gerade so spannend, dass es noch ein halbes Stündchen länger sein muss ...Karlheinz Geißler rät dazu, sich mehr auf die Zeit der eigenen Natur zu fokussieren, denn: "Wenn ich von der Uhrzeit zur Naturzeit komme - also zu einem Rhythmus, der von meiner eigenen inneren Natur ausgeht oder der äußerlichen Natur - dann ist die Chance am größten, dass ich zufrieden bin."
"Den Einfluss der Uhr zurückdrehen", SZ 26.10.19

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Die Schattenseite der Positiven Psychologie 
Dienstag, 5. November 2019 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, weiß der Volksmund. Die so genannte Positive Psychologie befeuert diesen Gedankengang. Unzählige Selbsthilfebücher weisen uns den Weg in ein glücklicheres Leben. Doch geht es hier längst nicht allein um unser privates Wohlergehen. Eher um ein Politikum. Das meint zumindest die Soziologin Eva Illouz. In einem Interview mit der NZZ deutet sie darauf, wie diese Fokussierung auf das Positive und die Betonung von Selbstverantwortlichkeit uns aus größeren Zusammenhängen herauslösen und anfällig machen für Manipulation. "Viele Arbeitgeber nutzen Methoden der Positiven Psychologie. Es ist ein effektiver Weg, um Leute zu kontrollieren und sie produktiver zu machen. Wenn die Leute für sich selbst und für alles verantwortlich gemacht werden, gibt es keinen Grund, warum sie bessere Arbeitsbedingungen fordern sollten", erklärt sie. Ähnlich kritisch sieht sie die sich wandelnde Rolle des Staates in diesem Spiel, denn privatisierte Glücksverantwortlichkeit führe da leicht in eine Selbstisolation: "Der Staat spielt nicht länger die Schlüsselrolle, indem er die Bürger befähigt, ihr Glück zu suchen, wie es in der amerikanischen Verfassung steht, sondern die Bürger müssen das allein tun, wie wenn kein Kontext und keine Institutionen existieren würden. Dieser Ansatz ist sehr erfolgreich und beeinflusst auch die Politik." Hinzu komme, dass der inhärente Zwang zum positiven Denken auch in eine seelische Abwärtsspirale münden könne: "An der Positiven Psychologie kritisiere ich, dass sie dazu führt, dass man sich für negative Gefühle schämt. Depression, Wut und Angst werden zu Gefühlen von Verlierern. Den Leuten wird vermittelt: Wenn ihr verletzt werdet, stimmt etwas nicht mit euch. Ihr müsst die Bedingungen eurer mentalen Gesundheit selbst schaffen. Glückspsychologie schafft ein neues Erfolgsmodell, das von der Fähigkeit zu positivem Denken abhängt." Interessant am Gesamtbild ist, wie man hier sehen kann, dass die positiven Seiten der Individualisierung so leicht in ihr Gegenteil kippen können.
"Glück ist ein Statussymbol geworden", NZZ 25.10.19

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