Lebenserwartung in Deutschland ist unterdurchschnittlich 
Montag, 26. November 2018 - Lebensart, Studien, Arbeit
Im Zuge der Rentendiskussion wird viel darüber gesprochen, dass unter anderem die steigende Lebenserwartung das System immer instabiler werden lässt. Die Global Burden of Disease Study, für die Daten aus 195 Ländern ausgewertet wurden, zeigt nun: In Deutschland ist die Lebenserwartung, verglichen mit anderen westeuropäischen Ländern, sogar sehr niedrig. Heute in Westeuropa Geborene haben eine Lebenserwartung von durchschnittlich 79,5 Jahren (Männer) und 84,2 Jahren (Frauen) - in Deutschland liegt sie bei Männern 1,3 und bei Frauen 1,2 Jahre darunter. Die Wissenschaft macht dafür verschiedene Faktoren verantwortlich. Eine ist die deutsche Ernährungsweise, die beispielsweise im Vergleich zur typischen Mittelmeerkost weniger gesund sei. Aber auch soziale Ungleichheit hinterlasse ihre Spuren. In der Eurozone seien die Vermögen nur in Litauen noch ungleicher verteilt als in Deutschland. Materiell unterprivilegierte Menschen scheinen indes zu riskanteren Lebensstilen zu neigen und sich ungesünder zu ernähren als der Bevölkerungsdurchschnitt. Hinzu kommen soziale Sorgen und Ängste, die ebenfalls auch die Lebenserwartung durchschlagen. In Deutschland sterben Männer, die an der Armutsgrenze oder darunter leben, durchschnittlich 10,8 Jahre früher als jene, denen es materiell gut geht. Es sind Zahlen, die nachdenklich machen, zumal im Gesundheitssektor immer wieder Bestrebungen zu erkennen sind, das solidarische Versicherungssystem stärker in Richtung individueller Vorsorge zu verschieben. Sicher, gesund ernähren kann sich im Prinzip jeder, aber ungesundes Convenience Food ist oft deutlich preiswerter, als den Kalorienbedarf mit frischen Lebensmitteln, bestenfalls sogar aus Bio-Anbau, zu decken. Und sozialer Druck ist ein kollektives Phänomen, das sich nicht durch ein bisschen Meditation zum Verschwinden bringen lässt.
Deutsche haben die geringste Lebenserwartung in Westeuropa, zeit.de 22.11.18

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Lieber weniger Arbeit als mehr Geld 
Donnerstag, 22. November 2018 - Lebensart, Studien, Arbeit, Management
Eine Umfrage der IG Metal zeigt, wie sich die Prioritäten der Arbeitnehmer verschieben. In der letzten Tarifrunde hatte die Gewerkschaft ausgehandelt, dass Angestellte für das kommende Jahr wählen können, ob sie eine Einmalzahlung in Höhe von 27,5 Prozent eines Monatsgehalts erhalten möchten oder lieber 8 zusätzliche freie Tage (wobei die Option der freien Tage bisher nur für Mitarbeiter mit Kindern, Menschen, die Angehörige pflegen, und für Schichtarbeiter zur Wahl steht). Die Umfrage in 1.400 Betrieben ergab, dass 190.000 Mitarbeiter für die freien Tage votierten. Ein Großteil der Nachfrage entfiel auf 140.000 Schichtarbeiter, 40.000 Metaller wollen die freie Zeit mit ihren Kindern verbringen und 10.000 sie nutzen, um Angehörige zu pflegen. Diese Entwicklung macht deutlich, wie sehr es den Menschen ein Anliegen ist, mehr über ihre Zeit verfügen zu können. Und dass sie von solchen Möglichkeiten Gebrauch machen, wenn sie nicht mit Einkommensverlusten verbunden sind, sie sich die freie Zeit also leisten können.
Hätten Sie lieber mehr Urlaub oder mehr Geld? SZ 13.11.18

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Erhöht Arbeitsverdichtung die Produktivität? 
Mittwoch, 21. November 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit, Management
Eine Kapitalgesellschaft aus Neuseeland sorgte kürzlich für Furore. In einem Test fand der Eigentümer heraus, dass seine Mitarbeiter an vier Arbeitstagen genauso produktiv waren wie sonst, wenn sie fünf Tage arbeiteten. Er hatte vorübergehend die Arbeitszeit reduziert und am fünften Tag bekamen die Angestellten frei. Nun überlegt er, diese Lösung zu einem dauerhaften Modell werden zu lassen. In der Wirtschaftswoche diskutieren nun Experten darüber, was von solchen Experimenten zu halten ist. Einigkeit herrscht darüber, dass anscheinend immer mehr Menschen gerne mehr freie Zeit für sich selbst hätten - und es durchaus lohnend finden, sich dafür an ihren Arbeitstagen mehr ins Zeug zu legen. Kritisch hinterfragt wird allerdings auch, wie tragfähig eine solche Verdichtung von Arbeitszeit langfristig sein kann. Sicher, man kann Meetings, die unnötig in die Länge gezogen werden, zeitlich beschränken. Man kann aufhören, am Smartphone rumzudaddeln und stattdessen arbeiten. Gerne wird aber auch übersehen, dass viele vermeintliche Produktivitätsräuber auch so etwas wie eine "Pausenfunktion" haben. Die Gehirnforschung zeigt, dass der Mensch nicht stundenlang hochkonzentriert arbeiten kann. Die Aussicht, einen freien Tag pro Woche "geschenkt" zu bekommen, kann natürlich zunächst eine enorme Motivation freisetzen. Die Frage ist, wie lange sich diese aufrechterhalten lässt. Und die Frage ist auch, ob solche Szenarien überhaupt wünschenswert sind. Immerhin denken sie den Menschen mehr oder weniger als Maschine. Vergessen wird dabei gerne, dass Maschinen regelmäßige Wartung brauchen. Laufen sie länger, verkürzen sich die Wartungszyklen. Bei der menschlichen Regeneration dürfte das ähnlich sein, womöglich sogar komplexer. Stressexperten zum Beispiel raten dazu, über den Tag verteilt immer wieder Pausen zu machen, da es wesentlich länger dauere, sich wieder zu erholen, wenn man erst einmal völlig ausgepowert ist. Solche Aspekte werden bei der neuen Diskussion um "Arbeitszeitverkürzung" bisher noch kaum differenziert betrachtet.
So klappt die Vier-Tage-Woche bei vollem Gehalt, WiWo 11.11.18

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"Mindfulness reloaded" bei der Karmakonsum Onlinekonferenz 
Dienstag, 20. November 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit, Management
Christoph Harrach, ein guter Bekannter von mir, organisiert seit vielen Jahren die Karmakonsum-Konferenz und hat damit über die Jahre ein enormes und inspirierendes Nachhaltigkeits-Netzwerk aufgebaut. Dieses Jahr habe ich die Ehre, bei der Karmakonsum Onlinekonferenz, die dieses Mal unter dem Motto "Innere Pfade der Nachhaltigkeit" steht, dabeizusein. Ich spreche mit Christoph über das Thema "Mindfulness reloaded: Wie Du von der Selbstverbesserung zur Ko-Kreation in Unternehmen gelangst". Die kostenlose Live-Ausstrahlung findet heute um 17 Uhr statt. Außerdem besteht die Möglichkeit, ein Download-Paket aller Konferenzbeiträge zu erwerben.
Zur Karmakonsum Onlinekonferenz

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Lügen wir weniger von Angesicht zu Angesicht? 
Montag, 19. November 2018 - Lebensart, Psychologie, Studien
Vom Blick auf Zahlen versprechen wir uns meist, dass diese Daten mehr Klarheit ins Leben bringen. Manche wissenschaftliche Studien wecken allerdings, zumindest in mir, Zweifel, dass dem wirklich so ist. "Gehirn&Geist" berichtete kürzlich über eine finnische Studie, derzufolge Menschen nach einem kurzen Augenkontakt mit ihrem Gegenüber seltener lügen. Der Augenkontakt reduziere die Lügenwahrscheinlichkeit um 8,5 Prozent. Ich bin keine Statistikerin, aber manchmal hilft auch die Nutzung des Alltagsverstands. In dem Versuch wurden 50 Studenten einbezogen. Sie hatten 60 Gelegenheiten zum Lügen und konnten Punkte sammeln, wenn sie dies taten, aber auch Punkte verlieren, wenn sie erwischt wurden. In der Hälfte der Fälle sah ihr Versuchsgegenüber sie zuvor an, in der anderen Hälfte blickte es weg. Gelogen wurde von den Probanden 11 Mal nach Augenkontakt und 12 Mal, wenn das Gegenüber zur Seite geschaut hatte. "Gehirn&Geist" spricht davon, dass der Augenkontakt einen "signifikanten Unterschied" ausgemacht habe, die besagten 8,5 Prozent. Vielleicht übersehe ich hier ja etwas, aber ein Unterschied von "1" in einem solche überschaubaren Setting mag einen errechenbaren Wert produzieren, aber hat dieser Wert in einem solchen Kontext auch wirklich die ihm zugeschriebene Bedeutung?
Blickkontakt macht ehrlicher, spektrum.de 12.11.18

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Nicht wirklich gerecht 
Freitag, 16. November 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Wie gerecht geht es in Deutschland zu? Eine Repräsentativbefragung zeigt: Nur 15 Prozent der Deutschen finden, dass es im Land in den letzten zehn Jahren gerechter geworden ist, 39 Prozent hingegen glauben, die Lage habe sich hin zu mehr Ungerechtigkeit verschoben. In den Augen von 42 Prozent hat sich nichts verändert. 59 Prozent empfinden den Zugang zu Bildung als gerecht, 56 Prozent die Gerichtsbarkeit. Generationengerechtigkeit sehen hingegen nur noch 34 Prozent als gegeben - genau so wenige sagen dies im Hinblick auf die Entlohnung hierzulande. Sogar 51 Prozent bemängeln eine Geschlechterungerechtigkeit.
So gerecht finden die Deutschen ihr Land, welt.de 8.11.18

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Der Stress der Selbstoptimierung 
Dienstag, 13. November 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
In wohl kaum einer Zeit zuvor hatten Menschen mehr Möglichkeiten, sich und ihr Leben nach den eigenen Wünschen zu gestalten. Wahlfreiheit und unzählige Optionen können uns aber auch enorm unter Druck setzen. In einem Interview mit dem Tagesspiel spricht die Schriftstellerin Juli Zeh über den vor diesem Hintergrund entstehenden Selbstoptimierungsstress. "Was tun mit dieser individuellen Freiheit? Aha, Selbstverwirklichung. Diesen Raum muss man dann auch füllen. Dass das mit enorm viel Druck verbunden ist, haben viele nicht bedacht. Die Chance wird zum Imperativ: Du musst deine Freiheit nutzen, du musst gut sein, glücklich sein. Die Biografie muss bis ins Letzte durchgeplant sein, nur keinen Fehler machen. Wie soll man sich denn entspannen, wenn man zu dieser Optimierung gezwungen ist", fragt Zeh. Einerseits kann einem diese Art der Herausforderung die innere Ruhe nehmen, andererseits wird vieles, was den Alltag Ausmacht, vor dem Hintergrund der eigenen Optimierungsphantasien zur Störquelle. Und das hat nicht nur Auswirkungen auf die persönliche Lebensgestaltung, sondern auch auf unsere gesellschaftlichen Beziehungen. Zeh warnt: "Es existiert ein Missverhältnis zwischen der Gelassenheit, die man erreichen möchte, und der Selbstoptimierung, die man verfolgt. Man will Störquellen ausschließen, nach dem Motto, ich bin ruhebedürftig, mich nervt das Kind, der Hund, das Handyklingeln. Wir neigen dazu, Dinge aus dem normalen Leben als Belästigung zu begreifen, die es abzuschaffen gilt. Letztlich steckt hier auch eine Ursache für Intoleranz gegenüber allem Fremden: sich darüber aufzuregen, was jemand anders macht, wie der aussieht, wie der sich benimmt."
"Ich bin eine gut bezahlte Arbeitslose", Tagesspiegel 5.11.18

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App, damit der Schädel nicht mehr brummt 
Montag, 12. November 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Studien
Regelmäßiger Kopfschmerz scheint für Studierende zu einer Dauerbelastung zu werden. Das legt zumindest eine Untersuchung der Barmer Ersatzkasse nahe, für die knapp 2.200 Datensätze ausgewertet wurde. Demzufolge leiden nahezu 75 Prozent aller Studentinnen und 57 Prozent der Studenten immer wieder unter Kopfschmerz. Jeder Dritte Betroffene fühlt sich dadurch schwer beeinträchtigt, nimmt man jene hinzu, die sich mäßig beeinträchtigt fühlen, sind das schon 900.000 Studierende. Die Barmer Ersatzkasse bietet vor diesem Hintergrund nun eine App an, mit der die Nutzer den Ursachen ihrer Kopfschmerzen auf den Grund gehen können.
Diese App hilft gegen Kopfschmerz, FAZ 1.11.18

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