Neue Ausgabe von evolve: Welche Lebensräume wollen wir? 
Donnerstag, 26. Juli 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Medien
Die Umgebung, in der wir Leben, prägt, wer wir sind - und umgekehrt ist sie auch ein Resultat dessen, was uns wichtig ist und was wir konkret tun. In der neuen Ausgabe von evolve - Magazin für Bewusstsein und Kultur zum Thema "Stadt & Land" fragen wir, was lebendige Lebensräume ausmacht, wie es um die Beziehung zwischen städtischen und ländlichen Räumen bestellt ist und welche Umgebungen der Entfaltung unseres Menschseins dienlich sind. Stadt, das bedeutet für viele Menschen ein Großraum sozialer Kontakte und vibrierender Kreativität - immer mehr sehen aber auch die Belastungen, die mit durchurbanisierten Lebensformen einhergehen, seien es Lärm und Abgase, zu viel Beton und zu wenig Grün oder schlicht die Tatsache, dass Wohnraum in angesagten Städten heute kaum noch bezahlbar ist. Das Land wiederum wird für mehr und mehr Menschen zum Sehnsuchtsort noch unberührter Idylle. Für die, die dort "festsitzen", ist es bisweilen eher eine Einöde mit einem Mangel an Nahversorgung und miesem Internetzugang. Und doch ist der Raum zwischen beiden Polen genau das, was unser Leben umspannt und ihm ein Heim gibt. evolve fragt danach, wie sich im Dialog zwischen all diesen Blickwinkeln Lebensräume gestalten lassen, die wirklich lebenswert sind.

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Die Pflicht kommt vor den Träumen - und wir bereuen es später 
Dienstag, 24. Juli 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, ist ein geflügeltes Wort. Und wenn es um unsere Träume geht, ticken wir ähnlich. Eine Studie zeigt: Im Nachhinein bereuen wir es oft mehr, unsere tiefsten Wünsche nicht erfüllt zu haben. Doch die Schamgefühle, die in uns aufsteigen, wenn wir unsere Pflichten verletzen, lassen uns uns eher auf das, was von uns erwartet wird, fokussieren. Das liegt laut der Studie daran, dass Scham sehr schnell und stark wirkt. Um diesem Gefühl auszuweichen, tun wir dann, was wir sollen. Unsere Träume zu vernachlässigen, ist indes eine eher persönliche Angelegenheit. Der Schmerz über Verpasstes stellt sich meist erst über längere Zeiträume ein. Und selbst, wenn er sehr stark ist - in unserem Handeln geht dennoch die Pflicht meist weiter vor. Es ist interessant, so vor Augen geführt zu bekommen, wie unsere Psyche im Abgleich mit gesellschaftlichen Konventionen tickt. Doch auch Automatismen wie diesen können wir bewusstes Handeln entgegensetzen. In der hier beschriebenen Konstellation hat das allerdings einen Preis, denn wenn wir unsere Träume so ernst nehmen wie das, was andere von uns erwarten, sind wir vielleicht nicht immer "Everybody's Darling" ...
Pflichten erfüllt, Träume vernachlässigt, Psychologie heute 11.7.18

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Gespräche machen glücklich 
Freitag, 20. Juli 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit
Wer regelmäßig die Möglichkeit hat, während des Tages mit anderen Menschen zu sprechen, ist glücklicher als wenn er eher nur für sich ist. Das zeigt eine neue amerikanische Studie, bei der rund 500 Probanden ihre Tagesabläufe protokollierten und dabei festhielten, wie oft sie welche Art von Gesprächen führten. Frühere Studien mit kleineren Teilnehmerzahlen legten nahe, dass Smalltalk zum Beispiel auf die Stimmung schlägt. In dieser Studie erwiesen sich die kurzen, belanglosen verbalen Interaktionen eher als neutral. In der neuen Studie zeigten sich lediglich die Probanden unzufrieden, die über den Tag hinweg keinerlei Gesprächsmöglichkeiten hatten. Das sollten Unternehmen vielleicht auch beim Thema Großraumbüro noch einmal überdenken.
Was uns glücklicher macht, spektrum.de 5.7.18

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Selbstmitgefühl setzt Kräfte frei 
Mittwoch, 18. Juli 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie, Arbeit
Die moderne Leistungskultur ist sehr individualistisch. Doch nicht jede Form des Selbstbezugs ist auch hilfreich. Wer eher narzisstisch hauptsächlich auf sich selbst schaut und nach dem eigenen Erfolg schielt, bringt sich womöglich in eine Haltung der inneren Isolation. Die Psychologie kennt jedoch noch andere Formen der Selbstzuwendung, die wesentlich dienlicher sind. Eine davon ist Selbstmitgefühl. Es ist eine Form der Selbstakzeptanz, die Fehler nicht nur als eigene Schwäche sieht, sondern als Teil der menschlichen Natur erkennt. Diese Weitung des eigenen Horizonts scheint uns auf subtile Weise mit dem größeren Raum des Lebens zu verbinden - und damit auch ungeahnte Ressourcen freizusetzen. Eine Studie zeigt etwa, dass Menschen in schwierigen Situationen - hier ein herausfordernder Test - sogar mehr Engagement und Motivation entwickeln, wenn sie zu Selbstmitgefühl fähig sind.
Warum man sich selbst mit Mitgefühl begegnen darf, spektrum.de 6.7.18

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Großraumbüros untergraben persönliche Kommunikation 
Dienstag, 17. Juli 2018 - Lebensart, Studien, Arbeit, Management
Im Großraumbüro sind die Wege kurz, was der Kommunikation zwischen den Mitarbeitern eigentlich zugute kommen sollte. So zumindest das Denken vieler Unternehmen. Eine Harvard-Studie bringt nun das Gegenteil ans Licht. Untersucht wurde das Verhalten von Mitarbeitern in zwei Unternehmen, die ihre Strukturen von Kleinbüros auf Großraum umgestellt hatten. In der Betrachtung der Kommunikation in den zwei Wochen vor und nach der Umstellung wurde deutlich: Sobald die Mitarbeiter im Großraumbüro arbeiteten, reduzierten sich ihre persönlichen Gespräche um 70 Prozent. Dafür nahm die Nutzung elektronischer Kommunikation via E-Mail oder Messenger um 20 bis 50 Prozent zu. Die persönliche Gesprächszeit fiel von 5,8 Stunden pro Tag auf 1,7 Stunden. Dafür wurden 56 Prozent mehr E-Mails und 67 Prozent mehr elektronische Sofortnachrichten verschickt, die zudem länger wurden als vor dem Umzug. Die Wissenschaftler deuten diese Verhaltensänderungen damit, dass Menschen in Großraumbüros neue Wege suchen, um ein bisschen Privatheit zu haben. Das sich Einigeln und unpersönliche Kommunizieren scheint hier dann eine der wenigen Rückzugsmöglichkeiten zu sein.
Großraumbüros lassen Mitarbeiter verstummen, spiegel.de 10.7.18

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Langeweile kann eine Kulturtechnik sein 
Dienstag, 10. Juli 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Wissenschaft
Langeweile hat meist einen schlechten Ruf. In Zeiten des permanenten Beschäftigtseins ist es uns oft unheimlich, wenn einmal nichts zu tun ist. Auch bei monotonen Tätigkeiten sucht etwas in uns gerne nach einer Ausflucht, nach etwas, das unseren Geist mehr fesselt und interessiert. Vielleicht sollten wir die Langeweile aber einfach einmal aushalten, denn, das zeigt ein Artikel in der Wirtschaftswoche, in diesem geistigen Raum des Nicht-gefordert-Seins wird eine Menge möglich. Studien etwa zeigen, dass Menschen, die zuvor eine sehr langweilige Aufgabe ausgeführt haben, anschließend wesentlich kreativer sind. "Man vergeudet Jahre, wenn man nicht in der Lage ist, Stunden zu vergeuden", soll der israelisch-amerikanische Psychologe Amos Tversky gesagt haben. Die temporäre Unterforderung des Geistes scheint ihn in Bestform zu bringen. Langeweile, dieser innere Raum frei von Ablenkungen, öffnet darüber hinaus eine Sphäre der Selbstbegegnung. "Fruchtbar wird die Langeweile, wenn ich, statt zu sagen: Etwas langweilt mich, zu der Erkenntnis vorstoße: Ich langweile mich", erklärt der Autor Norbert Bolz in seinem Buch "Lob der Langeweile". Vielleicht sollten wir uns bewusst viel öfter Zeit nehmen, um uns langweilen zu können ...
Ein Lob der Langeweile, WiWo 10.7.18

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Licht und Schatten des Psychobooms 
Donnerstag, 5. Juli 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
Wie sehr die Psychologisierung der letzten 50 Jahre unser Selbstverständnis heute prägt, ist wohl den wenigsten wirklich bewusst. Mal schnell zum Coach gehen, um eigene Schwächen zu analysieren und zu überwinden, oder zum Psychologen, wenn unsere Gemütsstimmung über längere Zeit düster ist, das ist für viele heute ganz alltäglich. Noch ein, zwei Generationen früher wäre das nicht denkbar gewesen. Der Psychoboom der letzten Jahrzehnte hat viel in unserem Menschsein geöffnet. "Verfahren des Psychobooms schließen in ihr Vorgehen Existenz- und Sinnfragen mit ein. Spiritualität ist in den meisten Ansätzen der humanistischen Therapien ein wichtiges Thema. Auch in der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie ist in den letzten Jahren ein 'spiritual turn' zu bemerken", heißt es in einem Dossier der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen. Doch diese verstärkte Zuwendung zur Tiefendimension unseres Daseins hat auch Kehrseiten: "Der Psychoboom hat durch die Ideologisierung therapeutischer Methoden zu einer teilweise übertriebenen Therapeutisierung des Alltags geführt. Störungen wie Depression, posttraumatische Belastungsstörung, Burn-out oder Narzissmus scheinen sich epidemieartig verbreitet zu haben und werden zum Teil immer noch eilfertig und undifferenziert diagnostiziert." Im Territorium zwischen oft notwendiger Heilung und Heilsversprechen wird der Boden leicht dünn. Ich finde es spannend, sich zu vergegenwärtigen, dass der Siegeszug des Psychischen uns einerseits als Menschen wachsen lässt, aber auch die Gefahr des übertriebenen Selbstbezugs in sich birgt. Und dass die Beziehung zu unserer Innenwelt uns für Größeres wie Spiritualität öffnen kann, uns aber auch anfällig dafür werden lässt, diese Dimension des Unverfügbaren mit unseren ganz persönlichen, kleinen Wünschen zu vermengen.
Dossier Psychoboom

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Die Gefahren unserer technologiegetriebenen Selbstüberschätzung 
Mittwoch, 4. Juli 2018 - Bewusstsein, Lebensart, Psychologie
"Wir werden zu Göttern", sagt der Historiker Yoval Harari, aber das ist nicht unbedingt eine gute Nachricht. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk spricht er über die neue Reichweite, die unser menschliches handeln durch Technologie erreicht: "Götter schaffen normalerweise das Leben, so ist es in den ersten Kapiteln der Bibel. Und das haben wir uns jetzt angeeignet. Und im 21. Jahrhundert schaffen wir plötzlich Körper, Gehirne und Seelen. Das heißt, wir stellen menschliche Wesen her, ob das nun Tiere sind, Menschen oder ganz neuartige Wesen, die es bisher auf der Welt noch gar nicht gab." Harari sieht dabei nicht nur die Gefahr, dass wir, was unsere Verantwortungsfähigkeit angeht, dieser neuen Macht vielleicht nicht gerecht werden. Er warnt auch davor, dass wir vielleicht schon kurz vor einem Umkehrpunkt stehen, an dem unsere Schöpfungen beginnen könnten, über uns zu herrschen. "Und wir sind sehr nahe dran, dass uns gewisse Algorithmen besser kennen, als wir Menschen uns selber kennen. Und dann verschiebt sich die Kontrolle des menschlichen Lebens von Menschen auf Algorithmen", sagt er. Das mag wie Science Fiction klingen, doch liegt ein wunder Punkt auch in der Tatsache, dass wir in vielen alltäglichen Lebenshandlungen schon unsere Eigenverantwortung an Technologie delegieren: "Wir Menschen haben ja schon sehr viele Dinge outgesourct sozusagen, übergeben an Algorithmen, sehr viele Fähigkeiten, die wir früher selbst ausgeübt haben. Wenn es beispielsweise darum geht, sich in einer fremden Stadt zurechtzufinden, also was die ganzen Navis angeht. Heute schauen wir auf unser Handy oder auf einen Navi, und nur noch so bewegen wir uns durch die Welt." Dort, wo wir immer weniger aus eigenen Kräften schöpfen, liegt es natürlich im Bereich des Möglichen, dass diese Kräfte irgendwann stärker sind als wir selbst. Ich finde den umgekehrten Blickwinkel spannend - zu erkennen, dass wir unsere menschliche Freiheit allein dadurch wahren können, dass wir in Freiheit handeln.
"Wir werden zu Göttern, aber zu sehr unverantwortlichen", Deutschlandfunk Kultur 27.6.18

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