Mehr geschlafen, aber trotzdem nicht wirklich wach 
Montag, 29. Juni 2020 - Lebensart, Psychologie, Studien
Die Pandemie verändert unsere Schlafgewohnten. Das zeigt eine Studie aus der Schweiz, für die mehr als 400 Menschen befragt wurden. Insgesamt 75 Prozent der Befragten gaben an, im Zuge des Lockdowns länger als vor der Krise zu schlafen. Die Untersuchten verlängerten ihre Schlafdauer um bis zu 50 Minuten. Einer der Gründe dürfte sein, dass viele durch die Arbeit im Home Office die Anfahrt ins Büro sparen und deshalb morgens ein bisschen länger liegen bleiben können. Allerdings fühlen sich viele Menschen trotz erhöhtem Schlafpensum nicht ausgeruhter und oder schlafen sogar schlechter als gewöhnlich. Der Grund: Die mit der Krise verbundenen Sorgen.
Länger, aber schlechter geschlafen, spektrum.de 12.6.20

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Geht uns die soziale Energie aus? 
Freitag, 26. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Der Soziologe Hartmut Rosa hat sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht mit der Untersuchung der subtileren Dimensionen unseres menschlichen Zusammenlebens und seine Arbeiten zur Resonanz stoßen auf breites Interesse. Durch die Corona-Krise ist für ihn die Beschäftigung mit einem neuen Thema in den Vordergrund gerückt. Bei seinen Beobachtungen, was die Pandemie mit unserer sozialen Welt und uns macht, ist ihm aufgefallen, dass wir unter einem kollektiven Energieverlust zu leiden scheinen: "In den unterschiedlichsten Feldern finden sich Hinweise, die ich zusammendenken möchte. Individuell würde man von fehlender Antriebsenergie oder Motivation sprechen, und das erinnert an bestimmte Burn-out-Symptomatiken, bei denen es an jeder Form von Energie mangelt: Sie zeigen sich auch körperlich, es kann einfach unmöglich werden, eine Treppe hochzusteigen …" Wenngleich sich dieser Energieverlust zunächst einmal auf der individuellen Ebene und in den je persönlichen Leben zeigt, ist er für Rosa dennoch vor allem ein soziales Phänomen: "Mir scheint, dass gerade die Stillstellung der Welt durch Corona uns vor Augen führt, auf welche Weise unsere hochmobile Gesellschaft energiegeladen war. Fast alle waren permanent unterwegs, beruflich, privat, im Urlaub. Der Energieumsatz unseres Weltverhältnisses war schon allein deshalb gigantisch. Wenn meine Beobachtung zutrifft, dass viele jetzt das Gefühl haben, durch die tendenzielle Isolation ihre Energie verloren zu haben, dann bestätigt das nur die Vermutung, dass die Quelle, welche die Bewegungsenergie der Moderne erzeugt, nicht in den Individuen liegt, sondern in den sozialen Wechselwirkungen zu suchen ist." Ich bin schon sehr gespannt, ob er diese Gedanken weiterentwickelt und vielleicht irgendwann auch ein Buch daraus wird.
Leiden wir an einem gemeinschaftlichen Burn-out?, zeit.de 13.6.20

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Erste Studien zur Wirkung von Meditations-Apps 
Donnerstag, 25. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Der Markt für Meditations-Apps boomt, gerade auch in der Corona-Krise. Viele Anbieter werben dabei mit Wirkungen, die sie aus der Meditationsforschung ableiten. Doch viele dieser Studien beziehen ihre Daten aus Untersuchungen mit Menschen, die in Präsenzkursen meditieren lernen. Nun gibt es auch erste Untersuchungen, die messen, was die Nutzung von Apps wirklich bewirkt. Eine kleine Studie aus den Niederlanden maß etwa die Wirkungen einer App, die von einer Krankenkasse verbreitet wird, bei 191 Nutzern, die damit übten. Im Vergleich zu den Menschen auf einer Warteliste nach die Achtsamkeit der Übenden nach acht Wochen deutlich zu und ihre psychischen Symptome verringerten sich. Auch steigerte sich ihre Lebensqualität moderat. Die meisten Effekte hielten auch noch drei Monate später an. Eine weiterreichende Studie aus Neuseeland betrachtete die Wirkungen der Achtsamkeits-App Headspace und verglich mit einer Nutzergruppe, die eine Notiz-App genutzt hatte (sozusagen als Placebo). Die App-Nutzung dauerte zehn Tage mit jeweils 10 Minuten. Die Headspace-Nutzer*innen zeigten am Ende deutlich weniger depressive Symptome, Ängste und Stress als die Teilnehmenden der Kontrollgruppe.
Ommm! spektrum.de 15.6.20

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Zu viel Grübeln schadet dem Gehirn 
Dienstag, 23. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Intensives Grübeln und das Wälzen negativer Gedanken sind nicht nur dem psychischen Wohlbefinden nicht dienlich. Eine neue britische Studie zeigt nun auch, dass die negativen Denkschleifen anscheinend das Demenz-Risiko erhöhen. In der vier Jahre abdeckenden Untersuchung mit 360 Probanden, die 55 Jahre oder älter waren, wurde beobachtet, wie häufig Menschen sich in Denkmustern wie dem negativen Grübeln über Vergangenes oder in Ängsten vor der Zukunft ergehen. Außerdem wurde untersucht, wie sich die Gehirne der Probanden über die Zeit veränderten. So konnten die Wissenschaftler sehen, dass sich bei den starken Grüblern im Gehirn Proteinablagerungen zeigten, die mit Demenz in Verbindung stehen. Über den Zeitraum von vier Jahren stellen die Forscher auch fest, dass diese Grübler dann kognitive Störungen und Gedächtnisschwund entwickelten. Da Meditation einen Weg darstellt, aus solchen Grübelspiralen herauszukommen, starten die Wissenschaftler nun ein Projekt, in dem erforscht werden soll, ob Achtsamkeitsmethoden Menschen, die stark mit negativen Gedanken zu kämpfen haben, bei der Demenz-Prävention helfen könnte.
Negatives Denken erhöht das Risiko auf Demenz, Bayrischer Rundfunk 8.6.20

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Wie Corona die Psyche annagt 
Montag, 22. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Studien
Wir alle erleben es wohl in der letzten Zeit immer wieder einmal, wie uns die Auswirkungen und die mit der Corona-Krise verbundenen Beschränkungen in unseren Leben berühren und bisweilen auch tiefer beeinträchtigen. Der Soziologe Martin Schröder hat nun Daten einer britischen Erhebung zu Zeiten des Höhepunkts des Lockdowns ausgewertet, die zeigen, wie tief diese Veränderungen auf die Psyche wirken. Wo vor der Pandemie 17 Prozent der Briten von sich sagten, dass sie ihre Alltagsaktivitäten nicht mehr genießen können, waren es während des Lockdowns 45 Prozent. Das Gefühl, sich manchmal ziemlich nutzlos zu fühlen, kennt wohl jeder Mensch. Bei jenen, die diese Erfahrung schon gemacht haben, war die Wahrscheinlichkeit während des Lockdowns 3,2 Mal so hoch wie zuvor. Die Wahrscheinlichkeit von Konzentrationsproblemen erhöhte sich um das 2,4-fache. Unzufrieden zu sein oder sogar depressiv, diese Wahrscheinlichkeit verdoppelte sich. Wo sich vor der Pandemie 20 Prozent der Bevölkerung als besonders depressiv einstuften, stieg diese Zahl auf dem Höhepunkt des Lockdowns auf 30 Prozent. Die Pandemie verlangt uns vieles ab. Und vielleicht hilft es ja ein wenig zu wissen, dass man mit den entsprechenden Gefühlen hier nicht alleine ist.
Corona-Maßnahmen drücken aufs Lebensglück, spiegel.de 8.6.20

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Alkoholkonsum steigt in Corona-Zeiten 
Mittwoch, 17. Juni 2020 - Lebensart, Psychologie, Studien
Aus Einsamkeit oder Langeweile zum Alkohol greifen? Für einen nennenswerten Teil der Bevölkerung ist das in Zeiten der Pandemie zur neuen Gewohnheit geworden. Der Global Drug Survey mit mehr als 16.000 Teilnehmenden zeigt: 30 Prozent der Befragten gönnen sich seit einigen Wochen häufiger mal ein Gläschen mehr, und knapp elf Prozent berichten sogar von einem deutlich gestiegenen Alkoholkonsum. Rund jede*r Fünfte räumt sogar ein, wenn er oder sie trinkt, dann mehr als fünf alkoholische Getränke zu konsumieren. Die genannten Gründe: mehr Zeit und mehr Langeweile. Manche trinken mehr aus Stress oder weil sie sich einsam fühlen, für andere ist der Alkohol ein kleiner Stimmungsaufheller gegen depressive Gedanken. Am anderen Ende der Skala zeigt sich allerdings auch eine gegenläufige Tendenz, denn gerade die Menschen, die meist nur in Gesellschaft trinken, halten sich, allein in den eigenen vier Wänden, etwas zurück.
Alkohol aus Langeweile, Zeit.de 4.6.20

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Wenn Stille in der Tiefe wirkt 
Freitag, 12. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Meditation ist für viele Neueinsteiger schlicht eine Methode, um ein bisschen besser mit den Herausforderungen des Lebens zurechtzukommen. Umso mehr hat mich ein kürzlich in der Kirchenzeitung erschienener Beitrag berührt, in dem ein Autor über seine Erfahrungen mit einem Kontemplations-Retreat und den längerfristigen Auswirkungen auf sein Leben berichtet. "Ich hatte den Eindruck, in der Stille lernt man seine Mitmenschen besser kennen als im stundenlangen Geplapper. Man kennt sich auf einer anderen Ebene. Man spürt die Energie, die von jemand ausgeht", schreibt Andreas Kaiser. Und: "Die seltenen Gespräche waren die intensivsten Gespräche, die ich in meinem Leben geführt habe. Da ging es nicht um Äußerlichkeiten, das Auto, die Arbeit. Es ging um uns, was uns ausmacht." Für Kaiser war das Retreat auch eine Tür zu einem veränderten Leben, die sich hier öffnete. Im Alltag verzichtete er mehr und mehr auf Ablenkungen und Zerstreuungen, fühlte sich nicht mehr von Krimis, sondern von spirituellen Büchern angezogen und erlaubt sich mehr Langsamkeit, um am Leben nicht vorbeizusausen. Meditation mag viel bewirken, man sollte darauf gefasst sein.
Die Stille verändert, Kirchenzeitung 3.6.20

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Verzicht ist Freiheit, Mangel lässt uns ohnmächtig sein 
Dienstag, 9. Juni 2020 - Bewusstsein, Lebensart
Der Shutdown hatte für viele Menschen etwas Erleichterndes. Endlich einmal Zeit, weil viele Alltäglichkeiten einfach weggefallen sind. In der Philosophiegeschichte taucht der Rückzug immer wieder als produktiver Zustand auf. Ein Beitrag des Philosophie Magazins zeigt jedoch auch: Es macht einen großen Unterschied, ob dieser Verzicht (beispielsweise auf Kontakte oder Ablenkungen) selbst gewählt ist oder uns aufgezwungen wirkt. Die Isolation aus freien Stücken können wir als Freiheit erleben und das nicht nur aufgrund der vielleicht positiven Erfahrungen, die wir damit machen, sondern auch, weil wir den Zustand jederzeit wieder beenden können, also die Kontrolle über die Situation haben. Sind wir hingegen durch äußere Zwänge auf uns selbst zurückgeworfen, erleben wir eine analoge Situation vielleicht eher als Mangel und dies vor allem, weil wir an ihr nichts ändern können und ihr ohnmächtig ausgeliefert sind. Vielleicht ist es auch einfach eine Frage, wie viel inneren Widerstand wir dem, was (unvermeidlich) ist, entgegenbringen. Denn auch, wenn wir Umstände nicht frei wählen können, ist es uns natürlich möglich, sie zu akzeptieren - dann öffnet sich unsere Wahrnehmung vielleicht auch für die guten Seiten, die damit verbunden sein könnten.
Isolation als Kontrollverlust, Philosophie Magazin 22.5.20

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