Großes Unternehmen, große Karriere? 
Donnerstag, 26. März 2020 - Studien, Arbeit, Management
Großunternehmen waren viele Jahrzehnte als Arbeitgeber besonders beliebt - weil sie in der Regel höhere Gehälter zahlen können als kleinere Betriebe, oft bessere Aufstiegschancen bieten und viele hier ihren Arbeitsplatz als eher sicher betrachten. Doch in der jüngeren Generation zeigt sich auch, dass der Nachwuchs oft mehr mit kleineren Arbeitgebern sympathisiert - weil bisweilen die Hierarchien nicht so starr ist und man mehr bewegen kann. Eine amerikanische Studie hat nun untersucht, wo die Karrierechancen besser stehen und kommt zu dem Schluss, dass der Führungsnachwuchs, der bei einem großen Arbeitgeber einsteigt, langfristig die besseren Karrierechancen hat. Finanziell, weil Einstiegsgehälter eben meist höher ausfallen und dieser Startvorteil auch in der weiteren Karriere zu wirken scheint. Aber auch, weil junge Menschen gerade zu Beginn des Berufsleben im Unternehmen am meisten lernen und hierfür anscheinend in Großunternehmen die fördernden Strukturen besser ausgeprägt sind. Wer auf die genannten Aspekte besonderen Wert legt, weiß also, was zu tun ist. Gleichzeitig sei auch gesagt, dass diese Faktoren zwar einem konventionellen Bild von Karriere entsprechen dürften, aber viele andere Faktoren ausblenden. Work-Life-Balance, die Möglichkeit, auf dem kurzen Dienstweg Veränderungen anzustoßen oder auch eine breitere Allrounder-Qualifikation dürften hingegen in kleineren Unternehmen auch oder mancherorts sogar stärker gegeben sein. Wichtig scheint also insbesondere, was man selbst als gute Arbeitsbedingungen und eine Arbeit mit Perspektive versteht.
Warum Absolventen in großen Unternehmen starten sollten, WiWo 17.3.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Auf die Bedürfnisse statt aufs Wachstum schauen 
Freitag, 20. März 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Die ungleichen Einkommenschancen von Männern und Frauen am Arbeitsmarkt werden immer wieder zum Thema. Die Soziologin Gabriele Winker findet, dass es nicht ausreicht, nur über die unterschiedlichen Präferenzen der Geschlechter bei der Berufswahl zu diskutieren. Ihrer Erfahrung nach wird noch viel zu wenig betrachtet, dass die so genannte Care Arbeit, das Sorgen für die Familie, Haushalt oder die Betreuung von Verwandten, viel zu wenig als gesamtgesellschaftliches Thema wahrgenommen wird. Wo Care-Arbeit immer noch stärker von Frauen als von Männern wahrgenommen werde, müsse man über grundsätzliche Systemveränderungen nachdenken und vor allem über eine wirklich gemeinschaftliche Solidarität. "Nach wie vor wird die vor allem von Frauen ausgeführte unentlohnte Sorgearbeit in der Familie gesellschaftlich abgewertet und kaum unterstützt. Die Arbeitsteilung geht also mit einer Hierarchie der Geschlechter einher. Wenn wir das durchbrechen wollen, müssen wir die Trennung zwischen entlohnter und unentlohnter Arbeit aufheben. Dafür muss es uns gelingen, die entlohnte Arbeit zurückzudrängen. Zunächst bedarf es einer existenziellen Absicherung aller Menschen, beispielsweise durch das bedingungslose Grundeinkommen. Ferner muss Vollzeiterwerbsarbeit auf maximal 30 Wochenstunden begrenzt werden. Nur so bleibt Zeit für familiäre Sorge und auch Muße. Letztendlich plädiere ich für eine solidarische Gesellschaft: Eine solche Gesellschaft muss das Zusammenleben ausgehend von menschlichen Bedürfnissen gestalten, anstatt sich weiter an Wachstum und Profit auszurichten", sagt Winker in einem Interview in der Zeit. Gedankengänge wie diese sollten viel öfter öffentlich Beachtung finden, zumal die starke Fokussierung auf Erwerbsarbeit - die wachsende Zahl an Stresserkrankungen zeigt dies deutlich - beide Geschlechter immer mehr an die Grenze zur Überforderung bringt.
"Frauen wollen nicht nur Kinder gebären, damit andere sie betreuen", zeit.de 6.3.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Leistung beurteilen, ohne zu entzweien 
Donnerstag, 19. März 2020 - Studien, Arbeit, Management
Die Frage der Leistungsbeurteilung ist für Firmen ein schwieriges Feld. Einerseits möchten die die Leistungen ihrer Mitarbeiter beurteilen, doch zeigen Studien immer wieder, dass dies den Zusammenhalt in Teams aufweichen kann, wenn diese Bewertungen sich zu stark auf den Erfolg des Einzelnen beziehen. Denn dann ist jeder Mitarbeiter vor allem darauf bedacht, selbst möglichst gut dazustehen. Eine neue Studie zeigt nun, dass dieser Effekt sich leicht umkehren lässt, und zwar, indem auch prosoziale Handlungen der Teammitglieder sichtbar gemacht und mitbeurteilt werden. Wenn Leistungsbeurteilungen auch erfassen, wie gut Menschen im Team miteinander arbeiten, wie hilfsbereit sie anderen gegenüber sind und sich bemühen zu helfen, eröffnet dies einen tragfähigen Beziehungsraum, in dem Ellbogenmentalität weniger Chancen hat.
Warum Rankings schaden, HBM März 2020

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Jeder Dritte fühlt sich von Arbeit psychisch beeinträchtigt 
Donnerstag, 12. März 2020 - Studien, Arbeit, Management
Die gute Nachricht - zwei Drittel der Arbeitnehmer finden, dass ihnen ihre Arbeit psychisch gut tut. Doch das übrige Drittel leidet im Job. Gründe sind massive Überlastung, eine zu geringe Bezahlung und fehlende Unterstützung durch die Vorgesetzten. Im internationalen Vergleich, beispielsweise mit den USA, Kanada, Italien oder Schweden, zeigt sich dabei, dass die Deutschen sich besonders von der hohen Arbeitslast tangiert fühlen. Das sind die Erkenntnisse einer Umfrage des Karriereportals Monster mit 4.500 Personen. Beim Jobwechsel wird ein Drittel von der Aussicht auf mehr Gehalt getrieben, doch genauso viele wollen inzwischen wechseln, weil sie mit ihren Arbeitsbedingungen unzufrieden sind. Ein großer Teil der Arbeitenden erwartet inzwischen vom Arbeitgeber Engagement für die Umwelt und Werte wie Diversität, Gleichstellung und Inklusion.
Geld ist nicht alles, SZ 3.3.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Viel Arbeit, wenig Arbeit und das Leben dazwischen 
Dienstag, 10. März 2020 - Studien, Arbeit, Management
Die Statistiken zeigen, dass der Fachkräftemangel im Hinblick auf die Arbeitsbelastung der Angestellten deutliche Spuren hinterlässt. Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten 2018 mit 49,9 Wochenstunden am längsten Männer in der Land- und Forstwirtschaft und Fischerei. Selbst die kürzeste Arbeitszeit bei Vollzeitbeschäftigten, Männer in der Industrie, lag noch bei 40,4 Wochenstunden. Die viele Arbeit ist für die meisten in Ordnung. Nur 4,5 Prozent der Beschäftigten in der Land- und Forstwirtschaft würden ihre Arbeitszeit gerne verändern. In der Industrie sind es schon 8,2 Prozent. Es ist schwer zu sagen, ob der Grund dafür vor allem darin liegt, dass viele Menschen schlicht auf die Höhe ihres Einkommens angewiesen sind, oder ob vielleicht Berufe an der frischen Luft auch im Gesamtbild etwas weniger verschleißend sind. In der Kommunikation und Technologie würden immerhin gerne fast 6 Prozent ihre Wochenarbeitszeit reduzieren und zwar um 11 Wochenstunden. Das spricht schon eine deutlichere Sprache im Hinblick auf die alltäglichen Belastungen am Arbeitsplatz. Interessant ist gleichzeitig, dass viele Teilzeitbeschäftigte gegen ihren Willen weniger arbeiten. Fast jeder fünfte Mann in Teilzeit würde seine Arbeitsstunden gerne um im Schnitt 18 Wochenstunden aufstocken. Bei den Frauen haben gut 10 Prozent den Wunsch, im Schnitt knapp 13 Stunden mehr zu arbeiten. Hier scheinen die Arbeitgeber bewusst lieber mit vielen Wenigbeschäftigten zu arbeiten, um dadurch flexibler zu sein.
Arbeitszeiten in der Landwirtschaft am längsten, zeit.de 4.3.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Keine Lust auf Arbeit? Schuld ist der Chef ... 
Freitag, 6. März 2020 - Studien, Arbeit, Management
Nur jede zweite Arbeitnehmer geht gerne in die Firma, jeder dritte hat schon über Kündigung nachgedacht - und schuld daran sind die Chefs. Das zeigt eine Umfrage unter rund 1.000 Angestellten des Meinungsforschungsinstituts Forsa und des Beratungsunternehmens Porsche Consulting. In den Augen ihrer Mitarbeiter versuchen die Chefs zu viele Dinge gleichzeitig zu tun (45 Prozent), sind häufig gestresst (32 Prozent), loben zu selten (28 Prozent) oder behalten wichtige Informationen für sich (27 Prozent). Interessant ist auch - laut der Umfrage kommen weibliche Führungskräfte bei den Mitarbeitern besser weg als ihre männlichen Kollegen. Bei ihnen sind die beklagten Aspekte seltener so ausgeprägt.
Kündigungsgrund Chef – Die größten Fehler deutscher Führungskräfte, Welt.de 28.3.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Bei Führungskräften ist Land unter 
Donnerstag, 5. März 2020 - Studien, Arbeit, Management
Viele Führungskräfte hadern mit ihrem Job, wie eine Studie der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung (RMI) an der Universität Witten/Herdecke zeigt, für die knapp 1.000 Manager befragt wurden. 30 Prozent klagen über eine hohe Führungsbelastung, 20 Prozent finden, sie werden den eigenen Ansprüchen nicht gerecht, und 25 Prozent gehen so weit, dass sie glauben, als Mitwirkender eines Teams mehr beitragen zu können als in der Rolle des Chefs. Bei weiteren 25 Prozent der Befragten sind diese drei Aspekte zwar nicht so virulent, aber in Teilen auch gegeben. Die Studie zeigt auch: Je stärker belastet sich Führungskräfte fühlen, umso mehr sinkt ihr Vertrauen in ihre Mitarbeiter, was wiederum deren Demotivierung nach sich zieht. Ein Teufelskreis. Doch Belastungen offen anzusprechen oder gar um Abhilfe zu bitten, ist in der Führungsetage anscheinend nach wie vor ein Tabuthema.
Ein Drittel aller deutschen Manager steckt in der Krise, spiegel.de 28.2.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Wenn Fachkräfte fehlen, liegt es vielleicht auch am Geld 
Dienstag, 3. März 2020 - Studien, Arbeit
Immer wieder beschäftigt der Fachkräftemangel die unterschiedlichsten Branchen. Eine Analyse der Bundesagentur für Arbeit zeigt allerdings auch - gerade in den Berufen, in denen viele Kräfte zu fehlen scheinen, wird oft besonders schlecht bezahlt. Von den 52 Berufsgattungen, die die Bundesagentur untersuchte, trifft dies auch die Hälfte zu. In ihnen liegt das Durchschnittseinkommen unter dem, was Fachkräfte insgesamt im Schnitt verdienen. Fußpfleger kommen in Vollzeit beispielsweise gerade einmal auf einen Monatslohn von 1.800 Euro - drei Viertel von ihnen verdienen nur einen Niedriglohn. In der Fleischverarbeitung sieht es ähnlich aus mit einem Bruttoverdienst von 2123 Euro und 54,4 Prozent Arbeitnehmern im Niedriglohnbereich. Oft sind es gerade jene Branchen, beispielsweise auch die Pflege, die für viele Menschen sehr relevant sind, aber dennoch schlecht zahlen. Vielleicht sollten wir bei diesem Thema nicht nur über den Mangel sprechen, sondern auch über unseren Geiz, der zu diesen Zuständen führt.
Kaum gefragt und schlecht bezahlt, FAZ 24.2.20

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter