Fünf Stunden im Job pro Tag reichen auch 
Donnerstag, 15. September 2016 - Arbeit
Der amerikanische Paddle-Board-Hersteller Tower hat mit einem ungewöhnlichen Vorstoß für Aufsehen gesorgt. Das 10-Mann-Unternehmen hat die tägliche Arbeitszeit auf fünf Stunden verkürzt. Die Mitarbeiter sind, von Ausnahmen bei höherem Arbeitsanfall abgesehen, nur noch von 8 bis 13 Uhr in der Firma. Firmengründer Stephan Aarstol ist allerdings kein Gutmensch, eher ein cleverer Pragmatiker. Das neue Arbeitszeitmodell basiert darauf, dass die Angestellten in der verkürzten Zeit doppelt so viel leisten, wie ein durchschnittlicher Arbeitnehmer den ganzen Tag. Ein Modell, das bei den Betroffenen auf positive Resonanz stieß. Und es scheint zu funktionieren. Der Jahresumsatz erhöhte sich jedenfalls von 7,2 auf 9 Millionen Dollar.
Ein Fünf-Stunden-Tag für alle, FAZ 8.9.16

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Amazon versucht sich an Arbeitszeitverkürzung 
Donnerstag, 8. September 2016 - Arbeit
Nachdem Amazon in den Medien wiederholt in die Kritik geraten war, weil das Arbeitsklima im Unternehmen durch starke Überlastung der Arbeitnehmer geprägt sei - und dies nicht nur im Hinblick auf die Mitarbeiter in der Logistik-Kette, sondern auch im Management - startet das Unternehmen nun einen Testlauf mit einer 30-Stunden-Woche. So sollen einige Technik-Teams inklusive ihrer Führungskräfte auf das Teilzeitmodell umstellen - bei gleichen Nebenleistungen für die Mitarbeiter und 75 Prozent des Gehalts. An dem Projekt nehmen zunächst nur einige Dutzend Mitarbeiter teil, die vor allem mit technischen Aufgaben im Personalbereich befasst sind.
Amazon testet die 30-Stunden-Woche, FAZ 27.8.16

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Verkürzte Arbeitszeit bedeutet mehr als weniger Arbeit 
Montag, 29. August 2016 - Arbeit
Zeit Campus ist einmal der Frage nachgegangen, wie sich verschiedene in Schweden lancierte Projekte zur Verkürzung der Wochenarbeitszeit auswirken. Vorstöße wie der in Göteborg, wo ein Altenheim zum Test die Wochenarbeitszeit von acht auf sechs Stunden reduzierte, sorgen in den Medien regelmäßig für Furore. Fehlende oder mangelhafte wissenschaftliche Evaluationen machen es indes schwierig, die Wirkungen solcher Versuche nachzuvollziehen. Im Fall Göteborg waren die Angestellten zwar um 20 Prozent zufriedener als in einem anderen Altenheim - doch wurde bei ihnen kein Vorher-Nachher-Vergleich im Zeitraum des Tests gemacht. Die Krankenrate sank mit der Arbeitszeitverkürzung um gerade einmal 0,6 Prozent. Im Sahlgrenska-Universitäts-Krankenhaus in der Nähe von Göteborg wird ebenfalls mit dem 6-Stunden-Arbeitstag experimentiert. Hier waren die Ideen des Projekts, die Arbeitsplätze attraktiver zu machen und die Fluktuationsrate der Mitarbeiter zu senken. Beide Ideen scheinen aufzugehen. Das Krankenhaus konnte außerdem, da aus einer 8-Stunden-Schicht nun zwei 6-Stunden-Schichten wurden, die Zahl der Operationen erhöhen. Das soll den Umsatz um 20 Prozent erhöhen. Bei den Mitarbeitern scheint der Vorstoß auf große Akzeptanz zu stoßen, da sie nun besser mit der hohen Belastung, die der Job, gleich wie viele Stunden man ihn macht, mit sich bringt, umgehen können. Auch schwedische Start-ups experimentieren mit kürzeren Arbeitszeiten - und das sehr pragmatisch. Da es eine Illusion sei, dass Menschen acht Stunden am Stück konzentriert arbeiten, tun sie es in solchen Firmen nur sechs Stunden - Kaffeepausen und ähnlicher Zeitvertreib entfallen dafür. Das ist die rationale Seite der Arbeitszeitverkürzung - die für Mitarbeiter, die gegen straffes Arbeiten nichts einzuwenden haben, natürlich auch mehr mehr Freizeit mit sich bringt.
Zwei Stunden mehr Leben, Zeit Campus 9.8.16

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Gefangen im Kapitalismus 
Montag, 8. August 2016 - Arbeit
"Das ganze System basiert auf Ausbeutung – Ausbeutung von Menschen und von Natur. Kaum etwas im Kapitalismus ist nachhaltig, auch wenn das ein neues Modewort ist. Selbst aus Subkulturen und Kapitalismuskritik entstehen noch neue Produkte", beklagt der Philosoph Patrick Spät in einem Interview mit der Zeit. Es scheint, als wären wir gefangen. Wissenschaftler und Aktivisten überbieten sich mit klugen Analysen, was am System falsch ist, nicht funktioniert - und organisieren Proteste. Doch irgendwie scheinen wir gefangen in diesem System, das sich selbst erhält, gleich was wir tun. "Krisen sind ja auch ein Geschäftsmodell, seit 2008 hat die Anzahl der Millionäre weltweit rapide zugenommen. Es gehört zu den Wesensmerkmalen des Kapitalismus, immer neue Verwertungspotentiale zu finden. Oder alte Verwertungspotentiale wieder zu nutzen – oft mit wahnsinnigen Renditen. Nach der Krise 2008 etwa hat eine Rückbesinnung auf reale Güter stattgefunden. Seither nehmen Land- und Watergrabbing weltweit stark zu", beschreibt Spät. Es scheint, als könnten wir keinen Schritt tun, der uns über die Grenze des Bestehenden hinausführt. Im Gegenteil: Viele Vorstöße lassen das, wogegen sie sich richten, sogar hochkochen. Arbeiter demonstrieren? Mal schauen, welche Jobs ohnehin von Robotern gemacht werden können ... Doch wie überwindet man ein System, in dem wachsende Vermögensungleichheit und damit Machtkonzentration den Normalzustand darstellen? Wir leben in einer Zeit, in der wir schmerzlich feststellen, dass das Erkennen von Problemen nicht unbedingt auch Lösungen hervorbringt. Im Gegenteil. Der Mindestlohn beispielsweise kommt scheinbar denen, die zu wenig haben, zugute, doch unterstützt er die Konsumstrukturen, die den äußeren Rahmen für die Ungleichheiten, die überwunden werden sollen, schaffen. Vielleicht sitzt der Schmerz über all die Sackgassen, die dieses System für so viele bereit hält, noch nicht tief genug. Vielleicht schmerzt es einfach noch nicht genug, dass wir immer wieder an diese Grenzen stoßen. Wie wäre es, wenn wir einfach nicht mehr mitspielen? Nicht als Lösung, als Versuch herauszufinden, was dann geschehen kann ...
"Das Bedingungslose Grundeinkommen wird uns nicht retten", Zeit online 29.7.16

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Meditation hilft, den Blick auf die Welt zu verändern 
Montag, 1. August 2016 - Arbeit
Der Focus erinnert seine Leser wieder einmal daran, wie gut es doch sein kann zu meditieren. In einer Kolume erklärt die Hypnosetherapeutin Kim Fleckenstein: "Meditation kann Ihnen dabei helfen, Ihren Blick auf Situationen und Menschen zu verändern. Sie lernen, Umstände zu akzeptieren, die Sie nicht ändern können. Und erkennen, was Sie stattdessen sinnvoller bewegen sollten." Fleckenstein beruft sich auf Studien, denen zufolge bereits drei Meditationseinheiten à 20 Minuten pro Woche ausreichen, "um das eigene Wohlbefinden zu steigern und ungenutzte Ressourcen zu aktivieren". An Tipps wie diesen ist natürlich etwas dran, denn wer selbst regelmäßig meditiert, weiß um die positiven Wirkungen. Zu meditieren, um etwas zu erreichen, ist allerdings auch eine zweischneidige Angelegenheit. In den spirituellen Traditionen steht dabei immer eine Überwindung der Ich-Bezogenheit im Mittelpunkt - und genau diese verändert den Blick auf die Welt und das Leben. Ob ein starkes Ich, das durchs Meditieren noch stärker werden will, einen ähnlichen Prozess durchläuft, ist eher fragwürdig.
Drei Mal pro Woche 20 Minuten: So macht Meditation glücklich und erfolgreich, Focus 20.7.16


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Grundeinkommen - ein Weg der Freiheit und Vernunft 
Donnerstag, 28. Juli 2016 - Arbeit
Sascha Liebermann, Professor für Soziologie an der Alanus Hochschule und Mitbegründer der Initiative "Freiheit statt Vollbeschäftigung" betrachtet im Nachgang der Schweizer Abstimmung über das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) grundlegende gesellschaftliche Perspektiven, die sich durch ein BGE wie auch die Diskussion darüber wandeln können. Er sieht im Grundeinkommen eine "umfassende Anerkennung der Bürger in einem Gemeinwesen", was die Idee des Solidarverbandes stärke. "Die Möglichkeit, etwas tun zu können, das einem gemäß ist, das man wirklich tun will, ohne auf das Einkommen schauen zu müssen, erhöht zugleich die Chance, dass etwas Vernünftiges dabei herauskommt", meint Liebermann. Darüber hinaus könnte das BGE das demokratische Selbstverständnis erheblich verbessern. Liebermann verweist hier auf den Widerspruch, dass die Volkssouveränität politisch betrachtet bedingungslos sei, im konkreten Wechselspiel zwischen Politik und Bürgern indes durch verschiedene Haltungen auch aufgeweicht werde: "Wenn wir die Verfasstheit der Demokratie in Deutschland wie anderswo betrachten, fällt eines auf: In ihrem Zentrum steht der Volkssouverän, vom dem alle Gewalt ausgeht. Den Volkssouverän bilden die Staatsbürger. Diese Stellung, Staatsbürger zu sein, wird bedingungslos vorgesehen, sie ist also von keiner Leistung abhängig. Ausdruck findet dies auch in den Grundrechten. In der Konsequenz heißt das, die politische Ordnung, in der wir leben, traut den Bürgern viel zu, sie vertraut auf sie und erkennt sie als ihre Legitimationsquelle. Das ist nicht im Einklang mit der Haltung, die den Bürgern in der öffentlichen Diskussion entgegengebracht wird. Das Misstrauen ist groß, ihre Mündigkeit wird in Zweifel gezogen. Direkte Demokratie wird deswegen für gefährlich gehalten, wie dies jüngst der Bundespräsident getan hat. In der Sozialpolitik sieht es nicht anders aus, sie geht davon aus, Bürger müssten 'aktiviert' werden, was eine anmaßende Unterstellung ist."
Interview der Alanus Hochschule

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Die Ambivalenz des Sinns bei der Arbeit 
Dienstag, 26. Juli 2016 - Arbeit
Der Unternehmensphilosoph und Experte für Sinn und Begeisterung Dominic Veken erklärt in einem Interview mit Good Impact, warum sinnstiftendes Unternehmertum viel mit der von sozialen Bewegungen bekannten Dynamik zu tun hat. Ein "gemeinsamer Geist" oder auch "gemeinsamer Spirit" ist in seinen Augen die Basis, weil er "einen gemeinsam antreibt, eine gemeinsame Überzeugung, an die man glaubt, und für die man bereit ist, zu kämpfen, aufzustehen und den Markt umzukrempeln". So wie Organigramme für die Hippie-Bewegung undenkbar waren, seien alte Hierarchien und Strukturen heute für Unternehmen eher eine Bürde denn hilfreich. In Vekens Augen wird Selbstbestimmung heute, nicht nur mit Blick auf die Sinnfrage, zur Notwendigkeit: "Die Beweglichkeit, die dadurch entsteht, ist in den heutigen Märkten des Wandels ganz entscheidend für den Erfolg." Der Zusammenhalt des unternehmerischen Ganzen liegt in den Augen des Philosophen nicht mehr in der Struktur, sondern in gemeinsamen Werten - und zwar in solchen, die nicht abstrakt bleiben, sondern real geteilt und gelebt werden. "Man muss eine tiefe Überzeugung herauskristallisieren und diese quasi in einer archäologischen Arbeit freigraben. Denn in den meisten Unternehmen gibt es schon eine Überzeugung, nur lebt danach kaum noch jemand, weil die einfach nicht bewusst und nicht sichtbar ist", so Veken. Beigeisterung, verstanden als "Gefühl, Teil von etwas Großem zu sein", stelle sich dann meist von selbst ein.
"Sinn spürt man", Good impact 15.7.16

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Kranke Arbeitswelt 
Freitag, 22. Juli 2016 - Arbeit
Die FAZ hat ein interessantes Streitgespräch zwischen den Sozialforschern Hartmut Rosa und Martin Dornes veröffentlicht, in dem beide der Frage nachgehen, ob der Kapitalismus krank macht. "In der Regel liegen die Probleme in einem großen Mittelfeld von Arbeitsplatzgestaltung, persönlichen Fähigkeiten und der Unfähigkeit, sich abzugrenzen", erklärt Martin Dornes und rät zu Arbeitsplatzmanagement und psychologischer Beratung. Rosa hingegen richtet den Blick vor allem darauf, wie die äußeren Umstände das menschliche Innenleben immer mehr aus der Bahn bringen: "Was macht die Menschen wirklich krank? Wenn die Menschen sich engagieren und merken, es kommt nichts zurück, entwickeln sie irgendwann eine zynische Haltung und bekommen Burnout. Wichtig ist doch: Anstrengung, schnell rennen müssen ist für die Menschen kein Problem. Das macht sie ganz bestimmt nicht psychisch krank. Es ist geradezu umgekehrt: Es ist ein Faktor für psychisches Wohlbefinden, dass man sich gelegentlich oder auch häufig sehr anstrengen muss, um ein Ziel zu erreichen. Dann bekommt man die Erfahrung: Ich habe etwas geleistet. Burnout kommt daher, dass man jede Ziellinie aus den Augen verliert. Die Chefsekretärin hat doch das Gefühl: Es ist egal, wie effizient ich heute arbeite, morgen wird es noch schlimmer, da kommt noch was drauf." Gerade diese Spirale des "Es ist eigentlich nie genug" könnte es sein, die letztlich nicht nur immer mehr Menschen krank werden lässt, sondern auch zu einer irgendwie kranken Kultur führt.
Macht der Kapitalismus uns krank? FAZ 6.7.16

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