Krise als Chance zum Aufbruch 
Freitag, 13. November 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit, Management
Für den DIW-Ökonom Marcel Fratscherzer ist schon lange klar, dass der Neoliberalismus und der freie Markt die Unwuchten unserer Gesellschaft nicht regeln werden. In der aktuellen Krise sieht er auch die Chance für einen nachhaltigen Wandel: "Die Krise ist eine Chance. Es ist übrigens für die Vergangenheit wissenschaftlich belegt, dass Krisen häufig zu einem neuen Bewusstsein führen: Dass sie den Menschen bewusst machen, was ihnen wichtig ist, und dadurch Veränderung ermöglichen." In seinem neuen Buch fragt er deshalb: "Wie kann und muss sich unsere Gesellschaft verändern, um die Herausforderungen der Coronapandemie bewältigen?" In der Diskusison um systemrelevante Berufe werde beispielsweise deutlich, wie verquer bisher unser Verständnis von Leistung ist. "Es ist jetzt vielen bewusst geworden, dass wir in Zukunft anders über Leistung sprechen müssen. Seit Jahren heißt es, wir müssen die Leistungsträger entlasten, gemeint waren Menschen mit hohen Einkommen. Die Coronakrise macht uns bewusst, wie verquer diese Diskussion ist. Heute zeigen Umfragen, dass die meisten Menschen mittlerweile sagen, echte Leistungsträger sind Menschen, die in Krisenzeiten, wenn es darauf ankommt, für andere da sind", erklärt er. Für ihn liegt ein mögliches Learning aus der Krise darin, die Beziehung zwischen Staat und Wirtschaft neu zu definieren: "Nach dreißig Jahren verschiedener Krisen, inklusive der globalen Finanzkrise 2008, die ja letztlich auch durch dieses neoliberale Dogma verursacht wurde, dass Märkte sich selber regulieren können, brauchen wir eine neue, kluge Balance zwischen Staat und Markt."
„Niemand sagt nun: Der Staat ist das Problem“, Der Freitag 44/2020

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Gehetzte Chefs, frustrierte Mitarbeiter 
Donnerstag, 12. November 2020 - Studien, Arbeit, Management
Immer unter Strom und ständig auf dem Sprung - nicht wenige Führungskräfte folgen diesem Selbstbild. Und sie wirken auch so auf andere, was für die Situation im Unternehmen eher kontraproduktiv ist. Eine Studie, für die 60 Führungskräfte und 277 ihrer direkten Mitarbeiter befragt wurden, legt nahe, welche Nachteile mit der hektischen Grundhaltung der Führenden verbunden sind. Sie neigen nämlich in der Erfahrung ihrer Untergebenen dazu, sie zu scheuchen, selten zu Wort kommen zu lassen und ihre Ideen abzulehnen. Insbesondere, wenn Vorgesetzte sich bewundert und respektiert fühlen, legen sie solche Verhaltensweisen laut Studie an den Tag. Ihr Wunsch nach schnellen Ergebnissen ohne viele Diskussionen vergiftet jedoch das Arbeitsklima und erzeugt bei den Mitarbeitern oft unnötigen Druck und Frustration. Die Studie empfiehlt, Vorgesetzte durch gezielte Trainings dafür zu sensibilisieren, welchen Schaden sie mit einem solchen Führungsstil anrichten und wie sie einen besseren entwickeln können.
Gehetzte Chefs schaden der Firma, FAZ 4.11.20

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Keine Lust auf Chef-Sessel 
Montag, 9. November 2020 - Studien, Arbeit, Management
Die Pandemie scheint vielen Menschen die Lust auf eine berufliche Karriere zu nehmen. Eine Repräsentativbefragung im Auftrag der "Initiative Chefsache" zeigt, wie die Ambitionen des beruflichen Aufstiegs in den letzten Monaten gebröckelt sind. Befragt wurden jeweils mehr als 1.000 Arbeitnehmer zu drei Zeitpunkten - im Januar vor Beginn der Pandemie, im April nach dem ersten Lockdown sowie im September. Im Januar gaben noch 46 Prozent der Befragten an, eine Führungsposition anzustreben. Gegenwärtig sind es gerade einmal noch 14 Prozent. Mit der Pandemie haben sich auch die Arbeitsgewohnheiten und damit die -wünsche verändert. 81 Prozent der Befragten gaben im September an, auch künftig die Möglichkeit nutzen zu wollen, von zuhause aus zu arbeiten. Die Hälfte plädiert für ein Recht auf Home Office. Und 45 Prozent gaben an, künftig mehr als die Hälfte ihrer Arbeitszeit daheim verbringen zu wollen.
Chef sein? Och nö..., Manager Magazin 19.10.20

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Die lieben Banker und das Vertrauen 
Dienstag, 3. November 2020 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Die großen Finanzskandale der letzten Jahre haben nicht nur immer wieder Schlaglichter auf das Finanzwesen als Branche geworfen, sondern auch auf die Menschen, die hier tätig sind. Forscher der Universität Mainz sind der Frage nachgegangen, ob der Bankensektor vielleicht Menschen eines bestimmten Schlages besonders anzieht. Dazu befragten sie 2013 an der Universität Frankfurt 265 Wirtschaftsstudierende nach ihren Berufswünschen, sozialen Präferenzen und Persönlichkeitsmerkmalen. Außerdem testeten sie in einem Experiment die Vertrauenswürdigkeit der Studierenden. In den Jahren 2019 und 2020 führten die Wissenschaftler mit ihren Probanden, die nun größtenteils im Berufsleben standen durch, um zu erfahren, wo sie gelandet waren. Dabei zeigte sich: Jene, die einen Beruf in der Finanzbranche gewählt hatten, waren zugleich diejenigen, welche bei dem früheren Experiment eher weniger Vertrauenswürdigkeit bewiesen hatten. Aus dieser überschaubaren Untersuchung lassen sich zwar keine Rückschlüsse darauf ziehen, dass Banker generell nicht vertrauenswürdig sind. Die Wissenschaftler sehen aber für das Bankwesen durchaus die Frage, ob es sich nicht lohnen könnte, mehr zu reflektieren, warum diese Menschen besonders vom Sektor angezogen werden - und wie man hier vielleicht andere Voraussetzungen schaffen könnte.
Haben Banker zu Recht einen schlechten Ruf?, FAZ 21.10.20

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Home Office - verbarrikadieren in der kleinen Privatwelt? 
Mittwoch, 28. Oktober 2020 - Lebensart, Arbeit, Management
Die Corona-bedingten Zeiten im Home Office haben bei manchen Arbeitenden Begehrlichkeiten geweckt. Für sie hat das Arbeiten von zu Hause einige Entlastung gebracht. Keine zeitraubenden Wege ins Büro mehr, keine ständigen Unterbrechungen, keine nervigen Kollegen. Arbeiten daheim ist einfach wunderbar bequem. Doch es gibt auch andere Perspektiven. FAS-Autor Rainer Hank beispielsweise hält in einer Kolumne gar nichts von "Remote im Reihenhaus". Nicht, weil Chefs dann keine Kontrolle mehr haben, sondern weil er Eintönigkeit befürchtet. Für Hank ist das Sich-Verbarrikadieren in den eigenen vier Wänden ein Rückfall hinter historische Errungenschaften, denn das Arbeiten außer Haus hat ein Privatleben, wie wir es heute kennen, überhaupt erst möglich gemacht. Home Office wäre damit ein Rückfall in eine vormoderne Welt. Ich finde seine Einwände aus einem anderen Grund bedenkenswert. Zuhause mag es gemütlicher sein als im Office. Und ruhiger vielleicht auch. Doch macht das Arbeiten daheim auch die Welt als solche kleiner. Denn das "richtige" Leben ist immer auch eines mit anderen Menschen. Vielleicht sollten wir eher überlegen, statt in Büros zu sitzen, wechselnde Orte aufzusuchen. Und damit meine ich nicht hippe Coworking-Spaces oder Starbucks. Sondern Orte, an denen uns das Leben der anderen - für die wir ja nicht zuletzt arbeiten - wieder gegenwärtiger wird.
Für immer Homeoffice?, FAZ 19.10.20

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Narzissmus geschickt aushebeln 
Freitag, 23. Oktober 2020 - Psychologie, Arbeit, Management
Narzissten lässt man am besten links liegen, denn gegen ihr Naturell ist kaum ein Kraut gewachsen. Doch im Job lassen sich solche Zeitgenossen nicht so leicht umschiffen. Doch mit ein bisschen Wachsamkeit kann man ihnen zumindest den Wind etwas aus den Segeln nehmen. In Capital rät die Psychologin Bärbel Wardetzki, die eigenen Reaktionsmuster bewusst zu durchleuchten, um Narzissten nicht in die Hände zu spielen. "Das erste ist, sich im seelischen Erleben so unabhängig wie möglich zu machen, auch wenn eine materielle Abhängigkeit besteht. Wenn wir beispielsweise wissen, welche narzisstischen Bedürfnisse der Chef für uns erfüllen soll, können wir ihre Befriedigung woanders suchen und müssen uns nicht weiter seiner Macht ausliefern", sagt sie. Da offene und emotional tragfähige Beziehungen zu Narzissten eher selten sind, rät die Psychologin auch, von ihnen keine Wertschätzung zu erwarten, um sich ihnen nicht auszuliefern. Narzissten mögen ein Problem sein, aber mit dem rechten Maß an Selbstverantwortung nehme man ihnen die Macht: "Je autonomer und selbstbestimmter wir auftreten und für uns einstehen, umso besser können wir unsere Arbeit und unser Leben nach unseren Vorstellungen und Wertmaßstäben ausrichten. Das aber bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und nachzudenken, statt sich manipulieren zu lassen."
Wie Sie sich mit narzisstischen Chefs arrangieren, capital.de 10.10.20

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Unternehmen, die sich selbst gehören 
Freitag, 16. Oktober 2020 - Arbeit, Management
Unternehmen sind nicht nur wesentlich als Arbeitgeber und die Institutionen, die uns mit allem versorgen, was wir zum Leben brauchen. Sie sind durch den Kapitalmarkt auch leicht Spekulationsobjekte. Diese Dynamik möchte eine neue Initiative durchbrechen, die sich dafür einsetzt, dass Firmen künftig auch sich selbst gehören können. Sie möchte eine neue Rechtsform schaffen, die sogenannten Verantwortungseigentumsgesellschaft, abgekürzt VE-GmbH. Ihre rechtliche Grundlage sieht vor, dass die jeweiligen Firmeneigentümer nur Treuhänder sind, die sich kein Unternehmensvermögen mehr auszahlen können. Gewinne sollen verpflichtend im Unternehmen verbleiben. Und wer Anteile an der Firma hält, darf sich lediglich eine angemessene Vergütung ausbezahlen. Die Idee dahinter: Ein schnelles Abkassieren von Unternehmen zu verhindern und ihre Werte über lange Zeiträume sicherzustellen. Gleichzeitig könnte die Rechtsform das Vertrauen von Kunden und Mitarbeitern stärken. Der Vorschlag der Initiative, die von bisher 600 Unterzeichnern unterstützt wird, liegt nun der Politik zur Prüfung und bestenfalls Umsetzung vor. Befürworter sehen darin einen wichtigen Schritt, die soziale Marktwirtschaft zu stärken. Kritiker weisen darauf hin, dass es bereits durch die Gründung von Stiftungen möglich sei, solche Konstruktionen zu verwirklichen. Für die Initiatoren der neuen Initiative steht im Vordergrund, dass ihr Modell diesen Weg auch kleineren Unternehmen mit wesentlich geringerem Aufwand eröffnen würde.
Diese Unternehmens-Idee soll die soziale Marktwirtschaft retten, welt.de 7.10.20

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Diversity ist gut für Innovationen und den Profit 
Freitag, 9. Oktober 2020 - Bewusstsein, Wissenschaft, Arbeit, Management
Diversity rockt, könnte man sagen, wenn man sich die verschiedenen Studien ansieht, die erforschen, was die Leistungsfähigkeit von heterogenen Arbeitnehmerschaften von der eher uniformer Belegschaften unterscheidet. Laut McKinsey beispielsweise erhöht sich die Wahrscheinlichkeit überdurchschnittlicher Profitabilität um 25 Prozent, wenn ein Unternehmen eher divers aufgestellt ist. Und die Boston Consulting Group hat festgestellt, dass in Unternehmen mit diversen Team 45 Prozent des Umsatzes durch Innovationen reinkommen, während es in Firmen, in denen hauptsächlich weiße, männliche Teams arbeiten, lediglich 26 Prozent sind. Auch in Krisenzeiten bewährt sich Diversität, denn divers besetzte Führungsteam wirtschaften nachhaltiger und führen besser, so eine Untersuchung des Karriereportals Stepstone.
Vielfältige Teams machen Unternehmen profitabler, WiWo 1.10.20

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