Das Glück der Großzügigkeit 
Freitag, 21. Juli 2017 - Psychologie, Studien
Geben ist seliger denn Nehmen, das steht schon in der Bibel. Und lässt sich heute auch durch neurowissenschaftliche Befunde belegen. Eine Studie der Universität Lübeck zeigt, dass Geschenke an andere glücklicher machen, als wenn man sich selbst etwas Gutes tut. Im Vorfeld der eigentlichen Studie wurde den 50 Probanden versprochen, dass sie über vier Wochen lang jede Woche 25 Schweizer Franken bekämen. Die Hälfte der Studienteilnehmer sollte sich überlegen, wem sie damit etwas Gutes tun wolle. Die andere Hälfte sollte sich überlegen, was sie für sich mit dem Geld tun wollten. Vier Wochen später fand das eigentliche Experiment statt. Die Probanden erhielten 30 Franken und sollten sich überlegen, welchen Anteil davon sie jemand anderem zukommen lassen wollten. Dabei zeigte sich, dass die Probanden, die im ersten Teil der Studie sich auf Großzügigkeit verpflichtet hatten, bereitwilliger mehr gaben als jene, die sich zuvor mit einer Gabe für sich selbst beschäftigt hatten. Und sie fühlten sich dabei auch glücklicher. Die Bilder des Magnetresonanztomographen zeigten, dass bei den Spendablen die Gehirnareale, in denen altruistische Reaktionen ablaufen, stärker aktiviert wurden und darüber hinaus weitere Hirnregionen. "Unser Studie liefert damit verhaltenstechnische und neurologische Belege, die den Zusammenhang zwischen Großzügigkeit und Glück unterstützen", so die Folgerung der Forscher.
Großzügigkeit macht glücklich, wissenschaft.de 11.7.17

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Lieber Freizeit statt mehr Geld 
Mittwoch, 19. Juli 2017 - Psychologie, Studien, Arbeit
Studien zeigen immer wieder, dass eine wachsende Zahl von Arbeitnehmern gerne mehr Freizeit hätte und dabei auch auf finanzielle Vorteile verzichten würde. Eine Umfrage der Deutschen Bahn unter den rund 128.000 in Deutschland tariflich Beschäftigen zeigt nun ein ähnliches Bild. Die Belegschaft konnte wählen, ob sie eine Gehaltserhöhung wünscht, sechs Tage mehr Urlaub pro Jahr oder eine verkürzte Wochenarbeitszeit. 56 Prozent entschieden sich für den zusätzlichen Urlaub, eine kleine Minderheit für die Verkürzung der Wochenarbeitszeit. Der große Rest bevorzugte die Gehaltserhöhung - dies waren vor allem ältere Beschäftige, die zum Teil damit spekulieren, es sich so leisten zu können, früher in Rente zu gehen. Die große Resonanz auf die Option, ab 2018 weniger zu arbeiten, erklärt sich die Bahn mit den hohen Belastungen, denen die Belegschaft bereits ausgesetzt sei.
Nicht mal Geld ist den Bahnern so wichtig wie Urlaub, Welt online 11.7.17

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Offline-Rechte verbindlich regeln 
Dienstag, 18. Juli 2017 - Psychologie, Arbeit, Management
Nach Feierabend noch schnell mal ein paar berufliche E-Mails beantworten oder eine wichtige Anfrage vom Chef am Handy entgegennehmen - das gehört für eine Mehrheit der Berufstätigen längst zum Alltag. Und viele leiden darunter, weil der Job immer unberechenbarer das Privatleben okkupiert. Das gängige Arbeitsrecht bietet das wenig Schutz - zwar definiert es, dass Arbeitnehmer nach Feierabend nicht erreichbar sein müssen und regelt die ihnen gesetzlich zustehenden Ruhezeiten. Doch in der täglichen Praxis wird rund um die Uhr gemailt, telefoniert oder mit Whatsapp-Nachrichten gedrängelt, was das Zeug hält. Viele Arbeitnehmer trauen sich nicht, auf ihre Rechte zu pochen, aus Angst, dass darüber die eigene Karriere den Bach hinunter geht. Gregor Thüsing, Direktor des Instituts für Arbeitsrecht und Recht der sozialen Sicherheit an der Universität Bonn, fordert deshalb, dass Unternehmen die Frage der Erreichbarkeit mit ihren Mitarbeitern verbindlich regeln müssten. "Es geht darum, zu erarbeiten, welche geringfügigen Störungen der Freizeit wir hinnehmen wollen, was also zulässig sein kann und was eben eine Zumutung ist. Es müssen Hürden her, damit man einen Ausgleich zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberinteressen schafft", so seine Ansicht. Ihm geht es nicht darum, einfach neue Verbote zu schaffen. Wichtiger ist ihm, eine öffentliche Diskussion darüber anzustoßen, wer wann und warum nach Feierabend gestört werden sollte - und wann dies besser unterbleibt. Das nehme den Druck vom Einzelnen, der so immer wieder selbst entscheiden müsse, wie er mit der impliziten Praxis der ständigen Erreichbarkeit umgehe.
"Ein Recht auf Offline!", Zeit online 8.7.17

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Die Achtsamkeits-Hürde bei Männern 
Montag, 17. Juli 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Unzählige Studien belegen, dass Achtsamkeit das Wohlbefinden erhöht. Doch die meisten Untersuchungen werfen keinen Blick darauf, ob diese positiven Wirkungen bei verschiedenen Zielgruppen möglicherweise unterschiedlich ausfallen. Willoughby Britton von der Brown University warf nun einen genaueren Blick darauf, ob das Meditieren für Frauen und Männer vielleicht einen Unterschied macht. Die Ergebnisse ihrer Studie stimmen nachdenklich. An der Untersuchung waren 41 männliche und 36 weibliche Studierende beteiligt, die an der Universität einen 12-wöchigen Achtsamkeitskurs absolvierten. Insgesamt meditierten die Beteiligten so durchschnittlich mehr als 40 Stunden. Die Wissenschaftler maßen die Stimmung ihrer Probanden vor Beginn des Kurses und danach. Dabei zeigte sich, dass die Stimmung der Frauen sich in den drei Monaten deutlich verbessert hatte, die der Männer hingegen war etwas schlechter geworden. Erste Vermutungen der Forscher gehen davon aus, dass dieser überraschende Unterschied daran liegt, dass Frauen und Männer unterschiedlich mit Stress umgehen. Frauen neigen eher zum Grübeln, so dass das mit dem Meditieren verbundene innere Loslassen einen Wohltat sein kann. Männer hingegen seien es gewohnt, dem Stress innerlich auszuweichen und sich abzulenken. So könnte es sein, dass die Konfrontation mit ihrem Innenleben, die sich beim Meditieren einstellt, erst einmal zu einer Verschlechterung ihres Befindens führens, schlicht weil sie es nicht gewohnt sind, sich mit dieser Dimension auseinanderzusetzen. Inwiefern diese Zusammenhänge so zutreffen, müssen allerdings erst weitere Studien eruieren. Doch ist es spannend zu sehen, wie nach einer langen Phase der einhelligen Euphorie nun ein Differenzierungsprozess in der Meditationsforschung einzusetzen scheint.
Mindfulness meditation helps women but not men, first study suggests, The Telegraph 20.4.17


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Wer keine Hoffnung hat, greift lieber an 
Mittwoch, 12. Juli 2017 - Psychologie, Studien
Angriff ist die beste Verteidigung, weiß der Volksmund. Fünf Studien des Stanford-Psychologen Nir Halevy mit insgesamt 1.300 Teilnehmern legen nun nahe, dass diese präventive Aggression nicht unbedingt eine Folge von Ängsten sein muss, sondern oftmals eher der Hoffnungslosigkeit geschuldet ist. Der Wissenschaftler konfrontierte die Probanden mit verschiedenen Situationen und fragte danach, wie sie reagieren würden. Andere sollten ein Computerspiel spielen, bei dem es verschiedene Szenarien der Wahrscheinlichkeit gab, selbst angegriffen zu werden. Bei allen Studiensettings wurde deutlich, dass die Neigung, selbst prophylaktisch andere anzugreifen wuchs, sobald die Probanden ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit hegten.
Vorbeugende Angriffe, psychologie heute, 30.6.17

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Der Stress der ständigen Erreichbarkeit 
Dienstag, 4. Juli 2017 - Psychologie, Studien, Arbeit, Management
Nach Feierabend und am Wochenende unverhofft für dienstliche Belange erreichbar sein zu sollen, schafft den meisten Menschen Stress. Forscher der Universität Freiburg und des Instituts für Sozialwissenschaftliche Forschung München untersuchten nun im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums, welche Konstellationen hier als besonders störend empfunden werden. Für die Untersuchung wurden gut 200 Arbeitnehmer aus den IT-Bereichen fünf deutscher Unternehmen befragt. Sie sollten zunächst ihre Stimmung an einem Sonntagabend nach einem schönen Wochenende bewerten. Anschließend wurden ihnen mehrere Szenarien zur Bewertung vorgelegt: Der Chef ruft an, und möchte eine kurze Auskunft; er ruft an und verdonnert einen zu zwei Stunden Extraarbeit sofort; einmal wird für den Arbeitseinsatz ein Freizeitausgleich in Aussicht gestellt, das andere Mal nicht. Die kurze Unterbrechung des Wochenendes schlug den Probanden nur relativ gering auf die Stimmung. Der längere Arbeitseinsatz hingegen ließ sie in den Keller sausen - und zwar selbst bei jenen Arbeitnehmern, denen ein Freizeitausgleich geboten wurde. Besonders groß war das Stimmungstief bei jenen Angestellten, die am Arbeitsplatz nur geringe Flexibilisierungsmöglichkeiten haben. Doch auch jene, die flexibel arbeiten können und dabei auch Gestaltungsmöglichkeiten für ihre eigenen Interessen haben, werden unverhoffte Arbeitsaufträge zu Stimmungskillern. Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass es vor allem das Überraschende ist, das den Stress auslöst. Ständige Erreichbarkeit bringt also unter der Hand per se einen gewissen Stresspegel mit sich - mit dem Menschen, wenn ihre übrigen Arbeitsbedingungen akzeptabel sind, etwas besser umgehen können als jene, die sich bei der Arbeit ohnehin schon stark bevormundet fühlen.
Wie schädlich ist der Anruf am Sonntagabend? FAZ 20.6.17

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Wie sich Persönlichkeit verändert 
Dienstag, 13. Juni 2017 - Bewusstsein, Psychologie, Studien
Charakterzüge betrachten wir gemeinhin als etwas sehr persönliches. Und gleichzeitig folgt diese Persönlichkeit auch immer den größeren Strömen von Kultur und Zeit. Eine Studie, für die die Daten von 420.000 Wehrpflichtigen aus Finnland ausgewertet wurde, zeigt, dass sich Charaktermerkmale in den letzten Jahrzehnten sukzessive verändert haben. Die Verhaltensforscher der Universität Helsinki kommen zu dem Schluss, dass sich vor allem positive Züge verstärkt haben, unter anderem solche, die dem beruflichen Erfolg dienen. In dem Vergleich, der die Jahre 1962 bis 1976 umfasst, sind die durchschnittlichen Werte für Selbstsicherheit, Bedächtigkeit und Geselligkeit gestiegen. Diese Entwicklung deckt sich mit Erkenntnissen im Hinblick auf die Intelligenz-Entwicklung. Hier zeigt sich der so genannte Flynn-Effekt - mit jeder Generation wächst der Intelligenzquotient um 5 bis 25 Punkte. Auch wenn nicht klar ist, welchen detaillierten gesellschaftlichen Entwicklungen diese Veränderungen geschuldet sind, eine Entwicklung zum Besseren scheinen sie zu belegen.
Immer mehr dufte Typen unter uns, SZ 7.6.17


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Die Qual der Wahl - und das Grübeln danach 
Donnerstag, 8. Juni 2017 - Psychologie, Studien
Sich für etwas zu entscheiden, ist nicht immer einfach. Selbst wenn man alle Optionen gründlich prüft, kommt man später vielleicht doch noch zu dem Schluss, nicht die beste Wahl getroffen zu haben. Kanadische Forscher haben in drei Studien die Entscheidungsmuster von Menschen und ihre Zufriedenheit mit den getroffenen Entscheidungen getestet. Dabei zeigte sich: Lange abzuwägen, um die in den eigenen Augen beste Entscheidung zu treffen, ist überhaupt kein Problem. Doch grübelt man im Nachhinein noch einmal über die möglichen Szenarien und die entgangenen Optionen, trübt sich die Zufriedenheit. Besser sei es, nach einer getroffenen Entscheidung alle verworfenen Möglichkeiten einfach wirklich abzuhaken und sich über den Nutzen zu freuen, den die getroffene Entscheidung bringt.
Entscheiden ohne Reue, Psychologie heute 24.5.17

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