Mut geht übers Ich hinaus 
Montag, 27. Januar 2020 - Bewusstsein, Arbeit, Management
Der Harvard Business Manager widmet seine aktuelle Ausgabe der Frage, was Mut ausmacht. Ich bin vor allem an den Betrachtungen von Kai Dierke und Anke Houben, Gründer von Dierke Houben Leadership Partners, hängengeblieben, denn in dem, was sie sagen, eröffnet sich meiner Wahrnehmung nach eine Perspektive, die vor allem unsere Beziehungen zur Welt in den Blick nimmt - und, wie wir uns dieser Welt auszusetzen bereit sind. Die beiden sprechen beispielsweise vom "Mut zum Nichtwissen" und dem Verzicht auf vorschnelle Urteile, davon, eine Gefolgschaft zu schaffen, die sich nicht an der eigenen Person, sondern an etwas Größerem orientiert, sich selbst als "Lernexperiment" zu sehen und den Panzer des Selbstschutzes zu durchbrechen und Verletzlichkeit zuzulassen. Es sind Haltungen, die einen Menschen öffnen. Und es sind Haltungen, die natürlich beunruhigen, weil man (Schein)Sicherheiten aufgibt. Und sie drehen sich nicht darum, etwas zu machen oder zu erreichen. Sondern sie deuten irgendwie auf eine andere Berührbarkeit.
"Mut ist Bescheidenheit", HBM 16.1.20

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Das Geschäft mit dem (mangelnden) Schlaf 
Donnerstag, 23. Januar 2020 - Lebensart, Psychologie, Arbeit
Fehlender Schlaf wird für viele immer mehr zum Problem. Und das nicht nur, weil sie zu viel arbeiten oder vielleicht abends zu lange am Computer daddeln. Denn immer mehr Menschen können einfach nicht mehr richtig schlafen (wozu die beiden genannten Gründe natürlich auch beitragen können). Schlafmittel, Schlaftracker, gute Matratzen - der Weltmarkt für Schlafhilfen beläuft sich auf einen Jahresumsatz von rund 63 Milliarden Euro. Das sagt viel. Der wunde Punkt: Wer unbedingt schlafen möchte, schafft dies erst recht nicht. Schlafmediziner fordern deshalb auch eine neue Schlafkultur. In einer Gesellschaft, in der jede*r stets und ständig beschäftigt ist, fällt das Abschalten einfach grundsätzlich schwer. Und kulturelle gelten jene, die mehr Schlaf brauchen oder wollen, gerne gleich als Minderleister. Manchen hilft zum Einschlafen Fernsehen. In den Augen von Schlafforschern ist das, zumindest wenn kein Actionfilm läuft, ein "wenig stimulierendes Ereignis". Das dumme an dieser Methode ist nur: Läuft der Fernseher weiter, wird der Schlaf nicht sonderlich erholsam sein.
„Wir wollen Patienten zu ihrer eigenen Schlaftablette machen“, WiWo 14.1.20

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Wie viel oder wenig Arbeit funktioniert und tut gut? 
Mittwoch, 22. Januar 2020 - Psychologie, Arbeit, Management
Die in der letzten Zeit immer öfter hochpoppenden Diskussionen über deutliche Reduzierungen der Arbeitszeit beflügeln manche Angestellte und lassen vielen Arbeitgebern eher die Haare zu Berge stehen. Aus der Arbeitspsychologie ist natürlich bekannt, dass kein Mensch acht Stunden am Tag hochkonzentriert durcharbeiten kann. Deshalb sind Arbeitspsychologen auch eher aufgeschlossen, wenn es darum geht, über eine Komprimierung von Arbeit nachzudenken - mehr erledigen in kürzerer Zeit und dafür längere freie Phasen. Dem menschlichen Organismus scheint das näher zu kommen als eine ausgedehnte Präsenzphase, durch die man sich mehr oder weniger durchschleppt. Gleichzeitig bergen solche Vorstöße auch Gefahren. Denn wenn das hochgetaktete Arbeiten nicht auf kürzere Phasen beschränkt ist, vergrößert sich die Gefahr von Erschöpfung. Innovative Firmen, die mit neuen Arbeitszeitmodellen experimentieren, nehmen sich zum Teil ein Beispiel an der Softwareentwicklung, wo Großprojekte systematisch auf kleinere Aufgabenpakete heruntergebrochen werden. Organisieren sich Firmen als Ganzes so, ist es gar nicht so schwer, auch Mitarbeiter, die ganz unterschiedliche Zeitvolumina arbeiten, in Teams zu integrieren. Insbesondere Arbeitgeber aus Branchen, in denen heute eher ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften herrscht, schreien indes auf, weil sie durch Arbeitszeitverkürzungen ja noch mehr Mitarbeiter, die sie bereits jetzt nicht finden können, bräuchten. Das zeugt jedoch, beispielsweise in Pflegeberufen, auch von einer Scheuklappenmentalität. Denn diesen Branchen ist auch nicht gedient, wenn die Mitarbeiter ständig über ihre Grenzen gehen und dann hinschmeißen. Insgesamt zeigen die aktuellen Diskussionen, dass Wandel ein sehr langsamer Prozess ist. Und ein sehr gewöhnungsbedürftiger. Aber je mehr Diskussionen es gibt, umso mehr wird sich vielleicht auch verändern.
Vier Tage arbeiten bei gleichem Gehalt – und die Firma profitiert auch, welt.de 13.1.20

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So viel Urlaub wie man möchte? 
Montag, 20. Januar 2020 - Arbeit, Management
New Work nennt sich der neue Hype, der die Arbeitswelt umkrempeln möchte. Alles soll lockerer werden, leichter und natürlich angenehmer. Manche Arbeitgeber locken beispielsweise inzwischen damit, dass Angestellte so viel Urlaub nehmen können, wie sie möchten. Aber wer arbeitet dann noch? Der Spiegel ist dieser Frage einmal nachgegangen - und kommt trotz aller blumigen Formulierungen der New-Work-Fans zu eher ernüchternden Ergebnissen. Nachfragen bei verschiedenen Unternehmen, die mit der nicht festgelegten Zahl an Urlaubstagen punkten wollen, zeigen nämlich: Im Schnitt bleiben, zumindest hier in Deutschland, viele der Angestellten sogar knapp unter der gesetzlich festgelegten Zahl an Urlaubstagen. Der Artikel geht auch auf die Gründe ein. Gerade in Leitungspositionen kann man nicht einfach sagen, "ich bin dann mal weg". Und in laufenden Projekten macht es sich auch nicht gut, mal für längere Zeit zu verschwinden. Der Ärger von Kollegen wäre einem sicher. Es scheint eher so, als würde die vermeintliche Freiheit schlicht neue Formen der Selbstkontrolle erzeugen. Und irgendwie ahnt wohl auch jeder, der noch so etwas wie Aufstieg im Sinn hat, dass es keine gute Idee ist, mal ein paar freie Tage draufzulegen. Für die Arbeitgeber hat das natürlich den Vorteil, dass sie sich nach außen mit einem tollen Programm präsentieren können und nach innen nicht mal zum Buhmann werden. Geschickt ist das allemal.
So viel bezahlter Urlaub, wie man will - wie geht das?, spiegel.de 10.1.20

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Könnte höherer Mindestlohn Selbstmorde verhindern? 
Freitag, 17. Januar 2020 - Psychologie, Studien, Arbeit
Eine amerikanische Studie hat ein heißes Eisen angefasst und untersucht, ob es eine Beziehung zwischen dem Einkommen von Menschen und der Wahrscheinlichkeit, Suizid zu begehen, gibt. Die Wissenschaftler werteten Daten der Jahre 1990 bis 2015 über Suizide, Mindestlöhne und Arbeitslosigkeit aller US-Bundesstaaten aus. Und sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Erhöhung des Mindestlohns um einen Dollar die Suizidrate in der amerikanischen Bevölkerung um 3,5 bis 6 Prozent senken könnte. Bei einer Erhöhung um zwei Dollar soll die Verringerung sogar doppelt so hoch ausfallen. Der Kausalzusammenhang, den die Studie herstelle, ist in den Augen der Wissenschaftler zwar nicht wasserdicht, aber belastbar genug, um zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass höhere Mindestlöhne Leben retten könnten.
Kapitalismus tötet, taz 10.1.20

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Weniger arbeiten wäre schön 
Montag, 13. Januar 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Arbeit
Wie groß unsere Sehnsüchte zu sein scheinen, die offizielle Erlaubnis zu erhalten, weniger zu arbeiten, zeigte kürzlich eine Falschmeldung, die in verschiedenen Medien und bei ihren Lesern auf enorme Resonanz stieß. Es ging darum, dass die finnische Regierung angeblich eine Vier-Tage-Woche mit Sechs-Stunden-Tagen einführen wolle. Die Zeit gibt sich in einem Kommentar zu dem Vorfall pragmatisch und listet eine ganze Reihe von Möglichkeiten auf, wie man die Arbeitszeiten wenigstens flexibler den Bedürfnissen der Arbeitnehmenden anpassen könnte. Interessanter finde ich, dass durch die Falschmeldung geradezu ein tiefes Luftholen unter gebeutelten Angestellten quer durch die Republik wahrnehmbar wurde. Denn in Kontexten, in denen sich Arbeit immer mehr verdichtet, geht es vielleicht schon lange nicht mehr darum, einfach etwas flexibler bis zur Erschöpfung zu schuften. Sondern Menschen haben wirklich zunehmend das Gefühl, zu viel, sprich zu lange im Verhältnis zu der Zeit, die ihnen für anderes bleibt, zu arbeiten. Und das deutet nicht nur auf ein Bedürfnis nach mehr Flexibilisierung - das heute durch die Hintertür oft mit unbezahlter und kaum wahrgenommener Mehrarbeit korreliert. Es geht eher darum, unsere Lebensperspektiven grundsätzlicher zu betrachten. Arbeit ist heute der Mittelpunkt unserer Leben. Aber muss das wirklich so sein? Fragen wird man ja noch dürfen ...
Es ist Zeit für radikale Flexibilität, zeit.de 9.1.20

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Führungskräfte kämpfen mit ihrer emotionalen Inkompetenz 
Dienstag, 7. Januar 2020 - Psychologie, Arbeit, Management
Wer es bis an die Spitze schafft, gilt als erfolgreich. Doch hinter den äußeren Business-Fassade sieht es für viele Menschen in Führungspositionen eher düster aus, weiß der Psychiater Christian Dog aus seiner Beratungspraxis. "Erfolg kann krank machen, das beobachte ich bei meinen Klienten seit vielen Jahren. Besonders dann, wenn die Karriere schnell und steil verläuft. Häufig ist die Entwicklung der Persönlichkeit und die emotionale Kompetenz viel langsamer als der berufliche Aufstieg. Dann werden sie in die ständige Überforderung befördert und versuchen, die Diskrepanz zwischen der wirklichen Leistungsfähigkeit und dem geforderten Arbeitsprofil zu überspielen. Das kostet ungemein viel Kraft. Ohnehin legen viele der von mir betreuten Managerinnen und Manager bei den 80-Stunden-Wochen und dem enormen Druck kaum Wert auf ihre psychische Gesundheit", erzählt er in einem Interview mit der ZEIT. Karriere funktioniere in den üblichen Businessstrukturen nur, "wenn man verhärtet und verdrängt". Dogs macht immer wieder die Erfahrung, dass Führungskräfte nur schlecht Zugang finden zu ihrem Gefühlsleben. Das sei nicht nur ungesund für die eigene Psyche, sondern auch fürs Geschäft, denn viele Entscheidungen werden, ob bewusst oder unbewusst, aus dem Bauch heraus getroffen. Dogs Gegenmittel ist es, den Menschen dabei zu helfen, zu mehr Selbstreflexion zu gelangen: "Wir sprechen über die wirklich wichtigen Dinge und Werte im Leben: über Liebe, Familie, Gesundheit. In einem zweiten Schritt versuchen wir dann, den Alltag bewusst zu verlangsamen, Geschwindigkeit und Druck rauszunehmen und damit den Rahmen zu schaffen, sich auf die emotionale Identität und chronisch ungeklärten Konflikte zu konzentrieren."
"Je höher Manager kommen, desto einsamer werden sie", zeit.de 27.12.19

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Belastungen der Mitarbeiter frühzeitig erkennen 
Montag, 6. Januar 2020 - Arbeit, Management
Stress und Burnout sind nicht nur aufgrund gestiegener Belastungen in der Arbeitswelt in den letzten Jahren zu einem großen Thema geworden, sondern auch, weil viele Unternehmen noch nicht den rechten Blick dafür entwickelt haben, wie sie ihre Mitarbeiter vor Überlastung sinnvoll schützen können. Der Start-up "Dear Employee" möchte hier helfen. Er hat ein Befragungssystem entwickelt, mit dem Firmen leichter erkennen können, wie es um die gesundheitliche und seelische Verfassung ihrer Angestellten steht. Die Online-Befragungen sollen Entscheidern einen Überblick geben, wo es in ihrem Unternehmen hakt. Denn nur wer überhaupt im Bilde ist, wie es den Menschen, die in der Firma arbeiten, geht, kann auch entsprechende Maßnahmen ergreifen.
Dieses Start-up will Angestellte vor Burn-out schützen, welt.de 22.12.19

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