Achtsamkeit meets Arbeitswelt 
Montag, 4. März 2013 - Wissenschaft
Die Stressspirale im Business führt dazu, dass immer mehr Unternehmen und Einzelpersonen sich mit dem Thema Achtsamkeit in der Arbeitswelt beschäftigen. So berichtet die FAZ über aktuelle Forschungen, beispielsweise die Evaluierung eines Trainingsprogramm für Mitarbeiter, in denen diese in Achtsamkeitsmethoden geschult werden und an dem sich sieben Unternehmen beteiligen. Zwar sind die Wirkungen solcher Programme wissenschaftlich erst in Ansätzen belegt, doch betonen Experten wie der Neurowissenschaftler Wolf Singer, dass Achtsamkeit grundsätzlich "immer gut" sei - schon allein, weil sie es Menschen erleichtere, sich nicht in den täglichen Anforderungen zu verlieren, sondern gestaltender mit ihrer Umwelt umzugehen. Der Neurowissenschaftler Ulrich Ott nimmt mit seinen Forschungen am Bender Institute of Neuroimaging vor allem Aspekte wie "die Regulation der Aufmerksamkeit, das Gewahrsein des Körpers, die Emotionsregulation und eine veränderte Selbstwahrnehmung“ ins Visier und bestätigt, dass Wachheit und Ruhe eine positive Folge regelmäßiger Meditation sein können. Da sich durch Achtsamkeitsübungen die Selbst- und Fremdwahrnehmung verbessere, könnten sie außerdem einen Beitrag zur Entwicklung von mehr Empathie leisten.
Die Entdeckung der Achtsamkeit, FAZ 18.2.13


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Vielleicht - ein Dilemma unserer Zeit 
Dienstag, 19. Februar 2013 - Wissenschaft
Die FAZ hat der neuen "Generation Vielleichtsager" einen interessanten Essay gewidmet. In dem Beitrag arbeitet die Autorin heraus, wie das Erbe der Postmoderne - die Fähigkeit, Pluralismus zu erkennen, zuzulassen und als positive kulturelle Entwicklung zu fördern - anscheinend immer mehr in eine Sackgasse der Unentschiedenheit führt. Der Beitrag beklagt die Unfähigkeit, klar Stellung zu beziehen und arbeitet heraus, wie immer mehr Menschen Ambivalenzen begegnen, indem sie sich einfach nicht mehr festlegen. Dann wird von der "Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen" gesprochen, vom "Ja, aber" oder vielen möglichen "Versionen der Welt". Der Artikel hält diesen Perspektiven einer vermiedenen Zuspitzung ein Zitat von Papst Benedikt entgegen, der 2005 beklagte, dass nichts mehr als "definitiv anerkannt werde" und das "letzte Maß nur das eigene Ich und seine Wünsche gelten lasse". Diese Indifferenz scheint in Zeiten überbordender Komplexität einer gewissen Notwendigkeit nicht zu entbehren, denn wer sich auf einen klaren Standpunkt beruft, schließt zugleich alles andere - was vielleicht doch eine Wichtigkeit hat - aus. Was aber wäre, wenn wir diese Unentschiedenheit einfach als Übergangsstadium sehen? Viele wissenschaftliche Ansätze zur Erwachsenenentwicklung zeigen uns nämlich, dass klare Urteile, wenn Menschen ihre Persönlichkeit weiterentwickeln, wieder möglich werden - und aus höherer Perspektive auch einen gänzlich anderen Sinn entfalten als beispielsweise die Klarheit traditioneller Gesellschaften, die kaum Räume jenseits von Urteilen vorsehen. Im Zen kennt man die Zwischenräume, in denen sich die Postmoderne verschanzt, nur allzu gut, doch Konzepte wie das wu wei - was so viel bedeutet wie Handeln im Nicht-Handeln - markieren geradezu das Gegenteil von Unentschieden- und Unentschlossenheit. Sie machen aus dem üblichen Entweder-Oder ein Sowohl-Als auch höherer Ordnung - dem Bewusstsein folgend, dass es in dieser Sekunde das Eine sein kann, in der nächsten jedoch bereits das Andere - oder vielleicht gar ein unbekanntes Drittes. Die hierzu notwendige Entscheidungsfähigkeit ist jedoch eine Qualität, die wachsen muss, die jeder Einzelne im Zuge seiner persönlichen Entwicklung ausbilden kann. Wenn die Übung gelingt, sind wir in der Lage, aus einer Präsenz im Augenblick zu handeln, die nicht mehr Fragmente gebiert, sondern aus einer Allgegenwärtigkeit schöpft. Das Eine ist dann so universell wie das Andere. Wir legen uns jetzt auf dies fest, um, wenn die Vorzeichen sich ändern, zu jenem zu wechseln. Der qualitative Unterschied: Wir sind uns des Ganzen und der Wechselbezüge zwischen seinen Teilen gewahr UND vermögen zu erkennen, was gerade jetzt "dran" ist. Anstelle von Beliebigkeit entwickeln wir eine Ambiguitätstoleranz, mit der wir der Schnelllebigkeit der Zeit genauso gerecht werden wie der Tatsache, dass ohne wirkliche Haltung konstruktiver Wandel nicht möglich ist.
Wir wollen lieber nicht - oder doch? FAZ 13.2.13


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Lebenserwartung hängt vom Lebensstil ab 
Dienstag, 12. Februar 2013 - Wissenschaft
Männer haben es nicht leicht - sie verschleißen sich im Job eher als Frauen und bezahlen dies mit einer um rund fünf Jahre kürzeren Lebenserwartung. Eine erste Tagung zum Thema Männergesundheit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat jetzt die Ursachen für diesen Gender-Gap ins Visier genommen. Dabei tritt zutage, dass die Lebenserwartung anscheinend mehr mit dem Lebensstil als mit der unterschiedlichen genetischen Ausstattung von Männern und Frauen zu tun hat. Die typisch männliche Risikokultur mit einer bereits früh antrainierten Wettbewerbshaltung scheint Männer stärker zu verschleißen als Frauen. Leben beide Geschlechter im Kloster, wo sie ähnliche Lebensstile pflegen, nähert sich die Lebenserwartung wieder einander an. Gleichzeitig wirkt sich auch die soziale Schicht und das dazugehörige Arbeitsumfeld auf die Lebenserwartung aus. Menschen, die ihr Leben lang weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verdienen, sterben statistisch gesehen um das 70. Lebensjahr, während gut Situierte statistisch beste Chancen haben, das 80. Lebensjahr zu überschreiten.
"Harte Männer" mit kranken Herzen, taz 3.2.13


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Lebensqualität mit neuen Indikatoren erfassen 
Freitag, 8. Februar 2013 - Wissenschaft
Die Enquete-Kommission des Bundestags zum Thema "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" hat ein Konzept vorgelegt, wie diese zentralen Parameter künftig besser erfasst werden können, denn bisher ist vor allem das Bruttoinlandsprodukt die zentrale Messgröße zur Verfasstheit des Landes. Künftig sollen Daten nicht nur zu materiellem Wohlstand erfasst werden, sondern auch zu sozialen Aspekten und Teilhabe sowie Ökologie. Insgesamt geht es um zehn Indikatoren, die Einkommensverteilung, Staatsschulden, Beschäftigung, Bildung, Gesundheit, Teilhabe am demokratischen Prozess, nationale Treibhausgase, Stickstoffüberschuss und Artenvielfalt mit betrachten sollen.
Geld kann nicht alles sein, taz 29.1.13


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Spagat zwischen Freiheit und Sicherheit 
Donnerstag, 17. Januar 2013 - Wissenschaft
Unter welchen Vorzeichen wird das Jahr 2013 stehen? Die Wirtschaftswoche ließ den Zukunftsforscher Horst Opaschowski zu dieser Frage ein wenig philosophieren. Heraus kam ein durchwachsenes Bild unserer unmittelbaren Zukunft. "Wir sollten Reserven für schlechte Zeiten bilden und Sicherheiten für Unvorhersehbares einplanen. Sicherheit hört auf, eine konservative Vokabel zu sein. Sicherheit wird sogar wichtiger als Freiheit. Nur wer sich absichert, kann frei sein", so eine Einschätzung des Zukunftsforschers. Zwar werde die Zukunftsvorsorge immer wichtiger, doch könnten sich diese gleichzeitig immer weniger Menschen leisten, weshalb neue Lebenskonzepte entstünden, bei denen Gesundheit wichtiger werde als Geld. Eine zentrale persönliche Strategie werde es laut Opaschowski: "Lieber gut leben als immer mehr haben." Die wachsende Unsicherheit am Arbeitsmarkt führt in den Augen des Zukunftsforschers dazu, dass die Loyalität der Mitarbeiter gegenüber ihren Arbeitgebern sinke. Gleichzeitig verschiebe sich der Fokus vieler Deutscher aufgrund der wachsenden äußeren Unsicherheiten nach innen auf das Private und die Familie: "Die Familie wird zur wichtigsten Lebensversicherung. Sie ist vertraut und verlässlich, billig und barmherzig. In Krisenzeiten bauen Menschen auch auf Wahlverwandtschaften und Wahlfamilien, Freundeskreise und soziale Konvois, also lebenslange Begleiter bis ins hohe Alter. Das können auch nette Nachbarn sein. So schaffen sich die Bürger ihre eigene Wagenburg, halten zusammen und driften nicht mehr auseinander."
"Krisen werden 2013 zum Alltag gehören", WiWo 30.12.12


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Gesundheitsmanagement lohnt sich 
Mittwoch, 16. Januar 2013 - Wissenschaft
Die Zeit beleuchtet in einem Beitrag, wie sehr Unternehmen und ihre Mitarbeiter von einem professionellen Gesundheitsmanagement profitieren können. Eine Studie der Texas A&M University, in der verschiedene betriebliche Gesundheitsprogramme verglichen wurden, illustriert, dass sich auf diesem Wege die krankheitsbedingten Kosten senken lassen, während sich gleichzeitig die Produktivität der Mitarbeiter sowie die Arbeitsmoral verbessern. Das Unternehmen Johnson&Johnson beispielsweise sparte durch Gesundheitsprogramme innerhalb von zehn Jahren rund 250 Millionen Dollar an Gesundheitsausgaben. Eine Untersuchung der Unternehmensberatung Towers Watson kommt zur Feststellung, dass die Kündigungsrate in Firmen mit Gesundheitsprogrammen bei lediglich neun Prozent liege, eine Zahl, die deutlich unter der Quote anderer Firmen bleibt. Beim Softwareunternehmen SAS sank die Kündigungsquote sogar auf vier Prozent. Damit Gesundheitsmanagement funktioniert, braucht es laut Texas A&M University Führungskräfte, die sich aktiv für entsprechende Programme einsetzen und so zur Teilnahme motivieren. Auch müssen die Programme auf die Ziele und die Identität des jeweiligen Unternehmens abgestimmt sein, und es muss genügend Zeit für ihre Umsetzung eingeplant werden. Auch sollten die Angebote kostengünstig sein und zu Zeiten stattfinden, die eine Teilnahme für die Mitarbeiter erleichtern.
Fitte Mitarbeiter machen sich bezahlt, Zeit online 28.12.12


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Die rationale Seite der Meditation 
Donnerstag, 10. Januar 2013 - Wissenschaft
Obwohl, nicht zuletzt durch die wachsende Burn-out-Problematik, sich immer mehr Menschen für das Thema Meditation interessieren, haben vor allem Skeptiker bisweilen daran zu knabbern, dass viele Meditationstechniken aus nichtwestlichen bzw. spirituellen Traditionen stammen, was die Frage aufwirft, wie passend diese für unsere westliche Lebensrealität sind. Der Neurowissenschaftler Ulrich Ott hat in seinem Buch "Meditation für Skeptiker" deshalb einen ganz rationalen Blick auf das Thema geworfen - was viele dieser "Skeptiker" anscheinend als sehr hilfreich erachten, denn das vor zwei Jahren erschienene Buch ist mit 20.000 verkauften Exemplaren inzwischen in der sechsten Auflage erhältlich. Ott liefert wissenschaftliche Fakten und erklärt, dass Programme wie die Mindfulness Based Stress Reduction für Einsteiger gut geeignet sind, weil hier die Kursleiter über eine nachvollziehbare Ausbildung verfügen und die Effekte des Programms wissenschaftlich bereits gut untersucht worden sind. Wenngleich Meditation für gesunde Menschen erfahrungsgemäß keine Probleme mit sich bringt, gibt es jedoch auch Risikogruppen: "Meditation kann riskant sein, wenn jemand bereits psychisch labil ist oder sehr viel meditiert. Durch die intensive Konfrontation mit der Innenwelt können viele Dinge hochkommen, mit denen man dann alleine vielleicht nicht fertig wird. Wenn Sie gesund sind und langsam einsteigen, dürfte das Risiko jedoch sehr gering sein." Unabhängig von möglichen "Gefahren" kann es für Einsteiger auch hilfreich sein, das eigene Verhalten, das sich durch die Meditationspraxis möglicherweise verändert, bewusst zu beobachten, denn: "Viele Meditierende berichten uns, dass sie durch ihre Übungspraxis mehr zu sich selbst finden, gelassener werden, authentischer und auch einfühlsamer. Es gibt aber sicher auch Fälle, wo Meditation zur Weltflucht benutzt wird, als Ego-Trip und eher in die soziale Isolation führt." Wissenschaftliche Beiträge wie dieser zeigen, dass Meditation, obgleich für viele Zielgruppen sehr hilfreich, kein Allheilmittel ist - und dass es immer auch auf die Selbstverantwortung der Meditierenden ankommt.
Die Wissenschaft der Entspannung, Welt kompakt 7.12.12.


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Stress vermeiden statt zu kompensieren 
Dienstag, 8. Januar 2013 - Wissenschaft
Die Entspannung nach der Auszeit zwischen den Jahren hält bei vielen Arbeitenden nur kurze Zeit - denn wenn das Business im neuen Jahr wieder auf Touren kommt, ist Stress meist vorprogrammiert. Immer mehr wissenschaftliche Studien legen nahe, dass man im Alltag am besten fährt, wenn man den Stresspegel erst gar nicht hochschnellen lässt, sondern von vornherein regelmäßig für kleinere Auszeiten sorgt. Regelmäßige Meditation kann, so ein Beitrag im Focus, hier besonders gut helfen, denn Methoden der Konzentration und inneren Fokussierung helfen nicht nur dabei, im turbulenten Alltag einen klaren Kopf zu behalten, sondern fördern auch die Gesundheit insgesamt. Einige der wichtigsten Effekte: "Das Gehirn hat Bereiche, die für positive Emotionen, für Glück und Freude zuständig sind. Häufiges Meditieren soll die Aktivität in diesen Gehirnbereichen verbessern können und so die Selbstheilungskräfte des Körpers in Gang setzen. Das Angstzentrum hingegen soll regelmäßiges Training verkleinern." Wer rund 20 Minuten pro Tag gezielt in Phasen der Stille investiert, kann - das bestätigt die Wissenschaft - schon nach acht Wochen mit konstruktiven Veränderungen im Gehirn rechnen.
Burnout, Angst, Schmerzen – Wie Sie die Mitte Ihres Lebens wiederfinden..., focus.de 6.12.12


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