Eigeninitiative will gelernt sein 
Freitag, 22. Mai 2020 - Arbeit, Management
Neue Arbeitsmodelle waren schon vor Corona für viele ein Thema. Durch die Krise scheinen die Innovatoren, die schon seit Jahren mit alternativen Führungsmodellen experimentieren, nun bestätigt zu werden. Die Zeit sprach mit der Betterplace-Gründerin Joana Breidenbach, über das Zusammenspiel digitaler Innovationen und sozialer Ideen. Breidenbach schaffte ihren Führungsjob in ihrem Think Tank betterplace lab schon vor einigen Jahren ab. In ihren Projektteams werden die Führungsaufgaben sehr konkret vergeben und immer wieder aufs Neue. So ist es nicht ungewöhnlich, wenn eine Junior-Mitarbeiterin ein Projekt leitet und die einstige Chefin ihr zuarbeitet. "Wir machen alle gemeinsam die Jahresplanung und verhandeln unsere Gehälter untereinander. Jeder führt Bewerbungsgespräche und stellt neue Kollegen ein. Und vor allem kann jeder selbst bestimmen, an welchem Projekt er mitarbeiten will, wie viel und von wo", erklärt Breidenbach. Ihre Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass dies ein Lernweg ist, der sich nicht theoretisch definieren lässt. "Es braucht Zeit. Unsere Gesellschaft ist nicht darauf angelegt, dass Menschen Eigeninitiative ergreifen. Denn das bedeutet nicht nur Freiheit, sondern auch Risiko. Die Kompetenz dazu muss man gemeinsam mit den Mitarbeitern entwickeln. Dabei ist der Prozess der Persönlichkeitsbildung wichtiger als die konkrete Umstellung im Unternehmensaufbau. Anfangs wollten viele ständig die Kollegen im Team nach ihrer Meinung fragen und alles basisdemokratisch abstimmen, aber so kommt man nicht voran. Die Leute müssen wissen, was sie bewegt und was sie mit ihrer Idee erreichen wollen."
"Die Post-Corona-Welt kann menschlicher und nachhaltiger sein", zeit.de 13.5.20

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Warum Führungskräfte bedingungslos lieben sollten 
Mittwoch, 20. Mai 2020 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Mit dem Achtsamkeits-Trend sind nicht nur populäre Verflachungen von Meditation verbunden. Die neue Offenheit in Unternehmen gegenüber der Bewusstseinsdimension fördert auch immer Programm zutage, die auf Tiefe setzen. Der Mediziner Ramaswami Balasubramaniam verbindet in seinen Trainings für Führungskräfte Spiritualität und Neurowissenschaft, ganz ohne Bypass. Einer seiner Tipps für Führungskräfte: "Üben Sie, bedingungslos zu lieben. Heutzutage ist alles eine Transaktion. Können wir eine oder zwei Stunden die Woche damit verbringen, anderen einen Dienst zu erweisen, ohne etwas zu erwarten - nicht mal Anerkennung? Emotionale Gesundheit bedeutet, Mitgefühl mit sich und anderen zu lernen." Meditation und Yoga sind für ihn selbstverständlicher Teil seiner Schulungen, aber er macht auch die Erfahrung, dass Führungskräfte viele konkrete Hilfestellungen brauchen, um sich in der Tiefe weiterzuentwickeln. "Sehr oft fehlt es den Personen an Vertrauen in ihre eigenen Kompetenzen. Gleichzeitig könne sie ihre Inkompetenzen nicht akzeptieren. Es herrscht eine große Angst vorm Scheitern. Ich versuche ihnen die Fähigkeit zu vermitteln, sich selbst anzunehmen. Ihnen zu versichern: Es ist okay zu scheitern, es ist okay verletzbar zu sein. Die beste Art mit Unsicherheit umzugehen ist, sie anzunehmen. Wenn ich eingestehe, was ich nicht weiß, öffne ich mich neuen Möglichkeiten. Das bedeutet auch, zu erkennen: Ich muss nicht für jedes Problem eine Lösung haben. Es gibt mir die Freiheit, die eigentliche Ursache zu finden. Ich kann dann andere mobilisieren, die helfen könnten", so Balasubramaniam.
Erleuchtete Spitze, spiegel.de 6.5.20

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Geld allein ist nicht der Punkt 
Dienstag, 19. Mai 2020 - Psychologie, Studien, Arbeit
Das zweijährige Experiment der finnischen Regierung, Arbeitslosen ein Grundeinkommen in Höhe von 560,- Euro auszuzahlen, wurde inzwischen fertig ausgewertet. Die ersten Eindrücke mögen ernüchternd sein, denn die Effekte im Hinblick auf eine Verbesserung der Arbeitsmarktteilhabe der Teilnehmenden waren gering. Als wesentlich erachtet Projektleiterin Marjukka Turunen, dass das Geld den Betroffenen Sicherheit gegeben und zu emotionaler Entlastung beigetragen habe. Auch soziale Effekte waren messbar. So leisteten die begünstigten während des Experiments doppelt so viel Freiwilligenarbeit und auch andere unbezahlte Tätigkeiten wie die Betreuung von Angehörigen erweiterten die Empfänger um ein gutes Drittel. Im konventionellen Arbeitsmarktdenken mögen diese Entwicklungen nicht bedeutsam erscheinen. Aber sie zeigen, dass Menschen bereit sind, sich zu engagieren (also zu arbeiten), wenn keine großen finanziellen Sorgen auf ihnen lasten. Vielleicht sollte wissenschaftlich viel mehr erforscht werden, was der mit unseren Arbeitssystemen oft verbundene Druck verhindert statt möglich macht. Dann sehen wir vielleicht, dass es gar nicht vordergründig um Geld geht, sondern darum, die grundlegenden Lebensbedürfnisse nicht Tag für Tag erkämpfen zu müssen.
"Es reicht nicht, den Menschen Geld zu schenken", zeit.de 11.5.20

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Corona trotzen und sich selbst und die Wirtschaft retten 
Dienstag, 12. Mai 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit, Management
Meditation hat in Corona-Zeiten Hochkonjunktur. Ein bisschen zur Ruhe kommen bei all dem Chaos und vielleicht noch Inspirationen tanken für das gerade marode Business? Der Podcast "Make it Mindful" geht in zwei Folgen im Dialog mit dem Zen-Lehrer Paul Kohtes den Fragen nach, wie wir uns in Krisenzeiten selbst retten können und wie wir die Wirtschaft retten können. Einfach mal zurücklehnen, zuhören und den Ideen erlauben, aus mehr innerer Tiefe aufzusteigen ...
Make it Mindful Podcasts 8.5.20

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Home Office ist für viele reizvoll 
Mittwoch, 6. Mai 2020 - Arbeit, Management
In den letzten Wochen wird viel über die soziale Isolation gesprochen, in der wir aufgrund der Corona-Krise alle stehen. Doch hat die Notwendigkeit, zuhause zu bleiben, für nicht wenige auch schöne Nebenwirkungen. Einer Studie zufolge arbeiten gegenwärtig rund 25 Prozent der Beschäftigen im Home Office, der Verband für Digitales Bitkom geht sogar davon aus, dass die Hälfte der Erwerbstätigen ihren Job zur Zeit von daheim erledigt. Eine repräsentative Umfrage zeigt: Etwa ein Drittel dieser Heimarbeiter wünscht sich auch für die Zukunft, mehr von zuhause aus arbeiten zu können. 64 Prozent der Befragten gaben an, mit Voranschreiten der Krise verstärkter auf digitale Kommunikation auszuweichen. Für die Unternehmen dürfte sich aus den aktuellen Erfahrungen, wenn das Geschäftsleben sich wieder erholt, viel Diskussionsbedarf entwickeln, denn was in der Krise funktioniert hat, dürfte sich danach nicht leicht wieder einkassieren lassen.
Fast jeder Dritte wünscht sich Homeoffice für immer, FAZ 21.4.20

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Welche Arbeit hat welchen Wert? 
Mittwoch, 29. April 2020 - Bewusstsein, Arbeit
Lohngerechtigkeit war schon immer ein Thema, doch in Corona-Zeiten wird besonders offensichtlich, welche Berufe unser Leben gerade tragen (und unter der Hand auch, welche vielleicht eher entbehrlich sind - über die Abwesenheit von Investmentbankern beispielsweise hört man gegenwärtig keine Klagen). In einem Interview mit dem Spiegel erhofft sich die Philosophin Lisa Herzog, dass wir aus den gegenwärtigen Erfahrungen lernen und vielleicht zu einer neuen Solidarität finden im Hinblick auf die finanzielle Wertschätzung von Berufen: "Es gibt eine grobe Diskrepanz zwischen den Einkommen und der Relevanz der Tätigkeiten, für die sie erzielt werden. Es gibt immer den Einwand, diese Wahrnehmung sei subjektiv. Aber das stimmt nicht. Im Moment sieht man sehr klar, was und wer gebraucht wird. Wir sehen derzeit, welche Berufe entscheidend dafür sind, das Leben am Laufen zu halten – und es tut sich eine ganz neue Logik auf: Es wird klar, wie systemrelevant Krankenschwestern, Pfleger, Mitarbeiter der Müllabfuhr sind. Ihr Ansehen steigt. Es geht nicht mehr primär um Macht und Status, wie Manager ihn haben. Ich hoffe, dass dieses kollektive Erlebnis uns länger prägt und wir uns bewusst machen, wie sehr wir alle voneinander abhängig sind." Herzog ruft nach einem Bewusstseinswandel und sagt: "Im Moment vergleichen sich viele Menschen über ihr Gehalt: Wie viel bin ich wert im Vergleich zu anderen? Wir sehen aber auch, dass soziales Ansehen, das Bewusstsein, was man für die Gesellschaft leistet, für viele eine zunehmend wichtige Rolle spielt und sie daraus Anerkennung ziehen." Ich würde in der Formulierung noch einen Schritt weiter gehen, denn das soziale Ansehen ist ja nur die äußere Schicht eines viel komplexeren Zusammenhangs. Die aktuelle Krise lädt uns dazu ein, viel grundlegender zu überdenken, was im Leben wesentlich ist. Und es geht nicht nur um eine formale Anerkennung, sondern darum wahrzunehmen, wie sehr wir alle verbunden sind im jeweiligen Wirken. Unser eigenes Leben ist möglich, weil andere Menschen in Bereichen tätig sind, die dieses Leben unterstützen.
Wie viel bin ich wert, im Vergleich zu anderen?, spiegel.de 13.4.20

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"Die Zukunft hängt von uns ab" 
Montag, 27. April 2020 - Bewusstsein, Wissenschaft, Arbeit
Für den Globalisierungskritiker David Graeber ist mit Corona eine neue Chance gekommen, den Status quo unserer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Organisation zu hinterfragen und uns jenseits der bisher gedachten Systemzwänge nach alternativen Zukünften zu strecken. "So viele grundsätzliche Fragen wurden lange nicht gestellt, weil man sie gar nicht formulieren konnte in der Sprache der neoliberalen Ökonomen. Die haben so getan, als wären sie im Besitz einer Wissenschaft, die sowieso schon alle Antworten kennt. Der Neoliberalismus ist in seinem Kern ein Mittel, um Leute davon abzuhalten, sich eine andere, abweichende Zukunft auszumalen – weil sowieso alles alternativlos ist. Aber vielleicht hängt die Zukunft in Wirklichkeit ja von uns ab! Genau das bemerken wir jetzt in dieser Krise. Die Frage ist nur: Was passiert danach?", sagt er in einem Interview mit der Zeit. Graebers letztes Buch "Bullshit Jobs" liest sich wie die Einleitung in die gegenwärtige Diskussion über systemrelevante Jobs und hält vor Augen, in welch' verkehrten Welt wir gewohnt sind zu leben. Denn die meisten Berufe, die in Zeiten von Corona den Rest-Alltag weltweit am Laufen halten, sind nicht die unzähligen stumpfen Bürojobs oder die der hochbezahlten Top-Manager, sondern jene schlecht bezahlten in Pflege und Betreuung, an den Kassen der Supermärkte oder bei Paketdiensten. Graeber spricht sich dafür aus, mehr darüber nachzudenken, wie wir leben wollen und welche Arbeiten uns darin stärken. Und er warnt vor den Versuchungen, schon wieder an ein Zurück zum früheren "Normalzustand" zu denken: "Um den Geist dann wieder in die Flasche zu kriegen, muss man viel Vergessensarbeit leisten. Man muss wieder vergessen, wer wirklich die Arbeit macht und dafür viel zu wenig verdient. Außerdem steht uns die allergrößte Krise noch bevor, der Klimawandel. Wir standen die ganze Zeit auf den Gleisen und ein Zug kam uns direkt entgegen. Und jetzt hat uns jemand brutal von diesen Gleisen gestoßen, das tut weh und ist schrecklich. Aber das Dümmste, was wir tun könnten, wenn wir wieder auf die Beine kommen: Uns wieder zurück auf die Gleise stellen, wo der Zug auf uns zurast!"
"Werden wir danach so tun, als sei alles nur ein Traum gewesen?", zeit.de 31.3.20

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Die Arbeit geht online 
Freitag, 27. März 2020 - Lebensart, Arbeit
Wohl nie zuvor haben so viele Menschen so spontan ihre Arbeit ins Virtuelle verlagern müssen. Home Office, vor einigen Wochen in vielen Firmen noch ein Thema mit viel Gesprächsbedarf, ist dabei, unter den Vorzeichen von Corona zu einem neuen Standard zu werden. Und man darf gespannt, ob diese Möglichkeitsräume bleiben werden, wenn die Krise wieder abflaut. Für viele Selbstständige werden Angebote via Videokonferenz nun zur Möglichkeit, wenigstens einen Teil ihrer Einnahmeausfälle zu kompensieren - indem sie beispielsweise ihren Musikunterricht oder Yoga-Stunden ins Internet verlagern. Als Freiberuflerin lebe ich seit Jahren sehr virtuell. Für uns im Team des evolve Magazins läuft gegenwärtig beispielsweise die Produktion der aktuellen Ausgabe wie immer, denn als verteiltes Team sind Videokonferenzen schon lange unser primärer Arbeitsmodus. Und wir halten seit Jahren viele Kurse rund um Meditation und Bewusstseinsentwicklung online ab. Dabei machen wir die Erfahrung, dass menschliches Miteinander auch im Angesicht eines Computermonitors eine besondere Tiefe entfalten kann. Vielleicht sind die Herausforderungen dieser Tage ja auch eine Möglichkeit, uns im virtuellen kulturell weiterzuentwickeln?
Selbst Yoga-Unterricht geht aus dem Homeoffice, spiegel.de 18.3.20

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