Kampf oder Flucht? Das ewige Stress-Dilemma ... 
Donnerstag, 20. März 2014 - Arbeit
Der Mensch scheint für die Arbeitswelt von heute nicht gemacht zu sein. Während unsere Vorfahren große Herausforderungen mit Kampf oder Flucht begegnen konnten und nach solchen Phasen extremer Anspannung wieder zur Ruhe finden konnten, scheint der durchschnittliche Arbeitnehmer heute unter Dauerfeuer zu stehen. Die Arbeitsausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen stiegen in den letzten zehn Jahren um 40 Prozent. Zwar machten diese Krankheiten 2012 lediglich fünf Prozent aller Krankheitsfälle aus, führten jedoch zu zehn Prozent der Fehltage. Die Beratungsfirma Booz & Co. errechnete für 2009 Produktivitätsausfälle in Höhe von rund 225 Milliarden Euro. Die Krankenkassen starten zwar zunehmend Präventionsprogramme, investieren dafür aber gerade einmal 0,1 Prozent ihrer Budgets.
Der volkswirtschaftliche Schaden von Arbeitsstress, Die Welt 13.3.14


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Revolutioniert der 3D-Druck den Kapitalismus? 
Dienstag, 18. März 2014 - Arbeit
Seit Anfang des Jahres beginnen 3D-Drucker - Geräte, mit denen sich aus verschiedenen Materialien Gebrauchsgegenstände fertigen lassen - den Endkundenmarkt zu erreichen. Technische Bausätze für den Heimgebrauch sind bereits für ca. 600 Euro erhältlich. Für einen Philosophen wie Fritjof Bergmann, der mit seiner Idee der "Neuen Arbeit" bereits seit Jahren die Idee einer partiellen Selbstversorgung und damit Unabhängigkeit der Verbraucher von der Industrie durch im 3D-Druck selbstgefertigte Dinge propagiert, dürfte dies ein Grund zu Freude sein. Auch die taz feiert den technologischen Durchbruch und stellt in einem Beitrag erste Einsatzmöglichkeiten vor. Da die Inbetriebnahme eines solchen Geräts nicht nur diverse technische Kenntnisse, sondern auch die Fähigkeit zur 3D-Programmierung zur Voraussetzung hat, dürfte die neue Domaine zunächst vor allem ambitionierten Bastlern vorbehalten sein. Doch entstehen bereits die ersten professionellen Dienstleister, die beispielsweise die Fertigung von Ersatzteilen für Kunden anbieten.
Vom Copyshop zur Minifabrik, taz 9.3.14


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Einkommenskluft zwischen Mann und Frau in Deutschland besonders hoch 
Montag, 17. März 2014 - Arbeit
Frauen verdienen weniger als Männer - auf diese Tatsache richtet der jährliche Equal Pay Day einmal mehr die Aufmerksamkeit. Die Gründe für die Einkommensunterschiede sind schnell genannt. Frauen arbeiten häufiger Teilzeit, vor allem nach einer Babypause, und sind beruflich oft in wenigen lukrativen Branchen beschäftigt. In Deutschland sind die Gehaltsunterschiede dabei besonders deutlich. Während im OECD-Durchschnitt Frauen 15 Prozent weniger verdienen als Männer, sind es in Deutschland 21 Prozent. Eine Umfrage der Unternehmensberatung Accenture zeigt, dass nach wie vor flexible Arbeitszeitmodelle fehlen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern. Und es sind eben nach wie vor eher die Frauen, die zugunsten von Familie und Nachwuchs beruflich zurückstecken.
Deutschland weist Europas größte Gehaltslücke auf, SZ 5.3.14


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Sind Hartz IV und die DDR schuld an der Vermögensungleichheit? 
Freitag, 14. März 2014 - Arbeit
Die Welt widmet einen Beitrag der wachsenden Vermögensungleichheit in Deutschland. Dem Artikel zufolge besitzt ein Viertel aller Deutschen kein nennenswertes Vermögen oder hat gar Schulden. Als Ursache dafür sieht die Welt die Nachwirkungen der DDR-Geschichte, da die Menschen in den neuen Bundesländern durch deren politisches System kaum die Chance gehabt hätten, über die Jahrzehnte persönliches Vermögen aufzubauen. Als weitere Ursache werden die Hartz IV-Gesetze bemüht, die dazu geführt haben, dass die Bezieher zunächst einen Großteil ihres Vermögens verbrauchen müssen, bevor sie Geld vom Staat bekommen. Besaßen Arbeitslose 2002 im Schnitt noch rund 30.000 Euro, seien es zehn Jahre später nur noch 18.000 Euro gewesen. Nun, Vermögen sieht anders aus - auch schon vor Hartz IV. Der Artikel kommt aufgrund seiner Annahmen zu dem Schluss, dass es keine geänderte Steuergesetzgebung für mehr Umverteilung brauche, sondern wirtschaftliches Wachstum. Eine geschlossene Argumentationskette, kein Zweifel - aber man kann Fakten auch anders bewerten ...
Hartz-Gesetze ruinieren Vermögen vieler Deutscher, Die Welt 26.2.14


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Defizit-Perspektive der Ämter hilft Arbeitslosen nicht weiter 
Donnerstag, 6. März 2014 - Arbeit
Wenngleich die Arbeitslosenstatistik gegenwärtig recht gut aussieht, bleibt das Thema Langzeitarbeitslosigkeit nach wie vor virulent. Der Sozialpädagoge Dirk Kratz hat für seine Dissertation Langzeitarbeitslose befragt und erkundet, ob und in welcher Form die zuständigen Ämter sie unterstützen. Seine Einschätzung ist ernüchternd: Er kritisiert, dass Arbeitslose bisweilen wie Kinder behandelt würden, die Behörden eine recht funktionale Perspektive und die Ratsuchenden anwendeten und vielfach gar nicht versucht werde, an die bisherige Erwerbsbiographie der Betroffenen anzuknüpfen. "Das Problem liegt im Konzept, das dahinter steckt – oder, wenn man so will, in der Weltsicht der Ämter und der Arbeitsmarktpolitik. In den Jobcentern und Arbeitsagenturen arbeitet man mit einem ziemlich technischen Modell. Dessen Logik besagt, etwas verkürzt: Wenn jemand keine Arbeit findet, dann liegt das daran, dass ihm bestimmte Fähigkeiten fehlen …", so Kratz. Mit seiner Arbeit sensibilisiert der Pädagoge dafür, dass es nicht reiche, Menschen einfach in Jobs, die gerade verfügbar sind, zu qualifizieren - und beispielsweise durch die vergleichsweise kurze Weiterbildung Sicherheitskräfte heranzuziehen, die dann doch nur wieder prekär beschäftigt sind. Kratz plädiert dafür, in der Arbeitsvermittlung und besonders der Qualifizierung viel stärker an individuelle Biographien anzuknüpfen und die Fähigkeiten, die Arbeitslose mitbringen, stärker zu würdigen und auszubauen.
"Die Jobcenter richten großen Schaden an", Zeit online 24.2.14



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Mut zum Job-Patchwork 
Donnerstag, 20. Februar 2014 - Arbeit
Die Wirtschaftswissenschaftlerin, Kulturmanagerin und Berufsberaterin Beate Westphal ist bekennende Multijobberin. In einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung erklärt sie, warum ein Mix aus unterschiedlichen Job für mehr Freude und Entfaltung im Arbeitsleben sorgen könnte. Westphal weist gerne darauf hin, dass die Vorstellung, mit einem einzigen Arbeitsverhältnis sein Leben zu gestalten und sein Auskommen sicherzustellen, historisch erst durch die Industrialisierung und die damit verbundene Spezialisierung entstanden sei - früher habe Leben immer bedeutet, verschiedenen Tätigkeiten nachzugehen. Dem setzt die Beraterin entgegen: "Es ist illusorisch zu glauben, dass wir all unsere Interessen in einem einzigen Job befriedigen können." Ihr Tipp: Die eigenen Interessen und Talente betrachten und sich zu überlegen, welche davon sich auch in eine bezahlte Tätigkeit einbringen lassen. Da unser Sicherheitsdenken und pure Gewohnheit solche Gedankengänge nur allzu leicht verhindern, rät Westphal dazu, beim Sinnieren anzunehmen, man müsste fünf verschiedene Jobs machen - das durchbreche manche Denkblockade. Fragen könnten sein: "Was macht mir in meinem Leben Spaß? Wobei das oft gar nicht so einfach ist: Wir sind heute vernunftgeleitetes Denken gewohnt - über das nachzudenken, was uns Spaß macht, kommt uns fast ungehörig vor. Einfacher ist da für viele schon die Frage nach den eigenen Stärken zu beantworten: Was gelingt mir immer wieder gut? Wenn ich meine Talente und Interessen notiert habe, geht es darum, beides sinnvoll miteinander zu verbinden." Mit diesem Ansatz will die Berufsberaterin vor allem Menschen, die sich in ihrer Tätigkeit unterfordert fühlen, neue Perspektiven vermitteln. Sie denkt dabei an Hochqualifizierte, nicht an Menschen, die fürs nackte Überleben zu Multi-Jobbern werden, die beispielsweise mehrere 400-Euro-Jobs nebeneinander bedienen.
"Mit nur einem Job würde ich unruhig schlafen", SZ 12.2.14


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Spielerisch die Daumenschrauben anziehen? 
Dienstag, 18. Februar 2014 - Arbeit
Die taz berichtet in einem Beitrag sehr kritisch über den neuen Trend zum Spielen im Business, der unter dem Begriff Gamification immer stärkere Verbreitung findet. Firmen nutzen spielerisch angelegte Software, um ihre Mitarbeiter bei ihrer Arbeit zu motivieren - und meist auch deren Leistung zu messen. Die Programme werden nicht nur dazu genutzt, um Mitarbeiter in neuen Fähigkeiten zu schulen oder ihnen, beispielsweise im Support, Verhaltensänderungen zu vermitteln. Sie lassen es auch leicht zu, Ranglisten zur Leistung der Beteiligten zu erstellen. Was wiederum die Konkurrenz innerhalb von Unternehmen deutlich erhöhen kann. So weist die taz darauf hin, wie dünn die Linie zwischen Motivation und Manipulation ist. Bei Microsoft etwa hatte eine Software die Produktivität und die Arbeitsleistungen der Mitarbeiter bewertet und die Angestellten darauf basierend in die Gruppen "top performer", "average" und "poor" eingeordnet, was innerhalb der Mitarbeiterschaft zu viel Kritik geführt hatte, so dass das Unternehmen nun eine Software einsetzen möchte, die eher die Förderung von Team-Zusammenarbeit in den Mittelpunkt stellt.
Virtuellen Möhren hinterherhecheln, taz 10.2.14


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Wird die Festanstellung zum Auslaufmodell? 
Donnerstag, 13. Februar 2014 - Arbeit
Immer mehr Menschen scheinen jenseits der Festanstellung ihr berufliches Glück zu suchen, so dass die Wirtschaftswoche in einem Artikel bereits die Frage stellt, ob dauerhafte Arbeitsverhältnisse nicht dabei sind, zum Auslaufmodell zu werden. So ist in Deutschland die Zahl der Freiberufler in den letzten zehn Jahren von 783.000 auf 1,23 Millionen angestiegen. Ein Grund dafür: Flexibilität, Selbstverwirklichung und Abwechslung stehen bei den Selbstständigen besonders hoch im Kurs - und diese Rahmenbedingungen scheinen sie in einer Festanstellung immer seltener zu finden. Da Festanstellungen immer unsicherer werden, weil die durchschnittliche Verweildauer an einem Arbeitsplatz sinkt (nicht nur durch die Kündigung seitens des Arbeitnehmers, sondern vor allem auch durch den Abbau von Arbeitsplätzen), wird der Schritt in die Selbstständigkeit von immer mehr Menschen als gar nicht so risikoreich erlebt. Blieben laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in den 1980-er Jahren die unter 30-Jährigen im Schnitt noch 814 Tage bei einem Unternehmen, sind es heute nur noch 536 Tage. Die immer kürzere Beschäftigungsdauer zeigt sich auch in Spitzenpositionen. Blieben die Chefs der größten Konzerne in Deutschland 2011 noch 7,6 Jahre in ihrer Position, waren es 2012 schon nur noch 6,2 Jahre. Insgesamt wechselte 2012 jeder dritte Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber. Auf diese Bewegungen in der Arbeitswelt, die nicht zuletzt durch die heranwachsende Gen Y, die tendenziell mehr Freiheiten fordert als ältere Arbeitnehmer, immer stärker zu werden scheinen, versuchen viele Arbeitgeber bereits zu reagieren, indem sie die Rahmenbedingungen ihrer Beschäftigungsverhältnisse attraktiver zu machen versuchen. Was aber, wenn dies gar nicht die eigentliche Lösung ist? Vielleicht sollten wir damit beginnen häufiger zu fragen, wie sich unsere Vorstellungen von der Arbeitswelt insgesamt verändern sollten, damit die Arbeit noch zu uns passt?
Raus aus dem Hamsterkäfig, WiWo 4.2.14


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