Politische Situation kann depressiv machen 
Dienstag, 21. Januar 2020 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Welche Auswirkungen politische Umstände auf die Lebensbedingungen von Menschen und vor allem auch ihre psychische Verfassung haben, kann man in Hongkong gegenwärtig wie in einer Art Straßenlabor erleben. Eine aktuelle Studie, die auch Daten einer zehnjährigen Langzeituntersuchung heranzieht, zeigt: Seit im vergangenen Jahr die Proteste und gewaltsamen Zusammenstöße mit der Polizei begonnen haben, haben fünf Mal mehr Menschen Depressionen entwickelt als in den Vorjahren. Und die Symptome Posttraumatischer Belastungsstörungen sind in der Bevölkerung um das Sechsfache gestiegen. Schätzungsweise jeder fünfte Hongkonger dürfte damit inzwischen unter psychischen Problemen leiden. Den Wissenschaftlern zufolge entspricht dieses Bild dem, was in Gesellschaften durch bewaffnete Konflikte oder terroristische Angriffe geschieht. Sicher wäre es interessant, solche Untersuchungen auch einmal in Ländern zu machen, in denen der politische Wahnsinn noch etwas zivilisierter vonstatten geht und Demokratien gerade am Kippen sind beziehungsweise eher autokratische Regierungen das Ruder übernehmen. Auf jeden Fall wird hier deutlich, dass die eigene Psyche in gewisser Weise alles andere als rein privat ist.
Proteste belasten die Psyche, spektrum.de 10.1.20

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Könnte höherer Mindestlohn Selbstmorde verhindern? 
Freitag, 17. Januar 2020 - Psychologie, Studien, Arbeit
Eine amerikanische Studie hat ein heißes Eisen angefasst und untersucht, ob es eine Beziehung zwischen dem Einkommen von Menschen und der Wahrscheinlichkeit, Suizid zu begehen, gibt. Die Wissenschaftler werteten Daten der Jahre 1990 bis 2015 über Suizide, Mindestlöhne und Arbeitslosigkeit aller US-Bundesstaaten aus. Und sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Erhöhung des Mindestlohns um einen Dollar die Suizidrate in der amerikanischen Bevölkerung um 3,5 bis 6 Prozent senken könnte. Bei einer Erhöhung um zwei Dollar soll die Verringerung sogar doppelt so hoch ausfallen. Der Kausalzusammenhang, den die Studie herstelle, ist in den Augen der Wissenschaftler zwar nicht wasserdicht, aber belastbar genug, um zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass höhere Mindestlöhne Leben retten könnten.
Kapitalismus tötet, taz 10.1.20

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Angst vor Entspannung 
Mittwoch, 15. Januar 2020 - Psychologie, Studien
Viele Studien zeigen inzwischen, wie Meditation auch in der Therapie von Menschen mit Depressionen oder Angststörungen helfen kann. Doch gerade unter diesen Zielgruppen gibt es auch so etwas wie eine Angst vor Entspannung. Eine amerikanische Studie hat dies wieder belegt und kommt zu dem Schluss, dass manche der Patient*innen Entspannung geradezu vermeiden, und dies aus gutem Grund. Wer in trüber Stimmung ist, wird durch negative Erfahrungen zwar in seiner Befindlichkeit bestärkt, doch trifft die Erfahrung gewissermaßen auf ein inneres Vorbereitetsein. Solche Patient*innen fürchten sich davor, in gelösterer Stimmung, wie sie sich durch Entspannung einstellen kann, von negativen Gefühlen überrascht und überrumpelt zu werden. Und genau deshalb vermeiden sie es lieber, sich diesem an sich positiven Zustand zu nähern.
Ganz entspannt? Für manche eher nicht, Psychologie heute 4.1.20

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Mit Achtsamkeit Ängste verlernen 
Dienstag, 14. Januar 2020 - Psychologie, Studien
In manchen Therapien ist ein Teil der Behandlung das Verlernen von Ängsten. Da diese jedoch leichter "gelernt" werden, als man sie hinterher wieder loslässt, sind solche Ansätze nicht immer von Dauer. Eine neue Studie zeigt nun: Wenn Menschen nur ein vierwöchiges Achtsamkeitstraining mit einer App durchlaufen, unterstützt das das therapeutisch begleitete Verlernen von Ängsten deutlich. Der Versuchsaufbau der Studie war allerdings ein vergleichsweise banaler, denn die Probanden wurden darauf konditioniert, dass bestimmte Bilder, die ihnen gezeigt werden, mit der Verabreichung schmerzhafter Elektroschocks verbunden sind. Das Angstsetting war ein zeitlich sehr überschaubares und die Angst nicht, wie im echten Leben so oft über Jahre "kultiviert". Einerseits finde ich es spannend zu sehen, in welch unterschiedlichen Szenarien Achtsamkeitsübungen positive Wirkungen zeitigen. Mir fehlt aber ein wenig der Weitblick bei vielen Ansätzen. Deutlich mehr interessieren würde mich beispielsweise, einmal in einer Langzeitstudie zu erforschen, ob Meditation nicht vielleicht als grundsätzliche Lebenspraxis betrieben, das Entstehen von Ängsten verringern könnte. Viele aktuelle Forschungsprojekte, die Achtsamkeit hypen, konzentrieren sich darauf, die Resultate einer womöglich nicht so dienlichen Lebensweise zu kompensieren - siehe all die Stressstudien, die gemacht werden. Wie wäre es, wenn wir uns mehr darauf konzentrieren, wie Lebensstile und kulturelle Gepflogenheiten sich ändern müssten, damit solche Reparaturen gar nicht möglich werden und Menschen einfach so ein zufriedenes Leben haben, beispielsweise indem meditieren so selbstverständlich wird wie Zähenputzen.
Achtsamkeitstraining hilft, Ängste zu vergessen, spektrum.de 8.1.20

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Große Unternehmen bremsen beim Home Office 
Freitag, 13. Dezember 2019 - Studien, Arbeit, Management
Nicht mehr so oft im Stau stehen, leichter Berufliches und Privates ausbalancieren - für viele Mitarbeiter ist das Home Office eine Möglichkeit, sich das Leben etwas leichter zu gestalten. Doch insbesondere große Unternehmen treten hier auf die Bremse. Eine repräsentativenUnternehmensbefragung des Prognos-Instituts zeigt: Es sind vor allem kleinere Firmen, die ihren Angestellten das Arbeiten von zu Hause aus ermöglichen. Am besten sind dabei die kleinsten Unternehmen aufgestellt. In Betrieben mit fünf bis neun Mitarbeitern können 75 Prozent derer, deren Arbeitsfeld es zulässt, mobil arbeiten. Bei Betrieben mit 10 bis 49 Mitarbeitern sind es noch 58 Prozent. In Großunternehmen mit mehr mehr als 1.000 Angestellten nur noch die Hälfte. Vor allem kleinere Firmen scheinen gezielt mit diesen Vorteilen um Mitarbeitende zu werben.
„Die Bremser sitzen im mittleren Management“, welt.de 6.12.19

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Ethische Messlatte hängt für Frauen höher 
Donnerstag, 12. Dezember 2019 - Studien, Arbeit, Management
Wenn es um die Beurteilung von Fehlverhalten geht, liegt im Business die ethische Messlatte für Frauen deutlich höher als für Männer. Amerikanische Wissenschaftler untersuchten mit 512 Probanden, wie diese das Fehlverhalten von männlichen und weiblichen CEO's bewerten. Ihnen wurden fiktive Zeitungsberichte vorgelegt. Darin ging es um fehlerhafte Autos. Mal legte der Fehler Inkompetenz der obersten Führung nahe, mal gezielten Betrug. Anschließend wurden die Probanden gefragt, wie hoch ihre Bereitschaft sei, bei dem Unternehmen noch mal ein Auto zu kaufen. War der fiktive CEO der Geschichte ein Mann, sank die Kaufbereitschaft bei den Befragten in gleichem Maße bei inkompetentem wie ethisch bedenklichem Verhalten. Wurde den Studienteilnehmenden hingegen eine Frau als oberste Chefin präsentiert, wollten deutlich weniger Probanden ein Auto kaufen, wenn die Ursache moralisches Vergehen war. Bei der Inkompetenz reagierten sie hingegen nachsichtiger als bei männlichen CEO's. Die Studie zeigt, welcher Gender-Gap im Hinblick auf die Bewertung von Moral zutage tritt. Wenn eine Frau lügt, scheint das doppelt schlimm zu sein.
„Frauen sind höhere Standards vorgeschrieben“, WiWo 6.12.19

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Arbeitsmarkt boomt, die Armut auch 
Dienstag, 10. Dezember 2019 - Studien, Arbeit
Die weltweiten Arbeitsmärkte haben sich seit der Finanzkrise 2008 zu großen Teilen erholt, die Beschäftigungsquoten sind längst wieder gestiegen. Die Lebensmöglichkeiten vieler Menschen scheinen sich dadurch allerdings nicht zu verbessern. Der von der Bertelsmann Stiftung kürzlich veröffentlichte Social Justice Index 2019 zeigt: In 25 von 41 Staaten der EU und der OECD stagniert das Armutsrisiko oder ist sogar gestiegen. Der Index untersucht jährlich, wie es in diesen Ländern um Armutsvermeidung, Arbeitsmarkt, Bildung, Gesundheit, Nichtdiskriminierung und Generationengerechtigkeit steht. Dieses Jahr gingen die Spitzenplätze an Island und Norwegen. Deutschland landet auf dem zehnten Platz. Die USA sind auf Rang 36 eines der Schlusslichter. Für Deutschland zeigt sich: Obwohl die Beschäftigungsrate von 2013 bis 2018 von 73,5 auf 75,9 Prozent gestiegen ist, hat sich auch das Armutsrisiko erhöht - von 9,4 auf 9,8 Prozent. Studien wie diese machen deutlich, wie einseitig es ist, vor allem aus den Arbeitsmarktzahlen etwas über gesellschaftliche Chancen ableiten zu wollen. Prekäre Beschäftigungen beispielsweise mögen gut für die Statistik sein, für die Menschen sind sie es nicht.
Armut trotz Aufschwungs an Arbeitsmärkten nicht gesunken, welt.de 5.12.19

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Stress und Hektik sind das neue Normal im Job 
Montag, 9. Dezember 2019 - Studien, Arbeit, Management
Viel zu viel arbeiten, keine Pausen machen, am Rad drehen - Stress und Hektik scheinen immer mehr zum Normalzustand der Arbeitswelt zu werden. Eine neue Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbundes mit 6.600 Befragten zum Thema "Gute Arbeit" zeigt: 53 Prozent der Arbeitenden fühlen sich häufig gehetzt. Ein Viertel schafft die Arbeit nicht in der vorgegebenen Zeit. Genau so viele Menschen machen deshalb kürzere Pausen oder lassen sie gleich ganz ausfallen. Bis zur Hälfte der Arbeitenden hat dabei den Eindruck, diese Belastungen nicht bis zur Rente durchzuhalten. Der DGB ist alarmiert, auch weil drei Viertel der Unternehmen die Belastungsanalysen zum Schutz der Gesundheit, die laut Arbeitsschutzgesetz vorgesehen sind, gar nicht durchführt. Die Arbeitswelt scheint sich hier auf ein besorgniserregendes Überlastungsniveau einzupendeln. Und immer noch wird, wenn Menschen schließlich aufgrund von zu viel Stress erkranken, versucht, diese Probleme im persönlichen Bereich zu lösen, beispielsweise durch Therapien. Auf die Couch müsste eigentlich einmal unser Verständnis von Arbeit und dem, was für Menschen verkraftbar ist.
Mehr Stress – und mehr psychische Erkrankungen, FAZ 5.12.19

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