Die positive Dynamik des Scheiterns 
Donnerstag, 30. April 2015 - Arbeit
Scheitern gilt immer noch als Makel, doch wenn wir es als Lernprozess betrachten, kann es uns weiterhelfen. "Es gibt zwei Selbstbilder, die unsere Haltung prägen. Das eine nenne ich 'statisch' - jemand glaubt, dass Fähigkeiten und Talent schon feststehen. Du hast sie, und das war es. Das Gegenteil nenne ich 'dynamisch', Menschen sind überzeugt davon, dass sich Fähigkeiten entwickeln lassen. Durch harte Arbeit, Strategien, mit Hilfe von anderen", erklärt die Psychologie-Professorin der Stanford-Universität Carolin Dweck im Interview mit der SZ. Diese Perspektive richtet den Fokus mehr auf das, was wir - auch durch ein Scheitern - werden können, als auf das, was wir bereits sind. Ein statisches Selbstverständnis kann leicht zum Gefängnis werden, da wir dann immer nur versuchen, das, was wir bereits können, zu reproduzieren. Im Mut zum ungewissen Ausgang hingegen wachsen wir über uns hinaus.
"Fehler sind unvermeidbar - und spannend!" SZ 23.4.15

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Management by Meditation 
Dienstag, 21. April 2015 - Arbeit
Glaubt man den Analysen des Zukunftsinstituts, ist Meditation nicht nur das neue Joggen, sondern - in Schlussfolgerung aus nicht näher genannten Harvard- und INSEAD-Studien - auch neben Intuition eines der "effektivsten Mittel zur Unternehmensführung im 21. Jahrhundert". "Während in den letzten Jahren auf die Sehnsucht nach Kontrast zum Work-Life-Balance-Stress vor allem mit einem Running-Boom reagiert wurde, zeichnet sich jetzt ab, dass Stillsein, Stillstehen, Stillsitzen zum neuen Laufen wird. Im Wunsch, das Stresslevel nicht noch weiter zu erhöhen, tauschen Manager den Marathon gegen das Meditationskissen. Auf diesem sitzend oder kniend geht es nicht um Bestzeiten und Performance, sondern um Anfängergeist an jedem neuen Tag. Hier müssen keine Wettkämpfe gewonnen werden, es geht nicht ums Messen mit den Arbeitskollegen oder um einen Firmenlauf. Es geht um das individuelle Finden von Klarheit, Orientierung und dem persönlichen Weg. Denn ein starker Wille alleine reicht heute nicht mehr aus, um Unternehmen und Mitarbeiter zu führen", so Anja Kirig in ihrer Trendanalyse. Interessant ist ihre Schlussfolgerung im Hinblick auf die Wirkung von Meditation über das Aufräumen in der persönlichen Innenwelt hinaus: "Meditation verändert Märkte. Ein anderes Denken wird in die Wirtschaftsordnung implementiert, das zu anderem Handeln führen kann: achtsamer, besonnener, empathischer, ausgeglichener, mehr auf Miteinander denn Gegeneinander gerichtet. Zusätzlich entsteht ein neuer Markt, der partiell andere überflüssig werden lässt. Der neue Markt basiert primär auf Dienstleistungen und dem Verkauf immaterieller Werte, weniger auf Konsumartikeln und materiellen Gütern. Potenzial ist da, bereits 2008 hatten laut Institut für Freizeitwirtschaft 29 Prozent der Befragten Erfahrung mit Meditation, jeder vierte gab an, es gerne mal ausprobieren zu wollen. Die Zahlen würden heute wesentlich höher ausfallen, insbesondere wenn Yoga, Tai-Chi, Mindfulness-Based Stress Reduction und andere stressreduzierende Praktiken mit berücksichtigt werden. Unsere 24/7-Gesellschaft, in der Multitasking selbst in der Freizeit mit First und Second Screen präsent ist, hungert nach Angeboten, die Ruhe, Entschleunigung, Authentizität bieten. Und da der Erfolg von und der Zugang zur Meditation keine Unterschiede zwischen Bildungsgrad, Herkunft, Geschlecht oder Alter macht, kann die Technik über das Dasein als Nischenprodukt definitiv hinauswachsen.."
Meditation: das neue Joggen, Zukunftsinstitut

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Wirksam sein statt oben stehen 
Montag, 20. April 2015 - Arbeit
Ein Beitrag der SZ beleuchtet das Dilemma aufstiegswilliger Führungskräfte, die in der Mitte ihres Berufslebens häufig feststellen müssen, dass es auf dem Weg nach oben nicht mehr weiter geht. Wenngleich alle vom Teamwork sprechen: Unternehmen funktionieren nach wie vor nach dem Pyramidenmodell - und an der Spitze kann eben nur einer stehen, so dass das vermeintliche Steckenbleiben im Mittelbau eher die Regel denn die Ausnahme darstellt. Der Psychologe Michael Ziegelmayer rät deshalb zum Umdenken: "Wir orientieren uns immer noch an einem Organisationsmodell, bei dem nur der Anführer der Gruppe zählt. Der Kopf der Pyramide eben. Dabei ist dieses Modell total archaisch, überholt, von vorgestern. Fast alle arbeiten heute in Teams, selbst die Leute ganz oben fallen ohne die von unten wieder runter. Das zeitgemäße Modell ist der Kreis." Für wen vor allem das mit dem Aufstieg verbundene höhere Gehalt im Vordergrund steht, dem rät der Psychologe, doch im Falle eines Karrierestaus einfach an der Börse zu spekulieren. Anerkennung wiederum könne man auch in anderen Kontexten finden: "In einem Ehrenamt kann fast jeder sein Feld finden, wenn er den Blick vom Beruf löst und nachdenkt, wo er sich nützlich machen kann." Ja, die Wirksamkeit scheint sich deutlich leichter erreichen zu lassen als der Chef-Sessel. Eine Bezugsgröße für die, die dennoch dem Aufstiegswillen des Egos lieber folgen: Von 500 Erstsemestern landet höchstens einer einmal im Vorstand.
Auf halber Strecke, SZ 10.4.15

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Meditation im Dienste des Kapitalismus 
Freitag, 17. April 2015 - Arbeit
Die FAS hat in einem sehr kritischen Beitrag die Meditations-Euphorie des Silicon Valley unter die Lupe genommen und kommt zu dem Schluss, dass der gegenwärtige Achtsamkeits-Hype eine beinahe schon perfekte Instrumentalisierung spiritueller Praktiken im Dienste des Kapitalismus darstelle. Autor Mark Siemons zitiert beispielsweise den Philosophen Slavo Zizek, der sagte: "Die westlich buddhistische Haltung ist vermutlich der effizienteste Weg, voll an der kapitalistischen Dynamik teilzuhaben und zugleich den Anschein geistiger Gesundheit zu behalten." Dieses Kalkül könnte indes, wenn Meditierende wirklich meditieren, also, wie es in einer Vipassana-Anleitung heißt, die Siemons zitiert, "tief in das Objekt hineingehen, um es zu beobachten", sich in sein Gegenteil verkehren: "Wenn man einen solch illusionslosen Realismus beim Wort nimmt, ahnt man, dass sein Potential über die Stabilisierung von Psychen und Systemen hinausgeht. Er braucht ja nicht bei der Vereinzelung der Introspektion stehenzubleiben, sondern kann seine Ungerührtheit auch auf den weiteren Kontext übertragen, auf den wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Zusammenhang, in dem das meditierende Ich steht."
Der erleuchtete Angestellte, FAS 12.4.15

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Mehr Mut im Umgang mit Depression kann helfen 
Freitag, 10. April 2015 - Arbeit
Im Interview mit dem KarriereSpiegel plädiert der Psychiater Ulrich Hegerl dafür, dass sich in der Arbeitswelt ein offenerer Umgang mit Depressionen etablieren sollte. "Depressionen gehören zu den häufigsten und am meisten unterschätzten Erkrankungen. Jeder fünfte Bundesbürger erkrankt daran mindestens einmal im Leben. Insgesamt leiden derzeit etwa vier Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression", so Hegerl. Er geht nicht davon aus, dass Depressionen in den letzten Jahren zugenommen haben, sondern eher, dass einerseits die Diagnosen besser geworden seien und andererseits depressiv Veranlagte heute durch die stark gestiegene Arbeitsbelastung früher in Schwierigkeiten gerieten. Um eine Stigmatisierung der Betroffenen zu vermeiden, gelte es, in Unternehmen die Sensibilität für die Thematik zu verbessern. "Führungskräfte können dazu beitragen, dass im Unternehmen eine Kultur vorhanden ist, in der sich kein Betroffener verstecken muss und jeder möglichst schnell professionelle Hilfe bekommt", so Hegerl.
"Depressionen werden oft geheim gehalten", KarriereSpiegel 30.3.15

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Achtsamkeit im Unternehmen - Zugangswege und Best practices 
Dienstag, 31. März 2015 - Arbeit
In der Februar-Ausgabe des Magazins ManagerSeminare haben Paul Kohtes und ich einen Artikel veröffentlicht, der zeigt, welche Formen der Meditation sich für den Einsatz in Unternehmen eignen und wie Firmen entsprechende Programme auf den Weg bringen können, die nicht allein bei der Innenschau verbleiben, sondern gezielt Anknüpfungspunkte an das daily business herstellen. In verschiedenen Best practices stellen wir dabei bereits erfolgreich erprobte Herangehensweisen vor, unter anderem zu resilienter Führung oder auch der Förderung der Achtsamkeitskompetenz im Vertrieb.
Kostenloser Download des Artikels

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Ökonomie der Fürsorge beginnt in unserem Inneren 
Montag, 30. März 2015 - Arbeit
Beim Weltwirtschaftsforum in Davos zeigte die bekannte Neurowissenschaftlerin Tania Singer in ihrer Keynote, die nun via Youtube verfügbar ist, dass ökonomische Veränderungen auch durch einen Wandel unseres Innenlebens angestoßen werden können. Mit ihrem umfassenden ReSource-Projekt erforscht sie gegenwärtig, welche Wirkungen unterschiedliche Formen der Meditation bei Gesunden hervorrufen. Erste Auswertungen der Daten legen dabei nahe, dass eine Achtsamkeitspraxis, die gezielt zwischenmenschliche Aspekte einbezieht, das Miteinander auch in der Arbeitswelt konstruktiv verändern könnte. In dem von Singer mitherausgegebenen Buch Mitgefühl in der Wirtschaft präsentieren Singer und weitere Fachkollegen umfangreiches wissenschaftliches Material, welche Grundlagen für eine Ökonomie der Fürsorge in unserem menschlichen Dasein bereits angelegt sind und wie sich diese gezielt im Kontext wirtschaftlichen Wandels mobilisieren lassen.

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink
Junge machen ihr eigenes Ding 
Donnerstag, 12. März 2015 - Arbeit
Die geänderten Präferenzen der Generation Y stellen immer mehr Firmen vor große Herausforderungen und das nicht nur, weil der arbeitende Nachwuchs sehr eigenwillige Vorstellungen von seiner Mitarbeit in einem Unternehmen hat, sondern auch, weil die Hochqualifizierten bestimmte Branchen zunehmend meiden. War es früher ganz klar, dass die erfolgreichsten BWL-Absolventen eine Karriere in einer der Top-Beratungen anstrebten, gehen viele von ihnen heute schon ganz andere Wege. Kleine Start-ups mit großer Handlungsfreiheit (bei oft geringem Gehalt) scheinen zunehmend den Top-Professionals-Nachwuchs abzuschöpfen. Die Süddeutsche stimmt schon den Abgesang auf die Ära der „Organisation Man“ an. Noch liegt der Paradigmenwechsel erst als Hauch in der Luft, doch Freiheit scheint unaufhaltsam zu einer ernstzunehmenden Währung im Business zu werden.
Lieber leben, SZ 14.2.15

[ Kommentar hinzufügen ]     Permalink

Zurück Weiter